Effektive chinesische Trainingsmethoden als Alternative zum westlichen Fitnesswahn

Über das äußerst lesenswerte Buch „Tigersturz und Ringerbrücke“ hatte ich bereits berichtet. Kurz nachdem ich auf dieses Buch gestoßen bin, hatte ich das große Glück, Frank Rudolph – einen der beiden Autoren – persönlich kennenzulernen.

Im Rahmen unserer sehr fruchtbaren Email-Korrespondenz hat Frank sich zu folgendem Interview über seinen Werdegang und Trainingsmethoden aus den östlichen Kampfkünsten bereit erklärt.

Frank Rudolph

Kurzportrait – Wer ist Frank Rudolph?

Frank Rudolph, Jahrgang 1969, hat Journalismus studiert und ist als freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen und Magazine tätig. Seit 1992 schreibt und veröffentlicht er über Themen wie Philosophie, Geschichte, Kultur und Kampfkunst.

Frank Rudolph ist aber auch Kampfkünstler und Kampfkunstforscher, der Kampfkunst nicht nur mit Leib und Seele betreibt, sondern auch die Ursprünge und vor allem alte und hierzulande unbekannte Stile und Trainingsmethoden erforscht. Dazu war er selbst in Asien und Europa unterwegs und besitzt auch eine große Sammlung an Büchern, Aufzeichnungen und Überlieferungen aus aller Welt.

Seine Bibliothek enthält über 8.000 ausgewählte und teilweise sehr alte und sehr seltene Schriften. Allein 2.000 Bücher handeln über Kampfkunst und Training. Laut eigener Aussage halten sich seine literarischen und körperlichen Studien die Waage.

Frank Rudolph war einst der Lehrer und später Trainingspartner von Maik Albrecht, der sich sehr schnell als herausragendes Talent entpuppte und bereits im Alter von 20 Jahren nach China ging, um dort, von den noch lebenden Kampfkunstmeistern und Linienhaltern zu lernen.

Im Jahr 2006 gewann Maik Albrecht in der chinesischen Wushu-Profigruppe eine Goldmedaille und ist seitdem in China eine lebende Legende. Er ist der einzige Ausländer, dem ein solcher Erfolg in China jemals gelungen ist.

Das ARD hat 2008 eine Doku über Maik gedreht: „Herr Albrecht macht Wushu – Ein Deutscher kämpft in China“. Ein Jahr später drehte auch das chinesische Staatsfernsehen eine mehrteilige Dokureihe über Maik Albrecht.

Die beiden Kampfkünstler haben zusammen mehrere, sehr hochwertige und absolut empfehlenswerte Bücher im Palisander-Verlag veröffentlicht, von denen ich „Tigersturz und Ringerbrücke (TuR)“, „Yan Chi Gong (YCG)“ und „Wu – Ein Deutscher bei den Meistern in China“ mit Begeisterung verschlungen habe. Mit dem „Yan Chi Gong-System“ experimentiere ich selbst gerade und werde zu gegebener Zeit darüber berichten.


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Maik und Frank gründeten im Rahmen ihrer gemeinsamen Forschungsarbeit das „Albrecht-Rudolph Institute of Martial Arts Research (ARIOMAR)“, in dem intensiv Kampfkunstforschung fernöstlicher und europäischer Kampfarten betrieben wird.

Es gibt viele alte Kampfkünste und Gong-Systeme, die leider vom Aussterben bedroht sind. Das Yan Chi Gong ist ein einige Jahrhunderte altes authentisches System zum Aufbau der inneren und äußeren Kraft, das aktuell leider nur noch drei Menschen auf der Welt beherrschen.

Bei anderen Künsten gibt es teilweise überhaupt keine lebenden Meister mehr, die ihre Kunst weitergeben und damit am Leben erhalten können. Vieles ist mittlerweile leider für immer von der Bildfläche verschwunden. Umso mehr freue ich mich über die Informationen, die durch die Arbeit von Frank Rudolph und Maik Albrecht aufbewahrt und erhalten werden.

Das nun folgende Interview enthält Informationen, die bis vor wenigen Jahren nicht öffentlich zugänglich waren, geschweige denn im Internet oder „an der nächsten Straßenecke“ erhältlich sind.

