Glutenfreie Ernährung, Ernährung glutenfrei, Ernährung ohne Brot, Ernährung ohne Getreide, Glutenallergie, Getreideunverträglichkeit, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie Berichterstattung eines Selbstversuches

Erfahren Sie hier, dass ein Weglassen bestimmter Nahrungsmittel, wie tierische Produkte oder gar Getreide, kein Mangel sondern eine Bereicherung der Lebensqualität sein kann. Auf die innere Einstellung und Überzeugung kommt es an.

Als ich vor vielen Jahren anfing vegetarisch zu leben, haben das viele in meinem Umfeld nicht verstanden. Vielleicht wollten sie es auch nicht verstehen. Auch heute begegnen mir immer noch dieselben Fragen. Die weit am häufigsten Gestellte lautet: „Was isst Du denn dann den ganzen Tag, wenn Du kein Fleisch, ja noch nicht einmal Wurst isst?“

Diese Frage kennen vermutlich die meisten Vegetarier, sie wird also nicht nur an mich gerichtet. Was auch viele kennen, ist ein Satz der meistens auf diese Frage folgt, nachdem man kurz geschildert hat, was man denn dann isst: „Ja, aber so viel Fleisch esse ich ja auch nicht!“

Mit der Zeit verschwanden dann wie von selbst, immer mehr tierische Produkte aus meiner Ernährung: Milch, Eier und ganz am Schluss Käse. Ich verwandelte mich in einen Veganer. Da wurde ich seltsamerweise viel weniger mit solchen Fragen konfrontiert. Ich vermute, ein solches Essverhalten liegt schon zu weit außerhalb der gut bürgerlichen Norm. Die Leute wollen es da nicht mehr so genau wissen.

Ich kenne viele vegan und vegetarisch lebende Menschen und die meisten haben sich dorthin entwickelt. Man beschließt es nicht einfach, sondern es entwickelt sich.

Kochsalz und raffinierter Zucker verschwanden ebenfalls schon vor vielen Jahren aus meiner Ernährung. Viele Informationen über die schädigende Wirkung solcher raffinierten Produkte, machten es leicht darauf zu verzichten. Die Geschichte geht noch weiter.

Kommen wir zum eigentlichen Thema diese Artikels:

Seit 100 Tagen lebe ich ohne Getreide. Meine Ernährung ist frei von Brot, Nudeln, Keksen, Kuchen, Reis usw. Ich hatte vorher schon eine Abneigung gegen Weizenmehlprodukte, habe mir eine Getreidemühle zugelegt und frischen Dinkel gemahlen. Damit habe ich lange Brot und Brötchen selbst hergestellt. Dinkelpizza, auch Aufläufe mit ganzen oder geschroteten Körnern.

Da ich fast jeden Tag ein sehr intensives Training absolviere, glaubte ich auch jede Menge Kalorien zu benötigen. Getreideprodukte stellten meine haupt- sächliche Quelle an Kalorien und Kohlenhydraten dar. Und diese Quelle ist jetzt auch versiegt.

Wie kam es dazu?

Dass viele Menschen an einer Getreideunverträglichkeit leiden, ist bekannt. Auch habe ich hier und da gelesen oder gehört, Getreide sei gar nicht zur mensch- lichen Ernährung geeignet. Ich hatte weder das Gefühl, eine Unverträglichkeit zu haben, noch dass es mir schaden würde regelmäßig Getreide zu essen. Das Ersetzen von Weizen durch Dinkel schien die optimale Lösung zu sein.

Über die positiven Auswirkungen einer dinkelreichen Ernährung hatte ich viel gelesen. Außerdem schmeckten mir meine selbst gebackenen Brötchen besser als kommerziell hergestellte und ich fühlte mich damit sehr wohl. Das glaubte ich zumindest. Für meinen logischen Verstand war das Thema Getreide also optimal gelöst.

Die Dinge entwickelten sich weiter.

Ich lebte die letzten 10 Monate auf der Kanareninsel La Palma. Auf La Palma wächst so ziemlich alles, was man essen kann. Schon allein das Obst ist eine Reise wert. Ich traf viele Veganer und auch manche Rohköstler. Einige leben sogar völlig autark in Höhlen, betrieben nicht einmal einen eigenen Garten, sondern lebten nur von wild wachsenden Pflanzen. Sie waren der Meinung, dass die Natur alles reichhaltig hervorbringt, und man nur wissen müsse, was essbar ist.

