Wenn unser hormonelles Gleichgewicht dauerhaft gestört ist, kann das gravierende Folgen haben!

Hypercortisolismus, ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel stellt die Ursache für viele Beschwerden und gesundheitliche Probleme dar.

Erfahren Sie in dieser Artikelserie, welche negativen Folgen ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel haben kann, wodurch es dazu kommt und was wir dagegen tun können!

Alle körperlichen, geistigen und emotionalen Vorgänge werden durch unser Nervensystem und unser Hormonsystem geregelt

Alle Vorgänge in unserem Körper, wie auch in unserem Geist, werden durch zwei eng miteinander kooperierende Regulationssysteme gesteuert: Das zentrale Nervensystem (ZNS) besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark und stellt die Hauptsteuer- und Regulationszentrale dar. Es ist direkt mit dem Hormonsystem verbunden, unserem zweitwichtigsten Regulationssystem.

Das ZNS ist sozusagen die oberste Schalt- und Regelzentrale, unser „Bordcomputer“. Es koordiniert sowohl autonome als auch willkürliche Vorgänge in unserem Körper und unserem Geist. Zu den autonomen Körperfunktionen gehören Vorgänge, die praktisch von selbst ablaufen, wie Atmung, Herztätigkeit, Verdauung, Wach-Schlaf-Rhythmus, Ruhetonus unserer Skelettmuskulatur usw.

Das Nervensystem leitet Informationen sehr schnell weiter, mittels elektrischer Impulse, die dann per Neurotransmitter bestimmte Reaktionen an den Zielorten in Gang setzen. Das Nervensystem kooperiert mit dem Hormonsystem, das für eine nicht ganz so schnell Reiz- und Informationsweiterleitung zuständig ist.

Die einzelnen Hormondrüsen geben ihre Sekrete ins Blut ab, so dass diese ihren Zielort mit dem Blutstrom erreichen. Es gibt auch lokale Hormone, die direkt am Zielort gebildet werden und vor Ort die lokalen Zielzellen informieren. Neben Hormonen gibt es auch andere Botenstoffe, wie Zytokine, Enzyme usw.

Kommt es in einem der beiden Regulationssysteme zu Störungen, wirkt sich das sehr schnell auch auf das andere System aus und führt in vielen Bereichen und Funktionen im Körper zu Störungen und Fehlfunktionen. Das Nervensystem steuert und reguliert das Hormonsystem und umgekehrt.

Neurologische Störungen können die Hormondrüsen negativ beeinflussen und hormonelle Störungen können sich negativ auf das Gehirn und die Nerven auswirken.

Hormonstörungen führen oft zu psychischen und neurologischen Erkrankungen und diese ziehen wiederum hormonelle Störungen nach sich. Beide Regelschaltkreise beeinflussen sich gegenseitig und beide wirken direkt auf körperliche, geistige und psychisch-emotionale Geschehen.

Das hormonelle Gleichgewicht

Das Hormonsystem unterliegt der Vorherrschaft des Nervensystems und dem zirkadianen Rhythmus, der oft als „Biorhythmus“ bezeichnet wird. Unser Nervensystem registriert durch Messfühler (sogenannte Rezeptoren und Sensoren) durchgehend, ob sich unser Körper in der Homöostase befindet oder nicht. Die Homöostase ist der Zustand, in dem alle Körpervorgänge ideal, effizient und energiesparend ablaufen, die „goldene Mitte“ sozusagen.

Reize aller Art bringen uns aus dem inneren Gleichgewicht der Homöostase und das wird dann von entsprechenden Rezeptoren gemessen und zum ZNS weitergeleitet. Dort werden die ermittelten „Daten“ ausgewertet und sofort werden auf neurologischer Ebene Entscheidungen getroffen, die dafür sorgen, dass spezifische Gegenreaktionen uns so schnell wie möglich wieder in die Homöostase zurück befördern. Das geschieht durchgehend, jede Sekunde, tagsüber und nachts.

Die Rezeptoren messen z. B. den Sauerstoff- und CO2-Gehalt in unserem Blut und veranlassen, je nach Zustand, dass die Atmung forciert oder gedrosselt wird. Bei länger anhaltendem Sauerstoffmangel kommt es sogar zur verstärkten Bildung der roten Blutkörperchen, deren Aufgabe der Transport von Sauerstoff und CO2 ist.