Im Gespräch mit dem Kampfkunst-Experten Frank Rudolph

Jens Sprengel: Lieber Frank, ich grüße Dich und freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit und Muße zu diesem Interview nimmst. Mich interessiert immer, warum jemand sich für einen solchen Weg entscheidet. Was ist die treibende Kraft, Dich so intensiv mit Kampfkunst zu beschäftigen?

Frank Rudolph: Mein Ideal war, seit ich denken kann, das der Antike bzw. der Renaissance, was bündig Körper und Geist als Einheit bedeutet. Das gibt es in den Kampfkunst ja als bunburyōdō (jap. 文武両道) oder wénwǔliǎngdào (chin. 文武两道).

Jens Sprengel: Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Ich verstehe.

Frank Rudolph: Das bekannte Zitat mens sana in corpore sano ist so nicht vollständig. Es war eigentlich eine Forderung – orandum est ut sit mens sana in corpore sano – Beten sollte man darum, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei. Und so genau ist das wahr.

Wir haben es heute so gut, wie selten zuvor in der Geschichte. Wir haben Zugang zu ausreichender Nahrung und Wasser. Dazu haben wir meist Ruhe. Daher sind viele heute so gut trainiert, wie kaum je zuvor in der Geschichte. Was aber nicht heißen soll, dass es keine Meister gab, von denen wir nichts lernen könnten.

Es gibt antike Rekorde, die wir bisher nicht gebrochen haben. Theagenes von Thasos hatte ca. 1.200 Siege im Boxen und/oder Pankration, ca. 800 Jahre bevor bei Dēngfēng/Hénán das berühmte Shàolín-Kloster gebaut wurde. Doch wir müssen dabei bedenken, dass Leistung damals oft mit Lebenszeit erkauft wurde.

Unser Kompromiss heute ist gut. Wir leben im Schnitt länger, aber wir kämpfen selten ums Überleben. Daher sind zumindest unsere Zweikampftechniken recht fragwürdig. Wir sollten von Killern lernen, statt von jenen Budo-Meistern, die weltfremd und ohne praktische Erfahrung lehren.

Um Missverständnissen vorzubeugen, ich schere nicht alle über einen Kamm. Es gibt viele gute Lehrer der Kampfkunst, die ihre Schüler zu besseren Menschen machen, obwohl sie über wenig praktische Kampferfahrung verfügen.

Jens Sprengel: Momentan unterrichtest Du selbst zwar nicht mehr, trainierst aber selbst immer noch jeden Tag. Könntest Du kurz die Schwerpunkte Deines Trainings schildern?

Frank Rudolph: Ich habe bis ins Jahr 2000 unterrichtet. Jetzt habe ich keinen Nerv mehr dafür. Aber ich trainiere 7 Tage die Woche. Nicht mehr 8 Stunden wie früher, sondern manchmal nur 15 Minuten. Aber das eben jeden Tag. Im Schnitt bin ich 40 Minuten bis eine Stunde aktiv. Ich habe fast alles ausprobiert.

Meine Entscheidung, nicht zu unterrichten, mag der eine oder andere bedauern. Aber auch das muss ja meinem Weg entsprechen, nicht dem anderer.

Die Schwerpunkte meines persönlichen Trainings sind:

  • jīběngōng (chin.基本功; Grundlagentraining)
  • hègōng (chin. 鶴功; Kranich-Übung)
  • Waffentraining

Das Grundlagentraining haben wir ausführlich in „Tigersturz und Ringerbrücke“ beschrieben.

Mein Kranich-Gong beruht auf einer Form aus fünf Teilen. Im Grunde wird das Leben eines Kranichs kodifiziert. Meine Übungen lehnen sich daran an, sind aber nicht identisch. Palisander hat auch ein Kranich-Buch herausgebracht. Meine Übungen sind anders. Äußerlich ähnlich, aber ich arbeite mit anderen Spannungen.

Buchcover Tigersturz und Ringerbrücke

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Authentische Techniken, wenn man das überhaupt so sagen kann, übe ich kaum noch, da ich nur mir und meinem Körper verpflichtet bin. Ich muss mein Alter, meine Größe, mein Gewicht, meinen Gesundheitszustand und meinen Charakter berücksichtigen, denn nur das ist in einem Kampf entscheidend. Demzufolge kann ich oder möchte ich nicht mehr unterrichten.

