Eine Expertin packt aus: So gelingt der Ausstieg aus der Nikotinsucht

Rauchen gefährdet die Gesundheit. Allein in einer Zigarette stecken über 3800 chemische Verbindungen, von denen mehr als 200 giftig wirken! Mindestens 40 davon sind krebserregend. Trotzdem schaffen es viele nicht vom Rauchen loszukommen. Umso mehr freuen wir uns, Nicole Gabor von www.frau-rauchfrei.de zu Gast zu haben.

Nicole hat selbst über 15 Jahre lang geraucht, hat dann aber den Absprung geschafft. Inzwischen ist sie seit einigen Jahren „trockene“ Nichtraucherin und hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Betroffene bei der Rauchentwöhnung zu unterstützen.

Also Nicole, schön dass Du Dich bereit erklärt hast, uns heute ein paar Fragen zu beantworten. Vielleicht möchtest Du Dich unseren Lesern zunächst kurz vorstellen?

Nicole: Ich freue mich sehr, dass Ihr mich eingeladen habt und mich und meine Arbeit etwas näher vorstellen kann. Mein Name ist Nicole Gabor, ich bin 35 Jahre alt und wohne mit meinem Sohn und Partner bei Köln. Meine Vision ist es, Menschen zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören und endlich ein gesundes, rauchfreies Leben zu führen.

Ich selber habe 15 Jahre lang geraucht und einige Male erfolglos versucht aufzuhören. Nach 15 Jahren kam dann der Entschluss: „Nicole, entweder rauchst Du jetzt weitere 15 Jahre oder Du hörst auf“.

Am Tag rauchte ich gut 20 Zigaretten, selbst an Tagen, an denen ich krank war. Ich habe es einige Male versucht, mit dem Rauchen aufzuhören und habe es nie geschafft. Als ich dann vor 5 Jahren erneut den Entschluss gefasst habe, mit dem Rauchen aufzuhören, wusste ich, dass ich nicht einfach so aufhören kann und mich zunächst intensiv mit dem Thema beschäftigten musste, um die Hintergründe der „Nikotinsucht“ besser zu verstehen. Dabei habe ich viel gelernt und endlich im April 2011 den Absprung geschafft.

Marion & Jens: Also erst einmal Hut ab, dass Du den Absprung nach so vielen Jahren geschafft hast. Was uns interessieren würde und unsere Leser sicher auch: Du hast erzählt, dass Du vor Deinem Absprung vor 5 Jahren zuvor einige Male erfolglos versucht hast mit dem Rauchen aufzuhören. Was hat den Unterschied bei Deinem letzten Mal, wo Dir der Absprung tatsächlich gelungen ist, ausgemacht? Gab es einen entscheidenden Auslöser, also eine bestimmte Motivation, die Du davor vielleicht nicht hattest?

Und was hast Du bei Deinen Recherchen über die Nikotinsucht herausgefunden. Gibt es da ähnlich wie bei der Zuckersucht auch emotionale Themen, die häufig mit dem Rauchen in Verbindung stehen?

Nicole: Es gab einige Unterschiede, warum es mir beim letzten Mal gelungen ist mit dem Rauchen aufzuhören und die vorigen Male nicht. Zum einen fühlte ich regelrecht, dass meine Gesundheit unter der Nikotinsucht litt. Ich war oft krank, fühlte mich müde, meine Haut war fahl und bei jeder Zigarette fragte ich mich, wie ich das meinem Körper nur antun kann. Das Bewusstsein für meinen Körper und meine Gesundheit hatte sich verändert.

Zum anderen wusste ich, dass ich in der Zukunft gerne ein Kind wollte. Ich fühlte mich aber so ungesund in meinem „Raucher-Körper“ und wollte in diesem Körper kein Kind austragen und die Giftstoffe weitergeben. Der Wunsch nach einem eigenen Kind, hat mich stark motiviert.

Bei meinen Recherchen habe ich gelernt, dass Nikotin sehr viele Regionen im Gehirn beeinflusst und körpereigene Stoffe ersetzt. Das macht den Entzug für einige Menschen sehr schwer, vor allem, wenn der Körper sehr viel Kraft aufbringen muss, selbst wieder in die Gänge zu kommen um Botenstoffe zu produzieren.

Als Beispiel sei hier die Auswirkung auf das Belohnungszentrum zu nennen: Nikotin beeinflusst das Belohnungszentrum. Wenn man raucht, werden Endorphine, Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, die unsere Stimmung positiv beeinflussen. Die Folge ist, dass der Körper denkt: Rauchen tut gut und macht glücklich. Das führt zum Beispiel dazu, dass einige Menschen nach dem Aufhören leichte Depressionen bekommen oder sich schlecht fühlen. Oft folgt dann der Griff nach der Zigarette und das Vorhaben „Rauchen aufhören“ scheitert.

Des Weiteren sehe ich bei meinen Klienten, dass die Zigarette in vielen emotionalen Situationen eine Art „bester Freund“ ist. Die Zigarette ist eine Art Stütze und immer da! Vor allem bei negativen Emotionen wie Ärger, Stress oder Wut stellt das Rauchen ein Ventil da. Hier gilt es, diese emotionalen Verbindungen zur Zigarette zu analysieren und aufzulösen, also andere Ventile zu finden. Mir hat da Sport, Spazieren gehen oder auch Weinen sehr geholfen.

