Die drei Schweregrade der ZuckersuchtSüchtig nach Zucker? Wie stark bin ich betroffen?

Nicht jeder, der eine Vorliebe für Süßes hat, ist süchtig nach Zucker. Erst, wenn man nicht mehr aufhören kann, bevor die Tafel Schokolade oder die Tüte Gummibärchen aufgegessen ist, oder dann, wenn man Süßes ständig dazu benutzt, um sich zu trösten, zu beruhigen oder allgemein ausgedrückt, um sich besser zu fühlen, erst dann merken viele, dass sie ein Problem mit Zucker haben.

Wenn dann auch noch Sorgen um die Gesundheit und/oder die Figur hinzukommen, man sein Essverhalten dennoch nicht ändern kann, ist man ziemlich sicher in der Zuckersucht gelandet.

Doch Zuckersucht ist nicht gleich Zuckersucht. So, wie es unterschiedliche Typen der Zuckersucht gibt, so gibt es meiner Ansicht nach auch verschiedene Schweregrade der Sucht.

Während die einen gelegentlich ihre Stimmung mit moderaten Mengen an Schokolade und Co anheben, erleiden andere richtige Kontrollverluste, bei denen sie große Mengen Nahrung in kurzer Zeit verspeisen. Das kann so weit führen, dass das gesamte Leben von der Zuckersucht bestimmt wird.

Wenn Du Dich selbst also als zuckersüchtig betrachtest und herausfinden möchtest, wie stark Deine Zuckersucht ausgeprägt ist, dann könnte dieser Artikel aufschlussreich für Dich sein.

Zuckersucht ist nicht gleich Zuckersucht

Wie bereits berichtet, gibt es meiner Ansicht nach 4 verschiedene Typen der Zuckersucht plus verschiedene Mischformen. Während die Problemesser ein an sich „normales“ Essverhalten an den Tag legen, neigen sie in emotional schweren Lagen dazu, sich mit Nahrung zu trösten und ihre Stimmung aufzuhellen.

Gelegenheitsesser hingegen benutzen gesellschaftliche und soziale Anlässe wie Geburtstagsfeiern, sportliche Events oder auch das Wochenende als Ausrede für ihren Zuckerkonsum.

Im Gegensatz zum Pegelesser, der durchgehend ein gewisses Maß an schnell verdaulichen Kohlenhydraten benötigt, um sich wohl zu fühlen, neigen gelegentliche Exzessesser dazu, sich in unregelmäßigen Abständen zu überessen. Das kann chronisch werden und Betroffene verlieren dann völlig die Kontrolle über ihr Essverhalten.

Während die unterschiedlichen Typen der Zuckersucht nicht unbedingt eine Aussage über den Schweregrad der Sucht treffen, möchten wir uns heute mit den unterschiedlichen Schweregraden der Zuckersucht beschäftigen. Denn nicht jeder ist gleich stark süchtig.

Dabei möchte ich die unterschiedlichen Schweregrade der Zuckersucht ganz konkret anhand an den unterschiedlichen Suchttypen erläutern.

Bitte beachten: Zuckersucht ist als solche noch nicht anerkannt. Daher gibt es auch keine offizielle Einteilung in unterschiedliche Schweregrade. Die hier vorgestellte Einteilung der unterschiedlichen Schweregrade spiegeln daher lediglich die Erfahrungen wider, die ich im Laufe der Jahre an mir selbst und anderen Zuckersüchtigen beobachten konnte.

Die drei Schweregrade der Zuckersucht am Beispiel der einzelnen Suchttypen

1. Die drei Schweregrade der Zuckersucht am Beispiel des Pegelessers

Stufe 1: Beim Pegelesser beginnt die Zuckersucht meist schleichend. Zu Beginn isst er nicht anders als die meisten in unserer Gesellschaft:

Morgens ein süß belegtes Brot und eine Tasse gesüßten Kaffee, zwischendurch einen Müsliriegel, mittags eine Portion Nudeln und ein kleines Dessert, gegen das Nachmittagstief hilft ein Stück Kuchen oder eine Flasche Cola und am Abend gibt es ein Gericht mit Reis, Kartoffeln oder anderen Kohlenhydraten gefolgt von einem süßen Betthupferl zum Abschluss des Tages.

Der Pegelesser isst also regelmäßig kleine Mengen schnell verdaulicher Kohlenhydrate und merkt oft gar nicht, dass sich sein Essverhalten langsam, aber sicher in Richtung Sucht entwickelt.

Stufe 2: In Stufe 2 der Zuckersucht wird der Pegelesser leicht nervös oder schlecht gelaunt, wenn er einmal nicht schnell genug seine gewohnte Dosis bekommt. Ansonsten gibt es kaum Auffälligkeiten in seinem Essverhalten.

Stufe 3: In Stufe 3 ist unser Pegelesser chronisch zuckersüchtig geworden. Er braucht in regelmäßigen Abständen seine Dosis Zucker, sonst wird er ungenießbar für sein Umfeld. Auch diese Phase der Sucht wird häufig nicht erkannt, weil der regelmäßige Verzehr schnell verdaulicher Kohlenhydrate in unsere Gesellschaft üblich ist.

