Rückenschmerzen durch das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele (Psyche)

Der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, sondern aus Körper, Geist und Seele. Kommt es auf einer der drei Ebenen zu Problemen und Störungen, wirkt sich das direkt auf die beiden anderen Ebenen aus.

Das Wechselspiel von Psyche und Körper

Körperliche Schmerzen, die uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem nehmen, führen auch auf der Seelen- oder Emotionsebene zu negativen Gefühlen und auf der geistig-mentalen Ebene zu düsteren Gedanken. Genauso wirken sich auch Kummer, Wut oder Trauer auf unsere Gedanken und auf unseren Körper aus.

Stress jeglicher Art führt zu direkten körperlichen Veränderungen. Stresshormone durchfluten den Körper, die Muskeln spannen sich unbewusst an, die Körperhaltung verändert sich und unsere Schlafqualität und die Verdauung werden dadurch ebenfalls gestört.

Innere Spannungen, ausgelöst durch Ängste, Zeitdruck und Stress jeglicher Art führen häufig zu äußeren Verspannungen in der Nacken-, Rumpf- und Rückenmuskulatur und werden damit der Auslöser für Rückenschmerzen.

Wie innen so auch außen

Kennen Sie das: Sie fühlen sich überfordert mit den von Ihnen verlangten Aufgaben? Sie drohen unter der ständig größer werdenden Last wortwörtlich zusammenzubrechen? Vor lauter Stress und Hektik vergessen Sie beinahe das Atmen und Ihr Bauch zieht sich krampfhaft zusammen?

Manch einer nimmt die sogenannte „Schildkrötenposition“ ein, um sich vor den anstehenden Belastungen zurückzuziehen und zu schützen: Der obere Rücken rundet sich und wir ziehen den Kopf ein. Wie eine Schildkröte sich in ihren Panzer zurückzieht, versuchen wir uns in uns selbst zurückzuziehen.

Ein anderer reagiert mit einer „Kampf- und Verteidigungshaltung“: Die Kiefermuskeln spannen sich an, wir beißen die Zähne zusammen, knirschen sogar nachts im Schlaf mit den Zähnen, der Nacken zieht sich nach oben und verkrampft sich, die Schultern und Arme erhöhen ihre Ruhespannung, alles um plötzlich auf Kampfeshandlungen vorbereitet zu sein.

Stress jeglicher Art befördert das Blut weg von den inneren Organen und dem Gehirn, nach außen in die Muskeln, um schnell kämpfen oder flüchten zu können. Unsere Verdauungsorgane und das Gehirn verfügen dann über wenig Blut, wodurch die Verdauung und unser analytisches Denken gehemmt werden.

Innere Anspannung regt den sympathischen Anteil des Zentralen Nervensystems (ZNS) an, der für Aktivität, Energiefreisetzung, Flucht und Kampf zuständig ist. Durch emotionalen und psychischen Stress werden Stresshormone ausgeschüttet, die auch im Körper zu Anspannung führen. Innere Anspannung führt gleichzeitig zu äußeren Spannungen in der Skelettmuskulatur.

Überlebensmechanismen aus der Urzeit

All diese Zusammenhänge zwischen der automatischen Anspannung der Muskeln als direkte Reaktion auf jegliche Art von Stress rühren noch aus Neanderthalerzeiten. Damals bedeutete Stress immer eine akute Gefahr für unser Überleben und der Körper reagierte automatisch, indem er auf den „Flucht- und Kampfmodus“ umschaltete.

Immer, wenn unser Leben durch wilde Tiere oder feindlich gesinnte Widersacher bedroht wurde, aktivierte sich automatisch der Sympathikus. Dieser führt zur Ausschüttung von Stresshormonen, wie Adrenalin und Cortisol, einer gesteigerten Ruhespannung in der Skelettmuskulatur und einer verbesserten Reaktionsfähigkeit.

In der heutigen Zeit entsteht Stress meistens auf emotionaler und psychischer Ebene, ohne, dass unser Überleben direkt bedroht wäre. Dennoch kommt es im Körper zu denselben Reaktionen wie bei unseren Vorfahren. Denn unser Nervensystem kann nicht zwischen diesen verschiedenen Arten von Stress unterscheiden, Stress bedeutet hier immer akute Lebensbedrohung.