Meine letzte Klasse bestand nur aus 3 Schülern, die ich drei Jahre lang in nur zwei Übungen unterwiesen habe, hègōng und tàijíquán yángshì (chin. 太極拳楊氏). Ich habe allerdings einige Jahre Kata geübt. Die sino-okinawanische passai habe ich weit über 10.000 Mal absolviert. Da ich seit 1984 Trainingstagebuch führe, könnte ich es Dir auch genauer sagen. Ich wollte alle 5 Jahre die Kata wechseln, aber auch hier erkannte ich für mich, ich muss meinen eigenen Weg finden und nicht ein „fremdes Leben leben“.

Jens Sprengel: Im Vorwort von „Tigersturz und Ringerbrücke“ (TuR) schreibt Ihr, dass Ihr Euch mir den verschiedensten Trainingssystemen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden beschäftigt habt und zu dem Schluss gekommen seid, dass die chinesischen Trainingsmethoden oft die effektivsten sind. Könntest Du kurz schildern, wie die wichtigsten chinesischen Trainingsmethoden aussehen und weshalb diese so effektiv sind?

Frank Rudolph: Du sagst es richtig, dass sie oft und in vielen Fällen für uns die besten sind, aber nicht immer. Moderne chinesische Trainingsmethoden sind so gut oder so schlecht wie alle Methoden, die den Körper verschleißen.

Die traditionellen Trainingsmethoden sind auch nicht unfehlbar. Was uns vor allem an dem alten chinesischen Übungen gefällt, das ist die jahrhundertelange Erfahrung, die stets den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Wenn etwas den Körper nachhaltig schaden könnte, wurde es nicht verwendet. Die Meister haben schädliche Übungen nicht aufgenommen.

Die Wechselwirkung von Körper und Leistung wurde so gut wie nie außer Acht gelassen. In China zählt man nicht nach Stunden, sondern nach Jahrzehnten. Man könnte sagen, die Chinesen interessiert das Wachsen des Apfelbaumes und nicht nur der Genuss des Apfelessens.

Auf die Kampfkunst (KK) bezogen kann man sagen, dass Grundlagen, Wirksamkeit und Mensch eine Einheit bilden. Nichts wird isoliert betrachtet. Ist eine Kampftechnik vielleicht schädlich fürs Herz? Dann wird sie nicht verwendet. Wie kann man die Technik effektiv trainieren, ohne ein Organ zu schädigen? Das ist die Frage, und die Chinesen haben für fast alles Lösungen gefunden. So komplex wie in keinem anderen Land.

Natürlich gab es auch Zeiten in China, wo schnell gute Kämpfer gebraucht wurden. Da hat man auch die Leute verschlissen. Innerhalb weniger Wochen wurden Kämpfer „produziert“. Das ging selten ohne Folgeschäden ab. Doch das sah in den meisten Fällen immer noch anders aus, als in Japan während des WK II., wo die Menschen nur Material waren. Die Nakano-Schule (jap. rikugun nakano gakkō 陸軍中野学校) ging buchstäblich über Leichen. Um Soldaten zu erzeugen, ist das einfach dumm. Doch in China waren selbst dann noch die Trainingsmethoden besser.

Ich erinnere mich an eine Doku, die Ende der 90er Jahre kam. Zu dieser Zeit tourten einige okinawanische Meister durch die Welt und zeigten ihr Können. Sie demonstrierten ihr altes Training, was in seiner Form mit den alten chinesischen Methoden verwandt ist.

Der Kommentator verstand das Gezeigte nicht und verwies auf die Gefahren der alten Methoden und darauf, dass moderne Geräte besser und gesünder seien. Und hier zeigt sich sowohl das Missverständnis, als auch das Unverständnis. Die alten Methoden und die alten Trainingsgeräte sind auf ein anderes Denken in der KK ausgerichtet.

Jens Sprengel: Das Training, das Ihr beschreibt, ist dementsprechend auf Nachhaltigkeit ausgelegt und nicht auf ein schnelles Hochpeitschen der maximalen Leistungsfähigkeit in jungen Jahren. Wo liegt der Hauptunterschied zwischen dem traditionellen Kampfkunsttraining und den modernen westlichen Trainingsmethoden aus dem Leistungssport?

