Wofür bin ich eigentlich verantwortlich?

Was heißt eigentlich Verantwortung? In der Regel verstehen wir das Wort folgerndermaßen: Verantwortung trägt, wer für ein Ereignis/Situation etwas kann, also etwas beigetragen hat. Doch wohin führt uns eine solche Interpretation des Wortes Verantwortung?

Das Gesetz der Anziehung
Es gibt immer wieder Stimmen, die behaupten, dass alles, was in unserem Leben passiert, wir selbst durch unsere Gedanken, Taten oder unterlassenen Hand- lungen angezogen haben. Egal ob Sie zurzeit gesund oder krank sind, sich glücklich oder unzufrieden fühlen, nach dieser Theorie haben Sie selbst für Ihre momentanen Lebensumstände gesorgt. Ob bewusst oder unbewusst durch Taten oder Gedanken – alles geschieht nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung, dem sogenannten Gesetz der Anziehung.

Wären wir heute nicht so spät aufgestanden, wären wir rechtzeitig zur Arbeit gekommen, hätten uns keine Standpauke vom Chef anhören müssen, hätten am Abend bessere Laune gehabt und uns bestimmt nicht wegen einer Kleinigkeit mit unserem Partner gestritten.

Sicherlich können die von uns gesetzten Ursachen teilweise sogar weit in die Vergangenheit zurückreichen, so dass auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, dass wir selbst der Auslöser waren. Haben wir zum Beispiel damals die Schule abgebrochen, dann dürfte das mit dazu beitragen, dass wir heute Probleme haben einen finanziell lohnenswerten Job zu bekommen.

Doch wie sieht es mit der Laune meiner Mitmenschen aus? Kann ich was dazu, wenn Partner, Kinder oder Kollegen schlecht drauf sind? Hm, eigentlich ja nicht, außer ich habe etwas dazu beitragen, in einem Streit mit ihnen geraten, oder habe ihnen Vorwürfe gemacht.

Und was ist mit Ereignissen, die mit vielen Dingen zusammenhängen: Wer trägt die Verantwortung dafür, dass ich heute Karies habe? Meine Eltern, ich, die Lebensmittelindustrie – oder alle zusammen?
Denn wo fängt unsere Verantwortung an und wo hört sie auf – vor allem wenn andere Menschen mit betroffen sind?

Die Sinnlosfrage nach der Schuld
Oft vermischen wir auch das Thema Verantwortung mit Schuld. Wir sind schuld, weil wir die Verantwortung haben. Verantwortung übernehmen wird dann gefährlich, es könnte dazu führen, dass man uns die Schuld für bestimmte Dinge auflädt. Wer als schuldig angeklagt wird, soll sich schlecht fühlen und ein schlechtes Gewissen bekommen. Da leugnen wir doch lieber gleich jegliche Verantwortlichkeit.

Das Gesetz von Ursache und Wirkung
Eigentlich geht es bei der Frage der Verantwortung um die Frage von Wirkung und Ursache. Was hat die momentane Situation ausgelöst, was hat dazu beigetragen. Doch wo hat diese Suche ein Ende? Vertreter der karmischen Theorie gehen sogar so weit, dass die von uns gesetzte Ursache für die jetzigen Gegebenheiten sogar noch bis in vergangene Vorleben zurückreichen kann. Dass wir heute froh oder unzufrieden, krank oder gesund, reich oder arm sind, kann nach der Theorie des Karmas sogar an dem Verhalten in unseren vergangenen Leben liegen. Wir sühnen sozusagen für die Missetaten und werden belohnt für das Gute – plakativ ausgedrückt. Doch was bringt es, wenn ich mich an das Vergangen nicht erinnern kann und daher die Zusammenhänge nicht spüre?

Bringen uns solche Ansichten wirklich weiter? Wie lange soll ich für die Misstaten vergangener Leben (vorausgesetzt, dass es so etwas überhaupt gibt) sühnen? Solche Ansichten beruhen auf Spekulationen und die Frage nach Ursache und Wirkung ließe sich unendlich fortführen. Macht das wirklich einen Sinn?

