Im Interview mit Christian Dittrich-Opitz Teil 1: Grüne Smoothies

Grüne Smoothies – warum sie durch nichts zu ersetzen sind und wieso der psychische Zustand bei der Nahrungsaufnahme entscheidend ist

Wer unsere Seite schon länger verfolgt, der weiß, dass wir uns immer wieder gerne durch das Wissen von Christian Dittrich-Opitz inspirieren lassen. Wir schätzen seine ganzheitliche und umfassende Sichtweise und die leicht verständliche und sympathische Art, wie er seine Ansichten zu gesundheitlichen Themen präsentiert.

Neben Victoria Boutenko verdanken wir ihm unsere Vorliebe für grüne Smoothies. Er und der Warrior Diät Begründer Ori Hofmekler waren es, die uns die Wichtigkeit des Intermittierenden Fastens und die regelmäßige Aufnahme roher gesättigter Fette (bio-)logisch verständlich gemacht haben. Zudem war es Christian, der uns mit der Befreiten Atmung und dem Sonnenyoga in Berührung brachte. Gerade erst hat er sein neues Buch „Mitochondrien: Mehr Lebensenergie durch gesunde Zellkraftwerke“ veröffentlicht, dessen Ankunft wir mit großer Neugierde erwarten. Bis es so weit ist, hat sich Christian freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung gestellt.

Marion & Jens: Erstmal herzlich willkommen Christian auf unserer Seite. Wir freuen uns wirklich sehr, dass Du uns die Gelegenheit bietest, Dir ein paar Fragen zu stellen, die uns schon lange brennend interessieren. Legen wir also direkt los.

Grüne Smoothies bilden in Deinem Konzept der Befreiten Ernährung eine wichtige Säule, und auch wir sind inzwischen große Fans dieser Vitalstoff-Getränke. Allerdings gibt es auch immer wieder Kritik an grünen Smoothies.

So behauptet z. B. Dr. Brian Clement, der Direktor des Hippocrates Health Institutes, dass innerhalb der ersten 1 bis 1,5 Minuten durch die Sauerstoff-Einwirbelung beim Mixvorgang etwa 90 % aller Nährstoffe zerstört würden und bevorzugt daher frisch gepresste Säfte (https://hippocratesinst.de/rohkost-vortraege/entsaften-statt-mixen/).

Der Arzt Robert Lustig, ein in den USA bekannter Anti-Zucker-Aktivist, behauptet in seinem Buch „Die bittere Wahrheit über Zucker“, dass durch die Zubereitung im Hochleistungsmixer ein Teil der wasserunlöslichen Ballaststoffe zerstört werde, wodurch der enthaltene Zucker aus den Früchten genauso schnell ins Blut schießen würde, wie beim Trinken von Säften.

Andere Experten wie z. B. Nadeen Althoff kritisieren die Zerstörung der höchst feinen, kolloidalen bioverfügbaren Energie-Strukturen (= Biophotonen) der Vitalstoffe als Folge der hohen Umdrehungszahlen. In einem Artikel auf dem Blog der Lebensenergie Konferenz äußert er:

„Die lebensnotwendigen Bio-Photonen, die höchst feine, kolloidale bioverfügbare Energie-Strukturen sind, benötigen für das Wachstum zwischen ca. 4 – 8 Wochen. Sie werden mit solchen Mixern innerhalb von Sekunden, durch einfachen Knopfdruck, zerstört. Man argumentiert von Händlerseite so, dass man ja die Zellwände zerschlagen muss, um an die Inhalte zu kommen. Diese Argumentation sind die gleichen wie bei der Einführung der Homogenisations-Technik für Milch als auch der Mikrowelle. Offensichtlich ignoriert man, dass wir seit ewigen Zeiten starke Zähne und Magensäfte dafür haben. So geht die Versorgung mit energetisch kräftigenden und kolloidalen Mikrostrukturen dahin.“

Was sagst Du zu diesen „Vorwürfen“ gegenüber grünen Smoothies? Muss man sich durch solche Aussagen verunsichern lassen, auch dann, wenn das eigene Körpergefühl positiv auf grüne Smoothies reagiert?

Christian: Man findet leider immer wieder Aussagen im Bereich der ganzheitlichen Gesundheit, die weder theoretisch noch empirisch und erst recht nicht wissenschaftlich untermauert werden können und die viel Verunsicherung verursachen. Zu Brian Clement: 90 % der Nährstoffe im Grünen Smoothie sind gar nicht anfällig für Oxidation und er behauptet ja konkret, das diese „Zerstörung“ der Nährstoffe durch Oxidation geschehe. Wie sollen Aminosäuren oder Mineralstoffe, die einen wesentlichen Anteil der Nährstoffe im Grünen Smoothie ausmachen, oxidieren?

