Spiraldynamik – Die Kunst und Wissenschaft menschlicher BewegungskoordinationSpiraldynamik – Eine „Bedienungsanleitung“ für Ihren Bewegungsapparat

„Einem Bildhauer vergleichbar, gestalten Sie zeitlebens Ihren eigenen Körper. Nur verwenden Sie Bewusstsein und Bewegung anstelle von Hammer und Meißel.“

-Dr. Christian Larsen, Mitbegründer der Spiraldynamik-

In unserem physikalischen Universum wirken die Gesetze von Raum und Zeit immer und überall. Bewegung und Veränderung lassen sich sowohl zeitlich als auch räumlich wahrnehmen und sind Ausdruck von Leben und Energie. Leben ist geprägt durch Bewegung und Veränderung und diese beiden Komponenten prägen auch unseren Körper und unseren Geist.

Ohne Bewegung und Veränderung ist kein Leben möglich. Unser Körper, wie auch unser Geist entwickelt und formt sich durch Bewegung und ständiges bewegt werden und stellt so zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens das Resultat von Bewegung und Veränderung dar. Wir sind das sich ständig verändernde Ergebnis unserer Aktivitäten und all dessen was uns bewegt.

Unser Bewegungsapparat und unser Nervensystem entwickeln und verändern sich anhand aktiver und reaktiver Bewegung, was sowohl bewusst als auch unbewusst geschehen kann. Sobald wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas richten, entwickeln wir ein Bewusstsein dafür. Auch das ist eine Art von Bewegung, die zu einer direkten Veränderung führt. Bewusstes Sein lässt sich als Aktivität und Bewegung unseres Geistes definieren, die zu einer sofortigen Veränderung dessen führt, was wir uns bewusst machen.

An dieser Stelle setzt das Konzept der Spiraldynamik an, das bereits 1982 von Dr. Christian Larsen und der Physiotherapeutin Yolanda Deswarte begründet wurde. Menschliche Bewegung aller Art lässt sich als ein lebendiges Stück der universellen Raum-Zeit-Koordination verstehen. Indem wir uns unserer Bewegungen bewusst werden, haben wir die Möglichkeit einen Einfluss darauf zu nehmen und eine aktive Veränderung zu bewirken.

Die meisten Bewegungen, sowohl körperlich als auch geistig und gedanklich verlaufen bei den meisten Menschen eher unbewusst. Das lässt „blinde Flecken“ entstehen, Momente in denen unsere körperlichen und geistigen Aktivitäten ohne Bewusstsein passieren. Währenddessen „merkt“ sich unser Nervensystem dennoch alles und speichert alles was geschieht auf einer Art internen Festplatte.

So kommt es, dass ein Großteil unserer Angewohnheiten vollkommen unbewusst entstanden sind. Das führt nicht zu zielgerichteten Ergebnissen und meistens landen wir mit all unseren Aktivitäten dort, wo wir eigentlich gar nicht hin wollen. Unsere innere Haltung und unsere äußere Haltung prägen unsere persönliche Wahrnehmung und dementsprechend auch unsere individuelle Realität.

Unser physischer Körper und unsere Art zu denken spiegeln unsere bisherigen körperlichen und geistigen Aktionen und Reaktionen auf äußere Umstände wieder. Fühlen wir uns mit unserer aktuellen Situation unwohl und wollen etwas im Leben verändern, benötigen wir hierzu bewusste körperliche und geistige Bewegung.

Die Spiraldynamik entwickelte sich, aufgrund der Beobachtung von Neugeborenen und deren Bewegungsmuster. Larsen und Deswarte erkannten, dass sich körperliche Bewegung rhythmisch, koordiniert und durch individuelle Ziele motiviert in harmonische, natürliche oder disharmonische und unnatürliche Bewegungsmuster unterteilen lässt. Neugeborene verfügen „noch“ über eine perfekte Bewegungskoordination, die sich durch Effizienz, Ökonomie und Harmonie auszeichnet und das ganze archaische Wissen der menschlichen Evolution enthält.

Wenn wir neu in die Welt hinein geboren werden, befinden wir uns noch in Einklang und in Harmonie mit den kosmisch-universellen Gesetzmäßigkeiten. Neugeborene handelt intuitiv nach dem Prinzip der maximalen Ökonomie: Mit wenig Aufwand eine optimale Wirkung erzielen. Je älter wir werden, desto komplizierter gehen wir die Dinge an, bis wir uns schließlich weit von unserem Ursprung entfernen und der Großteil unserer Bewegungen und Aktivitäten unbewusst und wenig ökonomisch ablaufen. Das wirkt sich auf unseren Körper und unseren Geist aus.

