Konfiktlösung mal anders

Konflikte sind natürlich. Nur wie lösen wir sie? Dort, wo Menschen aufeinander treffen, prallen auch unterschiedliche Meinungen und Ansichten aufeinander. Kein Wunder also, wenn es da ab und an zu reibenden und aufwühlenden Auseinandersetzungen kommt.

Die Frage ist nur, wie gehen wir mit solch einer Situation um?  Dazu gibt es verschiedene Strategien:

1. Konfliktscheue Haltung: Konfliktvermeidung
Viele von uns sind dazu erzogen worden, auf Harmonie bedacht zu sein und verbinden daher mit Konflikten unangenehme Empfindungen. Es gilt den sich anbahnenden Konflikt im Keime zu ersticken oder zu ignorieren. Die Harmonie aufrecht zu erhalten ist das oberste Ziel.

Schade, dass wir uns dabei selbst aus den Beziehungen herausnehmen. Denn wer Angst vor Disharmonie hat oder davor, abgelehnt zu werden, hält sich und seine Meinungen oftmals zurück. Er bringt sich somit nicht wirklich in die Beziehung ein. Ein wirklicher Austausch ist so leider nicht möglich.

2. Der Durchsetzer: Recht haben um jeden Preis
Den dazu gegensätzlichen Part nehmen die Menschen ein, die sich gerne durchsetzen und auf Biegen und Brechen ihre Meinung verteidigen. Als stilistische Mittel setzt man da schon mal Druck, Schuldvorwürfe oder Beleidigungen ein. Oder aber man greift zu manipulativen Überredungskünsten. Im Unterschied zu konfliktscheuen Personen wird der Konflikt hier nicht nur wahrgenommen, sondern auch ausgetragen. Ziel ist es als „Gewinner“ aus der Situation heraus zu gehen. Leider gibt es da, wo es Gewinner gibt, auch immer Verlierer.

3. Kompromiss
Sehr üblich unter uns ist die Kompromisshaltung. Beim Aufeinandertreffen unterschiedlicher Postionen wird eine Lösung gesucht mit der alle Beteiligten leben können. Jeder muss ein paar Abstriche machen, bekommt aber, wenn möglich auch einen Teil seines Wunsches erfüllt. Diese Art der Konfliktlösung wirkt für uns fair und gerecht. Und doch haben Kompromisse die Tendenz nicht umfassend zu befriedigen, vor allem dann, wenn es sich um einen sogenannten faulen Kompromiss handelt. Das ist dann der Fall, wenn wir glauben, wir müssten Kompromisse eingehen.

Zum Glück gibt es aber noch eine Alternative, die allerdings nur wenig bekannt ist, da sie in Schule, Familie und später im Berufsleben gewöhnlich nicht gelehrt wird.

4. Erst Erhellung, dann Lösungssuche

Bei der Kompromisssuche geht es ziemlich schnell um das Auffinden geeigneter Lösungen, die wieder Frieden in die Situation bringen sollen. An sich scheint das ein vernünftiger Weg. Allerdings müssen so die Parteien oftmals Abstriche machen.

Solche Lösungen werden leicht zu „faulen“ Kompromissen, mit denen sich keiner richtig wohl fühlt, vor allem, wenn diese durch Außenstehende, also nicht direkt am Konflikt betroffene Personen festgelegt werden. Auch sind die Abstriche, die ein Kompromiss verlangt, nicht immer nötig, wenn man vor der Lösungssuche noch einen Schritt dazwischen schiebt: Die Erhellung der eigentlichen Bedürfnisse.

Um dies zu verdeutlichen, ein Beispiel:

„Der Orangen-Fall
Zwei Schwestern streiten sich lauthals in der Küche um die letzte Orange.
Der Streit könnte folgendermaßen enden:

a) Eine Schwester gibt der Harmonie Willen nach und überlässt ihrer Schwester die Orange. Sie selbst geht leer aus.

b) Keine der Schwestern gibt nach, aber eine ist überlegen, argumentiert besser oder erpresst die andere. Sie nimmt sich die Orange und die andere steht mit leeren Händen da.

c) Den Eltern wird der Streit zu bunt. Sie wollen Ruhe. Sie nehmen ein Messer und schneiden die Orange in der Mitte durch. Jede der Schwestern bekommt eine Hälfte der Orange.

Betrachten wir uns nur diese 3 Alternativen, scheint die Letzte wirklich die Gerechteste.

Doch gehen wir nun weiter:
Hätten sich die Eltern oder auch die Schwestern die Zeit genommen zu hinterfragen, warum jede Einzelne von ihnen die Orange wollte, dann wäre herausgekommen:

Eine der Schwestern fühlt sich geschwächt und möchte einer Erkältung mit frisch gepresstem Orangensaft und den darin befindlichen Vitaminen vorbeugen. Die andere Schwester ist auf einen Geburtstag eingeladen und möchte für das Geburtstagskind einen Kuchen backen. Dazu benötigt sie geriebene Orangenschale.

Nun bietet sich uns eine ganz neue optimale Lösung:
Eine Schwester bekommt den Saft der ganzen Orange und die andere die Schale der ganzen Orange.
Kein fauler Kompromiss, sondern eine sogenannte Win-win-Lösung für alle Betei- ligten. Jede der Schwestern bekommt, was sie wollte ohne faule Kompromisse.

Fazit: Blickwinkel erweitern
Lösungen, die auf dem Blickwinkel der Positionen getroffen werden (hier: „Orange haben wollen“), führen schnell zu übereilten Kompromisslösungen, bei der alle Beteiligten Einbußen machen müssen.

Die Erhellung der Bedürfnisse (hier: „Saft um Krankheit vorzubeugen“ und „Schale um Kuchen zu backen“) helfen uns einen größeren Blickwinkel zu erlangen, um so Lösungen zu finden, die für alle optimal sind.

Im wirklichen Leben wird es nicht immer die Möglichkeit zu solchen optimalen Lösungen geben und doch wird ein Kompromiss viel eher dann akzeptiert (und damit nicht mehr als faul empfunden), wenn vor der Festlegung der Lösung, die Bedürfnisse erhellt werden. Man fühlt sich wahrgenommen, akzeptiert und anerkannt. Dann ist man meist auch gerne bereit auf den anderen zuzugehen ohne das Gefühl zu haben, Abstriche machen zu müssen.


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