Als Victoria 2004 die Grünen Smoothies entdeckte, waren die amerikanischen Rohköstler fast alle überzeugte Anhänger der grünen Säfte, inklusive Victoria und ihre Familie. Innerhalb kürzester Zeit setzten sich aber die Grünen Smoothies durch, weil die Rohköstler damit unvergleichlich bessere Ergebnisse erzielten: Bessere Verdauung, weniger Heißhunger, stabilere Energie.

Ich lebte ja damals in Ashland, Oregon, der Ort an dem auch Victoria lebte. Ich habe dann auch die Ergebnisse ihrer ersten wissenschaftlichen Studie mitbekommen, die sie mit Dr. Fieber durchführte und die ergab, dass nur zwei Monate Grüne Smoothies zu einer massiv verbesserten Produktion an Magensäure führten – mit einem Mix, in dem „90 % der Nährstoffe zerstört“ wären, könnte man solche eindrucksvollen Ergebnisse nicht erzielen.

Was hier besonders wichtig ist: Magensäuremangel ist ein riesiges Gesundheitsproblem und tritt bei Vegetariern und Rohköstlern eher noch häufiger auf, als bei Normalessern. Mit Säften kann man dieses Problem nicht lösen, mit Grünen Smoothies in vielen Fällen schon. Wo ist eine wissenschaftliche Untersuchung dieser Art, die Clement für seine Behauptung anführen kann?

Auch die Idee, kolloidale Bestandteile, Cellulose oder Biophotonen würden durch Mixen zerstört werden – wie ist das überhaupt theoretisch zu untermauern und wo ist ein einziges halbwegs brauchbares Indiz für diese Behauptung? Was sollen denn genau die „feinen kolloidalen Bestandteile“ von Herrn Althoff sein? Biophotonen sind nicht kolloidal, denn der Begriff kolloidal bezieht sich auf Strukturen, die nichts mit den ultra-kleinen Biophotonen zu tun haben.

Mal abgesehen von der unfassbar spekulativen Behauptung, Biophotonen könnten durch Mixen zerstört werden. Ein Biophoton bewegt sich mit 300.000 km pro Sekunde, dagegen ist die Geschwindigkeit eines Mixers lächerlich langsam. Was kann Herr Althoff an Begründung liefern, warum nun das relativ langsame Mixen die sich viel schneller bewegenden Biophotonen zerstört?

Im Übrigen würde er wahrscheinlich den Physik-Nobelpreis bekommen, wenn er wie er sagt „auf Knopfdruck“ Photonen irgendwelcher Art zerstören könnte. Und was er über Zähne und Magensäfte sagt, wir haben inzwischen elektronenmikroskopische Aufnahmen, die zeigen, dass auch gründliches Kauen Cellulose nicht so zerkleinert, wie Mixen.

Und Magensäure zersetzt Cellulose kaum, da die nicht besonders säureempfindlich ist und wir keine körpereigene Cellulase produzieren. Und die Mikrowelle ist nicht, wie er behauptet, mit einer gesundheitlichen Begründung eingeführt worden, sondern von der US-Marine aus rein praktischen Gründen zum Einsparen von Platz in den übervollen Küchen der Kriegsschiffe.

Die empirische Erfahrung zeigt, dass Grüne Smoothies viel besser anhaltend sättigen, als Säfte und Heißhunger auf Süßes reduzieren. Unzählige meiner Klienten sind von ihrer Zuckersucht durch Grüne Smoothies befreit worden. Das würde nicht passieren, wenn ein Teil der Ballaststoffe zerstört würde und somit Blutzuckerschwankungen durch die Grünen Smoothies verursacht würden, denn es sind ja gerade die Blutzuckerschwankungen und Mangelerscheinungen an Mineralien, die Zuckersucht verursachen.

Wäre an diesen Behauptungen etwas dran, müsste es massive Nachteile durch den Verzehr von Grünen Smoothies geben. In der Praxis gehören sie aber zu den vorteilhaftesten Nahrungszubereitungen, die wir bisher kennen.

M. & J.: Danke für Deine klaren Worte! Gerade dann, wenn man nicht den Background hat, um solche Aussagen zu überprüfen, wirkt Deine Argumentation sehr bestärkend – auch für uns!

