Zuckerfrei leben und der Geschmack ändert sichZuckerentwöhnung und die Veränderung der Geschmackssinne

Im Rahmen meines diesjährigen Projekts „zuckerfrei leben“ hat es schon so manche Höhen und Tiefen gegeben. Aktuell habe ich mich mir vorgenommen die 100 Tagesmarke zu knacken, also 100 Tage lang ganz konsequent auf Zucker und Weißmehlprodukte zu verzichten. Und gerade sieht es so aus, als könnte der diesmalige Anlauf klappen.

Wie der konsequente Verzicht auf Zucker mein Geschmacksempfinden verändert

Seit über 40 Tagen nun habe ich nichts mehr gegessen was Zucker enthält. Auch Trockenfrüchte und alternative Süßungsmittel wie Agavensirup oder Dicksäften habe ich in dieser Zeit konsequent gemieden. Einzig und allein meinen allmorgendlichen Grüntee süße ich mit getrockneten Steviablättern.

Selbst den Genuss von Bananen hatte ich in der Zwischenzeit mehr als zwei Wochen lang eingestellt. Da es momentan gerade fürchterlich heiß hier ist, erfrische ich mich aktuell am Abend mit einer kühlen Nachspeise und da kommen gelegentlich auch wieder Bananen zum Einsatz.

Warum tue ich mir das an?

Als erstes möchte ich klarstellen, dass ich solche Experimente liebe. Es ist daher für mich kein Verzicht im eigentlichen Sinne, sondern eine Herausforderung, der ich mich stelle. Selbst, wenn ich die von mir gesetzten Ziele nicht erreiche, betrachte ich das selten als ein Scheitern, sondern vielmehr als eine Chance zu weiteren Erkenntnissen und damit Wachstum.

100 Tag lang zuckerfrei zu leben, ist eine von mir willkürlich festgelegte Marke. Ein Ziel, das ich glaube erreichen zu können, das mich gleichzeitig aber auch fordert. Denn auch, wenn ich in der Vergangenheit bereits öfter zuckerfreie Phasen eingelegt habe, gab es selten einen Grund dies bis zu einem konkreten Datum XY konsequent durchzuziehen oder nicht doch auch mal eine kleine Ausnahme zu machen. Dieses Mal möchte ich wirklich jeder einzelnen Versuchung widerstehen und keinen einzigen Ausrutscher zulassen.

Ich bin einfach gespannt, was sich in dieser Zeit passiert und wollte ganz gezielt auch mal meine Geschmacksknospen von dem süßen Geschmack entwöhnen und sehen, was passiert. Und schon nach 40 Tagen Zuckerentwöhnung erlebe ich erstaunliches.

Vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal für dieses Jahr frische Erdbeeren gegessen. Und was soll ich sagen?! Die Erdbeeren haben so süß geschmeckt, dass ich mich erst einmal vergewissern musste, ob sie nicht gesüßt waren. Das waren sie nicht. Und dennoch empfand ich sie extrem süß, beinahe zu süß:)

Auch pures Kokosmus sorgt zur Zeit für neue Geschmacksergüsse. Es zergeht auf der Zunge und erinnert mich erstaunlich stark an weiße Schokolade. Ein Hochgenuss!

Zwar mochte ich Kokosmus schon immer, doch am liebsten gemischt mit etwas Süßem wie Datteln oder Honig. Jetzt empfinde ich es für sich allein genossen, bereits so angenehm süß, dass ich es am liebsten pur für sich alleine essen.

Geschmack ist eine Frage der Gewohnheit

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Diese vielzitierte Redewendung gibt es nicht ohne Grund. Anders als man denken könnte, ist Geschmack keine festgelegte Sache, sondern eine Frage der Gewöhnung. Zwar ist uns wie jedem anderen Säugetiere eine gewisse Vorliebe für alles Süße angeboren, dennoch mögen wir vor allem das, was wir ständig essen.

Geschmacksknospen erneuern sich

Wie ich gelesen haben, erneuern sich Geschmacksknospen angeblich bereits nach 10-14 Tagen. Das heißt also auch, dass wir uns innerhalb von nur zwei Wochen neue Essensgewohnheiten aneignen können und dann sogar Genuss dabei empfinden werden.

Das heißt also, wenn wir uns für zwei bis drei Wochen am Riemen reißen, können wir unseren Geschmack umerziehen. Wenn das mal keine tollen Neuigkeiten sind! Und ich erlebe es ja gerade selbst, Dinge, die ich zuvor gerne noch süßer gemacht hätte, schmecken jetzt auf einmal so unglaublich süß, dass ich es kaum fassen kann.

Interessant zu wissen:

Auf einem 1 cm mal 1 cm großen Stück Zunge befinden sich mehr als 1000 Geschmacksknospen. Diese bleiben aber nur dann, wenn wir sie regelmäßig trainieren und uns durch sämtliche Geschmacksrichtungen testen: sauer, salzig, süß, bitter, zusammenziehend (astringierend) und umami (herzhaft)

Außerdem verkümmern unsere Geschmacksknospen durch künstlich aufbereitete Nahrungsmittel.

Durch immer mehr Zusatzstoffe, insbesondere Geschmacksverstärker, in unseren Lebensmitteln, brauchen Kinder von heute bis zu 20-mal intensivere Geschmacksreise als noch vor ein oder zwei Jahrzehnten!

Bewusstes und achtsames Essen inklusive gründlichem Kauen oder das Wahrnehmen von Geschmack mit geschlossenen Augen kann genauso wie Vielfalt auf unserem Teller dabei helfen, dass sich wieder mehr Geschmacksknospen bilden!

Geschmack ist also eine Sache der Gewöhnung. Da heißt es für Sie liebe Leser, lieber Leserin, einfach mal selbst testen und für zwei Wochen auf jede zugesetzte Süße verzichten und dann mal wieder in ein Stück Schokolade beißen.

Die schlechte Nachricht, Geschmack hat nicht nur etwas mit unseren Geschmacksknospen zu tun, sondern auch mit unserer Psyche. In den ersten Jahren unseres Lebens wird unser Geschmack geprägt und mit ihm bestimmte Emotionen und Erinnerungen an die Nahrung verbunden.

Das heißt also, dass uns die Schokolade nach den zwei Wochen Entwöhnung tatsächlich nicht mehr so gut schmeckt, wie zuvor, sie uns aber dennoch eine Art Befriedigung verschafft, der wir dann schnell wieder verfallen können.

Zuckersüchtige wie ich müssen hier ganz besonders aufpassen, denn nach einer kurzen Zeit der Entwöhnung kann eine Ausnahme besonders tückisch werden. Wieso, weshalb, warum die Anfangszeit der Zuckerentwöhnung so tükisch ist, habe ich bereits an dieser Stelle erklärt>>

Mehr Infos über mein Projekt „Zuckerfrei leben“ finden Interessierte hier>>

Zuckersucht besiegen so geht´s

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