4000 km über Land und Wasser nach La Palma

„Oh man Leute!“ kann ich da nur sagen: „Was war das für ein Trip!“

Zuerst ging es zusammen mit unseren drei Hunden in unserem nicht mehr ganz so jungen und daher auch nicht ganz so flotten Wohnmobil mit einer großzügig geschätzten Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern rund 2500 km von Mitte Deutschland aus quer durch Frankreich bis nach Südspanien.

Und dann von da weiter mit der sogenannten „Hundefähre“ in rund 40 Stunden Fahrzeit über Lanzarote und Gran Canaria nach Teneriffa, um dann dort die Fähre nach La Palma zu nehmen. Insgesamt rund 4000 km über Land und Wasser.

Anbei ein kleiner Einblick in unsere Reise.

Start mit Hindernissen

Wie bereits berichtet, gab es beim Start unserer Reise ein paar Anlaufschwierigkeiten. Die Gangschaltung von Otto, unserem Wohnmobil, machte Probleme. Erst nach zweimal Abschleppen, diversen Besuchen in verschiedenen Werkstätten, einem verregneten Wochenende im Saarland und zehn Tagen „Zwangspause“ auf einem Campingplatz in Frankreich nur etwa 250 km von Saarlouis entfernt, ging es dann wirklich los Richtung Südspanien zur Fähre auf die kanarischen Inseln.

Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten verlief die Reise eigentlich ganz gut. Noch nie war es so einfach, abends einen geeigneten Stellplatz zu finden, noch nie haben wir so wenig Umwege dafür fahren müssen.

Wenn das Wetter verrückt spielt

Als wir Barcelona passierten, erschienen wiederholt Unwetter- und Sturmwarnungen auf den Anzeigetafeln der Autobahn. Und auch, wenn wir immer wieder merkten, wie unser Otto vom Wind leicht versetzt wurde, machten wir uns keine allzu großen Gedanken.

Erst, als wir uns bei einer Tankstelle in der Nähe von Tarragona nach dem Wetter erkundigten und der Kassierer mit beinahe Tränen in den Augen sagte, dass für die nächsten beiden Tage heftigste Regenfälle angesagt seien, wobei es hier sonst nie regnen würde, bekamen wir ein leicht ungutes Gefühl.

Da wir allerdings die Panik vor Regen von den Palmeros kennen, hielten wir die Dramatik des Mannes für etwas übertrieben und entschieden uns nach kurzer Lageplanbesprechung dafür, das Unwettergebiet möglichst schnell zu durchfahren. Bis zur nächst sicheren Stadt waren es gerade mal 170 km. Also ab ins Auto und los auf die Autobahn.

Doch kaum als wir wieder auf der Autobahn waren, entwickelte sich aus dem bis dahin normal starken Regen ein so heftiger Sturzregen, wie wir ihn zuvor noch nie erlebt haben. Innerhalb weniger Minuten stand die Straße unter Wasser und wurde zu einer Rutschbahn. Und es war klar: Wir durften jetzt alles, nur nicht Anhalten oder in Panik geraten.

Mit Warnblinker und Schrittgeschwindigkeit sind wir also wie die anderen Autos weiter bis zur nächsten Ausfahrt. Aber auch da standen die Straßen unter Wasser und wir kamen nur sehr langsam voran. Plötzlich standen rechts und links Polizeiautos und sicherten eine Stelle am tiefsten Punkt einer Straße, in der sich das Wasser zu einem regelrechten Teich angesammelt hatte.

Wir hatten Glück und konnten die Stelle sicher umfahren und überlegten hin und her, ob wir uns irgendwo auf einen Berg stellen und abwarten oder lieber weiterfahren sollten. Doch es war klar, noch ein paar Stunden länger solcher Regenfälle und das ganze Gebiet befände sich im Ausnahmezustand.

Und so sind wir mit pochenden Herzen Kilometer für Kilometer, mal bei weniger heftigen mal mit extrem heftigen Regenschauern weiter, bis wir kurz vor Valencia in sicherem „Hafen“ und damit trockenen Gefilden angekommen waren.

Puh, was war das für eine Fahrt und was waren das für nervenzehrende Stunden! Doch zum Glück ist ja alles gut gegangen.

Wie wir im Nachhinein erfuhren, erlitt die Region in den nächsten beiden Tagen heftigste Unwetter. Zahlreiche Autos und Häuser standen unter Wasser, die Besucher einiger Campingplätze mussten evakuiert werden und ein paar Menschen wurden von den Wassermengen mitgerissen und getötet.

