Die dritte Nebenübung Rudolf Steiners – der Gleichmut – wirkt auf den ersten Blick einfach, entfaltet aber auf den zweiten eine enorme Tiefe. In unserer wöchentlichen Nebenübungsgruppe tauchen wir gerade intensiv in diese Übung ein, und einige Gedanken aus diesem lebendigen Austausch möchten wir heute mit Dir teilen.

Was bedeutet Gleichmut im anthroposophischen Sinn?

Gleichmut meint nicht „nichts mehr fühlen“ oder sich emotional abkoppeln. Im Gegenteil: Gleichmut bedeutet, alle Gefühle wahrzunehmen, aber nicht von ihnen mitgerissen zu werden.

Freude, Traurigkeit, Wut, Angst – all das darf da sein. Entscheidend ist, dass nicht das Gefühl die Handlung steuert, sondern das Ich.

Das menschliche Seelenleben steht – laut Anthroposophie – zwischen zwei Grundkräften:

  • Sympathie: der Impuls, sich hinzu­zuwenden

  • Antipathie: der Impuls, sich abzuwenden

Diese Kräfte kommen aus dem Astralleib und sind immer aktiv. Gleichmut heißt nicht, diese beiden Pole abzustellen, sondern sie wahrzunehmen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Das Ich wird zur klaren inneren Instanz, die entscheidet, ob und wie Du reagierst.

AnthropoSophia 14: Gleichmut - Impulse zur 3. Nebenübung nach Rudolf Steiner

DSGVO Hinweis: Eine Verbindung zu YouTube wird erst durch das Anklicken der Playtaste hergestellt. Die Videos werden dann über YouTube angezeigt. YouTube verwendet Cookies, um Videos abzuspielen. Mehr Informationen: YouTube Datenschutzrichtlinie

Vom Spielball der Gefühle zum bewussten inneren Zentrum

Viele kennen es: Ein Gefühl steigt auf – und schon sind wir mittendrin. Wir reagieren impulsiv, werden eng, ziehen uns zurück oder explodieren. Aus anthroposophischer Sicht bedeutet das, dass das Ich von den Bewegungen des Astralleibs überflutet wird.

In der dritten Nebenübung übst Du etwas anderes:

  • Gefühle klar wahrnehmen

  • den Impuls dahinter erkennen

  • nicht automatisch reagieren

Damit wird das Ich gestärkt. Gleichzeitig beginnst Du zu beobachten, wie viel ständig von außen auf Deine Seele einwirkt – Stimmungen anderer Menschen, atmosphärische Impulse, unterschwellige Erwartungen. Du wirst sensibler dafür, was wirklich Deins ist und was nicht.

Viele, die zur Vermischung neigen oder Gefühle anderer leicht übernehmen, finden in dieser Übung eine befreiende Klarheit.

Die spirituelle Anatomie dahinter: Ich – Äther – Astral

Steiners Nebenübungen bauen gezielt aufeinander auf:

  1. Gedankenbildung – Schulung des Ätherkörpers

  2. Initiative des Handelns – ebenfalls Ätherkräfte

  3. Gleichmut – Schulung des Astralkörpers

Gedanken, Gefühle, Impulse – all das strömt durch unsere Wesensglieder. Doch das Ich ist derjenige Wesenskern, der ordnen, unterscheiden und gestalten kann.

Die Übungen öffnen nicht nur den Zugang zur geistigen Wahrnehmung, sondern führen auch zu einer immer klareren Selbstwahrnehmung: Was kommt von außen? Was steigt aus tieferen Schichten auf? Und was ist wirklich meine Entscheidung?

Gleichmut und Nervensystem – eine sehr fruchtbare Verbindung

Es gibt eine bemerkenswerte Schnittstelle zwischen Steiners Schulung des Ichs und der modernen Arbeit mit dem autonomen Nervensystem.

  • Im ventral-vagalen Zustand (Sicherheit, Verbundenheit) kannst Du fühlen, ohne überwältigt zu werden.

  • Gerätst Du in Kampf/Flucht oder Erstarrung, verschmilzt Du mit dem Gefühl. Gleichmut wird praktisch unmöglich.