Das Thema Ernährung und vor allem natürliche Ernährung beschäftigt mich schon seit meiner Jugend.

Ich dachte bereits die wichtigsten Dinge zu wissen, wurde aber mehrfach eines Besseren belehrt. Ein Gespräch mit einem älteren Ehepaar hinterließ den stärksten bleibenden Eindruck. All meine bisherigen „Erkenntnisse“ im Bereich Ernährung, konnten deren Aussagen nicht standhalten. Beide waren sehr gebildet und unabhängig ihres Alters sehr fortschrittlich eingestellt. Der Mann kannte sich bestens aus in Sachen Weltpolitik, Gesundheitswesen, Pharma- und Nahrungs- mittelindustrie, Medien usw.

Und er überzeugte mich wiederum, dass Getreide nichts in unserem Verdauungstrakt verloren habe, auch Dinkel nicht. Dinkel sei ein besserer Weizen meinte er. Beide lebten schon lange ohne Getreide und strahlten Gesundheit, Kraft und Lebensfreude aus. Sie waren weder missionierend noch irgendwie fanatisch, sondern einfach überzeugend. Ich hatte zwei Menschen kennengelernt, die das, was sie erzählten, auch lebten. Es fühlte sich authentisch an, basierend auf wahren Erfahrungen.

Viele predigen einfach ihre Weisheiten, aber diese beiden entwickelten sich im Laufe ihres Lebens durch ein ständiges Überprüfen der einzelnen Behauptungen zu Wissenden.

Wir haben uns sehr lange unterhalten. Mir wurde empfohlen auf Hirse, Quinoa und Buchweizen umzusteigen. Auch Mais wäre okay. Aber hier müsse man aufpassen, da der schon sehr stark gentechnisch verändert wurde, ähnlich wie Soja. Dieser Abend hat mich zutiefst beeindruckt.

Jetzt wollte ich es wirklich wissen.

Ein Selbstversuch musste her, und ich hatte schon länger das Bedürfnis eine leichte Fastenkur zur Entlastung und Regeneration zu machen. Das würde der Startschuss zum Experiment „Ernährung ohne Getreide“.

Ich kann mich immer sehr schlecht zu etwas zwingen, deshalb bin ich froh, wenn entweder der Leidensdruck oder das Interesse so groß werden, dass ich es kaum erwarten kann, etwas Derartiges auszuprobieren.

Eine zweiwöchige Rohkostphase, für die gerade La Palma bestens geeignet ist, war der erste Schritt. Sowohl vom Körpergewicht, als auch vom Wohl- befinden her merkte ich schon in den ersten Tagen eine wahre Erleichterung. Meine Ernährung während dieser zwei Wochen bestand aus frisch gepressten Säften, sonnengereiftem Obst und Mandeln. Salate in allen Varianten mit gutem Olivenöl und ein wenig Meersalz zubereitet, sorgten für herzhafte Abwechslung.

Auch entdeckte ich wieder die Energie, die in gekeimten Samen und Hülsenfrüchten steckt. Erwähnenswert sind auch die Mixgetränke aus Früchten, Mandeln, Sonnenblumenkernen, Keimlingen und Kokosmilch, die sich nach Saison und Vorliebe jedes Mal neu gestalten lassen.

In diesen zwei Wochen passierte schon eine ganze Menge:

Die Nahrungsmenge die ich zu mir nahm war sehr gering im Vergleich zu dem, wie ich vorher lebte. Nicht dass ich fastete, ich brauchte einfach nicht mehr. Vormittags Obst, am frühen Nachmittag einen reichhaltigen Shake und ab und zu dann abends noch einen Salat.

Mein tägliches Leistungs- und Trainingspensum war hoch bis sehr hoch, dennoch reichte mir die Nahrungsmenge vollkommen aus. Mein Verlangen nach Brot oder Getreide war von Anfang an nicht vorhanden. Das fand ich am erstaunlichsten, da ich erwartet hatte, es würde vielleicht doch irgendwie hart.