Die Sucht fällt meist er dann auf, wenn der Betroffene bewusst versucht auf sämtlichen Zucker in seiner Ernährung zu verzichten und dann merkt, wie schwer ihm das fällt.

2. Die drei Schweregrade der Zuckersucht am Beispiel des Gelegenheitsessers

Stufe 1: Zu Beginn seiner Sucht ist auch der Gelegenheitsesser recht unauffällig. Grundsätzlich isst er normal und relativ gesund. Lediglich bei Feiern, Festlichkeiten und anderen gesellschaftlichen Zusammenkünften schlägt er gerne mal über die Stränge und gönnt sich das, was er sich im Alltag gerne untersagt.

Stufe 2: In der fortgeschritteneren Stufe seiner Sucht freut sich der Gelegenheitsesser förmlich auf die selbsternannten und gesellschaftlich tolerierten Ausnahmetage und ist frustriert, wenn sein Lieblingskuchen ausnahmsweise heute einmal fehlt oder er andere liebgewonnene Speisen nicht wie gewohnt vorfindet.

Stufe 3: In der dritten Stufe der Zuckersucht fällt der Gelegenheitsesser dadurch auf, dass er sich seine Gelegenheiten selbst sucht. Jetzt rechtfertigt er seine Ausnahmen nicht nur bei besonderen Anlässen, sondern erhebt auch das Wochenende, den Einkauf im Supermarkt oder das Tanken an der Tankstelle zu einer willkommen Ausnahmesituation.

3. Die drei Schweregrade der Zuckersucht am Beispiel des Problem-/Emotionsessers

Stufe 1: Beim Problemesser beginnt die Zuckersucht meist schleichend mit der gelegentlichen Zweckentfremdung von Süßem in emotional belastenden Situationen. Das heißt, er isst dann nicht, weil er satt werden möchte, oder es ihm um den Genuss beim Essen ginge, sondern weil er sich besser fühlen möchte.

Der Auslöser für sein Bedürfnis nach Süßem oder anderen schnell verdaulichen Kohlenhydraten findet sich in emotionalen Ausnahmesituationen, wie z. B. nach einer Trennung vom Partner, bei einer Überforderung im Berufsleben oder einem schweren Streit mit einer nahe stehenden Person.

Stufe 2: In der zweiten Stufe der Zuckersucht reichen bereits Alltäglichkeiten, um die Sehnsucht nach Süßem zu wecken. Die Nahrungsaufnahme wird dann zur primären Strategie, um das emotionale Gleichgewicht herzustellen – und das regelmäßig bis hin zu mehrmals täglich.

Stufe 3: In der dritten Stufe wird hier Essen nicht nur zum gelegentlichen bzw. regelmäßigen Stimmungsaufheller, sondern zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens. Ohne die Lieblingsspeisen macht das Leben nur noch wenig Sinn, scheint öde und eintönig.

4. Die drei Schweregrade der Zuckersucht am Beispiel des Exzessessers

Stufe 1: Der Exzessesser fällt durch gelegentliche Essorgien auf. Innerhalb kurzer Zeit vertilgt er überdurchschnittlich große Mengen seiner bevorzugten Speisen. Zu Beginn seiner Zuckersucht betreibt er dieses Spektakel gelegentlich, betrachtet es als Freizeitvergnügen und plant solche Anlässe durchaus auch gezielt, manchmal auch zusammen mit einem Gleichgesinnten, z. B. bei einem gemeinsamen Filmeabend.

Stufe 2: Erst im fortgeschritteneren Stadium werden die Exzesse immer häufiger und werden zu einem gewohnten Ritual. Der Betroffene merkt, dass mit seinem Essverhalten irgendetwas nicht zu stimmen scheint und zieht sich immer mehr zurück, vor allem zu seinen Essorgien, die er in diesem Stadium am liebsten allein auslebt.

Stufe 3: Diese Form der Zuckersucht kann dermaßen entarten, dass der Exzessesser sein Essverhalten überhaupt nicht mehr unter Kontrolle hat. Sobald er den ersten Bissen triggender Speisen zu sich genommen hat, kann er sich nur noch selten zügeln. In der Regel endet das ganze dann in einem Essanfall.

Der Schweregrad der Zuckersucht ist individuell

Bei der Frage, wie schwer man von der Zuckersucht betroffen ist, spielen objektive Faktoren wie die Häufigkeit, Menge (Volumen) oder das Gewicht meines Erachtens nur eine untergeordnete Rolle und dienen lediglich als Orientierung.

Das subjektive Empfinden, der Leidensdruck, ist hier meiner Meinung nach der entscheidende Faktor – und der kann in jedem der Stadien unterschiedlich stark ausfallen. Jemand, der regelmäßig über den Tag verteilt kleine Mengen isst, kann genauso leiden, wie jemand, der gelegentliche Kontrollverluste erleidet, bei denen er große Mengen in sich hineinstopft. Es geht also immer auch, um das subjektive Empfinden.

Jemandem den Stempel einer Sucht aufzudrücken, ohne dass er sich selbst betroffen fühlt, ist nicht nur überflüssig, sondern bewirkt in der Regel wenig Positives.

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