Noch eine letzte Frage in Bezug auf grüne Smoothies, bevor wir gerne zum nächsten Thema kommen würden: Wir haben den Eindruck, dass die derzeitig doch recht aktive Aufklärung in Bezug auf die Schädlichkeit von raffiniertem Zucker sogar vor Obst nicht halt macht. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass Menschen teilweise verunsichert sind, in wie weit das Obst im grünen Smoothie schädlich sein könnte. Was sind hier Deine Erfahrungen? Wie sieht für Dich der perfekte grüne Smoothie aus in Bezug auf das Verhältnis von Grünanteil zu Obst?

Christian: Es gab in der Tat in der Rohkostszene das Problem mit einem zu hohen Obstanteil in der gesamten Ernährung. Die Instinkto – Rohköstkler haben das oft erlebt und generell kann man sagen, dass süßes Obst, Trockenfrüchte und Nüsse im Übermaß ein Problem der Art von Rohkosternährung sein kann, die Mangelerscheinungen erzeugt.

Gerade die Grünen Smoothies haben hier zunächst in der Rohkostszene eine wunderbare Lösung für dieses Problem geboten. Victoria selbst und viele Rohköstler, die früher richtige Fressanfälle auf Obst hatten, wurden durch die Grünen Smoothies viel ausgeglichener und in ihrer Ernährungsgestaltung auch oft viel entspannter. Grüne Smoothies erleichtern es den Menschen, von drängendem Überessen frei zu werden.

Aber natürlich gibt es auch stark überzogene Kritik an Obst, so als ob frische Früchte mit raffiniertem Zucker gleichzusetzen seien. Da werden die nicht alkoholische Fettleber, Diabetes und andere Probleme gleich mal mit Obst in Verbindung gebracht. Zunächst einmal ist die Verwertung von Lebensmitteln gerade in Bezug auf den Zuckergehalt und die Auswirkungen auf den Blutzucker etwas höchst Individuelles.

Die Idee eines festlegbaren glykämischen Index stimmt nicht mit aktueller Forschung überein, die aufzeigt, dass manche Menschen von einer frischen Tomate einen stärkeren Blutzuckeranstieg bekommen, als von Schokolade, während bei anderen eine Tomate absolut niedrig glykämisch wirkt.

Was hierbei aus meiner Sicht besonders wichtig ist und immer vernachlässigt wird, ist der psychische Zustand, in dem man Nahrung zu sich nimmt. Ich habe vor zehn Jahren verschiedene Kommunen der Jains in Indien besucht und diese Menschen essen viel Obst, weißen Reis, Hülsenfrüchte und auch viel stärkehaltiges Gemüse, also eine kohlenhydratreiche vegetarische Ernährung.

Diabetes kommt in den ländlichen Gegenden kaum vor und die Jains sind mit Abstand die friedlichste Bevölkerungsgruppe Indiens – praktisch keine Gewalt gegen Frauen (was in Indien die große Ausnahme ist) und generell ein hohes Maß an sozialer Gesundheit. Dazu kommt das beschauliche Tempo des Lebens in den ländlichen Gegenden. In den großen Städten sah ich dann viele Menschen hektisch in der Mittagspause ihren Reis essen, umgeben von Lärm, ständig aufs Handy schauend. Hier ist eine extrem hohe Diabetesrate zu finden.

Es sind eben nicht einfach nur die Kohlenhydrate, die Diabetes verursachen, es ist das, was der Körper aus ihnen macht. Ist das Stresssystem von Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren dauerhaft angeschaltet, wird Nahrung völlig anders verwertet, als wenn wir entspannt sind.

Was Grüne Smoothies betrifft, gibt es generell die Tendenz, das Neueinsteiger ihre Smoothies mit mehr Obst zubereiten. Wenn man sich wieder an Bitterstoffe gewöhnt hat, mag man oft auch die weniger süßen Varianten gerne. Das ist alles ganz natürlich und bei der Gestaltung dieser Details würde ich dem Körpergefühl und dem Geschmack vertrauen.

Dann gibt es ja noch manchmal die Idee, Obst und grüne Blätter könnten zusammen gar nicht verdaut werden. Das stammt noch aus der Gründungszeit der Natural Hygiene – Gesellschaft in den USA aus dem Jahr 1822, als man noch nichts über Verdauungsenzyme wusste. Damit einher gingen solche Ideen, wie die, dass der menschliche Sexualtrieb nur durch schlechte Verdauung und daraus resultierende Darmvergiftungen verursacht wird – nun ja, es ist fraglich, ob man solche Argumente heutzutage wirklich ernst nehmen sollte.