Das Schlimmste kommt erst noch: Die Fährfahrt

Nach diesem Abenteuer ging es dann recht beschaulich weiter bis nach Huelva zum Hafen. Ohne Probleme erhielten wir Tickets für die nächste Überfahrt auf die Kanaren und konnten uns noch zwei Tage an dem herrlichen Strand in der Nähe von Mazagón mit Sonne und Kraft aufladen. Denn das, wovor ich mich am meisten auf dieser Reise fürchtete, stand uns ja noch bevor: Die Schifffahrt!

In Huelva gibt es die Möglichkeit mit einem Schiff von FRS Iberia mit der sogenannten „Hundefähre“ auf die Kanaren zu fahren. Auf diesem Schiff ist die Hälfte des oberen Decks den mitreisenden Vierbeinern und ihren menschlichen Begleitern vorbehalten. Für uns die einzige Alternative bei einer Fahrzeit von gut 40 Stunden bis nach Teneriffa.

Trotz „Auslauf“ und der Möglichkeit, durchgehend bei seinem Hund zu bleiben, bedeutet so eine Reise natürlich immer auch Stress für Mensch und Tier! Mal mehr, mal weniger, je nach Individuum – das ist auch bei Tieren nicht anders.

Während einer unserer Hunde glücklicherweise zu den gelassenen Vierbeinern gehört, der so eine Reise sogar zu genießen scheint, sieht das bei unseren beiden Hundedamen etwas anders aus.

Da wir bereits bei unserer Rückreise von La Palma nach Deutschland den Weg mit Fähre und Auto gewählt hatten, wussten wir dieses Mal ja schon ein wenig darüber, was auf uns zukommen würde und konnten uns etwas besser vorbereiten. Und so entschieden wir uns dafür, unsere Hundedamen etappenweise im Wohnmobil zu lassen.

Und ehrlich gesagt, auch wenn es verdammt anstrengend war, sind die Hunde so doch relativ entspannt auf Teneriffa angekommen.

Dort stellten wir uns zusammen mit unseren Bekannten vom Schiff (darunter übrigens auch ein Saarländer, der seit 11 Jahren auf El Hierro lebt und dort unter anderem Höhlenwanderungen anbietet 😉 an einen nahe gelegenen Strand und schliefen uns nach einem Spaziergang erst einmal so richtig aus und gingen am nächsten Morgen bei sommerlichen Temperaturen – dank Kalima, dem heißen Wüstenwind aus der Sahara – eine Runde ins Meer. Was für ein Start in den Tag.

Doch auf Teneriffa war die Reise ja noch nicht zu Ende. Dort hieß es, warten bis zum Abend, um dann die Fähre nach La Palma zu nehmen. Vorher mussten wir aber erst noch die Insel einmal überqueren, weil die großen, internationalen Schiffe im Norden anlegen und im Süden die kleinen Schiffe für den innerkanarischen Inselverkehr abfahren.

Um 19 Uhr ging es dann endlich weiter über Gomera nach La Palma.

Begrüßung am Morgen Regenbogen

La La La Palma: Die Insel hat uns wieder!

Gegen 23:30 Uhr legten wir im Hafen von Santa Cruz de La Palma an. Sofort ging es weiter in Richtung Westen der Insel. Dabei fiel uns auf, wie dunkel es hier ist. Kein Wunder, gibt es hier per Gesetzesanordnung nur wenig Straßenbeleuchtung und andere Lichtverschmutzung, um den Nachthimmel für Astronomen so klar wie möglich zu halten.

In Tazacorte am Strand angekommen, waren wir so müde, dass wir dort nächtigten und erst am nächsten Morgen – natürlich ach einem erneuten Bad im Meer – weiter zu unserem kleinen Häuschen in den Bergen der Insel fuhren.

Und jetzt sind wir tatsächlich wieder hier. Wer hätte das geglaubt??? Ich jedenfalls bis vor Kurzem noch nicht. Wieso, weshalb warum, erzähle ich in diesem Artikel.

Und so seltsam es auch ist, wieder hier zu sein, so vertraut ist es auch. Und vor allem so unfassbar ruhig, zumindest bei uns hier oben in den Bergen. Perfekt also, um in uns zugehen, neue Pläne für die Zukunft zu schmieden und hoffentlich ein paar Projekte auszuarbeiten. Wir werden sehen.