Tiefe Hocke für Kraftsportler und zur Verbesserung der HaltungEine essentielle Ruhe- und Körperposition für unsere Gesundheit

Inspiriert durch Ido Portals „30/30 Squat Challenge“ habe ich mich den ganzen Oktober intensiv mit der tiefen Hocke beschäftigt. Ido Portal ist der Meinung, dass es für jeden von uns von Vorteil ist, wenn er die tiefe Hockposition übt und trainiert.

„Die tiefe Hocke ist eine menschliche Ruheposition!“, sagt Ido. Menschen in Naturvölkern und Kulturen, die noch näher an ihren Wurzeln sind, haben alle gemeinsam, dass sie lange in dieser Position sitzen und sich dabei ausruhen können. Gemeinsames Beisammensitzen, stundenlanges Verweilen am Feuer, selbst Kinder gebären, all das passiert in der tiefen Hocke.

Für Gewichtheber und Kraftsportler ist diese Position wichtig für Disziplinen und Übungen wie Umsetzen, Reißen, Wegheben und tiefe Hantelkniebeugen. Aber auch für Sportler anderer Disziplinen hat die tiefe Kniebeuge viele Vorteile: Sie verbessert die Beweglichkeit der Fuß-, Knie- und Hüftgelenke, mobilisiert die Illiosacralgelenke und die gesamte Wirbelsäule und verbessert mit der Zeit die gesamte Körperhaltung.

Die 30-Day-Squat-Challenge ist eine Idee von Ido, mit der man die tiefe Hocke durch mehrere Minieinheiten über den Tag verteilt trainiert. Das Ziel ist mindestens 30 Tage in Folge für eine Gesamtzeit von mindestens 30 Minuten pro Tag in der tiefen Hocke mit flach aufgesetzten Füßen zu verbringen und dabei möglichst entspannt zu sein.

Meine „Squat-Challenge“

Die Idee war, sämtliche Arbeit am PC in der tiefen Hocke zu erledigen. Das schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, dachte ich mir. Dazu habe ich mir meinen Arbeitsplatz so organisiert, dass ich in der tiefen Hocke schreiben kann. Die ersten Versuche waren unangenehm, nach wenigen Minuten überkam mich das Bedürfnis, mich kurz hinzustellen.

Das habe ich dann kombiniert mit der Reklination: Im aufrechten Stand schiebt man Becken, Bauch und Hüftgelenke soweit wie möglich nach vorne, so dass dabei die Hüftbeuger und die gesamte Körpervorderseite gestreckt werden.

Das ist praktisch das exakte Gegenteil der tiefen Hocke: In der Hocke sind die Hüftgelenke maximal gebeugt, bei der Reklination sind sie maximal gestreckt, im Wechsel eine gute Kombination, wie ich finde. So habe ich mich an die Challenge herangetastet.

Schon in den ersten Tagen verändert sich viel

Am Anfang konnte ich immer nur wenige Minuten am Stück in der Hocke sitzen, aber schon nach 1-2 Tagen hat mich die Anpassung an die neue Anforderung regelrecht erstaunt. Ich konnte mich zunehmend auf das Schreiben konzentrieren und dabei locker 10 Minuten oder länger tief sitzen. Der Körper hat sich schnell beruhigt und es hat sich sogar eine körperliche Entspannung eingestellt. Nach drei Tagen fühlte sich das Arbeiten am PC in der Hocken viel besser an, als auf einem Stuhl sitzend.

Beim Sitzen auf Stühlen ermüdet nämlich die Rumpfmuskulatur recht schnell, die Haltung kracht zusammen und irgendwann hängt man automatisch mit der Nase direkt vor dem Bildschirm. In der tiefen Hocke ist die Wirbelsäule durchgehend lang gestreckt und gespannt wie ein Bogen. Der Scheitel ist angehoben und immer wieder korrigiert sich der Körper selbst, verlagert den Schwerpunkt und richtet sich optimal aus. Alle 10-15 Minuten stelle ich mich kurz hin, mache die Reklinationsübung und weiter geht’s.

Ein neues Kniebeugenmaximum

Paralell zu meinem Hockeexperiment habe ich auch wieder täglich gebeugt. Das Buch „Squat everyday“ von Matt Perryman hat mich diesmal dazu inspiriert. Tägliches Beugen für einige Wochen bis Monate kann, wenn man es richtig organisiert, wahre Wachstumsschübe verursachen. Bei früheren Experimenten mit Hochfrequenzbeugen hatte ich meistens zu schwer begonnen, ein Fehler der dazu führt, dass man schnell ins Übertraining abrutscht. Dieses Mal war mein Motto, dass jedes Training „zu leicht“ sein muss, dass ich aber dafür täglich beuge.

Das hat in Kombination mit meinen „Hocke-Schreib-Exzessen“ dazu geführt, dass ich schon nach zwei Wochen mein bisheriges Trainingsmaximum bei Frontkniebeugen spielend um 5 kg überboten habe. Damit hatte ich weder gerechnet, noch war es beabsichtigt, da ich auch gar nicht so sehr eine Kraftsteigerung zum Ziel hatte, sondern eine Verbesserung der Beweglichkeit und eine Kräftigung der sogenannten „passiven Strukturen„, wie Sehnen, Faszien usw.

Mein Fazit

Mir persönlich hat dieses Experiment sehr viel gebracht. Ich habe es mir seitdem zur Gewohnheit gemacht, in der Hocke zu schreiben. Der Körper hat sich daran gewöhnt und ich brauche keine zusätzlichen Mobilisierungsübungen mehr für Kniebeugen. Ich arbeite zuhause, es stört niemanden wenn ich dies in der Hocke tue, es spart Zeit und verbessert mein Gewichtheben.

Zudem tragen solche kleinen Veränderungen im Alltag zur Schulung der Aufmerksamkeit und des Wachbewusstseins bei. Deshalb erleichtern solche kleinen Experimente unsere ganz normalen Alltagshandlungen, bringen Abwechslung und neuen Input. Diesen Monat experimentiere ich mit der Brücke. Eine „30-Day-Bridge-Challenge“ sozusagen.

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Bildrechte: Inspiriert-Sein.de © Jens Sprengel Tiefe Hocke am Arbeitsplatz

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