P1170022Woche 1: Die ersten Tage sind geschafft

Wie ich letzte Woche verkündet habe, ist das Jahr 2015 für mich das Jahr eines ganz besonderen Experiments. Ich werde mich an so vielen Tagen wie möglich zuckerfrei und ohne Teig- und Backwaren ernähren. Jeden Mittwoch bzw. Donnerstag werde ich über mein Experiment berichten, über die Herausforderungen sprechen, die Hintergründe von Essenssüchten näher beleuchten, meine Alternativen für zuckerfreie und mehlfreie Rezeptideen vorstellen oder ganz einfach berichten, wie es mir geht und was ich gegessen habe. Den Anfang mache ich heute mit einer Zusammenfassung über den Start in mein Experiment.

Zuckerfrei leben – Mein Einstieg

Zugegeben, der Einstieg in mein zuckerfreies* Leben ging nicht ganz so einfach von der Hand, wie gewünscht. Tag für Tag habe ich den Beginn des Experimentes verschoben. Das kennen wohl viele, die schon einmal versucht haben, von einer Gewohnheit loszukommen. Man nimmt sich vor, dass ab morgen alles anders wird und am Tag der Wahrheit flüstert einem die Stimme im Kopf, dass es auf einen Tag ja auch nicht ankomme, und man ja auch erst morgen anfangen könne. So auch bei mir.

Denn eigentlich wollte ich schon am 27.12.2014 mit meinem zuckerfreien Leben starten. Tatsächlich begonnen habe ich dann doch erst am 1.1.2015, also ganz klassisch zu Neujahr – und das, obwohl ich von Neujahrsvorsätzen eigentlich nicht viel halte, weil diese ja meistens nicht lange durchgezogen werden. Nun gut, mein inneres Stimmchen war da anderer Ansicht und hat mich Tag für Tag überredet doch noch eine Ausnahme zu machen.

Und so bin ich also Tag für Tag los mit dem festen Vorsatz nur noch heute eine Ausnahme zu machen und habe mich – wie sicher ebenfalls die meisten „Esssüchtigen“ kennen – mit mehr Süßigkeiten und Nudeln eingedeckt als eigentlich nötig, ganz nach dem Motto: Wenn schon, denn schon, heute zählt´s. Das Ende der Fahnenstange: Der Druck alles noch am selben Tag auffuttern zu müssen (schließlich soll ja am nächsten Tag nichts mehr übrig bleiben, um nicht direkt in Versuchung zu geraten), ein schmerzender Bauch und der feste Vorsatz, dass ab morgen alles anderes wird:-)

Nun gut, das ging ein paar Tage so, so ist das nun mal, wenn man süchtig ist, Hauptsache ist, dass der Einstieg irgendwann geschafft wird und das habe ich! Seit dem 1.1.2015 also heute nun genau 7 Tage, nehme ich weder Zucker noch mit Zucker gesüßte Produkte zu mir, esse keine Teigwaren mehr, und es geht mir inzwischen blendend. Das war natürlich nicht immer so. Daher ein kleiner Einblick in meine erste Woche ohne Zucker.

Zuckerfrei leben Woche 1

Zuckerfrei leben Tag 1: Heute wird es ernst

Ich wache auf und weiß, dass es heute kein Zurück mehr gibt; sofern ich den Glauben an mich und meinen Willen nicht völlig verlieren möchte; schließlich habe ich den Start in meine Zuckerfrei-Challenge lange genug vor mir her geschoben. Doch heute soll es tatsächlich losgehen. Schluss mit den Ausreden, sonst kann ich mir irgendwann wirklich nicht mehr selbst trauen.

Helfend entgegen kommt mir der Umstand, dass heute an Neujahr die Geschäfte geschlossen haben und die Tankstellen zumindest in meiner nächsten Umgebung, anders als in Deutschland, nicht prall mit verführerischen Dingen gefüllt sind.

Erstaunlicherweise verläuft die erste Hälfte des Tages dennoch ziemlich problemlos. Dank des überfüllten Magens vom Vorabend hält sich mein Appetit in Grenzen und tagsüber bin ich es sowieso gewohnt mit wenig und gesunden Nahrungsmitteln auszukommen. Es gab also wie so oft, erst eine Runde Sport und beim ersten Hunger gegen 12 Uhr einen grünen Smoothie. So hatte ich mir das vorgestellt. Auch bis zum Nachmittag brauchte ich nicht viel, erst gegen Abend, der Zeitpunkt an dem ich gewöhnlich meine Hauptmahlzeit einnehme und ich die vergangenen Tage meinem Suchtverhalten gefrönt hatte, stellte sich herausfordernd heraus.