Gleichmut heißt also nicht, weniger zu fühlen, sondern tiefer und klarer.

Die meisten Menschen reagieren auf Gefühle, bevor sie sie überhaupt bewusst wahrnehmen. Das Nervensystem startet Stressmuster – Kampf, Rückzug, Einfrieren – und wir verwechseln das mit „ich fühle etwas“.

Gleichmut unterbricht diesen Automatismus.

Luziferisch – arimanisch – christlich: ein innerer Kompass

Eine sehr spannende Betrachtung kam in unserer Gruppe auf: die Zuordnung bestimmter innerer Strömungen zu den drei geistigen Kräften, die Rudolf Steiner beschreibt.

  • Luziferisch: Begeisterung, Euphorie, impulsive Entflammung, emotionale Übersteigerung

  • Arimanisch: Engwerden, Sorgen, Kontrolle, Angst, Verhärtung

  • Christlich: Mitgefühl, Demut, Dankbarkeit, zentrierte Gegenwärtigkeit

Das Besondere:
Das Luziferische und Arimanische wachsen wie Unkraut von selbst.
Das Christliche wie eine Nutzpflanze nur, wenn wir es pflegen.

Diese Analogie trifft tief. Die destruktiven inneren Bewegungen kommen automatisch. Die konstruktiven brauchen Bewusstsein, Pflege, Aufmerksamkeit.

Gleichmut wirkt hier wie das stille Licht der Mitte.
Nicht wegdrücken. Nicht hineinstürzen.
Sondern bewusst atmen – wahrnehmen – entscheiden.

GFK als Verbündete des Gleichmuts

In der Einfühlsamen/Gewaltfreien Kommunikation schauen wir auf das Motiv hinter dem Gefühl – nämlich das Bedürfnis.

  • Hinter Angst steht z. B. das Bedürfnis nach Sicherheit.

  • Hinter Wut steht das Bedürfnis nach Gerechtigkeit oder Verbindung.

Wenn Du das Bedürfnis erkennst, kommst Du automatisch wieder in die Mitte.
Das ist sehr nah an dem, was Steiner das christliche Prinzip des Ichs nennt: Bewusstheit, Transparenz, Verantwortlichkeit.

Indem Du Dich an Dein Bedürfnis erinnerst, aktivierst Du – neurobiologisch – Deinen ventralen Vagus, also den Zustand, in dem Gleichmut überhaupt erst möglich wird.

Gleichmut als Weg zur geistigen Wahrnehmung

Je mehr Gleichmut wächst, desto klarer wird die Wahrnehmung des Astralischen – der eigenen wie der fremden Stimmungen. Viele berichten, dass ihre Intuition präziser wird, dass sie Empfindungen anderer besser unterscheiden können und dass innere Ruhe entsteht, die vorher unvorstellbar war.

Alle Nebenübungen dienen genau diesem Ziel: das Ich zu stärken, damit es die Seelen- und Wesensglieder führen kann.

Ein Impuls zum Schluss

Vielleicht möchtest Du in den nächsten Tagen einmal beobachten:

  • Welche Gefühle steigen am Tag in Dir auf?

  • Welche sind sympathisch (hinzu), welche antipathisch (weg)?

  • Welche Impulse wollen sofort in Handlung gehen?

  • Und wo entsteht vielleicht ein kleiner Moment des Gleichmuts – in dem Du fühlst, aber nicht reagierst?

Wie gleichmütig kannst Du sein? Nicht als Perfektionsanspruch. Sondern als liebevolle Forschung in Deinem Inneren.

NEWSLETTER --> Kostenlose Inspirationen gefällig?
Durch Anklicken willigst Du ein, dass Deine Daten an unseren Newsletterversanddienst Mailchimp weitergeleitet werden. Datenschutzbestimmungen von Mailchimp>>
Erhalte max. 1-mal pro Woche die besten Tipps für ganzheitliche Gesundheiterhaltung, Persönlichkeits- & Bewusstseinsentfaltung!!! Kostenlos und unverbindlich! *** Wir freuen uns auf Dich! Marion & Jens
Jederzeit abbestellbar! * Kein Spam * Bitte beachte unsere Datenschutzbestimmungen. Mit der Anmeldung akzeptierst Du diese.