Marion & Jens: Wow, das deckt sich ja ziemlich mit unseren Erfahrungen in Bezug auf die Zuckersucht, auch da spielen die Beeinflussung des Belohnungszentrum und emotionale Verstrickungen eine entscheidende Rolle. Könntest Du unseren Lesern noch ein paar konkrete Tipps geben, wie sie mit dem Rauchen aufhören können?

Nicole: Was ich auf jeden Fall raten kann, ist, dass man sich kleine Ziele setzt. Damit meine ich, dass ein frischer Nichtraucher von einem Tag auf den anderen Tag schauen soll. Einen ganzen Tag rauchfrei leben ist wunderbar und wenn dieser vorbei ist, schaut man auf den nächsten Tag und nicht auf das nächste Jahr. Die kleinen Schritte ermutigen und nehmen die Angst. Dazu fällt mir auch ein Spruch ein:

„Beginne mit dem Notwendigen, dann mit dem Möglichen und plötzlich wirst Du das Unmögliche tun.“ (Franz von Assisi)

Daneben kann ich jedem Raucher empfehlen, einmal auf die Rauchgewohnheiten zu achten. Das bedeutet, dass man sich zwei, drei Tage jede Zigarette und die dazugehörige Rauchsituation aufschreibt. Daneben sind vor allem die Emotionen wichtig: Raucht man aus Wut, Überforderung, Langeweile, Glück. Wie fühlt man sich dabei, wenn man raucht?

Diese Übersicht soll helfen, dass man die Verbindung der Emotionen zu den Zigaretten versteht und sich klar macht, dass das Ausleben dieser Emotionen auch ohne Zigaretten möglich ist und man Alternativen findet, mit diesen Emotionen umzugehen.

Frau Rauchfrei

Das ist Frau Rauchfrei (Nicole Gabor)

Viele frische Nichtraucher machen einen Fehler, den ich ihnen gerne ersparen möchte: Sie fühlen sich zu sicher und denken: „Ach, eine Zigarette kann nicht schaden“. Diese Zigarette ist jedoch in den meisten Fällen ein Schritt zurück in das Raucherleben. Vor allem fällt es den meisten Rauchern danach sehr schwer, wieder vollkommen mit dem Rauchen aufzuhören.

Deswegen möchte ich jeden dazu bekräftigen, in den Momenten, wo der Drang nach einer Zigarette groß ist, durchzuhalten. Der Drang nach einer Zigarette geht nach wenigen Sekunden weg, wenn man sich nicht hinein steigert.

In solchen Momenten kann man daran denken, wie gesund man sich fühlen wird, wenn man Nichtraucher bleibt oder was man sich Schönes von dem Geld leisten wird, wenn man es nicht mehr sinnlos für Zigaretten ausgibt.

Marion & Jens: Super, vielen Dank für diese Tipps, Nicole. Auch beim Ausstieg aus der Zuckersucht oder anderen problematischen Essgewohnheiten raten wir zu einem ähnlichen Vorgehen. Du hast ja auch ein Buch und einen Online-Kurs entwickelt, um andere Menschen bei der Rauchentwöhnung zu unterstützen. Würdest Du dazu noch ein paar Worte sagen?

Nicole: Mit dem Rauchen aufzuhören, war die beste Entscheidung in meinem Leben und ich möchte, dass viele andere Menschen auch diese Erfahrung machen! Deshalb habe ich meine Erfahrungen, Methoden und Strategien in einem Rauchfrei-Programm zusammengefasst. Denn, wenn ich es geschafft habe (und ich war ein Hardcore-Raucher), dann schaffen das andere Menschen auch!

Also schrieb ich ein Buch und entwickelte einen Online Kurs, wo ich meine Methoden und Tricks vorstelle, die ich selbst genutzt habe. Ich habe mich dabei auf den Ausstieg aus der Nikotinsucht speziell für Frauen konzentriert, weil meine Erfahrungen zeigen, dass Frauen aus anderen Gründen rauchen als Männer.

Das Besondere an dem Kurs ist, dass dieser eine Schritt-für-Schritt-Anleitung ist, wie man sich für den ersten Tag als Nichtraucher vorbereitet. Der Unterschied zu anderen Rauchfrei-Kursen und Seminaren ist aber, dass mein Kurs nicht einfach aufhört, wenn dann der große 1. rauchfreie Tag da ist.

31VgsP1HyoLIn meinem Kurs begleite ich die frischen Nichtraucher in den ersten 3 Monaten. Sie bekommen Tipps, wie sie nicht rückfällig werden, was sie tun sollen, wenn es ihnen nicht gut geht und wie sie nicht zunehmen. Schließlich kommt es ja nicht einfach darauf an, den ersten Schritt zu machen und mit dem Rauchen aufzuhören, sondern auch dabei zu bleiben und nicht rückfällig zu werden. Das ist das Ziel meines Kurses.

Marion & Jens: Liebe Nicole vielen Dank für dieses Interview. Sollten wir noch Raucher unter unseren gesundheitsbewussten Lesern haben :-), können sie Dein Buch „Frau Rauchfrei“ z. B. auf amazon kaufen oder auf dieser Seite mehr über Dein Programm erfahren>>

P.S.: Nicole hat unsere Seite übrigens zu einer der 15 besten Seiten für die Rauchentwöhnung im Bereich Detox auserkoren. Mehr Infos hier>>

  Bildrechte: © Nicole Gabor

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