Die Wirkung der Schwerkraft auf unsere Haltung

Im Laufe der Jahre ergeben wir uns der Schwerkraft, wir lassen die Schultern hängen und halten uns krumm. Das kann langfristig zu Haltungsschäden und Schmerzen führen. Wer die eigene Haltung optimiert, hat nicht nur weniger gesundheitliche Probleme, sondern wird auch seine Leistungsfähigkeit verbessern. Erfahren Sie in dieser Artikelserie, wie Sie Ihre Haltung mit dem nötigen Konw-How verbessern.

Wir Menschen sind für eine aufrechte Körperhaltung mit langgestreckter Wirbelsäule geschaffen. Die Schwerkraft wirkt 24 Stunden am Tag durchgehend senkrecht von oben auf uns ein. Vom Scheitel, unserem obersten Ende, wirkt der Zug der Erdanziehung über jeden Millimeter des Körpers senkrecht nach unten, bis zu den Fußsohlen, unserem unteren Ende.

Die Schwerkraft wirkt permanent auf jeden Knochen, jedes Gelenk, jeden einzelnen Wirbel, jede Bandscheibe, Muskel, auf jedes Organ, ja eigentlich auf jede einzelne Zelle. Dabei kommt es selten zu einer optimalen Kräfteverteilung vom Scheitel bis zur Sohle. Kein Wunder bei unserem momentanen modernen und zivilisierten Lebensstil.

Wie halten wir uns Tag für Tag in diesem Gravitationsfeld? Wie bewegen wir uns, wie stehen, sitzen und laufen wir? Im Laufe der Jahre passiert es häufig, dass hier einiges „verrutscht“, im wahrsten Sinn des Wortes. Seit dem Kindes- und Jugendalter, geht bei vielen sowohl der Bewegungsdrang zurück als auch das körperliche Wohlbefinden. Das eigene Körpergewicht und die Beschwerden hingegen nehmen immer mehr zu.

Wir sitzen zu viel, stehen mit durchgedrückten Knien, gehen und laufen zu wenig und verlieren mit zunehmendem Alter immer mehr unser Körperbewusstsein. Oft ist uns unser Körper nur dann bewusst, wenn er weh tut! Aus Kleinigkeiten entwickeln sich über die Jahre massive Baustellen in unserem Bewegungsapparat.

Jede noch so kleine Fehlhaltung oder Disharmonie wirkt auf das gesamte System. Jede Verkürzung in der Muskulatur erzeugt eine Spannung im Körper, der, um dieser Spannung entgegen zu wirken, eine Gegenspannung erzeugen muss. So werden dauerhaft Strukturen überlastet, andere in ihrem Bewegungsspielraum und ihrer Funktion behindert. Das führt nicht nur zu Verschleiß und körperlichen Einschränkungen, sondern kostet auch Energie.

Wussten Sie, dass den meisten Bandscheibenschäden eine jahrzehntelange Fehlbelastung der Wirbelsäule vorausgeht? Das Anheben der Waschmaschine ist letztendlich der berühmte Tropfen, der das Fass dann zum Überlaufen bringt, aber die Ursachen liegen darin, wie wir seit langem durchs Leben trotten.

Eingefallene Schultern, Rundrücken, Hohlkreuz und Plattfüße entstehen nicht von heute auf morgen, aber wir tragen durchgehend mit unserer unbewussten und passiven Art, wie wir mit unserem Bewegungsapparat umgehen dazu bei. Das passiert natürlich schleichend. Lange fühlt man sich noch fit und leistungsstark.

Lassen Sie sich nicht von der Schwerkraft niederstrecken
Die Schwerkraft ist ein relativ konstanter Faktor hier auf unserem lieben Planeten Erde. Sie ist durchgehend da, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen uns täglich aufs Neue gegen sie erheben, wenn wir nicht den ganzen Tag im Bett liegen wollen. Akzeptieren wir doch diese Konstante und nehmen sie als Maß, an dem wir uns selbst ausrichten können.

Unser Körper hat sich in genau diesem Schwerkraftfeld entwickelt, ist optimal darauf ausgerichtet. Die Knochen, Gelenke, die Wirbelsäule und die Muskeln, Bänder und Sehnen sind genau so konzipiert, dass wir in diesem Gravitationsfeld aufrecht agieren können. Wir haben es nur mehr oder weniger verlernt.

Irgendwann zieht nicht nur die Gravitation unsere Körpermasse physisch nach unten, sondern zusätzlich drückt dann auch noch psychisch, emotional, unser „Leben“ mit all seinen Sorgen, Lasten und Verpflichtungen. Irgendwann werden wir einfach müde, geben auf und lassen uns hängen.

Doch das kann sich alles ändern. Wenn wir uns geschickt anstellen, wird die Schwerkraft bald nicht mehr gegen uns sein. Wir können die Schwerkraft als nötigen Impuls für die natürliche Aufrichtung nutzen. Um dies zu bewerkstelligen ist es nötig wieder unsere Muskeln zu aktivieren, die für die aufrechte Haltung zuständig sind.

Anfangs mag es anstrengend sein, aber wenn die Kraft dieser aufrichtenden Muskelketten zunimmt, werden Sie sich mehr und mehr getragen fühlen. Die Gelenke und Knochen werden durch die Muskulatur entlastet. Die Wirbelsäule kann sich wieder in ihre vollständige Länge strecken und die dort ein- und austretenden Spinalnervenbahnen werden nicht mehr durch Druck in ihrer Funktion gestört.

Werden die Spinalnerven nämlich unter Druck gesetzt, kommt es zu Symptomen. Je nachdem welche Organe oder Körperteile durch das gestresste Nervenbündel versorgt werden, können die Symptome unterschiedlicher Art sein. Was glauben Sie, wie viele Menschen wegen Funktionsstörungen des Herzens oder der Verdauungsorgane von Arzt zu Arzt laufen, ohne dass es einen Befund am Organ selbst gibt? Viele Ursachen liegen in einer Störung der Wirbelsäule und dadurch auch des Nervensystems.

Diese Artikelreihe zeigt einige Folgen und Symptome von Fehlhaltungen auf und liefert praktisch anwendbare Tipps zur Selbsthilfe. Das Thema Haltungsoptimierung und Rückengesundheit ist sehr weitreichend. Aus diesem Grund lässt es sich auch nicht auf die schnelle in einem Artikel abhandeln. Wir werden uns diesem Thema Schritt für Schritt nähern.

Bildrechte: aboutpixel.de Macht hier eigentlich auch jemand Photos © Christian Wöller

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