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Die häufigsten Missverständnisse übers Verzeihen
Verzeihen betrifft uns alle. Als Mensch wirst Du im Laufe Deines Lebens Erfahrungen machen, die schmerzhaft sind. Du wirst Ungerechtigkeit erleben, vielleicht Verlust, vielleicht Enttäuschung oder Verrat. Manche dieser Erfahrungen sind klein, andere erschüttern Dich tief.
Und oft bleibt etwas zurück. Ein Gefühl von Groll, von Schmerz, von „Das hätte nicht passieren dürfen“.
Wenn Du dann immer wieder daran denkst, es Dich immer weiter beschäftigt und innerlich runter zieht oder Dir vielleicht sogar den Schlaf raubt, dann holt Dich das Geschehene ein. Du bleibst dann an die Vergangenheit verhaftet und das raubt Deine Energie.
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Was heißt Verzeihen und was bedeutet es nicht?
Aus herkömmlicher Sicht bedeutet Verzeihen oft einfach: Frieden schließen mit der Vergangenheit.
Doch genau hier beginnt das Problem. Denn viele Menschen halten am Nicht-Verzeihen fest, nicht weil sie nicht verzeihen wollen, sondern weil sie ein falsches Verständnis davon haben, was Verzeihen eigentlich ist.
Viele glauben zum Beispiel:
- Wenn ich verzeihe, heiße ich gut, was passiert ist.
- Wenn ich verzeihe, entschuldige ich das Verhalten.
- Wenn ich verzeihe, muss ich wieder Nähe zulassen.
- Wenn ich verzeihe, verzichte ich auf meine Grenzen.
Und genau das stimmt nicht!
Verzeihen bedeutet nicht, etwas schönzureden. Es bedeutet nicht, zu vergessen. Es bedeutet nicht, Dich selbst zu übergehen.
Im Gegenteil. Verzeihen heißt: Du erlaubst Dir, Deinen Schmerz wirklich zu fühlen und ihn dann loszulassen. Du hörst auf, innerlich festzuhalten. An Wut, an Schuldzuweisungen, an dem Gedanken „Es hätte anders sein sollen“. Nicht, weil es egal war. Sondern weil Du Dich nicht länger innerlich vergiften willst.
Verzeihen und Grenzen und wie beides gleichzeitig möglich ist
Ein besonders großes Missverständnis ist die Verwechslung von Verzeihen und Versöhnung. Viele denken: Wenn ich verzeihe, muss ich den anderen wieder in mein Leben lassen. Doch das ist nicht wahr.
Du kannst jemandem verzeihen und trotzdem sagen: „Bis hierhin und nicht weiter.“
Verzeihen ist ein innerer Prozess. Er hat nichts damit zu tun, ob Du weiterhin Kontakt hast oder nicht.
Du kannst
- jemandem verzeihen, der nicht einsichtig ist
- jemandem verzeihen, der sich nie entschuldigt
- sogar jemandem verzeihen, der nicht mehr lebt
Denn Verzeihen geschieht für Dich, nicht für den anderen.
Es bedeutet: Du machst Deinen inneren Frieden nicht mehr abhängig vom Verhalten anderer Menschen.
Und gleichzeitig darfst Du klare Grenzen setzen.
Eigentlich liegt genau darin die Kunst: Dein Herz offen zu halten und Dich trotzdem zu schützen.
Du kannst erkennen: Ein Mensch handelt vielleicht aus seinen eigenen Verletzungen heraus. Vielleicht ist da im übertragenen Sinne ein „Fuß in der Falle“. Schmerz, Trauma, Unbewusstheit. Und trotzdem darfst Du sagen: „Dieses Verhalten lasse ich nicht mehr in mein Leben.“
Das eine schließt das andere nicht aus.
Am Ende ist Verzeihen kein Knopfdruck. Es ist kein „Jetzt entscheide ich mich dafür und dann ist es erledigt“. Es ist ein Prozess. Ein Weg, auf dem Du fühlst, verstehst und das Loslassen geschieht, wenn der innere Boden dafür in Dir vorbereitet ist. Und irgendwann merkst Du: Da ist Frieden in Dir.
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