Weshalb wir unsere Reise vorzeitig abgebrochen haben und es bald wieder nach La Palma geht

Schon lange habe ich den tiefen Wunsch, mich für ein paar Wochen in die Natur zurück zu ziehen. Ohne terminliche Verpflichtungen und Internetzugang. Diesen Sommer sollte es endlich so weit sein.

Nach einem Abstecher Anfang Juli nach Köln und Umgebung sind wir mit Otto, unserem Wohnmobil, und unseren drei Hunden auf Richtung Litauen. Dort soll die Welt ja noch in Ordnung sein. Mit ganz viel unberührter Natur und wenig Menschen.

Wir wollten uns dort ein nettes Plätzchen suchen und uns für ein paar Wochen fernab aller Alltagseinflüsse zurückziehen und unseren kreativen Ideen Raum und Gestalt geben. So unsere Pläne …

Auf Richtung Litauen und erst einmal quer durch Nordpolen

Um nach Litauen zu gelangen, mussten wir erst einmal quer durch Nordpolen. Ein Land, in dem wir bisher beide noch nie waren und weshalb wir auch kein Polnisch können. Relativ naiv sind wir davon ausgegangen, dass die meisten Polen (noch) Deutsch sprechen oder zumindest Englisch können.

Polen überrascht uns positiv

Und auch, wenn wir das in touristischen Gebieten durchaus so erlebt haben, hatten wir in „ruhigeren“ Gegenden massive Kommunikationsprobleme. Doch ein Lob auf die polnische Hilfsbereitschaft!

Egal, ob wir auf der Suche nach einem Campingplatz waren, einem Supermarkt oder einer Tankstelle waren oder eine Autopanne hatten, die Polen waren stets zuvorkommend und bemüht, uns weiterzuhelfen. Ohne Ausnahme!

Mein anfänglicher Kulturschock, den ich ehrlich gesagt, bei einem Nachbarland Deutschlands so nicht erwartet hatte (allein der Sprache eines Landes, in dem man sich aufhält, nicht mächtig zu sein, hatte ich total unterschätzt und empfand ich als riesige Herausforderung und unangenehm, hinzu kommt ein anderer Qualitätsstandard in Bezug auf Straßenverhältnisse und Campingplätze usw.), wandelte sich in positives Überraschtsein.

Selbst, wenn wir auf einem Campingplatz unter nur Einheimischen gelandet sind, hatten wir immer das Gefühl, willkommen zu sein – und das obwohl die Kommunikation sich auf wenige Worte und mehr auf Gestik und Mimik beschränkte. Ein schönes Gefühl.

Aber wir wollten ja nicht nach Polen, sondern nach Litauen.

Masuren in Polen

Litauen anders als erhofft

Keine Ahnung, ob es an meinen unterdurchschnittlichen Kenntnissen in Geografie und Geschichte liegt, oder an was auch immer, jedenfalls bin ich davon ausgegangen, dass die Bevölkerung in Litauen offenherzig und freundlich ist und nahezu jeder Englisch spricht. So jedenfalls hat es auf einer Seite im Internet gestanden und so habe ich es erwartet.

Doch was wurde ich enttäuscht.

Wenn wir in Litauen Hilfe benötigten und uns erkundigen wollten, ob jemand Englisch sprechen und uns weiter helfen kann, wurde im Regelfall mit der Hand abgewunken und weitergegangen – oder wir wurden ganz ignoriert.

Das war nicht nur eine neue Erfahrung für mich, die ich kaum fassen konnte, in einem Land, das ich vorab für „so europäisch“ eingestuft habe, sondern teilweise auch echt unangenehm, weil wir richtig penetrant werden mussten, um an die Hilfe zu kommen, die wir benötigten.

Und auch, wenn sicher ganz viele Litauer ganz anders und offenherzig sind und die Menschen in größeren Städten und touristischen Gegenden sicher wieder ganz anders sind als in den doch sehr abseits gelegenen Ortschaften, die wir besucht haben, haben wir jedenfalls diese Erfahrung gemacht und uns nicht wirklich wohl gefühlt.

Litauen: Der Kampf um Souveränität und ständig schlechtes Wetter

Mit einem Blick auf die Vergangenheit des Landes wird die Unfreundlichkeit bzw. Unnahbarkeit der Menschen verständlicher. In der Vergangenheit wurde Litauen immer wieder von Fremdmächten besetzt, sei es von den Polen, von uns Deutschen oder der Sowjetunion. Erst seit Kurzem ist Litauen unabhängig und wirklich eigenständig. Entsprechend tief sitzt das Misstrauen gegenüber Fremden, was auf uns dann schnell als verschlossen und abweisend wirken kann.

Grundlos Menschen auf der Straße oder im Supermarkt anzulächeln ist hier nicht üblich, genauso wenig wie im Alltag ständig „danke“ oder „bitte“ zu sagen. Was bei uns als nette Geste oder als Ausdruck von Höflichkeit gilt, lässt die Litauer skeptisch und misstrauisch werden.

Erschwerend kommt sicher auch das Klima hinzu. In regulären Jahren lässt sich die Sonne hier wohl nahezu 10 Monate kaum blicken. Stattdessen ist der Himmel bewölkt und es regnet viel. Nicht ohne Grund bedeutet „Litauen“ übersetzt so viel wie „Land des Regens“ Dass das aufs Gemüt schlägt, leuchtet wohl jedem ein, der schon mal über das Wetter bei uns hierzulande gejammert hat.

Wir haben dort jedenfalls für uns die Erkenntnis gewonnen, dass auch die beste und schönste Natur uns nicht glücklich macht, wenn wir uns unter den Einheimischen nicht nur seltsam, weil fremd, sondern wirklich unwohl fühlen. Und so haben wir beschlossen, das Land nach wenigen Tagen wieder zu verlassen.

Vorzeitiger Reiseabbruch und neue Pläne für den Winter

Und auch, wenn wir auf unserer „Rückreise“ abermals durch Polen und anschließend durch die Uckermark und die mecklenburgische Seenplatte ein paar schöne Plätze entdeckt haben, gestaltete sich unsere Reise doch anders als erhofft. Nur selten waren wir länger als 2 bis 3 Tage an einem Ort. Die meiste Zeit saßen wir im Auto und waren auf der Suche nach einem Platz zum Wohlfühlen.

Die typischen Camper sind wir nämlich nicht. Für uns ist das Reisen im Wohnmobil Mittel zum Zweck, um von A nach B zu kommen. Umherreisen ist nicht unser Ziel, sondern Ankommen und Bleiben. Das haben wir auf dieser Reise allerdings nicht gefunden. Und so war kaum ans Schreiben und das Ausarbeiten neuer Projekte zu denken. Irgendwie sollte es wohl nicht sein … und wir haben unsere Reise vorzeitig abgebrochen.

Aber nicht ohne eine neue Idee im Hintergrund: Wir wollen wieder nach La Palma! Nicht für immer, aber für den kommenden Winter. Da wissen wir, was uns erwartet und das ist genau das, was wir jetzt wollen und brauchen.