Andere Rezeptoren messen den Blutzuckergehalt und sobald dieser erhöht ist, wird die Bauchspeicheldrüse zur verstärkten Bildung und Ausschüttung von Insulin veranlasst. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel führt hingegen zur Ausschüttung des Hormons Ghrelin, das ein Hungergefühl verursacht und uns damit signalisiert, dass wir etwas essen sollen.

Gleichzeitig werden bei einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel und bei einem erhöhten Energiebedarf, z. B. aufgrund gesteigerter körperlicher oder geistiger Anstrengung auch die Hormone Cortisol und Glukagon ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass Glykogen (die Speicherform von Zucker) aus den Zellen freigesetzt und zur Energiegewinnung genutzt wird. Auch gespeichertes Körperfett kann zu Energie verbrannt werden, aber auch Eiweiß aus Muskeln, Knochen, Blutgefäßwänden und Organen.

Im Laufe der Evolution hat sich unser Organismus nahezu perfekt an die Lebensbedingungen des Planeten Erde angepasst, und es existieren unzählige Selbstregulationsprogramme, die automatisch aktiviert werden, wenn wir irgendwo aus dem Zustand der Homöostase geraten. Dabei arbeiten ZNS und Hormonsystem so zusammen, dass auf nervlicher und hormonell-stofflicher Ebene adäquate Gegenreaktionen gebildet werden, die uns schnellstmöglich wieder in den Zustand der Homöostase befördern.

Reize aller Art, wie Wärme, Kälte, Helligkeit am Tag und Dunkelheit in der Nacht, körperliche und geistige Anstrengung, seelisch-emotionale Belastungen, bestimmte Nahrungs- und Genussmittel usw. bringen uns aus dem Zustand der Homöostase und darauf reagieren unsere Regulationsmechanismen.

Wenn wir dauerhaft aus unserer „goldenen Mitte“, der Homöostase geraten, kommt es zu Überlastungserscheinungen und schließlich zu Fehlfunktionen und Krankheit.

Cortisol – Stresshormon Nr. 1

Unser Organismus hat ein oberstes Ziel: Überleben! Das Überleben des Individuums und schließlich der gesamten Art ist das grundlegendste und wichtigste genetische Selbsterhaltungsprogramm und das steuert all unsere anderen Regulationsprogramme. Überleben funktioniert am besten, wenn wir uns in der Homöostase befinden, sobald wir diese verlassen, bzw. durch einen Reiz aus der goldenen Mitte geraten, ist unser Überleben mehr oder weniger gefährdet.

Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, Schlafentzug und Phasen erhöhter Belastung und Anstrengung bringen uns aus der Homöostase und sind auf Dauer lebensbedrohlich. Eine Weile können wir ohne Wasser und Nahrung überleben, wir sterben nicht sofort, wenn wir einen oder mehrere Tage ohne auskommen müssen.

Im Gegensatz dazu gibt es jedoch plötzlich auftretende Situationen und Zustände, die unser Leben in wenigen Sekunden bis Minuten beenden können, wenn nicht sofort eine Gegenreaktion erfolgt. Dazu gehört z. B. die Bedrohung unseres Lebens durch den Angriff eines wilden Tieres oder eines anderen Menschen. Dann entsteht von einer Sekunde auf die nächsten massiver Stress, ein sofortiges Handeln und Reagieren ist notwendig, um solche Attacken lebendig zu überstehen.

Im Fall eines lebensbedrohlichen Angriffs müssen wir uns entweder verteidigen, wir müssen also um unser Leben kämpfen oder wir müssen das Weite suchen, also flüchten und um unser Leben rennen.

In beiden Fällen wird sofort verfügbare Energie in unseren Muskeln benötigt. Das Herz und die Skelettmuskeln müssen sofort maximale Leistungsfähigkeit erbringen, unsere Atmung muss so gesteigert werden, dass alle Muskelzellen genügend mit Sauerstoff versorgt werden, die Energie bereitstellenden Systeme müssen ebenfalls sofort gespeicherte Energie mobilisieren, um die Muskelzellen zu versorgen.