Trotz eines leckeren von Jens gekochten Reis-Gemüse-Gerichts mit einer Curry-Erdnusssoße wurde ich nicht richtig satt. Und auch, wenn mein Magen bereits gefüllt war, irgendetwas fehlte. Ich ging also auf die Suche, was ich noch so essen könnte und kam auf die glorreiche Idee, frische Mandeln zu rösten – simpel, lecker und füllend.

Dennoch konnte ich meinen Heißhunger auf Süßer nicht ganz befriedigen und erlaubte mir für diesen ersten Abend etwas Kokosmus von Dr. Georg (das für sich allein schon der Oberhammer ist!!!) zusammen mit etwas Honig (ich weiß, der ist nicht vegan, aber für mich, da wir den Imker hier vor Ort kennen, absolut in Ordnung und aus gesundheitlichen Aspekten meiner Meinung nach z. B. Agavensirup vorzuziehen ist). Der Tag war gerettet und ich zufrieden ins Bett.

Zuckerfrei leben Tag 2: Die Herausforderung beginnt

Tag 2 wollte nicht so gut beginnen. Entgegen meines natürlichen Rhythmus wachte ich schon mit Hunger auf und musste relativ früh zum grünen Smoothie greifen und das mehr widerwillig als mit Freude, denn meine Lust diktierte mir andere Dinge. Nun gut Augen zu und durch.

Da Essenssüchte ja oft einhergehen mit Nährstoffdefiziten, kann ein grüner Smoothie oder andere vitalstoffreiche Nahrung helfen, den Heißhunger auf Ungesundes zu reduzieren. Dem war auch erst mal so. Doch an diesem zweiten Tag meines zuckerfreien Lebens wartete noch eine besondere Herausforderung auf mir: Der Einkauf.

Ich wusste, dass das kommen würde und ich wusste, dass mein Willen hier auf eine ganz besondere Probe gestellt werden würde. Und da ich ebenfalls weiß, dass zu strenge Regeln und zu viel Druck meist nach hinten losgehen, hielt ich mir meine Entscheidung einfach offen. Es geht ja nicht darum nie wieder Zucker oder Teigwaren zu essen, sondern einfach darum ein Experiment zu wagen an dem im Jahr 2015 möglichst viele zuckerfreie Tage zusammenkommen. Und siehe da im Supermarkt war der Gedanke daran, schon gleich am 2. Tag mit meinem Experiment zu „scheitern“ größer als mein Heißhunger und ich ging ohne „Suchtmittel“, dafür mit einem gestärkten Selbstvertrauen nach Hause.

Auch dieser Tag endete mit einem am Abend nicht zufriedenen stellenden Sättigungsgefühl, dieses Mal gab es gebrannte Mandeln, Sonnenblumenkerne und ein paar Datteln. Siehe da, das geht auch!

Auch, wenn ich froh war, als dieser Tag endlich vorbei war, denn gute Laune sieht anders aus. Aber auch schlechte Laune, Gereiztheit, Nervosität, erhöhtes Ruhe- und Schlafbedürfnis und eventuell auch Unpässlichkeiten wie Kopfschmerzen gehören zu einem Entzug eben dazu. Das Gute daran ist, je öfter man „entzieht“, umso einfacher wird es. So jedenfalls bei mir bei diesem gefühlten 793. Entzugversuchs:-)

Zuckerfrei leben Tag 3 bis Tag 7

Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Der Verzicht tagsüber auf Süßigkeiten und Teigwaren ist wieder zur Normalität geworden, nur nach dem Abendessen gehe ich immer noch auf die Suche nach irgendetwas, was mich wirklich zufrieden stellt. Doch auch diese Kraft nimmt so langsam ab und mein Geheimtipp inzwischen für alle, die ebenfalls zuckerfrei leben wollen:

Banane mit Mandelmus – so lecker!!!!!!!!!!!

P1170071

Außerdem halte ich es insbesondere in den ersten Tagen des Zuckerentzugs für sinnvoll mir Dinge zu erlauben, die ich zwar unter „normalen“ Umständen, nicht unbedingt für gesund, aber dafür magenfüllend ansehe.

So habe ich zum Beispiel in den ersten Tagen ein unheimlich starkes Verlangen nach Mandarinen gehabt und diese dann noch in Unmengen nach dem Abendessen gegessen, obwohl ich weiß, dass man Obst eigentlich als Vor- und nicht als Nachspeise essen sollte. Denn trifft Obst im Verdauungstrakt auf andere Nahrungsmittel, wird seine Verdauung verzögert und es entstehend Gärprozesse, die zu Fäulnis und Ausbreitung von Bakterien führen können.