Nein, sogar das Gegenteil war der Fall: Ich hatte von meinem Instinkt her nicht das Gefühl, dass Brot ein Nahrungsmittel sei. Genauso wie ich nicht das Verlangen habe Sägespäne zu essen, konnte ich mir nicht mehr länger vorstellen Brot zu essen. Das ganze Hunger-, Appetit- und Essverhalten veränderte sich und das in wenigen Tagen. Ich fühlte mich immer leistungsfähiger und wacher, mit immer weniger Nahrungsmenge.

Und das mit der Rohkostphase, so wie ich es vorher „geplant“ hatte, war auch völlig unkompliziert. Es war meistens so heiß, dass ich keine Lust auf warme Speisen verspürte. Irgendwann, keine Ahnung wie lange ich letztendlich nichts Gekochtes gegessen habe, war es damit von meinem Gefühl her genug.

Ich bekam wieder Appetit auf warme Mahlzeiten.

Diesem Gefühl folgend erweiterte sich meine Ernährung wieder: gekochte Hülsenfrüchte, wie Linsensuppen, indische Dalgerichte, gebackene Kartoffeln, veganes Chilli oder einfach gedünstetes Gemüse bekamen wieder ihren Platz in meiner Ernährung.

Das geht jetzt schon seit über drei Monaten so, der hundertste Tag dieses „Selbstversuches“ ist mittlerweile überschritten und es ist auch schon lange kein Versuch mehr. Meine Ernährung und mein Verhältnis zu Nahrung haben sich wieder einmal verändert.

Es kommt überhaupt nicht mehr in Frage Brot, Nudeln, Gebäck oder Kuchen zu essen. Genauso wenig wie die ganze Zeit vorher schon Fleisch, Eier und Milchprodukte keine Rolle mehr spielten. Als wäre es schon immer so gewesen, ohne Zwang und Selbstdisziplin. Im Gegenteil, ich bin eher froh, dass ich keinen Stress mehr mit all diesen Dingen habe.

Und das Beste ist:

Je mehr ich aus meiner Ernährung weglasse, desto bewusster wird mir was für unendliche Möglichkeiten es doch gibt. Das klingt paradox, aber unsere Geschmacksnerven und unsere Essgewohnheiten sind oft so eintönig, dass wir die Vielfalt und Fülle der Lebensmittel einfach nicht wahrnehmen.

Überlegen Sie einmal wie abwechslungsreich Ihre Ernährung ist. Auch wenn sie tierische Produkte, Getreide, Zucker und dergleichen enthält, würde ich wetten, dass Sie im Prinzip immer die gleichen Dinge essen. Wir vergessen welche Möglichkeiten und Lebensmittelkombinationen es gibt.

Dieser Erfahrungsbericht soll nicht missionieren. Er soll auch kein schlechtes Gewissen machen und schon gar darstellen, wie „toll“ doch meine eigene Ernährung ist. Mir geht es darum aufzuzeigen, dass es keinen Verzicht bedeutet aus verschiedenen Gründen einige Dinge wegzulassen. Unverträglichkeiten und Allergien, sei es Gluten, Milcheiweiß, und  was auch immer kommen sehr häufig vor.

Die Betroffenen bekommen oft die Empfehlung, auf diese Dinge am besten ihr Leben lang zu verzichten. Das lässt oft ein Gefühl von Leere und Mangel entstehen und wird als eine Einschränkung der persönlichen Lebensfreude empfunden.

Mir geht es darum, diesen Menschen Mut zu machen und zu zeigen, dass sie eigentlich froh um alles sein können, was Körper, Geist und Seele nicht länger belastet, und  dass es unzählige, sehr kulinarische Mittel und Wege gibt durch eine solche Umstellung das Leben zu bereichern.

Meine Umstellung entstand aus Neugierde und nicht aus der Not einer Unverträglichkeit. Ich könnte also jederzeit wieder umsteigen, aber das will ich gar nicht. Ich bin froh auch ohne „Leidensdruck“ auf diese Dinge gestoßen zu sein und wünsche allen, die vielleicht aus anderen Gründen ihre Ernährung umstellen wollen oder sollen viel Freude und Inspiration beim Ergründen der eigenen optimalen Ernährung.

Ich freue mich auch über konkrete Fragen und Rückmeldungen zu diesen Themen. Trauen Sie sich Ihren eigenen Weg zu finden, was das Thema Ernährung und Genuss angeht.

Bildrechte: aboutpixel.de Laugen-, Körner- und Käsebrötchen © Heinz Hasselberg

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