Wer bestimmt, was ich essen will?

Oder: 3 Gründe, warum Ernährungsumstellung so schwer fällt

Die meisten von uns wissen ganz genau, was dick und krank macht und können der süßen und fettigen Versuchung trotzdem nicht widerstehen. Es mangelt dann offensichtlich an Disziplin und Willensstärke, oder etwa nicht?

Erfahre hier drei Gründe, wieso eine Ernährungsumstellung so schwer fällt und wie eine Gewichtsabnahme tatsächlich gelingen kann.

3 Gründe, wieso die Ernährungsumstellung misslingt

1. Essen als Ersatz für emotionale Bedürfnisse

Die besten Vorsätze helfen nicht viel, solange emotionale Verstrickungen unser Essverhalten beeinflussen. Wer gelernt hat, sich mit Süßem zu trösten, seinen Frust an Chips, Keksen und Co auszulassen oder mit einer Portion Pasta, Brot oder Pizza zu entspannen, der hat es schwer, seine Ernährung nach logischen Gesichtspunkten zu gestalten.

Wenn wir Essen jahrelang als Strategie nutzen, um uns besser zu fühlen, können psychische Faktoren sehr mächtig sein und jedes noch so vernünftige Ernährungsvorhaben zunichte machen.

2. Nimmersattes Gehirn

Muskel- und Organzellen können aus allen drei Makronährstoffen (Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett) Energie gewinnen. Unser Gehirn ist nicht ganz so flexibel, es nutzt am liebsten den Einfachzucker Glukose.

Pro Tag verbraucht unser Körper etwa 200 g Zucker, das Gehirn davon allein schon 130 g! Bei Stress steigt der Glukosebedarf des Gehirns enorm an. Um seine Zuckerversorgung sicherzustellen, sorgt das Gehirn dafür, dass bei Stress der Insulinspiegel sinkt und die Insulinproduktion herabgesetzt wird. Denn dann kommt mehr Zucker beim Gehirn an.

Während Muskel- und Organzellen zur Glukoseaufnahme grundsätzlich auf Insulin angewiesen sind, können die Nervenzellen des Gehirns Glukose auch ohne Insulin aufnehmen. Daher dieser geniale Mechanismus. Das Gehirn sagt dann „Jetzt mal alles für mich!“. Das ist gesund und normal! Dann ist das Gehirn glücklich.

Doch leider funktioniert dieser Mechanismus bei vielen heute nicht mehr optimal. Die Insulinausschüttung wird bei Stress nicht mehr richtig unterdrückt. Der Insulinspiegel bleibt erhöht und das Gehirn wird dadurch mit Glukose unterversorgt, so die Heilpraktikerin Birgit Schröder in ihrem Vortrag „Wer bestimmt, was ich essen will? Neurophysiologie meets Paleo“ auf dem Paelo Kongress 2017.

Da die meisten von uns heute im Dauerstress leben kann das fatale Auswirkungen auf unser Essverhalten haben. Das Gehirn hat dann einen erhöhten Bedarf an Energie und treibt uns an immer mehr zu essen, wobei vor allem die Lust auf schnell verfügbare Kohlenhydrate steigt. Dennoch kommt nicht genug Glukose im Gehirn an.

Dieser, durch das unterversorgte Gehirn ausgelöste Heißhunger macht es nahezu unmöglich, das persönliche Ernährungsverhalten einzig und allein mit Willensstärke und Disziplin umzustellen.

3. Gieriges Immunsystem

Auch unser Immunsystem kann zum Auslöser für Heißhungerattacken werden. Unterschwellige Entzündungszustände im Körper, die durch Dauerstress begünstigt werden, sorgen für einen erhöhten Energiebedarf des Immunsystems. Interessanterweise ist ein solch aktives Immunsystem zur Energieabdeckung auf Glukose angewiesen, so Schröder im eben erwähnten Vortrag. Das ist dann eventuell ein weiterer Faktor, warum man sich nicht so ernähren kann, wie man gerne möchte.

Raus aus dem Teufelskreis von Heißhunger und Überessen

Wenn wir verstehen, was wirklich dahinter steckt, wenn die Ernährungsumstellung nicht klappt, können wir erst einmal aufatmen. Es liegt nicht an einem Mangel an Willensstärke oder Disziplin, wenn wir nicht so können, wie wir möchten, sondern an anderen Faktoren. Emotionale Verstrickungen, die Macht eines unterversorgten Gehirns oder das Energie fordernde Immunsystem haben bei der Frage, was und wie viel wir essen, ein wichtiges Wörtchen mit zu reden.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein vor der Ernährungsumstellung erst die grundlegenden Themen anzugehen, die einer erfolgreichen Ernährungsumstellung bisher im Wege standen.

  • Wenn die emotionalen Hintergründe erkannt und aufgearbeitet wurden,
  • Strategien für ein gesundes Stressmanagement eingeübt und unterschwellige Entzündungsherde beseitigt wurden
  • und der Körper Schritt für Schritt daran gewöhnt wird, seine Grundenergie hauptsächlich aus Fettsäuren bzw. Ketonkörper zu gewinnen, wodurch der Heißhunger auf schnelle Kohlenhydrate von ganz alleine verschwindet,

erst dann kann eine Ernährungsumstellung auf fruchtbaren Boden fallen.

Marion Selzer

Marion Selzer

Marion beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema gesunder Lebensweise, insbesondere mit der Frage, wie sich die persönliche Ernährung optimieren lässt. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es sein kann, einen gesünderen Lebensstil zu praktizieren.

Mit ihren Artikeln möchte sie Mut machen, dass Veränderungen von Gewohnheiten möglich sind und sich lohnen.

Marion ist Dipl. Juristin, Mediatorin, Ernährungs- und Diätberaterin, psychologische Beraterin und Autorin
Marion Selzer

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