Wie andere unser Selbstbild prägen & damit unsere Realität beeinflussen

Wer sind wir? Und was denken wir über uns selbst? Welche Fähigkeiten schrei­ben wir uns zu, wo liegen unsere Schwächen und wie würden wir unseren Cha­rakter beschreiben?

Das Bild, das wir über uns selbst abgespeichert haben, stammt  zu einem großen Teil von unseren vergangenen Erfahrungen mit anderen. Vor allem Eltern, Lehrer und andere Erziehungspersonen beeinflussen mit ihren Reaktionen, Erwartungen und Aussprüchen unser Selbstbild.

Wer sich als Kind ständig anhören muss, dass er in diesem oder jenem Gebiet un­geschickt sei, dass er eine Nervensäge ist oder auch, dass er ein braves und liebes Kind ist, wird diese Aussagen mit der Zeit abspeichern und entsprechend sein Selbstbild formen. So kommt es zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.

Wer zum Beispiel immer wieder zu hören bekommt, dass er handwerklich unge­schickt sei, der wird infolge dessen immer misstrauischer in die eigenen Fähig­keiten und eher nach handwerklichen Missgeschicken als nach Erfolgen Aus­schau halten. Irgendwann meidet er vielleicht sogar Situationen, in denen hand­werkliches Geschick erfordert ist. Schließlich möchte man seine Unfähigkeit we­der vor sich selbst noch vor anderen zur Schau stellen.

Im Laufe der Zeit entwickelt man so tatsächlich zwei linke Hände. Der Grund dafür, ist dann weniger fehlendes Talent als vielmehr die fehlende Praxisübung! Und so passiert, was passieren muss, man hält sich selbst für handwerklich unge­schickt – die Prophezeiung erfüllt sich und wird zur eigenen Realität.

Als Kinder wissen wir nicht, dass die Reaktionen der anderen nicht ausschließ­lich mit uns selbst zu tun haben, sondern auch von anderen Faktoren, wie die ak­tuelle Laune bzw. Verfassung des anderen, abhängen.

Ein Elternteil, der nach einem langen Arbeitstag gestresst und abgeschafft nach Hause kommt und seine herumtobenden Kinder als „unerzogene Gören“ be­schimpft, denkt vielleicht nicht wirklich, dass die Kinder charakterlich so „entar­tet“ sind, sondern ist einfach mit der Situation überfordert.

Seine Aussage: „Ihr unerzogenen Gören, jetzt seid endlich mal leise!“ ließe sich also auch umwandeln in „Ich bin fix und alle und brauche meine Ruhe!“ Solche Umdeutungen lassen sich bei näherer Kenntnis der Situation stets leicht finden.

Allerdings können gerade Kleinkinder nicht anders als an sie gerichtete Bot­schaften mit dem „Ah, so einer bin ich also“-Ohr aufzufassen. Was so ein Aus­spruch über die aktuelle Verfassung des Sprechers aussagt, darüber können wir uns erst Gedanken machen, sobald wir fähig sind komplexere Zusammenhänge zu begreifen.

Das heißt, als (Klein-)Kinder sind wir den Worten unserer Erziehungspersonen ausgeliefert. Was sie über uns denken bzw. das, was sie über uns aussprechen, werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit zu unserem Selbstbild machen.

Es lohnt sich daher also einmal darüber nachzudenken, ob das Bild, das wir von uns selbst haben mit sich wiederholenden Aussprüchen aus unserer Kindheit zu­sammenhängen.

Wo hat man uns Talente zugeschrieben und wo Unzulänglichkeiten? Wofür wur­den wir gelobt und wofür getadelt? Und welche Fähigkeiten bzw. Unzulänglich­keiten schreiben wir uns heute zu?

Vor allem dann, wenn wir darunter leiden in einem Bereich ohne Talent zu sein, gilt es zu überdenken, ob das nicht mehr an mangelnder Praxiserfahrung als an tatsächlicher Unzulänglichkeit liegen könnte.

Wenn wir den Mut haben unser Selbstbild zu überdenken und eingefahrene An­sichten in Frage zu stellen, entdecken wir vielleicht ganz neue Facetten unserer Persönlichkeit, die ab sofort unser Leben maßgeblich bereichern können.

Trauen wir uns also all die Dinge anzugehen, die wir immer schon mal auspro­bieren wollten (sei es tanzen, singen, allein verreisen, einen Berg besteigen, me­ditieren, einen Marathon laufen, ein Buch schreiben oder was auch immer) – dann werden wir entdecken, dass in uns viel mehr steckt, als wir bislang zu den­ken wagten!

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