Hält der emotionale Stress länger an, z. B. ständige Belastung am Arbeitsplatz, wiederkehrende Streitigkeiten in der Partnerschaft, bleibt daher die Ruhespannung in den Muskeln dauerhaft erhöht und es kann mit der Zeit zu chronischen Muskelverspannungen und daraus resultierenden Muskelverhärtungen kommen. Dadurch können Rückenschmerzen, Versteifungen des Nackens und Spannungskopfschmerzen entstehen.

Bei länger andauernden Stressphasen kommt es zu in folgenden Muskelgruppen häufig zu chronischen Verspannungen:

  • Unterkiefer- und Kaumuskulatur (war früher für reflexartiges Zubeißen nötig)
  • Nacken, Hals, Schultern und oberer Rücken (ein Schutzmechanismus für unseren Kopf und die Halsschlagadern)
  • Schultern, Arme und Brustkorb (ermöglichte schnelle Kampfhandlungen mit den Armen)
  • Bauch- und tiefliegende Rückenmuskulatur (zum Schutz von Herz, Lungen,Wirbelsäule und Bauchorganen)
  • Beine (aktiviert die Beinmuskeln für schnelles Wegrennen und Flüchten aus der Gefahrenzone), dauerhafte Spannung führt meistens zu einer Form des sogenannten „Restless Legs Syndroms“

Wie Sie sehen, reagiert unser Körper als Ganzes immer noch genauso, wie in der Steinzeit. Innere Spannungen erzeugen direkte Spannungen im Außen.

Rückenschmerzen durch eine bedrückte Psyche

Im Gegensatz zu Urzeiten, in denen eine Gefahr in der Regel schnell vorüber war (entweder wir konnten erfolgreich flüchten oder wurden gefressen;-), stehen wir heutzutage dauerhaft unter Stress.

In der heutigen Zeit verschwinden die Ursachen für unseren Stress meistens nicht so schnell. Oft ist sogar kein Ende in Sicht: Ein ständig wachsendes Pensum an Anforderungen im Job, dauerhafte Angst vor Kündigung und Kürzungsmaßnahmen, Mobbing durch die Kollegen oder Vorgesetzten, die nicht enden wollende Angst finanziell nicht über die Runden zu kommen, Disharmonien im zwischenmenschlichen Bereich usw. usw.

Wir allen kennen das, zumindest teilweise. Die „Gefahrensituation“ dauert an. Während unsere Vorfahren früher die innere Spannung und mit ihnen die Stresshormone durch Flucht oder Kampf relativ schnell wieder abbauen konnten, so dass danach wieder Ruhe und Entspannung eintreten konnte, gibt es heute in vielen Fällen diese Möglichkeit nicht.

Uns fehlt heute sehr oft das Ventil, um den angestauten Druck wieder abzulassen und so werden muskuläre Verspannungen oft chronisch. Unser Bewusstsein gewöhnt sich mehr oder weniger an den neuen Spannungszustand, unser Körper jedoch nicht!

Das Kreuz mit dem Kreuz

Unser Rücken und unsere Wirbelsäule reagieren sehr sensibel auf Spannungsveränderungen, besonders auf dauerhaft erhöhte Muskelspannung in der Rumpfmuskulatur. Dauerhafte Spannungen können zu einer Veränderung der natürlichen Streckung und Aufrichtung der Wirbelsäule führen, was unsere gesamte Körperstatik aus dem Lot bringt.

Auf eine dauerhaft gebeugte Wirbelsäule wirkt schon allein die Last unseres eigenen Körpergewichtes manchmal fatal: Wir haben das Gefühl unter all den Lasten des Lebens zusammenzubrechen, jeden Morgen wird es schwerer uns aus dem Bett aufzurichten und wir haben bald keine Kraft mehr „unseren Mann zu stehen“, wobei sich das auch auf Frauen bezieht.

Bei Fehlspannung wird die Wirbelsäule zu einem Sensibelchen

Einfache Alltagshandlungen fallen uns infolge von chronischen Verspannungen der Rücken- und Rumpfmuskeln mit der Zeit immer schwerer und wir schleppen uns mehr schlecht als recht durch unser Leben. Kommt es in den Stütz- und Streckmuskeln der Wirbelsäule zu Verspannungen und Verkürzungen, entsteht dadurch ein erhöhter Druck auf unsere Bandscheiben und die Spinalnerven, die zwischen den Wirbeln entspringen.