Das Konzept der Spiraldynamik ist der Versuch, ursprüngliche, archetypische und komplexe Bewegungsmuster in einfachen und gut verständlichen Symmetriegesetzen zu beschreiben, die man auch als „Geometrie der menschlichen Bewegung“ bezeichnen kann. Damit können wir die „universale Architektur“ unseres Bewegungsapparates besser verstehen lernen und unsere Wahrnehmung ganz gezielt schulen.

Die Spiraldynamik zeichnet sich aus durch Dynamik, Systematik, natürliche Einfachheit und eine konsequente Dreidimensionalität. Für mich persönlich ist die Spiraldynamik ein effektives Werkzeug, das Bewegungskünstlern aller Art ganz schnell einen tiefen Einblick und ein besseres Verständnis für die eigenen Bewegungsgewohnheiten ermöglicht. Die Spiraldynamik kann uns helfen, das was wir als Kind noch ganz selbstverständlich praktiziert haben und uns im Laufe des Lebens immer mehr abhanden zu kommen scheint, schnell und leicht wieder zu entdecken.

Dadurch verbessert sich unsere Bewegungsökonomie, unsere Körperhaltung, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, unser Wohlbefinden und die Wahrnehmung. Zugleich ist es ein Weg zu einem bewussteren Leben und gezielter Bewegungssteuerung. Viele Verletzungen und Verschleißerscheinungen aufgrund unbewusst durchgeführter Bewegungs- und Trainingseinheiten brauchen gar nicht erst zu entstehen.

Ich persönlich nehme sowohl meine eigenen Bewegungen und Haltungsgewohnheiten als auch die meiner Patienten, Klienten und Mitmenschen ganz anders wahr, seit dem ich Bewegung aus der Sichtweise der Spiraldynamik betrachte. Man lernt zu sehen, ob sich jemand harmonisch im Sinne der natürlichen Geometrie und Funktion des menschlichen Bewegungsapparates bewegt und im Fluss ist oder nicht.

Nehmen wir zwei Sportler, beide mit ähnlicher Statur und Kraft, dennoch kann einer der beiden zur Weltspitze gehören und der andere nicht. Es kommt auf das „Wie“ an, wie sie ihren Körper gebrauchen und ihre Kraft einsetzen und das beruht meistens auf unseren bisherigen Gewohnheiten. Wir bewegen uns recht unbewusst und deshalb folgt unser Körper dieser Unbewusstheit nach und wir merken nicht mehr ob wir uns effizient bewegen oder nicht.

Die Prinzipien der Spiraldynamik sind leicht zu erlernen und ab dann auch zu erkennen, bei sich und bei anderen. Deshalb kann ich jedem der sich selbst gerne und viel bewegt und allen, die als Trainer oder Therapeuten tätig sind, wirklich empfehlen, sich mit dem Konzept der Spiraldynamik zu beschäftigen. Das wird einiges erleichtern und auch vieles besser verständlich machen. Ich kann auch noch einmal speziell alle Kampfkünstler, besonders diejenigen, die innere Kampfkünste wie Tai Chi, Yi Quan, Bagua usw. betreiben auffordern die Spiraldynamik als ergänzendes Werkzeug oder Tool zu ihrer Bewegungskunst hinzu zu nehmen. Ihr werdet damit viele „Geheimnisse“ eurer Kunst viel schneller und tiefgehender begreifen.

Nähere Informationen

Zur Spiraldynamik gibt es auf der Seite der Begründer weitere Informationen, wie man sich das Wissen am besten aneignen kann. Es gibt interne Ausbildungen und Kurse, Praxisbücher usw. Mir persönlich bringen die beiden Bücher „Gut zu Fuß ein Leben lang“ und „Spiraldynamik – Die zwölf Grade der Freiheit“, von Dr. Christian Larsen, Mitbegründer der Spiraldynamik sehr viel. Wem das Lernen aus Büchern nicht gefällt, der ist bestimmt mit einem Einsteigerkurs gut bedient.

Ich persönlich habe den Begriff „Spiraldynamik“ zum ersten Mal vor fast 20 Jahren in dem Buch „Kraft ohne Anstrengung„, von Dieter Allgeier wahrgenommen. Es hat danach noch einige Jahre gedauert, bis ich Bewegung an sich näher entschlüsseln und verstehen lernen wollte. Bei intensiverer Arbeit mit den Methoden von Dieter Allgeier beschloss ich, mir auch dessen Wurzeln genauer anzuschauen und war absolut verblüfft und begeistert, welch ein Informationsschatz das Konzept der Spiraldynamik hier zu bieten hat.

Bildrechte: pixelio.de © Peter Pahl Verlassenes Schneckengehäuse

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