Ein erhöhter Cortisolspiegel führt zu vermehrter Knochenbrüchigkeit und vorzeitiger Alterung

Das Steroidhormon Cortisol ist für unseren Körper lebensnotwendig und ohne Cortisol würden wir innerhalb weniger Tage sterben!

Cortisol ist zuständig für die körperliche und geistige Aktivität und Leistungsfähigkeit. Ein Mangel an Cortisol führt zu Antriebslosigkeit, Müdigkeit, depressiver Verstimmung und verringerter Schaffenskraft.

Ein erhöhter Cortisolspiegel ist jedoch schädlich und führt zu einer Abnahme der Knochenmasse und Knochendichte. Osteoporose, ein erhöhtes Frakturrisiko und eine schlechtere Heilung bei Knochenbrüchen und anderen Verletzungen sind häufig die Folge von Hypercortisolismus (= zu viel Cortisol im Blut).

Hohe Cortisolspiegel führen zu einem verstärkten Gewebeabbau

Cortisol hat im Körper unter anderem die Aufgabe, gespeicherte Energie aus den Zellen freizusetzen und den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Damit fungiert Cortsiol als direkter Gegenspieler von Insulin, das die Aufgabe hat, den Blutzuckerspiegel zu senken, indem es die Glukose aus dem Blut ins Innere der Zellen befördert.

Normalerweise ist der Cortisolspiegel erhöht, wenn mehr Energie benötigt wird, also im Falle körperlicher, geistiger und psychischer Belastungen. Bei länger anhaltenden Stress- und Belastungsphasen kommt es zu einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel, der dann zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel führt.

Wird die Glukose aus dem Blut jedoch nicht verbrannt, bleibt der Blutzuckerspiegel durchgehend erhöht, was zu einer gesteigerten Produktion und Ausschüttung von Insulin führt, wodurch der Stresspegel wiederum gesteigert wird, was eine stärkere Cortisolausschüttung zur Folge hat. Ein Teufelskreis beginnt.

Auf Dauer führt ein erhöhter Cortisolspiegel deshalb auch zu Insulinresistenz und einer Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulinproduktion zuständig ist.

Neben der Freisetzung von Glykogen aus den Glykogenspeichern der Zellen bewirkt Cortisol jedoch auch eine Umwandlung von Aminosäuren und Proteinen zu Glukose. Ein erhöhter Cortisolspiegel fördert dadurch den Abbau von Proteinen und Aminosäuren aus den Muskelzellen, den Blutgefäßwänden, den Knochen, Bändern, Sehnen und des gesamten Bindegewebes.

Cortisol baut also Muskel- und Knochenmasse ab und führt dazu, dass die Kollagen- und Elastinfasern des Bindegewebes immer weiter schwinden. Das führt zu Muskel- und Knochenschwund, Bindegewebsschwäche, einem Verlust der Elastizität und Festigkeit der Blutgefäße, der Bänder, Sehnen und der Haut (Hypercortisolismus führt zu einem dünner werden der Haut, der sogenannten „Pergamentpapier-Haut“).

Osteoporose, Knochenschwund und erhöhte Knochenbrüchigkeit durch erhöhte Cortisolspiegel

Ständig erhöhte Cortisolspiegel, ausgelöst durch Dauerstress, Erkrankungen der Nebenniere (adrenale Insuffizienz), erhöhte Blutzuckerspiegel, Insulinresistenz oder durch cortisonhaltige Medikamente (Cortison ist die inaktive oxidierte Form von Cortisol und in vielen Medikamenten enthalten) führen mit der Zeit zu Osteoporose und Knochenschwund.

Dies kommt dadurch zustande, dass einerseits verstärkt Aminosäuren aus den elastischen und zugfesten Proteinstrukturen der Knochen (hauptsächlich Kollagen und Elastin) abgebaut und zu Glukose umgewandelt werden und andererseits, indem der Knochenaufbau und die Regenerationsfähigkeit der Knochenzellen gehemmt wird.

Cortisol unterdrückt nämlich auch die Bildung von Wachstumsfaktoren (insbesondere von IGF-1), wodurch die Entwicklung der Osteoblasten gehemmt wird, die für den Aufbau der Knochen zuständig sind. Zudem führt Cortsiol zu einer Aktivitätsminderung und einem vermehrten Absterben der bereits vorhandenen Osteoblasten. Damit begünstigen erhöhte Cortisolspiegel die Entstehung von Osteoporose, indem sie einerseits den Knochenabbau fördern und gleichzeitig die Regeneration und den Knochenaufbau hemmen.