Im Inneren der Wirbelsäule befindet sich das Rückenmark, das einen großen Teil unsere Zentralen Nervensystems (ZNS) darstellt und in Form mit den ein- und austretenden Spinalnerven mit dem ganzen Körper kommuniziert. Druck auf die Spinalnerven erzeugt wiederum Stress, sowohl in den Organen, Drüsen und Muskeln, die durch diese Nerven versorgt werden, aber auch im ganzen ZNS.

Wie Sie sehen, führt Stress meistens zu noch mehr Stress, und oft entstehen Symptome und Krankheiten, weil Teile unseres ZNS dauerhaft eine gestörte Kommunikation zu einzelnen Bereichen des Körpers pflegen. Dauerhafte Spannungen in verschiedenen Bereichen unserer Rücken- und Nackenmuskulatur können so mit der Zeit zu ernsthaften Problemen in weit entfernten Körperregionen provozieren.

Bandscheibenschäden durch muskuläre Dauerspannungen

Die meisten Bandscheibenschäden, wie auch der gefürchtete Bandscheibenvorfall, entstehen durch ein lange vorher bestehendes muskuläres Ungleichgewicht (muskuläre Dysbalance).

Durch eine chronische Verkürzung der Muskelgruppen, die die Wirbelsäule beugen, kommt es zu einem dauerhaft erhöhten Druck auf einzelne Bandscheiben. Gleichzeitig verlieren die Gegenspieler, die Wirbelsäulenstrecker, immer mehr an intramuskulärer Ruhespannung und Kraft, was mit der Zeit zu einer ungleichmäßigen Belastung der Bandscheiben führen kann. Dadurch geraten diese aus ihrer Position und verlieren ihre innere Elastizität und Stoßdämpferwirkung.

Eine derart vorgeschädigte Bandscheibe kann nun durch eine ungünstige Bewegung und durch falsches Heben von relativ leichten Lasten zum Bandscheibenvorfall werden. Oft wird übersehen, dass es nicht diese finale Aktion allein war, die zum Vorfall geführt hat, sondern die oft jahrelang bestehenden Fehlspannungen an den entsprechenden Muskelgruppen.

Diese Fehlspannungen können durch innere psychische Spannungen genauso entstehen, wie durch jahrelange Haltungsfehler. Oft geht die innere Haltung mit der äußeren Haltung einher. Fühlen wir uns innerlich niedergeschlagen, fällt auch die äußere Aufrichtung schwer.

Rückenschmerzen und Bandscheibenprobleme durch eine bedrückte Psyche ganzheitlich lösen

Muskuläre Fehlspannungen, die durch dauerhafte innere Anspannung infolge von emotionalem und psychischem Stress entstanden sind, können wir lösen, indem wir das Problem von zwei Seiten angehen.

Auf der einen Seite stehen innere Entspannungsmethoden, wie autogenes Training und Meditation, um die durchgehende innere Anspannung zu lösen. Auf der anderen Seite haben wir die Möglichkeit, direkt an der verspannten Skelettmuskulatur anzusetzen, indem wir durch gezielte Übungen das muskuläre Gleichgewicht wieder herstellen.

Dazu eignen sich die Dekontrahierungsübungen optimal, die ich in meinem Buch „Rückenschmerzen selbst behandeln“ vorstelle. Damit können Sie durch einfach zu erlernende Übungen Ihre gesamte Skelettmuskulatur wieder ins Gleichgewicht bringen.

Gleichzeitig stellt dieser Lösungsweg über den Körper durch Muskeltraining auch eine gute Möglichkeit dar, innere Spannungen abzubauen. Indem Sie Ihre Muskeln beim Training richtig fordern, können Sie „Dampf ablassen“, angestaute Spannungen abbauen und so auch innerlich zur Ruhe kommen.

Durch die Kombination von inneren und äußeren Übungen lassen sich dauerhafte Spannungen am schnellsten und am effektivsten abbauen und die fehlende Stabilität auf beiden Ebenen wieder herstellen. Wie innen so auch außen!

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