Anstatt der endlosen Frage nach Ursache und Wirkung nachzugehen, wäre es da nicht hilfreicher das Wort „Verantwortung“ zu zu benutzen, dass wir einen Nutzen daraus haben? Was wenn wir zwischen Dingen unterscheiden würden, die in unserem Einflussbereich liegen und welchen die wir nicht direkt beeinflussen können?

Um das zu verdeutlichen zwei Beispiele:
Fahren wir unachtsam mit dem Auto durch die Gegend, in Gedanken verstrickt, und bemerken dadurch erst spät, dass ein Fußgänger vor uns die Fahrbahn überqueren möchte, müssen wir eine Vollbremsung hinlegen um ihn nicht zu überfahren. Fährt uns dann der Hintermann auf, dann tragen wir mit Sicherheit einen Teil der Verantwortung selbst.

Was aber, wenn wir vorausschauend gefahren sind, die Person schon früh genug erkannt haben und daher nur langsam abbremsen müssen. Können wir dann etwas dafür, wenn unser Hintermann nicht rechtzeitig reagiert und er uns hinten drauf fährt?

Oder was, wenn der Partner uns hintergeht, er hinter unserem Rücken eine Affäre startet? Natürlich kann man argumentieren, dass bei Problemen in der Partnerschaft stets beide Partner beteiligt sind. Aber sind wir dann dafür verantwortlich, wenn unser Partner diese Probleme zu lösen versucht, indem er uns betrügt? Ich glaube nicht.

Für das Jetzt trägst Du Verantwortung
Letztendlich ist es nicht einmal notwendig nach Auslösern in der Vergangenheit zu suchen um die Frage nach der Verantwortung/Schuld zu klären. Egal ob wir Ereignisse beeinflussen können oder nicht, es taten oder nicht, für eins tragen wir zweifelslos die Verantwortung: Wie wir mit dem Jetzt umgehen. Wie wir auf eine Situation reagieren!

Wir allein tragen die Verantwortung dafür, wie wir auf das reagieren, was uns passiert. Unabhängig davon ob wir etwas dazu beigetragen haben oder nicht. Die Frage lautet schlicht und einfach, was tun wir JETZT, wie gehen wir damit um? Genau da liegt unsere Macht und zugleich unsere Verantwortung.

Im Beispielfall des Fremdgehens, könnten wir uns so sehr in Wut und Rage reden, dass wir uns zu einer Racheaktion aufmachen. Wir könnten dieses Geschehen aber auch als Anlass nehmen um über die Beziehung nachzudenken und ein klärendes Gespräch mit dem Partner suchen.

Es liegt daher immer an uns, was wir aus einer Situation machen.
Betrachten wir uns das englische Wort für „Verantwortung“ einmal genauer, wird klar, dass ursprünglich genau das mit Verantwortung gemeint war. Das englische Wort für Verantwortung „responsibility“ lässt sich nämlich folgendermaßen übersetzen. Der erste Teil des Wortes „response“ heißt übersetzt „Antwort“ und „ability“ bedeutet Fähigkeit/Geschicklichkeit.

Aus diesem Wortspiel ergibt sich nun also eine sinngemäße Übersetzung für Verantwortung: die Fähigkeit/Geschicklichkeit zu antworten.

Verantwortung bedeutet daher nichts anderes, als in der Lage zu sein geschickt zu antworten, also geschickt auf eine Situation/Ereignis zu antworten/reagieren.

Statt der endlosen Frage nach der Ursache und Wirkung auf den Grund zu gehen, im Sinne von wer oder was für ein bestimmtes Geschehen verantwortlich oder schuldig ist, sollten wir uns besser darauf konzentrieren, wie wir mit dem Geschehenen nun umgehen.

Denn wie wir auf die Dinge, die uns widerfahren reagieren, liegt immer an uns selbst. Dafür können wir wirklich keinem anderen die Verantwortung in die Schuhe schieben;-)

 

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