Wenn die Seele Hunger hat

Sie essen nicht, um satt zu werden, sondern um sich zu trösten, die Zeit zu überbrücken oder, um sich nach einem anstrengenden Tag zu entspannen und die Akkus aufzutanken? Wurden Sie vielleicht sogar bereits in Ihrer Kindheit mit Süßigkeiten oder anderen Nahrungsmitteln ruhiggestellt, aufgemuntert oder belohnt?

Ihre Gedanken drehen sich ständig um das Thema „Ernährung und Gewicht“? Es fällt Ihnen schwer sich nach dem ersten Bissen zu beherrschen und Sie essen oft mehr, als Ihnen gut tun würde? Schämen Sie sich vielleicht sogar für Ihr Verhalten oder ist es Ihnen unangenehm vor anderen und essen Sie daher am liebsten für sich allein, damit niemand mitbekommt, wie viel Sie essen?

Dann könnte es sein, dass Sie Essen als Ersatz für die Erfüllung Ihrer emotionalen Bedürfnisse einsetzen.

Wenn wir essen, nicht weil wir hungrig sind, sondern, weil wir uns besser fühlen wollen, dann ist das an sich erst einmal völlig natürlich. Schließlich hat die Natur es so eingerichtet, dass Essen Genuss bereitet und uns zufrieden macht.

Problematisch wird das allerdings dann, wenn wir unsere emotionalen Bedürfnisse ständig durchs Essen stillen möchten. Ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist, denn Essen kann uns zwar satt und zufrieden machen, es kann aber die Sehnsucht nach Verständnis, Geborgenheit, mehr Abwechslung oder Sinn im Leben nicht erfüllen.

Essen als Ersatzbefriedigung: Bin ich betroffen?

Wenn Sie immer wieder

  • zum falschen Zeitpunkt essen, also ohne wirklich Hunger zu haben,
  • Ihr Sättigungsgefühl missachten und zu viel oder zu wenig essen,
  • trotz besseren Wissens das „Falsche”, also zu fett, zu einseitig oder zu süß essen,
  • Ihre Gedanken dauernd um das Thema Essen und/oder Figur kreisen,

dann spricht einiges dafür, dass Sie Essen zur Ersatzbefriedigung einsetzen.

Diäten helfen hier nicht weiter

Nicht jeder, der dazu neigt, über die Stränge zu schlagen, hat ein Problem mit dem Thema Ernährung. Wer jedoch ständig zu viel, zu wenig oder das Falsche isst und unter seinem Verhalten leidet, der fühlt sich hilflos und irritiert. Herkömmliche Diäten und Ernährungskonzepte helfen hier nicht weiter. Die Ursachen solcher Verhaltensweisen sind selten ein Mangel an Willensstärke oder Disziplin, sondern liegen oftmals tiefer im Bereich unserer Psyche verborgen.

Selbstvorwürfe sind zwecklos

Wenn wir uns jedoch nicht eingestehen, dass unsere Probleme tiefer liegen und frustriert feststellen müssen, dass uns mit herkömmlichen Abnehm- und Expertentipps nicht geholfen ist, beginnen wir leicht an uns selbst zu zweifeln. Wir halten uns für Versager und beginnen uns, für unser Verhalten zu schämen, weil wir glauben, nicht dass irgendetwas nicht richtig mit uns ist. Das nagt an unserem Selbstwert und hilft niemandem weiter.

Essen als Ersatz – Ich bin betroffen: Was nun?

Wer trotz seiner Figur oder Gesundheit zuliebe Heißhungerverlangen nicht Stand halten kann, bei dem spielen wahrscheinlich emotionale Verstrickungen in Bezug auf Ernährung eine nicht unerhebliche Rolle. Dieser Zusammenhang ist allerdings nur selten bewusst.

Herkömmliche Abnehm- und Bewegungsprogramme helfen da nicht weiter. Um dieses Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen, kann es hilfreich sein, die psychischen Faktoren hinter dem problematischen Essverhalten aufzudecken.

Indem wir erkennen, welche Emotionen wir mit bestimmten Speisen verbinden, können wir alternative Strategien entwickeln, die uns auf umfassende Weise zufrieden stellen. Physischer Hunger lässt sich durch Nahrung stillen, emotionaler Hunger dagegen nicht – jedenfalls nicht langfristig.

Essen wirkt sich auf allen Ebenen aus

Das, was wir zu uns nehmen, wirkt zwar auf den ersten Blick vor allem auf der körperlichen Ebene unseres Seins, gleichzeitig aber immer auch auf unsere Stimmungen und Gefühle. Nach einem Stück Schokolade fühlen wir uns getröstet oder geborgen und nach einer reichhaltigen, schweren Mahlzeit zufrieden und entspannt.

Alles, was wir über den Mund aufnehmen, wirkt sich durch körper-chemische Prozesse nicht nur auf unseren Körper, sondern auch auf unsere Gefühlswelt und sogar auf unsere Gedanken aus.

Ist es nicht physischer, also wirklicher Hunger, der uns zum Essen veranlasst, sondern Verlangen und Appetit, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir Essen als Ersatzbefriedigung für die Befriedigung emotionaler Bedürfnisse einsetzen.

Essen als Ersatz: Nur kurzfristige Befriedigung

Leider ist es allzu oft so, dass sich emotionale Bedürfnisse nur kurzzeitig durchs Essen befriedigen lassen. Vielleicht fühlen wir uns nach der Tafel Schokolade oder der doppelten Portion Nudeln mit Käse tatsächlich zunächst besser, doch lange hält dieses Wohlgefühl nicht an. Spätestens beim nächsten Blick in den Spiegel oder auf die Waage wendet sich das Blatt und es hagelt Selbstvorwürfe und ein schlechtes Gewissen gesellt sich hinzu.

Auf die innere Stimme hören

Wollen wir mit unseren unliebsamen Gewohnheiten nicht dauerhaft kämpfen und so über kurz oder lang den Kürzeren ziehen, sollten wir beginnen, auf unser Inneres zu hören, um zu erfahren, welche Bedürfnisse wirklich dahinter verbergen, wenn wir Essen zur Ersatzbefriedigung werden lassen.

Oftmals stecken Gefühle wir Einsamkeit, Frust, Trauer und Langeweile dahinter, wenn wir zum Essen greifen, obwohl wir eigentlich keinen Hunger haben. Wir suchen in der Nahrung dann Dinge, die sie uns nicht wirklich geben kann, wie zum Beispiel Geborgenheit, Nähe, Trost, Abwechslung oder mehr Sinn im Leben.

Das Erkennen und liebevolle Annehmen dieser Bedürfnisse führt seltsamerweise oftmals schon zu einer Abnahme des Verlangens und wir sind bereit, neue und umfassendere Strategien auszuprobieren.

Mehr darüber, wie Sie die verborgenen emotionalen Gründe hinter Ihrem Essverhalten aufdecken und auflösen können, erfahren Sie in auf unserer Themenseite „Wenn Essen zur Ersatzbefriedigung wird“ oder auch in meinem Ratgeber „Psychische Hintergründe bei Ernährungs- und Gewichtsproblemen“.

Figur und Gewicht sind nicht alles und doch haben wir alle das Recht darauf, uns in unserem Körper wohl, gesund und schön zu fühlen.


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Info: Dieser Artikel ist ursprünglich im August 2015 erschienen und wurde nun aber im März 2019 aktualisiert und ergänzt. Daher die Neuauflage!

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