Neurotransmitter und andere Botenstoffe regulieren unsere Gefühlslage und unsere Persönlichkeit

Neurotransmitter sind die biochemischen Botenstoffe, die in unserem Nervensystem elektrische Informationen und Impulse in eine stoffliche Form übersetzen. Zwischen den einzelnen Nervenfasern und den Zielzellen bzw. Zielorganen, Drüsen, Geweben usw. befindet sich eine Unterbrechung, der sogenannte „synaptische Spalt“.

Der synaptische Spalt unterbricht den elektrischen Informationsfluss des Nervensystems. Damit diese Informationen dennoch zu den Zielorganen weitergeleitet werden können, schütten die Vesikel am Ende der Nervenbahnen Neurotransmitter aus. Diese überwinden den synaptischen Spalt und docken auf der anderen Seite an die Zellrezeptoren der Zielzellen der jeweiligen Zielorgane oder Zielgewebe an.

An diesen Rezeptoren stimulieren die Neurotransmitter dann eine entsprechende Reaktion, die die ursprünglich elektrische Nerveninformation auf stofflichem Wege ins Innere der Zellen befördert.

Neurotransmitter lösen Gefühle aus

Gleichzeitig sind die Neurotransmitter, zusammen mit Hormonen und anderen biochemischen Botenstoffen, auch für unsere Gefühle, Emotionen und Empfindungen verantwortlich.

Oft ist von „Glücksbotenstoffen“ die Rede. Der Neurotransmitter Serotonin wird häufig so bezeichnet, da wir bei dessen Ausschüttung Glücksgefühle empfinden. Gefühle wie Freude, Vorfreude, Belohnungsgefühle, Erfolgsgefühle usw. werden durch biochemische „Glücksbotenstoffe“ ausgelöst. Dazu gehören neben dem Serotonin auch Dopamin, GABA und in gewissem Maße auch Noradrenalin.

Unser Körper bildet seine eigenen Opiate, die in der Lage sind, Schmerzen zu mildern, er bildet „endogene Aufputschmittel“, die uns zu Bestleistungen antreiben, natürliche Schlaf- und Beruhigungsmittel, aber auch Stoffe, die uns traurig, melancholisch, depressiv und ängstlich werden lassen. Gefühle jeglicher Art haben stets eine stoffliche Komponente in Form von biochemischen Botenstoffen.

Positive und negative Gefühlsbotenstoffe

Gefühle wie Motivation, Tatendrang, Vorfreude, Belohnung, Dankbarkeit, innere Ruhe und Zufriedenheit werden in der Regel als „positive Gefühle“ angesehen, die wir gerne haben und deren Ausschüttung wir durch unser Handeln und Verhalten auslösen können. Viele Gewohnheiten, aber auch Süchte aller Art dienen im Prinzip nur der Ausschüttung solcher Glücksbotenstoffe.

Der Genuss von Zucker und einfachen Kohlenhydraten stimuliert beispielsweise die Serotoninausschüttung. Alkohol, Kaffee und Nikotin bewirken eine Dopamin- und Noradrenalinausschüttung. Das, was wir mit dem Genuss solcher Substanzen eigentlich bezwecken wollen, ist die Stimulation unserer körpereigenen Botenstoffe. Sie sind es, die das gute Gefühl dabei auslösen, nicht die Substanzen und Gewohnheiten selbst!

Im Gegensatz zu den positiv bewerteten Glücksgefühlen empfinden wir Gefühle wie Angst, Furcht, Panik, Unsicherheit, Antriebslosigkeit, Wut usw. als negativ. Solche Gefühle und Emotionen wollen wir normalerweise vermeiden. Meistens werden diese negativen Gefühle durch „Stresshormone“ ausgelöst.

Auch ein Mangel an Neurotransmitter, die positive Gefühle auslösen, kann zur Entstehung von negativen Gefühle führen.

Ein chronischer Serotoninmangel kann z. B. eine Depressionen auslösen, ein Mangel an Dopamin kann zu Antriebslosigkeit führen und ein Noradrenalinmangel ist oft die Ursache für Selbstzweifel und Unsicherheit!