Damit all das in wenigen Sekunden möglich ist, wird beim Registrieren von Stress jeglicher Art sofort das Stresshormon Nr. 1 „Cortisol“ ausgeschüttet.

Cortisol ist ein Glukokortikoid und wird von der Nebennierenrinde gebildet. Es wird bei verstärkter körperlicher und psychisch-emotionaler Belastung ausgeschüttet, immer wenn unser Körper Stress auf neurologischer und metabolischer Ebene erfährt.

Cortisol hat die Aufgabe, bei einer plötzlich auftretenden Stresssituation Energie aus unseren Zellen freizusetzen, damit das Herz und die Muskeln bei einer „Kampf- oder Fluchtsituation“ genügend Energie zur Verfügung haben.

Ursprünglich entstand plötzlich auftretender lebensbedrohlicher Stress immer nur dann, wenn ein feindlicher Angriff unmittelbar bevorstand oder wenn unser Überleben plötzlich in Gefahr war, z. B. durch Ertrinken oder Ersticken.

Das „Stressprogramm“ ist im ältesten Teil des Gehirns, dem sogenannten „Reptiliengehirn“, einem Teil des Stammhirns gespeichert. Das Reptiliengehirn ist in erster Linie für das Überleben des Individuums bzw. der Art zuständig. Hier haben Essen, Trinken, Atmung, Herzschlag, Fortpflanzung, Flüchten und Kämpfen ihren Ursprung.

Sobald wir Stress in irgendeiner Form erfahren, wird das „Flucht-und Kampf-Programm“ aktiviert: Es kommt zur massiven Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin, Puls, Blutdruck und Atmung steigen an, brachliegende Energie wird mobilisiert aus den Glykogenspeichern, dem Fettgewebe und den Eiweißspeichern in Leber, Muskelzellen, Knochen, Organen und Gefäßen.

Cortsiol ist sozusagen ein Hormon mit sehr extremer Wirkung, es hat die Aufgabe, so schnell wie möglich Energie bereitzustellen und diese auf dem Blutweg zu den Muskeln zu befördern. Dazu wird zur Not auch ein gewisser Raubbau einkalkuliert, Muskelzellen werden „geopfert“, Muskelprotein wird, wenn nicht genügend andere Nährstoffe zur Verfügung stehen zu Energie verbrannt. Im Gegensatz zu Testosteron, HGH, Insulin und IGF-1 gehört Cortisol zu den katabolen, Muskelprotein abbauenden Hormonen.

Normalerweise dauern Stressphasen nur kurze Zeit

Ursprünglich kamen solche lebensbedrohlichen Stresssituationen nicht so häufig vor, man begegnete nicht so oft wilden Tieren und wurde auch nicht ständig von feindlich gesinnten Artgenossen angegriffen.

Wenn dies dennoch der Fall war, dauerte die Stresssituation normalerweise auch nur kurz an, in der Regel nur wenige Minuten. Ein Kampf oder eine Flucht dauert meistens nicht sehr lange, besonders wenn es um Leben und Tod geht. Entweder man konnte sich erfolgreich aus der Stresssituation befreien, man überstand den Kampf oder die Flucht glückte oder man verlor sein Leben. In beiden Fällen erfolgte ein schnelles Ende der Stressphase.

Wenn man den Stress überlebt, beginnt der Körper sofort mit der Wiederherstellung der Homöostase. Unser Körper kann sich von kurzzeitigem Stress sehr gut erholen, eine gewisse Dosis an Stress ist sogar förderlich. Problematisch wird es erst, wenn wir dauerhaft Stress haben.

Dauerstress und Hypercortisolismus machen uns schwach, fett und krank!

Wie wir gesehen haben hat Cortisol die Aufgabe, unser Leben zu schützen, wenn es brenzlig wird. Unser Körper hat im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte gelernt, sofort auf lebensbedrohlichen Stress zu reagieren und da dies eine extreme Situation ist und es um unser Überleben geht, wird dazu im Notfall auch gesundes Gewebe geopfert und zu Energie verbrannt.

