Positiv denken oder positiv ausrichten?

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, doch ich stehe der Theorie vom „positiven Denken“ eher skeptisch gegenüber. Was bringt es mir einzureden, dass ich schlank bin, wenn der Blick in den Spiegel oder die Anzeige auf der Waage das Gegenteil behauptet?

Und was ändert die positive Affirmation „ich bin reich, ich bin reich“, wenn auf dem Kontogähnende Leere herrscht? Ich halte nicht viel von solchen Ratschlägen.

Allerdings könnte meine skeptische Haltung gegenüber den Vertretern des positi­ven Denkens auch daher rühren, dass ich bislang die Aussage dahinter nicht wirklich verstanden habe. Denn es könnte ja auch sein, dass sich hinter der Lehre des positiven Denkens, etwas ganz anderes verbirgt als der Rat, sich die Dinge schön zu reden. Denn das bringt tatsächlich reichlich wenig.

Was könnte mit positivem Denken auch gemeint sein?

1. Eine positive Grundeinstellung

Zunächst einmal könnte damit eine optimistische Grundeinstellung gemeint sein. Schließlich ist es Ansichtssache, ob ich das Glas als halb gefüllt oder geleert be­trachte. Auch wenn meine Einstellung demgegenüber keine Auswirkungen auf die Realität hat, dadurch also nicht mehr oder weniger Inhalt ins Glas gelangt, hat meine Haltung Einfluss auf mein Wohlbefinden. Mag das an dem Beispiel mit dem Glas auch noch nicht so deutlich heraus kommen. Bei anderen Dingen wird es klarer.

Misslingt eine Prüfung, bekommen wir einen bestimmten Job nicht oder verpas­sen wir den Bus, dann ist das natürliche erstmal „dumm“ gelaufen und Unmut kann aufkommen. Doch wenn wir uns dazu noch in negativen Gedanken wie Selbstzweifel, Hoffnungslosigkeit oder Ärger verlieren, macht das die Situation auch nicht besser. Im Gegenteil, wir laden uns dadurch noch eine Extraportion unguter Gefühle auf.

Zum Glück gibt es in jedoch stets mehrere Betrachtungsweisen. Fast immer lässt sich auch etwas Gutes finden oder zumindest vermuten. Wer weiß schon wozu es besser ist, dass es so gelaufen ist, wie es eben ist?

Wenn wir uns in einer unschönen Gegebenheit dennoch auf die guten Dinge kon­zentrieren, mögen diese auch noch so winzig sein, verhilft uns das zu angeneh­meren Gefühlen und bewahrt uns vor einer Abwärtsspirale von negativen Gedan­ken und Stimmungen. Rein sachlich betrachtet ändert sich durch unsere positive Einstellung zwar nichts, dennoch fühlen wir uns einfach besser damit.

Die Richtung unserer Gedanken hat einen erheblichen Einfluss auf unsere Ge­fühlswelt.

Statt mich wegen der misslungenen Prüfung schlecht zu fühlen und an meiner In­telligenz zu zweifeln, könnte ich mich bei dieser Gelegenheit an dem Erlebnis er­freuen, dass es Menschen gibt, die hinter mit stehen, denen meine Person wichti­ger ist als meine termingerecht abgefragten Leistungen.

Und bei der Jobabsage ist nicht ausgeschlossen, dass wir bald einen lukrativeren Job angeboten bekommen und daher überhaupt nicht traurig sein müssen, dass es dieses Mal nicht geklappt hat.

Und wenn wir den Bus verpassen, ändert auch ein Fluchen nichts mehr daran, dass wir nun zu spät kommen. Statt dessen könnten wir uns auf einen ungeplan­ten Fußmarsch einlassen und diesen Spaziergang nutzen um unsere Sinne zu er­freuen – zu spät kommen wir ja jetzt sowieso.

Jede Situation hat mehrere Aspekte. Und es gibt eigentlich keine Gelegenheit im Leben, bei der wir uns nicht auch etwas konzentrieren können, was uns besser fühlen lässt.

Es liegt ganz allein in unserer Hand, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, ob wir die Dinge also positiv oder im negativen Licht betrachten. Das ist ganz al­lein unsere Entscheidung.

2. Sich positiv ausrichten

Mit positivem Denken könnte aber auch noch etwas ganz anderes gemeint sein. Statt sich auf die Dinge zu konzentrieren, die uns fehlen und die wir meiden wol­len, könnte damit gemeint sein, sich auf die Dinge auszurichten, die wir wün­schen und erhoffen. Positive Aussagen wie „ich hätte gern mehr Geld“ oder „ich wäre gerne ein paar Pfunde leichter“ allein, sind nach diesem Verständnis noch kein positives Ausgerichtetsein.

Entscheidend ist welches Gefühl der positiv formulierte Gedanke auslöst. Denke ich bei dem Wunsch nach mehr Geld an die Flaute auf meinem Konto, fühlt sich das nicht gerade hoffnungsvoll an. Bin ich dagegen darauf fokussiert, was ich mit diesem Geld alles anstellen würde, fühlt sich das ziemlich gut an. Es geht also weniger darum, ob eine Aussage positiv formuliert ist, sondern darum, wie wir uns beim Gedanken daran fühlen. Wünschen wir aus einem Mangel, einer Be­fürchtung heraus oder aus vorfreudiger Erwartung?

Auch damit ändern wir zwar nichts an unserer Situation, unsere schwingungsmä­ßige Ausstrahlung dagegen sehr. Und das wirkt nach dem Gesetz der Anziehung nicht nur auf unsere momentane Empfindung;-)

Bildrechte: Ein Tag im Park © Susi Berk

zuletzt aktualisiert am