Schmerzen im unteren Rücken Ursache und TherapieWoher kommen Schmerzen im unteren Rücken und was hilft dagegen?

Ungefähr 66 % der Bevölkerung leidet unter Rückenproblemen, am häufigsten wird dabei über Schmerzen im unteren Rücken geklagt. Schmerzen im unteren Rücken können verschiedene Ursachen haben.

In vielen Fällen haben die Betroffenen schon einige Besuche bei Orthopäden und Physiotherapeuten hinter sich, ohne dass Bandscheibenschäden oder andere Ursachen festgestellt werden konnten und dennoch sind die Schmerzen vorhanden.

In diesem Artikel möchte ich aus meiner Sicht als Heilpraktiker aufzeigen, wodurch solche Schmerzen im unteren Rücken ausgelöst werden können und wie sich Betroffene möglicherweise selbst von ihren Rückenschmerzen befreien können.

Schmerzen im unteren Rücken, obwohl kein Befund vorliegt?

Bei Rückenschmerzen muss nicht immer ein Bandscheibenvorfall oder eine Wirbelverschiebung vorliegen, oft ist die Wirbelsäule gesund und es liegt kein klassischer Befund vor.

In vielen Fällen liegt die Ursache für „unerklärliche“ Schmerzen im unteren Rücken in einer dauerhaften oder phasenweisen Veränderung der natürlichen Muskelspannung im Bereich der Rückenstrecker, Hüftstrecker, Hüftbeuger und der Rumpfbeuger, bestehend aus den vorderen und seitlichen Bauchmuskeln.

Diese Muskelgruppen arbeiten als Team und sind verantwortlich für unsere aufrechte Körperhaltung. Die Hüftstrecker bestehen aus den Gesäßmuskeln und Anteilen der hinteren Beinmuskeln, deren Gegenspieler, die Hüftbeuger bestehen aus dem Hüftbeugemuskel (Musculus illiopsoas) und Anteilen der vorderen Beinmuskeln.

Die Hüftstrecker und die Hüftbeuger sind für das Bewegen und Stabilisieren der Hüftgelenke, die eine zentrale Rolle für unsere aufrechte Körperhaltung spielen, verantwortlich.

Damit wir uns aus dem Sitzen in den aufrechten Stand erheben können, müssen die Hüftstrecker zum einen kräftig genug sein und die Hüftbeuger zum anderen elastisch und nachgiebig genug, damit sie die Streckbewegung der Hüftstrecker nicht behindern. Es muss also ein Kräftegleichgewicht vorliegen. Das ist auch für unseren aufrechten Gang und die Laufbewegung essentiell.

Die Rückenstrecker verlaufen links und rechts entlang der Wirbelsäule und haben die Aufgabe, unsere Wirbelsäule aufzurichten und zu strecken. Ihre Gegenspieler sind die Rumpfbeuger, bestehend aus den verschiedenen Anteilen der Bauchmuskeln. Auch hier ist ein Kräftegleichgewicht die Voraussetzung für eine aufrechte Körperhaltung und eine optimale Beweglichkeit und Stabilität der Wirbelsäule.

Kommt es in nur einer Muskelgruppe aus dem Team zu einer Schwäche oder Verkürzung, wirkt sich das sofort auf alle anderen Teammitglieder aus! Rückenschmerzen, insbesondere im unteren Rücken, können die Folge sein.

Das Gesäß ist zu schwach und der Rücken überlastet

Da die meisten von uns mehr Zeit sitzend als aufrecht stehend oder gehend verbringen, ist die logische Folge davon, eine Veränderung unseres natürlichen Kräftegleichgewichts zwischen all diesen Muskelgruppen.

Der menschliche Bewegungsapparat ist für die aufrechte Haltung und den aufrechten Gang gemacht und das Sitzen auf Stühlen, Sofas und im Auto sind unnatürliche Haltungsmuster, die wir zwar einnehmen können, aber bei dauerhaftem Sitzen den Preis eines veränderten Kräftegleichgewichts zahlen müssen!

Unser Körper besitzt die Fähigkeit, sich veränderten äußeren Umständen sehr schnell anzupassen, was teilweise sogar überlebensnotwendig ist. Hätten wir diese Fähigkeit nicht, würden wir im Winter draußen erfrieren oder beim kleinsten Mangel an Wasser oder Nahrung sterben.

Unsere Skelettmuskulatur wird durch unser Nervensystem koordiniert und sobald wir regelmäßig bestimmte Körperhaltungen einnehmen oder ungewohnte Bewegungen ausführen, speichert unser Nervensystem dies ab, damit wir nicht jedes Mal wieder alles neu lernen müssen.

Wird eine bestimmte Körperhaltung dauerhaft und täglich eingenommen, erkennt dies das Nervensystem als neuen „Normalzustand“, so auch stundenlanges Sitzen. Die Folge davon ist, dass die natürliche Ruhespannung in allen beteiligten Muskelgruppen so verändert wird, dass in der neuen Körperhaltung am wenigsten Energie verbraucht wird.