Unsere persönliche Neurotransmitter-Balance als „Stimmungsregler“

Sowohl die positiven als auch die negativen Gefühle sind ein Spiegel unserer persönlichen Neurotransmitterbalance. Wir fühlen uns gut, „wenn alles im Lot ist“ und wenn wir „in unserer Mitte“ sind.

Das Gefühl „in seiner Mitte zu sein“ bedeutet, dass unsere Neurotransmitter-Balance, entsprechend unseres individuellen Neurotransmitter-Profils im ausgeglichenen, harmonischen und optimalen Zustand ist. Sobald wir aus unserer Mitte fallen, sprich unsere Balance verlieren, stellen sich „Missstandsgefühle“ wie Unbehagen, Unsicherheit, Stress, Frustration, Angst, Panik usw. ein. Wir fühlen uns schlecht, weil „etwas nicht in Ordnung ist“!

Jeder Mensch verfügt über ein angeborenes, genetisch festgelegtes Neurotransmitter-Profil, das entweder ausgeglichen und in Balance sein kann oder durch verschiedene Umstände gestört werden kann.

Da die Neurotransmitter die Aufgabe haben, Reize und neurologische Signale weiterzuleiten, kann eine Reizüberflutung oder eine Überstimulation durch Reize zu einer Neurotransmitter-Verarmung führen, was dazu führt, dass unsere individuelle Neurotransmitter-Balance gestört wird!

Gefühle als Feedback und Spiegel unserer Biochemie

Die Natur hat sich etwas dabei gedacht, dass wir entsprechend unserer Neurotransmitter-Balance unterschiedliche Gefühlslagen wahrnehmen. Durch unsere Gefühle, Emotionen und Empfindungen will der Körper uns ein Feedback unserer inneren Balance geben. Unsere Emotionen und Stimmungen signalisieren uns, ob das, was wir gerade erleben oder tun, förderlich und Energie spendend oder nachteilig und Energie raubend ist. Alles, was Energie raubend ist, wird von unserem System als potenziell „gefährlich“ interpretiert!

Das Hauptanliegen unseres Organismus ist das „Sichern des Überlebens“. Dieses „Überlebensprogramm“ ist im ältesten Teil unseres Gehirns, im sogenannten „Reptiliengehirn“ verankert. Das Reptiliengehirn hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir als Individuum, Sippe, Familie, Rasse und Spezies überleben.

Fortpflanzung, Nahrungsaufnahme, Schlafen, Flüchten, Kämpfen, Jagen und Dominieren haben hier ihren Ursprung. Gefühle wie Hunger, Durst, Müdigkeit, Angst, Furcht, Panik usw. signalisieren uns akute Missstände, die von unserem Reptiliengehirn als potenziell lebensgefährliche Bedrohungen wahrgenommen werden. Wenn wir diesen Gefühlen nicht Folge leisten und die Missstände beheben, kann es zum Tod durch Verhungern, Verdursten, Erschöpfung oder eine lauernde Gefahr kommen. Diese Missstandsgefühle signalisieren uns, dass wir essen, trinken, schlafen, kämpfen oder flüchten sollten!

Haben wir dem Signal der Missstandsgefühle Folge geleistet und die potenzielle Lebensgefahr beseitigt, stellen sich „Belohungsgefühle“ und „Glücksgefühle“ ein, als Zeichen dafür, dass wir alles richtig gemacht haben. Wir fühlen uns dann glücklich und zufrieden, sind dankbar, entspannt, ausgeglichen, euphorisch, bis hin zu ekstatisch. Wir fühlen uns rundum wohl und sind wieder in unserer Mitte und in unserer Kraft!

Neurotransmitter und andere biochemische Botenstoffe steuern somit unser Verhalten und unsere Handlungen, um sicher zu stellen, dass wir als Individuum überleben!

Anhand „positiver“ und „negativer“ Gefühle und Emotionen navigiert uns unsere Biochemie und regt uns zu Handlungen an, die bestimmte Missstände beheben sollen, die auf Dauer eine Bedrohung darstellen könnten.

Die Interpretation bestimmter Gefühle in Bezug auf die Biochemie

Wenn wir regelmäßig „schlecht drauf“ sind, kann die Ursache in einer Störung der individuellen Neurotransmitter-Balance liegen. Eine Verarmung einzelner Neurotransmitter kann die Ursache für Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Depressionen usw. sein.