     P1170020   P1170026

Außerdem habe ich mir in den ersten Tage kulinarische Dinge erlaubt, die ich sonst nur ab und zu esse. So zum Beispiel Bratkartoffeln, Tofu, Erdnusspaste und viele Nüsse. Alles Sachen, die ich aus gesundheitlichen Aspekten nicht unbedingt täglich oder in großen Mengen für empfehlenswert halte, mir aber den Umstieg ins zuckerfreie Leben deutlich vereinfacht haben, einfach weil sie mir zu einer gewissen Schwere im Magen verhelfen, die ich mir sonst über Nudeln und Süßigkeiten verschafft habe.

Mein Fazit nach der ersten Woche Zuckerentwöhnung

Alles in allem läuft es also gut und ich kann schon auf 7 zuckerfreie Tag am Stück zurück blicken. Das stärkt nicht nur das Selbstvertrauen, sondern bringt auch mehr Stabilität in meine Stimmungslage und als Dank sitzen hoffentlich auch die Kleider bald wieder etwas lockerer.

Was ich bemerkenswert finde, ist, dass ich nach nur drei, vier Tagen einen richtigen Hiper, also Heißhunger, Essenslust auf Datteln habe. Diese Lust ist mir sonst unbekannt. Während meiner Suchtphasen stellen Datteln keine wirklichen Ersatz für meine süßen Gelüste dar, wohingegen in Zeiten der Entwöhnung mir die Lust auf Süßes teilweise sogar völlig abhanden kommt. Und jetzt am Tag 5, beiße ich in eine Dattel und kann mir nichts Leckeres vorstellen – abgefahren! Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Über Mitmacher, Unterstützer oder eigene Tipps und Erfahrungsberichte bzgl. Zuckersucht und Zuckerentzug freue ich mich riesig. Dazu entweder die Kommentarfunktion nutzen oder eine Mail an mich schreiben (Selzer.m@gmx.de).

P.S.: Wie Sie herausfinden können, ob Sie selbst zuckersüchtig sind, verrate ich hier>>

P.S.: Mein Buch ist da!!!

Um herauszufinden, ob der Ausstieg aus der Zuckersucht wirklich unmöglich ist, habe ich am 1.1.2015 mein Projekt „1 Jahr ohne Zucker!“ gestartet und in diesem Zusammenhang jede Woche über den Verlauf meines Selbstversuchs berichtet.

cover zuckerfalleIch habe über die Hochs und Tiefs berichtet und auch meine Rückfälle nicht verschwiegen, zuckerfreie Rezeptideen gepostet und mich mit den Hintergründen der Zuckersucht beschäftigt und bin dabei besonders auf die Bio-Chemie und die psychischen Faktoren eingegangen.

Bei meinen Erfahrungen und Forschungen ist jede Menge Material entstanden, das ich in einer Art Selbsthilferatgeber kompakt und leicht verständlich zusammengefasst habe.

Herausgekommen ist dabei mein bisher umfassendstes Werk mit vielen Infos für Zuckersüchtige, persönlichen Anekdoten, Tipps & Tricks zum Zuckerentzug, inklusive Selbsttest und Rezepten.

* zuckerfrei heißt für mich: Kein Haushaltszucker (Saccharose), kein brauner Zucker, kein Rohr-, Vollrohr- oder Rohrohrzucker, keine isolierte Glukose oder isolierten Fruchtzucker, noch Malzzucker oder Milchzucker usw.

Datteln, andere Trockenfrüchte, Stevia und Bananen sind vor allem in der Anfangszeit in kleinen Mengen erlaubt. Honig, Xylit, Agaven- oder Ahornsirup nur in „Notfällen“ und in Kleinstmengen.

Und da helle Mehlspeisen (Produkte aus Auszugsmehl) ähnlich verstoffwechselt werden wie Zucker, sind während des Experiments auch Teigwaren aus hellem Weizen- oder Dinkelmehl wie Nudeln, Brot, Brötchen, Kuchen, Kekse, Pizza usw. tabu.

Und da Vollkornprodukte – zumindest bei mir – auch sehr leicht zum Überessen führen können, sind diese ebenfalls gestrichen. Einzige Ausnahme Haferflocken, die ich mir gelegentlich als Brei zum späten Frühstück mache.

Und da es zwischen Alkoholsucht und Zuckersucht sehr enge Zusammenhänge gibt, ist dieser bei (m)einer Zuckerentwöhnung natürlich auch tabu.

Bildrechte: Inspiriert-sein.de © Marion Selzer geröstete Mandeln mit Datteln;
Früchteteller, Mandeln und Datteln auf dem Ofen; Kartoffelpfanne

zuletzt aktualisiert am