Die Hauptursachen für erhöhte Cortisolspiegel sind:

  • Erkrankungen der Nebenniere, z. B. Morbus Addison
  • Fehl- und Mangelernährung und ein chronischer Mangel an Protein, Vitaminen (insbesondere Vitamin C und D) und Mineralstoffen (hauptsächlich Magnesium)
  • mangelnde Sonneneinstrahlung (führt zu verminderter Produktion von D3)
  • Dauerstress in Form von erhöhter körperlicher Belastung (z. B. durch harte körperliche Arbeit, Leistungssport, Übertraining, Wechselschicht, Nachtschicht, mangelnde Regeneration usw.), psychisch-emotionale Überlastung (z. B. durch Mobbing, familiäre und finanzielle Sorgen, Existenzängste, Bedrohung und Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung, Streit, Ärger, Trauer, Schulden, Arbeitslosigkeit usw.)
  • ständig erhöhte Blutzuckerspiegel durch zucker- und stärkehaltige Ernährung, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und Insulinresistenz, Dauerstress usw.
  • Kunstlicht (Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen), Arbeit am Bildschirm, Fernseh- und Computersucht, Mobilfunk und Elektrosmog
  • Infektionen und chronische Entzündungen
  • Drogen- und Alkoholkonsum
  • cortisonhaltige Medikamente

Cortison und cortisonhaltige Medikamente führen zu „künstlich“ erhöhten Cortisolspiegeln

Die inaktive oxidierte Form von Cortisol, das Cortison (Kortison), ist in vielen Medikamenten in synthetischer Form enthalten. Besonders häufig verwendet werden synthetische Formen von Cortison und Cortisol, wie Prednisolon (Deltahydrocortison und Metacortandralon), Prednison, Dexamethason (wirkt 30-mal stärker und länger anhaltend als körpereigenes Cortisol), Fluocortolon (fluoridhaltiges Glukokortikoid) und Triamcinolon.

Diese Präparate wirken meistens noch um ein Vielfaches schädlicher als dauerhaft erhöhte körpereigene Cortisolspiegel. Sie sind ein Bestandteil von Sprays (z. B. Asthmasprays), Tabletten, Augentropfen, Cremes und Injektionen und werden verabreicht, um Autoimmunreaktionen, Allergien, chronische Entzündungen und Entzündungsreaktionen und Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen zu unterdrücken. Die sogenannten „Immunsuppressiva“ unterdrücken nebenbei auch noch die natürlichen Funktionen des Immunsystems und provozieren eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Folgende Nebenwirkungen entstehen häufig durch die dauerhafte Anwendung von synthetischen Cortisonpräparaten:

  • Osteoporose, Knochenschwund, Knochennekrose und erhöhtes Frakturrisiko (tritt bereits nach wenigen Monaten der Daueranwendung auf!)
  • Muskelschwund und Muskelschwäche
  • Schwund des Bindegewebes und Unterhautgewebes (dünne pergamentpapierartige Haut)
  • Bänder- und Sehnenrisse
  • schlechte und verzögerte Wundheilung und Regeneration
  • Instabilität der Blutgefäße mit verstärkter Blutungsneigung
  • erhöhte Blutzuckerspiegel und Insulinresistenz mit Diabetes Typ II als Folge
  • vermehrte Bildung von Fettzellen, insbesondere im Bauchbereich („Stammfettsucht“)
  • Bluthochdruck

Hierbei ist zu beachten, dass regelmäßige Cortisongaben die körpereigene Cortisolproduktion lahmlegen und dadurch eine dauerhafte Abhängigkeit von synthetischen Cortisonpräparaten schaffen. Selbst bei niedriger Dosierung kommt es langfristig zu Osteoporose, Knochen- und Muskelschwund und all den anderen Nebenwirkungen. Bei hoher Dosierung wird bereits nach wenigen Monaten eine schwerwiegende Osteoporose ausgelöst, die zu lebensgefährlichen Knochenbrüchen (insbesondere der Wirbelknochen, der langen Röhrenknochen und der Schädelknochen) führen kann.

Die Gefahren chronisch erhöhter Cortisolspiegel, egal ob diese durch Dauerstress oder die Einnahme von Cortisonpräparaten zustande kommen, sind nicht zu unterschätzen. Deshalb sollte jeder im Rahmen der Eigenverantwortlichkeit für die eigene Gesundheit dafür sorgen, dass sämtliche Risikofaktoren minimiert werden. Mehr zur Problematik des Hypercortisolismus erfahren Sie in Teil III dieser Artikelserie!

Quellen und vertiefende Informationen:

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