In der folgenden Tabelle habe ich aufgelistet, welche „negativen Gefühle“ sich oft im Rahmen einer Verarmung der einzelnen Neurotransmitter einstellen:

Biochemische UrsacheNegative Gefühle“
Dopamin-Verarmung
  • Müdigkeit, Energiemangel und Antriebslosigkeit („alles ist einem zu viel“, man „verschiebt lieber Dinge auf Morgen“, usw.)
  • Motivationsverlust, Frustration, keine Ideen und Visionen („das Leben hat keinen Sinn“)
  • depressive Verstimmung, dauerhaft schlechte Laune und eine Abnahme an Lebensfreude
  • Gefühl von Zerrissenheit und Abgetrenntheit (Gefahr der Vereinsamung und Desozialisierung)
Acetylcholin-Verarmung
  • Teilnahmslosigkeit und allgemeines Desinteresse
  • das Gefühl, „nicht am Leben teilnehmen zu können“, „das Leben zieht an einem vorüber“
  • man kann keine Freude und Begeisterung empfinden, alles fühlt sich „stumpf und fade“ an
  • allgemeine Hoffnungslosigkeit
  • Mangel an Optimismus und chronischer Pessimismus
  • das Gefühl „nicht gut genug zu sein“
  • Gefühlskälte
  • Aggression und Autoaggression
GABA-Verarmung
  • Phobien
  • Wutanfälle
  • Panikattacken
  • schnell wechselnde Gefühle (Manisch-Depressiv)
  • Gefühl von innerer Leere
  • keine emotionale Abgrenzung möglich
  • „Drama Queen“: muss im Mittelpunkt stehen, sieht nur sich selbst und hat kein Interesse an Bedürfnissen anderer, starkes Mitteilungsbedürfnis, was die eigenen Probleme angeht
Serotonin-Verarmung
  • kann keine Freude empfinden
  • launisch, depressiv, narzisstisch
  • Angst und Unsicherheit
  • fühlt sich abgelehnt und zurückgewiesen
  • Antriebslosigkeit und mangelnde Motivation zur Verrichtung alltäglicher Dinge
  • impulsive kurzfristige Handlungen, die Folgen nicht berücksichtigend
  • fühlt sich eingeengt und hat das Bedürfnis, alle Regeln zu brechen
  • chronische Unzufriedenheit und Frustration
  • innere Leere (versucht diese durch Ersatzbefriedigung und Konsum zu füllen)
Noradrenalin-Verarmung
  • Mangel an Selbstvertrauen und Vertrauen ins Leben
  • neigt zu Kontrollsucht und Perfektionismus, aufgrund des Gefühls „nicht gut genug zu sein“
  • innere Unruhe und Gefühl von Rastlosigkeit und Gehetztsein
  • starke Selbstzweifel
  • Gefühl von Isolation und Ausgrenzung
  • Gefühl von der Meinung anderer Menschen abhängig zu sein
  • depressive Verstimmung
  • Mangel an Motivation und Begeisterung

Der Grund für überwiegende Missstandsgefühle jeglicher Art muss demnach nicht unbedingt etwas mit dem Charakter und der Persönlichkeit zu tun haben. Häufig ist eine Verarmung einzelner Neurotransmitter der Grund dafür, dass sich unsere Persönlichkeit eine negative Färbung annimmt.

Aufgrund des persönlichen Neurotransmitter-Profils haben wir individuelle Stärken und Schwächen, die im Rahmen einer permanenten Überreizung der neuro-endokrinen Regelkreisläufe eine negative Veränderung der Persönlichkeit nach sich ziehen können. Oft fühlt man sich dann „vom Schicksal gestraft“, dass es einen selbst besonders hart trifft und einem das Lebensglück vergönnt bleibt.

Falls Du Dich da in irgendeiner Form wieder findest, könnte die Ursache in einer Dysbalance Deiner Biochemie liegen. Neurotransmitterverarmung lässt sich häufig durch ein Auffüllen der Mikronährstoffspeicher und eine Optimierung der Lebensgewohnheiten schnell und effektiv beheben.

Im zweiten Teil erfährst Du, wie Du Dein Neurotransmitter-Profil ins Gleichgewicht bringen  und einen Neurotransmitter-Mangel beheben kannst>>

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