Frank Rudolph: Im Grunde hast du es bereits gesagt. Es geht darum, das Verbrennen des Trainierenden zu vermeiden. Das Training ist für lange Zeit, es ist auf die lebenslange Nutzung angelegt. Es geht nicht darum, dass man auf einen bestimmten Punkt hin trainiert. Denn was ist nach diesem Punkt?

Erreicht man ihn, fällt man in ein Loch. Erreicht man ihn nicht, fällt man in ein Loch. Der Höchststand darf nicht erzwungen werden. Denn mit dem Erreichen des Maximums, nach einem Stichtag, ist der Sinn weg. Es geht nur in eine Richtung.

Und auch das Verfehlen des Ziels ist unweigerlich mit dem mentalen Aspekt gekoppelt. Beides ist verheerend. Viele Trainierenden werden damit nicht fertig. Das klassische Training geht davon aus, dass das Endziel vielleicht nie eintritt. Es geht also darum, den Körper gleichbleibend zu trainieren und das auf einer hohen Stufe.

Wenn du so trainierst, wirst du sicher nicht in allen Disziplinen der Beste sein, aber du wirst in den meisten Disziplinen überdurchschnittlich gut abschneiden. Vor allem aber wird dein Denken ein anderes sein.

Kampfkunst

Jens Sprengel: Würdest Du deshalb ganz allgemein ein Training bis zur Erschöpfung vermeiden oder auch regelmäßig bis zur Erschöpfungsgrenze trainieren und versuchen, diese immer weiter auszudehnen?

Frank Rudolph: Erschöpfung ist nicht gleich Erschöpfung. Der Körper muss immer handlungsfähig bleiben. In der KK sollte man immer damit rechnen, zu jeder Zeit angegriffen werden zu können. Wer sagt, dass es nicht mitten im Training passiert? Oder auf dem Nachhauseweg? Und wenn man dann vollkommen erledigt ist, wird man seine Handlungsfähigkeit einschränken.

In der KK ist die eigene Handlungsfähigkeit zu jeder Zeit das A und O. Das heißt allerdings nicht, dass man so vor sich hin dümpeln kann. Denn damit ist man unter Umständen eben auch nicht optimal trainiert und nicht handlungsfähig im Ernstfall. Wir trainieren so, dass wir nach oben noch etwas Luft haben, aber der Körper einen Nutzen davon hat.

Vielleicht erkläre ich das anders. In einigen KK gibt es die Übung, die Arme gegeneinander zu schlagen, um die Härte und Nehmerfähigkeit zu erhöhen. Man geht dabei Stück für Stück härter vor und gibt in der Regel dem Knochen Zeit, eine dichtere Struktur auszubilden. Würde man aber von Anfang an und immer mit voller Kraft die Arme gegeneinander schlagen (wie das bei Nakano gemacht wurde), dann würde der Knochen brechen, sich die Knochenhaut entzünden oder ähnlich. Der Körper würde also eher geschwächt werden und der Kämpfer ausfallen.

Jens Sprengel: Sollte man die Intensität und den Anstrengungsgrad so wählen, dass man durchgehend durch die Nase atmen kann oder soll es ab und zu auch mal richtig intensiv sein?

Frank Rudolph: Das Herz darf nie erschöpft werden. Traditionelles Training besitzt eine optimale Mischung aus allen Komponenten. Das yànchígōng (chin. 硯弛功, kurz YCG) ist ein gutes Beispiel. Es ist ein sehr hartes Gong, aber das Herz wird dabei nie ausgelaugt. Du kannst die ganze Zeit über durch die Nase atmen und kommst nicht in Luftnot. Frage dich selber, ob du noch handlungsfähig bist, wenn du wegen Luftnot kaum noch atmen kannst oder nicht weißt, ob dein Herz den nächsten Schlag schafft.

Methoden, die dich an den Rand des Zusammenbruchs führen, sollten sehr, sehr kurz sein, selten angewandt oder ganz vermieden werden. Denk es dir als eine Flucht vor einer Überzahl an Gegnern. Du rennst, bis du nicht mehr kannst und hast dann keine Reserve für den Kampf übrig, wenn du eingeholt wirst.

Wenn du einmal wirklich über die Stränge schlägst, ist deine Regenerationsfähigkeit der wichtigste Aspekt. Du musst in Sekunden wieder kampffähig sein. Und nun frage dich, wie gut würdest du nach einem dich verbrennendem Training noch abschneiden? Man muss hier unbedingt ehrlich zu sich sein.