Grüne Smoothies haben eine nachweislich positive Auswirkung auf die Produktion an Magensäure, was nicht möglich wäre, wenn sie schlecht verdaut werden könnten.

M. & J.: Dass Du diesen Zusammenhang zwischen Blutzuckerwirkung von Nahrung und psychischen Zustand während des Essens ansprichst, ist spannend und klingt total einleuchtend. Hängt das auch damit zusammen, dass im Stresszustand die Zellen weniger gut auf das Hormon Insulin ansprechen und daher Kohlenhydrate nicht gut verstoffwechselt werden können? In der Diabetesforschung werden ja Stress und schlechter Schlaf inzwischen auch als eigenständige Risikofaktoren für die Entstehung von Diabetes Typ 2 anerkannt.

Christian: Insulin wird ja von Adrenalin ausgeglichen, Insulin befördert Zucker in die Zellen, Adrenalin holt Zucker wieder aus den Zellen heraus. Wenn dauerhaft zu viel Adrenalin im Körper pulsiert aufgrund von Dauerstress, wirkt Insulin nicht mehr richtig und die Insulinresistenz beginnt.

Außerdem führt Dauerstress dazu, dass mehr Zucker in den Zellen im ersten Schritt des Energiestoffwechsels zu Pyruvat vergoren wird, das passiert ja immer bevor dann Pyruvat in die Mitochondrien geschleust wird, aber ein Übermaß an Pyruvat kann dann nicht komplett weiter abgebaut werden und das übersäuert den Körper. So können dann an sich basisch wirkende Lebensmittel wie Obst oder Hirse säurebildend wirken, aber der unnatürliche Stresspegel ist die Ursache, nicht das Lebensmittel.

M. & J.: In Deinem neuen Buch „Mitochondrien“ (das wir übrigens in Kürze ausführlich auf unserer Seite vorstellen werden) erwähnst Du ja auch, dass grüne Smoothies im Vergleich zu Säften und Salaten ungleich mehr Mikronährstoffe liefern, was daran liegt, dass beim Saftpressen die Zelluloseanteile entfernt werden, aber genau darin ein Großteil der Mikronährstoffe enthalten ist, und selbst gründliches Kauen die Zerkleinerung und damit Freisetzung der Vitalstoffe durch die Zubereitung in einem Hochleistungsmixer nicht ersetzen kann.

Grüne Smoothies sind daher durch nichts zu ersetzen und wir danken Dir, dass Du dieses so wertvolle Thema weiter in die Welt hinaus trägst, in der Hoffnung, dass immer mehr Menschen auf den Geschmack von grünen Smoothies kommen.

Im zweiten Teil des Interviews nehmen wir das Thema „Fette“ näher unter die Lupe>>

Christian Opitz wurde 1970 in Berlin geboren. Schon in seiner frühen Kindheit fiel er durch seine Hochbegabung und sein großes Interesse für Naturwissenschaft auf. Durch eigene Gesundheitsprobleme motiviert, wandte er sich bereits im Alter von 13 Jahren einem autodidaktischen Studium der Naturheilkunde und Ernährungslehre zu. 1990 begann er, seine Entdeckungen durch Vorträge, Seminare und Publikationen zu vermitteln.

Er ist der Begründer des ganzheitlichen Lernsystems Lernen wie ein Genie und der Befreiten Ernährung , welche die Quintessenz seiner 27-jährigen Forschung zum Thema Ernährung darstellt. Christian Opitz leitet international Seminare zu den Themen Gesundheit, Ernährung, ganzheitliches Lernen und spirituelles Erwachen. Mehr über ihn, seine Arbeit und seine Seminar- und Ausbildungsangebote finden Interessierte hier.

Einige von Christians Bücher, die wir sehr empfehlen können:

Befreite Ernährung befreite atmung  

Das Inspiriert-Sein Team

Das Inspiriert-Sein Team

Marion und Jens betreiben zusammen die etwas andere Gesundheitsplattform www.inspiriert-sein.de und veröffentlichen Beiträge zu den Themen gesunde Ernährung, Beweglichkeit & Körpertraining, Selbstheilungskräfte aktivieren & Gesundheitsoptimierung u.v.m.
Das Inspiriert-Sein Team

1 Kommentar zu “Im Interview mit Christian Dittrich-Opitz Teil 1: Grüne Smoothies

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