Einfühlsame = gewaltfreie Kommunikation kann heilsam sein

Gesundheit beginnt in Deinem Inneren. Wenn Du innerlich über längere Zeit Gefühle wie Schuld, Groll oder Wut mit Dir herumträgst, kann das krank machen. Unter solchen inneren Zuständen leidet nicht nur Dein psychisches Wohlbefinden, sondern auch Deine körperliche Gesundheit.

Am Anfang einer depressiven Verstimmung stehen nicht selten Angst- oder Schuldgefühle. Ständig wiederkehrender Ärger oder anhaltende Wut begünstigen die Entstehung von Verspannungen und Bluthochdruck.

Da wir äußere Vorkommnisse häufig für unsere Gefühle verantwortlich machen, übersehen wir leicht, dass die Art und Weise, wie wir mit uns selbst und anderen kommunizieren, entscheidend zu unserer inneren Gefühlswelt beiträgt.


Die richtige Kommunikation fördert Gesundheit

Natürlich gibt es Situationen, die schlicht frustrierend oder enttäuschend verlaufen. Wenn Dir der Bus vor der Nase davonfährt, Du Dich im Stich gelassen fühlst oder ein Traum zerplatzt, ist es vollkommen verständlich, dass zunächst Gefühle wie Groll, Unmut oder Resignation auftauchen.

Doch wie lange Du in diesen Stimmungen verweilst, hängt maßgeblich von Deiner Fähigkeit zu kommunizieren ab.

Unsere gewohnte Art der Kommunikation begünstigt leider oft das Entstehen und Festhalten an negativen Gefühlen. Sobald uns ein Verhalten bei anderen oder bei uns selbst missfällt, reagieren wir häufig mit Kritik, stecken uns oder andere in Schubladen oder stellen Forderungen.

Schnell verurteilen wir uns selbst oder den anderen als egoistisch, unfähig oder ähnliches. Je nach Temperament und Stimmungslage äußern wir unsere Unzufriedenheit lautstark – oder wir schlucken sie stillschweigend hinunter.

Das führt im Zwischenmenschlichen leicht zu Streit oder Spannungen und in Dir selbst zu Verbitterung oder Schuldgefühlen.


Heilsam kommunizieren

Genau hier setzt die Kunst der einfühlsamen Kommunikation an. Sie hilft Dir, diese Gefühle – Dir selbst und Deiner Umwelt zuliebe – wahrzunehmen und zu wandeln. Indem Du lernst, Deinen Fokus darauf zu richten, was Dir fehlt und wie Du Dir den Ausgang einer Situation eigentlich gewünscht hättest, wird es möglich, mit tiefer liegenden Gefühlen in Kontakt zu kommen.

Denn hinter langfristig schädigenden Emotionen wie Aggression, Ärger oder Scham verbergen sich oft feinere Gefühlsnuancen. Nicht selten liegt hinter Schuld ein ehrliches Mitgefühl, und ein Ärger entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Enttäuschung.

Auch diese Gefühle sind nicht unbedingt angenehm. Doch wenn Du den Mut aufbringst, sie in Dir wahrzunehmen, hilft Dir das, wieder in Kontakt mit Deinem Inneren zu kommen. Erst wenn Dir klar wird, was in Dir vorgeht, kannst Du es auch über Deine Sprache ausdrücken.

Gelingt es Dir, statt Unzufriedenheit und Groll den Schmerz und die Sehnsüchte dahinter zu kommunizieren, verändern sich nicht nur Deine Beziehungen – auch Dein psychisches Wohlbefinden wird spürbar gestärkt.

Einfühlsam = heilsam – so funktioniert es

Wenn Du das nächste Mal in eine Situation gerätst, in der Dir etwas bei Dir selbst oder bei anderen missfällt und Du merkst, dass ungute Gefühle aufkommen oder der Impuls zu Kritik oder Verurteilung entsteht, nimm Dir einen Moment innerlich Zeit und tritt gedanklich einen Schritt zurück.

Innerlich einen Schritt zurückgehen und das Geschehen von oben betrachten

Statt Dir selbst oder Deinem Gegenüber vorzuwerfen:
„Wie konntest Du / konnte ich nur …?“,
versuche, die Situation möglichst neutral zu betrachten. Was genau ist passiert? Was hätte ein außenstehender Beobachter sehen oder hören können?

Vielleicht kam Deine Verabredung zu spät. Oder Du hast – trotz des Vorsatzes, Dich gesünder zu ernähren – die Tüte Chips wieder fast leer gegessen.

Wenn Du das Geschehen wertfrei beschreibst und innehältst, bevor Du jemandem die Schuld zuschiebst, entsteht Raum, um zu spüren, was diese Situation in Dir auslöst.

(Mehr zum Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung findest Du in unserem Artikel Beobachtungen äußern statt zu beurteilen>>

Die erste Gefühlswelle abwarten

Statt sofort beleidigt zu reagieren oder in Selbstvorwürfe zu verfallen, atme ein paar Mal tief durch und richte Deine Aufmerksamkeit nach innen. Welche Gefühle tauchen gerade auf? Bleib bei Dir und lausche aufmerksam Deiner inneren Gefühlswelt.