Beim Sitzen befinden sich die Hüftgelenke in einer dauerhaft gebeugten Position und die Länge der Hüftbeuger und Hüftstrecker passt sich mit der Zeit an: Die Gesäßmuskeln sind dauerhaft verlängert und müssen demnach ihre ursprüngliche Ruhespannung verringern, die Hüftbeuger sind dauerhaft verkürzt und erhöhen demnach ihre ursprüngliche Ruhespannung in Vergleich zum aufrechten Stand.

Die unweigerliche Folge davon ist, dass die Gesäßmuskeln an Ruhespannung und Kraft verlieren, Sitzen sorgt dafür, dass unsere Gesäßmuskeln abschwächen und schlaff werden!

Dauerhafte Fehlhaltung als Auslöser für Schmerzen im unteren Rücken

Damit wir uns aber trotzdem jedes Mal wieder vom Schreibtisch oder aus dem Auto aufrichten können, müssen andere Muskelgruppen die Schwäche der Gesäßmuskeln kompensieren.

Für die Aufrichtung und Streckung der Wirbelsäule sind, wie bereits erwähnt, die Rückenstrecker verantwortlich, und wenn das Gesäß schlapp macht, neigen wir unbewusst dazu uns im unteren Rücken zu überstrecken, wir produzieren dann sozusagen ein extremes Hohlkreuz!

Das hat wiederum zur Folge, dass die Gegenspieler, die Bauchmuskeln in eine Verlängerung gehen müssen und demzufolge wiederum an ursprünglicher Spannung und Kraft nachgeben.

Die dauerhafte Hohlkreuzhaltung sorgt für eine unausgeglichene Belastung der Wirbelsäule des unteren Rückens. Chronische Verkürzungen und Verspannungen sind die Folge. Und weil diese Muskeln dann nur noch über einen eingeschränkten Bewegungsspielraum verfügen, verlieren sie immer mehr an Kraft und verlieren ihre Stütz- und Stabiliserungsfunktion.

So wird der Weg für Bandscheibenschäden geebnet und bis dahin leiden die Betroffenen, also die meisten von uns, schon an schmerzhaften Verspannungen und einer Überreizung der Muskulatur und der versorgenden Nerven. Das sind die häufigsten Ursachen für „unerklärliche“ Schmerzen im unteren Rücken, bei denen noch kein „ernsthafter“ Befund vorliegt.

Eine Fehlhaltung führt zur nächsten

Hinzu kommt noch, dass beim dauerhaften Sitzen, insbesondere am PC oder am Steuer eines Autos, der obere Rücken, der Schultergürtel und der Kopf nach vorne wandert, wodurch es wiederum zu dauerhaften Veränderungen des Kräftegleichgewichts kommt.

Auch die Kniebeugemuskeln passen sich der sitzenden Haltung an und organisieren sich so, wie es beim Sitzen der Fall ist: Permanente Beugung der Kniegelenke in einem Winkel von 90° oder weniger führen auch hier zu einer Verkürzung der Beugemuskeln!

Was hilft bei solchen Schmerzen im unteren Rücken?

Massagen wirken wohltuend und können dauerhafte Spannungen mildern, auch die immer beliebter werdende Faszientherapie kann hier kurzweilig Abhilfe schaffen. Allerdings wird dadurch nicht das Problem gelöst, da wir uns ja am nächsten Morgen schon wieder an unseren Schreibtisch oder ins Auto setzen und dies auch nicht einfach unterlassen können.

Die einzige Lösung liegt in einem sinnvollen funktionellen Muskeltraining all der Muskelgruppen, die durch die veränderte Körperhaltung ihr natürliches Spannungsgleichgewicht verändert haben! Alles andere ist absolut wirkungslos!

Das mag sich jetzt ein wenig hart anhören, ist aber die einzige Möglichkeit die wir haben. Dazu solltest Du auf folgende Aspekte achten:

  • Gesäßmuskeln kräftigen, das steht an oberster Stelle
  • Hüftbeuger in Verlängerung trainieren
  • Bauchmuskeln und Rückenstrecker in einer lang gestreckten Position kräftigen, so wie es der natürlichen Körperhaltung entspricht

Die meisten Fitnessübungen sind dazu leider ungeeignet und können das Problem sogar noch schlimmer machen. Viele Trainer haben von dieser Problematik keine Ahnung und viele empfohlene Übungen erhöhen sogar noch die Spannung im unteren Rücken und trainieren die Hüftbeuger noch mehr in Verkürzung, was dann dazu führt, dass die Schmerzen im unteren Rücken immer schlimmer werden!

Mit diesen Übungen wirst Du Deine Rückenschmerzen los

Rückenschmerzen selbst behandeln PaperbackIch habe deshalb den Selbsthilferatgeber „Rückenschmerzen selbst behandeln – Die 5 Minuten Lösung“ zusammengestellt, der leicht verständlich die Problematik des veränderten Kräftegleichgewichts erläutert, das übrigens nicht nur zu Schmerzen im unteren Rücken, sondern auch in allen anderen Bereichen des Rückens führen kann.

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Du kannst und solltest in dringenden Fällen natürlich auch mehr üben, aber zur Erhaltung des wiederhergestellten Kräftegleichgewichts in Deiner Muskulatur sind wirklich nur fünf Minuten notwendig, das ist kein Scherz und keine Marketingstrategie!

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