Wie wir am Widerstand innerlich & äußerlich wachsen

Dieser Artikel ist für alle diejenigen, die denken Sport ist Mord und regelmäßiges Training ein unangenehmes Übel, zu dem man sich nur mit viel Disziplin zwin­gen kann. Vergessen wir das: Krafttraining ist eine Form der Meditation und eine Möglichkeit zu spiritueller Entwicklung.

Das kennen wir doch so ähnlich vom Yoga, Tai Chi, Qi Gong und ähnlichem. Aber Krafttraining soll eine Möglichkeit sein, um in die Stille zu gehen und sich selbst zu begegnen? Genau das ist der Fall: Regelmäßiges Kraft- und Körpertrai­ning, egal welcher Art, ist eine sehr intensive Zeit mit sich selbst und für sich selbst. Am Widerstand zu wachsen und dadurch ständig über sich selbst hinaus zu wachsen, ist nicht nur eine Sache des Körpers und der Muskeln.

Der Geist geht voran und der Körper folgt
Es kommt wie immer auf die richtige Einstellung an. Welche Gründe hat jemand mit dem Training zu beginnen? Mehr Muskeln, weniger Körperfett, eine Vergrö­ßerung von Kraft und Leistungsfähigkeit, mehr Selbstvertrauen, eine bessere Körperhaltung, etwas für die Gesundheit tun und natürlich, wie wir alle wissen: Nackt unheimlich gut aussehen!

Das ist schön und gut, aber wie gehen wir an das Unterfangen Krafttraining her­an, wie entwickelt sich unsere Einstellung mit der Zeit?

Bei vielen wird das Training nach und nach zu einem notwendigen Übel. Man müsste mal wieder trainieren gehen, hat schon 3 kg zugenommen und auch der Rücken tut wieder weh. Und dann kommt ein guter Grund nach dem anderen, es doch ausfallen zu lassen und irgendwann rückt das regelmäßige Training in weite Ferne.

Wer das Training als notwendiges Übel und reines Mittel zum Zweck betrachtet, wird früher oder später damit aufhören. Jede Trainingseinheit ist eine Möglich­keit vollkommen im Hier und Jetzt zu sein, sich selbst zu beobachten und seine Schwächen zu erkennen.

Training ist eine ehrliche Angelegenheit
Der Nutzen des Trainings ist nicht nur, dass wir irgendwann den erwünschten Körper haben. Training beinhaltet viel mehr. Der Nutzen geschieht schon wäh­rend des Trainings, während jeder einzelnen Trainingseinheit.

Sie werden, sofern Sie ungestört oder alleine trainieren eine sehr intensive Be­gegnung mit sich selbst haben. Derjenige, vor dem wir meistens auf der Flucht sind, begegnet uns unverfälscht und direkt. Hier gibt es keine Ausreden und Täu­schungen.

„100 kg sind 100 kg, da gibt es nichts zu diskutieren!“, so ähnlich hat Henry Rol­lins es auf jeden Fall ausgedrückt und er hat recht. Entweder wir bewegen die 100 kg oder nicht, und entweder überwinden wir das Gefühl der Lethargie und wachsen oder wir verkümmern.

Das Training gibt uns jeden Tag die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob wir über uns hinauswachsen – oder nicht. Denn die körperliche Kraft ist eine Folgeer­scheinung von mentaler Kraft. Wächst unsere geistige Absichtskraft, dann wird die körperliche Entwicklung folgen. Wir wachsen am Widerstand!

Die Bedeutung der Selbstdisziplin
Oft bekommen wir schon bei dem Wort „Disziplin“ negative Gefühle. Wir setzen Disziplin oft mit Zwang oder Druck gleich. Sich zu etwas zwingen, den inneren Schweinehund überwinden, durchhalten, das bedeutet für viele Selbstdisziplin.

Disziplin hat etwas mit Schulung zu tun. Selbstdisziplin bedeutet nichts anderes als sich selbst zu schulen, den eigenen Geist, die eigene Absicht permanent zu bestärken. Zwang und Qual haben hier nichts verloren. Es geht eher darum, die eigene Absicht, auch unter schwierigen Umständen aufrecht zu erhalten. Selbst­disziplin kann man als das Gegenteil fauler Ausreden bezeichnen!

Stärke entsteht durch das Annehmen der eigenen Schwäche
Wer immer nur das tut, was er gut kann, wird sich weiterhin selbst belügen und betrügt sich um das immense Potential, über sich hinaus zu wachsen. Suchen Sie Ihre Schwachpunkte!

Freuen Sie sich über jeden einzelnen Schwachpunkt, der sich im Training offen­bart. So direkt bekommen wir selten gezeigt, wo wir stehen und was uns von un­serer weiteren Entwicklung abhält. Wir sollten froh und dankbar sein, wenn wir erkennen, wo es mangelt, wo wir noch nicht so sind, wie wir gerne sein wollen. Das sind unsere Wegweiser, Indizien und Koordinaten auf dem Weg zum Ziel.

Schwächen auszublenden und davor wegzurennen, macht eine wahre Entwick­lung nicht nur schwierig, sondern unmöglich. Stellen Sie sich der Realität und trainieren Sie das, was Sie am wenigsten können.

Auf dem Weg zur Meisterschaft gibt es keinen Wettbewerb
Sich ständig mit anderen zu vergleichen und im Wettbewerb zu befinden, ist we­der hilfreich noch befriedigend. Es gibt immer Menschen, die irgendwo besser oder schlechter sind. Was geht es mich an, was ein anderer tut oder kann?

Vergleiche ich mich mit anderen, entferne ich mich aus meiner Mitte. Der Fokus des Trainings wird nach außen verlagert.

Wenn Sie sich unbedingt vergleichen wollen, dann doch bitte mit sich selbst. Wie war der Stand der Dinge vor einem Jahr, vor einem Monat, einer Woche? Wie schätzen Sie Ihre eigene Entwicklung ein? Das ist das einzige, wo es sich lohnt, einen Vergleich zu ziehen. Dokumentieren Sie den Stand Ihrer Entwicklung und orientieren Sie sich daran.

Die wirklich großen Dinge entstehen aus reiner Freude
Krafttraining ist eine Möglichkeit innere und äußere Ziele zu erreichen. All das in diesem Artikel Erwähnte, trifft auch auf andere Arten des Körpertrainings zu. Es kommt immer darauf an, mit welcher inneren Absicht und Gesinnung wir an et­was herangehen. Es bringt nichts einen Weg einzuschlagen, der keine Freude be­reitet.

Ob wir mit einer Methode dauerhaft Erfolg haben, hängt von unserer Einstellung ab. Empfinden wir Freude während wir trainieren oder ist es einfach nur ein Mit­tel zum Zweck?

Es gibt nichts was Sie tun müssen. Wenn Ihnen Ihr Training keine Freude berei­tet, ist vielleicht eine andere Methode besser geeignet.

Entscheiden wir uns allerdings für einen Weg, dann ist es wichtig jeden einzelnen Schritt als eine Möglichkeit der inneren und äußeren Entwicklung, freudig anzu­nehmen.

Krafttraining ist eine ehrliche und gewinnbringende Angelegenheit, eine Mög­lichkeit innerlich und äußerlich zu wachsen. Wir wachsen am Widerstand und 100 kg sind 100 kg, da brauchen wir nicht zu diskutieren.

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