Vielleicht spürst Du Ärger über das Zuspätkommen Deiner Verabredung oder Frust und Enttäuschung über Dein eigenes Verhalten. Es ist wichtig, Dir diese Gefühle zunächst einzugestehen, statt sie zu unterdrücken oder zu bewerten.

Doch bleib nicht dabei stehen. Spüre weiter nach, ob sich darunter noch andere, feinere Gefühlsnuancen zeigen. Hinter impulsiven Gefühlsreaktionen verbergen sich oft tiefere emotionale Ebenen.

Wünsche und Sehnsüchte erkennen

Um zu diesen tieferen Gefühlen zu gelangen, kann es hilfreich sein, Dich zu fragen:

  • Warum bringt mich diese Situation so aus dem Gleichgewicht?
  • Wie hätte ich mir den Verlauf eigentlich gewünscht – und warum?
  • Warum ärgert Dich das Zuspätkommen Deiner Verabredung? Vielleicht, weil Pünktlichkeit für Dich ein Ausdruck von Respekt ist. Oder weil Dir die gemeinsame Zeit wichtig ist. So wird aus Ärger schnell Enttäuschung und Bedauern.

Und im Beispiel mit der Tüte Chips zeigt sich vielleicht, dass der anfängliche Frust über Dich selbst in Traurigkeit und Hilflosigkeit übergeht, wenn Dir bewusst wird, dass Du Dir eigentlich einen liebevolleren Umgang mit Dir selbst gewünscht hättest.

Mit den verborgenen Gefühlen in Kontakt kommen

Diese Gefühle sind nicht immer angenehm. Doch durch dieses ehrliche Hinspüren entsteht Klarheit darüber, was in Deinem Inneren wirklich los ist.

Statt in Verbitterung, Wut oder Schuld stecken zu bleiben, gelangst Du so zu tieferen Gefühlsnuancen wie Schmerz, Traurigkeit oder Hilflosigkeit. Dadurch wird sichtbar, wonach Du Dich eigentlich sehnst und welche Bedürfnisse enttäuscht wurden – etwa nach Nähe, Respekt, Klarheit oder Selbstfürsorge.

In unserem Artikel Kommunikation und der Zugang zu den eigenen Gefühlen

zeigen wir, wie Du diesen inneren Zugang vertiefen kannst.


Sich selbst offenbaren

Wenn Dir klar ist, wie Du Dich fühlst und was Du Dir gewünscht hättest, kannst Du auch ganz anders kommunizieren. Statt Vorwürfe oder Anschuldigungen zu äußern, wirst Du in der Lage sein, ehrlich zu sagen, was Du beobachtet hast, was Du fühlst und was Du brauchst.

Ganz gleich, ob Du mit Deinem inneren Schweinehund oder mit einer anderen Person konfrontiert bist: Wenn Du Deine Gefühle und Wünsche statt Kritik und Schuldzuweisungen ausdrückst, eröffnet sich eine neue Qualität von Begegnung.

Dein Gegenüber wird dann eher bereit sein zuzuhören, statt in Verteidigung oder Gegenangriff zu gehen. Auch wenn er die Situation anders erlebt hat, steigt die Chance auf ein einfühlsames Miteinander.

Vielleicht entsteht Verständnis, vielleicht eine Entschuldigung oder die Bereitschaft, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Selbst wenn Bedürfnisse aufeinandertreffen, wird der Weg frei für Lösungen, die für alle Beteiligten tragfähig sind.

Denn wenn deutlich wird, dass niemand dem anderen schaden will, sondern jeder versucht, seine Bedürfnisse zu erfüllen, wächst die Bereitschaft, gemeinsam einen guten Weg zu finden.


Einfühlsam reden – auch mit Dir selbst

Auch im inneren Dialog kann diese Art der Kommunikation viel verändern. Statt Dich mit Gewissensbissen zu quälen oder Dir starre Regeln aufzuerlegen, die Du ohnehin nicht lange einhältst, kannst Du beginnen, den inneren Konflikt ehrlich in Worte zu fassen.

Wenn Du den Mut hast, den damit verbundenen Schmerz wirklich zu fühlen, wandelt sich Dein Verhalten oft fast wie von selbst – hin zu einem Umgang mit Dir, der sich stimmig und gut anfühlt.


Fazit

Gerade in emotional aufgeladenen Situationen ist es nicht leicht, bei Dir zu bleiben und Zugang zu Deinen Gefühlen und Wünschen zu finden. Doch je mehr Du Dich mit einfühlsamer Kommunikation beschäftigst, desto selbstverständlicher öffnen sich die Türen zu Deiner inneren Welt – und bleiben offen.

Einfühlsame Kommunikation sorgt nicht dafür, dass Gefühle wie Wut, Unzufriedenheit oder Scham vollständig verschwinden. Doch sie hilft Dir, nicht länger als nötig in ihnen zu verharren, sondern mit den dahinterliegenden Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen – Deinem Wohlbefinden und Deinen Beziehungen zuliebe.

In unserem Zweiteiler Gefühle äußern ist nicht leicht erfährst Du mehr darüber, wie Du Deine Gefühle ehrlich und angemessen ausdrücken kannst.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich im Juni 2011 und wurde zuletzt überarbeitet im Januar 2026.

 

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