Das ist bei kurz andauernden Stresssituationen von wenigen Sekunden bis hin zu Minuten oder Stunden auch kein Problem. Schädlich wird es erst, wenn der Stress kein Ende nimmt, wenn wir sozusagen dauerhaft gestresst sind.

Unser Reptiliengehirn macht keinen Unterschied zwischen dem Stress, der durch einen akuten lebensbedrohlichen Angriff durch einen Feind entsteht und dem Stress, der z. B. durch den Chef, Existenzängste, Schlafentzug oder Nährstoffmangel entsteht.

Unser System ist nicht ausgerichtet, durchgehend und dauerhaft große Mengen Cortisol auszuschütten, geschweige denn dazu, dass dadurch gesundes Gewebe geopfert wird. Unsere heutige Lebensweise führt dazu, dass die meisten von uns durchgehend und dauerhaft gestresst sind.

Einige Ursachen für Dauerstress sind:

  • Mobbing und Überlastung am Arbeitsplatz
  • Existenzängste
  • schädigende Beziehungen
  • Elektrosmog und Strahlenbelastung
  • Nahrungsmittelzusätze, wie Geschmacksverstärker, künstliche Aromastoffe, Zucker, Kochsalz, Zuckeraustausch- und Ersatzstoffe usw.
  • Chronischer Mangel an Wasser und Mikro- und Makronährstoffen
  • Schlafentzug und dauerhafte Nachtschicht oder Wechselschicht
  • Reizüberflutung durch elektrisches Licht, Arbeit am Computer/Bildschirm
  • Informationsflut durch Medien/Internet, Nachrichten, hektischen Lifestyle
  • Konsumgifte, wie Alkohol, Tabak, Drogen, Koffein und Medikamente
  • exzessives Sporttreiben

Auch unnatürliche Tätigkeiten, wie Autofahren werden von unserem Körper als lebensbedrohlich betrachtet. Es gibt Untersuchungen, dass eine gemütliche Autofahrt mit 40 km/h von unserem Nervensystem als maximale Stresssituation erfahren wird. Nur, weil wir uns daran gewöhnt haben, bedeutet das nicht, dass unser System nicht mit der maximalen Ausschüttung von Stresshormonen reagiert.

Auch stundenlanges Fernsehen oder Computerspiele führen zu einer massiven Cortisol- und Adrenalinausschüttung. Das „Burn Out Syndrom“ ist eine Folge von Dauerstress.

Weitere Folgen eines dauerhaft erhöhten Cortisolspiegels (Hypercortisolismus) sind:

    • erhöhter Blutdruck und Ruhepuls
    • erhöhte Ruhespannung der Skelettmuskulatur
    • Übersäuerung
    • Abbau von Muskelprotein und gesunden Muskelzellen
    • Abbau von Kollagen- und Elastinfasern aus den Knochen, dem Bindegewebe und den Wänden der Blutgefäße
    • Knochenschwund und erhöhte Gefahr der Knochenbrüchigkeit (Osteoporose)
    • Muskelschwund und Kraftlosigkeit
    • Gefäßerkrankungen
    • Abbau des Bindegewebes und Cellulite
    • Haarausfall und sprödes, stumpfes und brüchiges Haar
    • Hautrisse und brüchige Nägel
    • Aufbau der Fettzellen und verstärkte Einlagerung von Körperfett
    • Stammfettsucht
    • erhöhte Blutfettwerte
    • Insulinresistenz
    • verminderte Regeneration
    • Schlafstörungen
    • Antriebslosigkeit und dauerhafte Müdigkeit
    • verringerte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
    • psychische Erkrankungen und Depression

Das waren nur einige Beispiele, was ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel anrichten kann. Hinzu kommt, dass es zu Störungen des gesamten Hormonhaushalts und des Nervensystems kommt und da beide Systeme alle körperlichen, geistig-intellektuellen und alle psychisch-emotionalen Bereiche steuern, kann sich eine Störung des Nerven- und Hormonsystems auf all diese Ebenen auswirken.

In den folgenden Teilen dieser Artikelserie gehe ich auf verschiedene Aspekte genauer ein und erläutere, was wir selbst aktiv gegen Dauerstress machen können.

Lesen Sie hier: Osteoporose und Knochenschwund durch zu viel Cortisol

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