Die meisten Trainingspläne sind zum Scheitern verurteilt

Die körperliche Verfassung ändert sich täglich, weshalb Krafttraining nicht wirk­lich planbar ist. Hier erfahren Sie, wie Sie dennoch in jeder Trainingseinheit den optimalen Trainingsreiz setzen. Das Zauberwort heißt Autoregulation.

Autoregulation ist der Schlüssel zum Erfolg

Unsere körperliche und mentale Verfassung unterliegt täglichen Schwankungen. Das ist auch normal und natürlich, da sich alles in einem ständigen Wandel befin­det. Bewegung, Veränderung und Wandel sind grundlegende Gesetzmäßigkeiten des Lebens, der Natur und des gesamten Kosmos. Hochs und Tiefs gehören dazu.

Das Wellenprinzip besagt, dass sich nichts linear bewegt, sondern wellenförmig. Im Krafttraining spielt die Beachtung dieses Prinzips eine große Rolle bei der kontinuierlichen Leistungssteigerung. Niemand kann sich durchgehend steigern und verbessern. Es wird immer Phasen geben, in denen wir uns schwach und de­motiviert fühlen. Oft wird dann der Trainingsplan gewechselt, da dieser ja nicht mehr zu funktio­nieren scheint.

Übungen werden ausgetauscht, die Ernährung umgestellt, neue Trainingspläne ausgeklügelt und in vielen Fällen leider auch der Entschluss ge­fasst, es doch einmal mit Anabolika zu versuchen. Gerade Jugendliche sind hier besonders gefährdet, da oft Ungeduld und kurze Trainingserfahrung nach einer Abkürzung schreien. Aber das alles muss nicht sein, ganz im Gegenteil: Wenn Ihnen klar wird, dass es keine lineare Kraftent­wicklung und keinen linearen Muskelaufbau geben kann, da auch diese Prozesse wellenförmig verlaufen, dann können Sie sich mit dieser Information arrangie­ren.

Vergessen Sie die Planung und schalten Sie auf „Autopilot“

Ihr Gefühl ist der Koordinator Ihres Trainings. Autoregulation bedeutet schlicht und einfach, dass unsere Tagesform die Intensität und den Umfang des Trainings bestimmt. Wenn wir immer den optimalen Trainingsreiz setzen, wird jede einzelne Trai­ningseinheit maximalen Gewinn bringen.

Der optimale Trainingsreiz hängt von der Verfassung des jeweiligen Tages ab, kann also nicht vorher festgelegt werden. Wir müssen uns praktisch in jedem Training „vorfühlen“ bis das Tagespensum erreicht ist. Auch dieses Tagespensum variiert. Manchmal ist es besser schon nach dem Aufwärmen und einigen leichten Sätzen wieder nach Hause zu fahren, an anderen Tagen scheint die Energie unerschöpflich zu sein.

Wenn wir jedoch die Signale unseres Körpers ignorieren, übergehen und einem Plan unterjochen wollen, dann kann es ein langer und sehr steiniger Weg werden, der häufig in einer Sackgasse endet. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass das Training eigentlich nur ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck ist.

Wenn wir unsere Ziele schnellstmöglich er­reichen wollen, sollten wir dieses Werkzeug jedes Mal so effizient wie möglich einsetzen. Je nach Tagesform sind die optimalen Trainingsreize sehr unterschiedlich. Fühlen Sie die Qualität der einzelnen Wiederholungen, egal welches Gewicht Sie aufge­legt haben. Es spielt keine Rolle, ob Sie im vergangenen Training mehr oder we­niger gepackt haben. Lassen Sie Ihr Ego draußen.

Der Körper meldet sehr direkt, wenn wir unsere optimale Trainingszone über­schreiten: Es fühlt sich einfach nicht mehr gut an, Punkt. Die meisten kennen das, wenn der letzte Satz ein volles Kraftgefühl vermittelt hat und man sich aufgeladen und frisch fühlt. Jetzt steigert man das Gewicht um 5 kg und der Satz wird von der ersten Wiederholung an eine Katastrophe. Die Trainingszone des Tages ist überschritten. Jetzt wäre es vernünftig das zu akzep­tieren und wieder in den optimalen Trainingsbereich zurückzukehren oder die Übung zu beenden.

Auch das hängt vom Gefühl ab. Auf diese Art und Weise bekommt der Körper immer genau den trainingswirksa­men Reiz, den er benötigt und auch vertragen kann. Das ist der effektivste und schnellstmögliche Weg um Kraft und Muskelmasse auf natürliche Art aufzubau­en. Es braucht vielleicht ein wenig Zeit, um das Ego mit dieser neuen Idee bekannt zu machen und auch das Gespür für die unterschiedlichen Trainingsreize zu ent­wickeln. Aber es lohnt sich diese Zeit zu investieren, dafür stellen sich dann die Erfolge umso schneller ein.

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