Jens Sprengel: Ich selbst autoreguliere mein Training komplett, immer entsprechend meiner jeweiligen Tagesverfassung. Machst Du das ebenso und würdest Du das allgemein empfehlen?

Frank Rudolph: Du machst es genau richtig. Höre immer auf deinen Körper. Ich schrieb dir bereits, dass mein Training inzwischen ebenfalls in der Zeit stark variiert. Fitte 25-Jährige werden das wahrscheinlich (noch) nicht verstehen. Aber sie bleiben keine 25 und mit über 50 sieht man einiges anders.

Weg mit dem Zeitgedanken im Training. Der bringt nur Druck. Weg mit der Hetzerei. Wenn man das Alter nicht als Last, sondern als Möglichkeit begreift, sich weiter zu entfalten, verbietet sich jede Hast.

Jens Sprengel: Wird in China auch auf die Tagesform geachtet oder ist das eher ein krasser Drill, dem sich der Körper auf Dauer anpassen muss? So einen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man irgendwelche Dokus aus dem Shaolin-Kloster schaut.

Frank Rudolph: In China gibt es alles. Ich will hier nicht so verstanden werden, als ob es in China nur eine Methode gäbe. In China achten die traditionellen Lehrer zuerst auf die Gesundheit. Aber sie wissen in der Regel auch genau, wo die Grenze des menschlichen Körpers ist. Und diese Grenze ist hoch. Das erklärt das harte Training.

Aber es ist alles eine Frage der Jahre. Nach und nach werden wir besser, nach und nach werden wir härter, nach und nach werden wir schneller. Und die Aufgabe der Lehrer ist es, dafür zu sorgen, dass wir da bei größtmöglicher Gesundheit bleiben. Und wenn man allein trainiert, gilt das eben für uns selbst.

In China gibt es ja auch nicht nur gute Lehrer. Es gibt Scharlatane, wie überall. Einige Meister in China besitzen kein Einfühlungsvermögen und können das individuelle Leistungsvermögen des Schülers nicht einschätzen. Nicht jeder ist wie Maik Albrecht, der alles weggesteckt hat, was die Meister zu bieten hatten. Auch Chinesen sind nur Menschen. Es gibt einige wirkliche Experten. Es gibt aber eben auch Sadisten und Schwindler.

Jens Sprengel: Im Buch betont ihr ja, dass das Training lebendig natürlich sein soll. Könntest Du da kurz ein paar Rahmenbedingungen nennen, damit die Leser abschätzen können, ob sie auf dem richtigen Weg sind oder sich überfordern (oder zu sehr schonen)?

Rudolph und Albrecht

Frank Rudolph: Unser Körper ist einerseits recht widerstandsfähig und andererseits sehr anfällig für verschiedene Verletzungen und Krankheiten. Hier hast du das Lebendige. Das Training kann nicht vom Körper entkoppelt werden. Das Training ist ein Organismus und nicht von uns zu trennen.

Ganz wichtig ist, dass man sich selbst gut beobachten sollte. Man muss unterscheiden können, ob sich eine Übung nur ungewohnt oder schlecht anfühlt. Ist sie ungewohnt, wird der Eindruck mit der Zeit verschwinden. Das schlechte Gefühl wird aber bleiben. Ein gesunder Körper erholt sich nach einer Anstrengung leicht. Das trifft auf einen Muskelkater genauso zu wie auf eine Verspannung. Ein gesunder Körper passt sich schnell an. Wenn das nicht mehr passiert, dann ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Und hierauf muss man unbedingt hören bzw. achten. Das gilt auch für alle, die andere unterrichten.

Jeder ist anders. Auch jemand mit einer schwachen Physis kann dennoch gute Ergebnisse erzielen, wenn man darauf eingeht, wie der- oder diejenige trainiert werden muss. Schmerzen sind nicht gleich Schmerzen. Dehnungsschmerz und Zerrungen sind ähnlich, aber eben nur ähnlich. Darauf sollten die Lehrer achten. Es ist gut, seine Grenzen auszutesten und zu erweitern, aber Ehrlichkeit und Realitätssinn sollten feste Größen beim eigenen Training bleiben.

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