Auf den anderen eingehen

Wer auf seinen Gesprächspartner eingeht, ihm also Raum bietet seine Belange auszudrücken und sich zu entfalten – ohne ihn für irgendetwas zu kritisieren, ver­urteilen oder analysieren – der schafft damit eine Atmosphäre von Achtung und Respekt. Der andere fühlt sich wohl, geborgen und angenommen. Klar, dass dies zu einer tiefen zwischenmenschlichen Bindung beiträgt.

So gehen Sie auf Ihr Gegenüber ein:
1) Ermutigen Sie Ihren Gesprächspartner sich auszudrücken und seine Meinung zu sagen, zum Beispiel indem Sie fragen: „Was denkst du darüber?“ oder „Wie stehen Sie dazu?“

Durch solche konkrete Einladungen sich zu äußern, vermitteln wir dem anderen, dass uns seine Meinung wichtig ist und wir ihn als Person achten und schätzen.

2) Signalisieren Sie gleichzeitig, dass Sie bereit sind, geduldig zuzuhören. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich einfach nur nachfrage, die Ant­wort abwarte und dann wieder meinen Senf dazu gebe oder, ob ich wirklich be­reit bin zu hören, was der andere zu sagen hat.

3) Selbst wenn Ihr Gesprächspartner anderer Meinung sein sollte als Sie selbst, vermitteln Sie ihm, dass es absolut in Ordnung ist, dass er so denkt und fühlt, wie er nun mal eben denkt und fühlt.

Gerade wenn unser Gegenüber entgegengesetzter Meinung ist als wir, ist die Be­reitschaft den anderen so sein zu lassen wie er ist, die hohe Kunst der einfühlsa­men Kommunikation. Gewöhnlich neigen wir dann nämlich dazu mit Argumen­ten zu wetteifern, um den anderen doch noch von unserer Meinung zu überzeu­gen. Es hilft sich dann klar zu machen, dass den anderen so sein zu lassen wie er ist, inklusive seiner Meinungen und Einstellungen, nicht gleichzusetzen ist mit seinen Ansichten oder Verhaltensweisen einverstanden zu sein. Ein guter Zuhörer lässt Raum für jede Meinung und weiß, dass zwischenmenschlich nichts gewon­nen ist, wenn man aufs Rechthaben-Wollen aus ist.

4) Weiß Ihr Gegenüber nicht wirklich, was er zu sagen hat oder wie er zu einer konkreten Sache steht, dann helfen Sie ihm genau herauszuarbeiten, was ihn be­wegt und er sagen möchte. Wir sind uns nicht immer schlüssig in Bezug auf eine Sache. Es ist durchaus menschlich und natürlich, dass wir selbst auf einen einzel­nen Aspekt zwiegespalten sind, also geteilter Ansicht sind.

Indem wir den anderen einladen diesen Zwiespalt bewusst zu machen und ihm signalisieren, dass das absolut in Ordnung ist, kann er aufatmen und sich ent­spannen. Dadurch wird er sich klarer werden, welcher Teil in ihm überwiegt und wird leichter eine Antwort finden.

Eine Möglichkeit hierzu ist das Äußern von Vermutungen. So zum Beispiel: „Du weißt nicht so recht, ob du ja oder nein sagen möchtest, weil du sowohl Argu­mente dafür als auch dagegen findest?“ Oder: „Du bist also hin- und hergerissen, weil du sowohl … als auch …?“

Auf den anderen einzugehen, ihn einzuladen sich mitzuteilen und ihn dabei so sein zu lassen wie er ist, das ist der Schlüssel zu einer Atmosphäre, in der sich unser Gegenüber geachtet und geschätzt fühlt. Gleiches wird er uns zurückspie­geln und wir haben die Toren für tiefe und bereichernde Beziehungen geöffnet.

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