Auf die Absicht kommt es an

Vielleicht kennen Sie das: Während eines Gespräches mit einem Arbeitskollegen, dem Partner oder einem guten Freund fällt ein Satz, der Sie unangenehm trifft. Vielleicht etwas wie: „Ach du schon wieder mit deinen Ansichten!“, „Also du bist ja drauf!?“ oder auch ein „Wie konntest du nur …?“.

Schnell fühlen wir uns durch solche Worte herabgesetzt, provoziert, wütend oder verletzt. Wenn wir nun zu einem Gegenanschlag ausholen, ohne dem anderen mit­zuteilen, was seine Worte bei uns ausgelöst haben, dann kann das in einen ganz schönen Teufelskreis führen.

Denn reagiert der andere dann ähnlich wie wir, landen wir schnell in einem Hin und Her gegenseitiger – mehr oder minder verdeckter – Anschuldigungen und Provokationen. Nicht gerade förderlich für eine harmonische zwischenmenschli­che Bindung. Kein Wunder, denn unsere insgeheime Absicht ist dann nicht auf gegenseitige Achtung und Respekt ausgerichtet, sondern vielmehr darauf nun den anderen entsprechend zu treffen.

Wir suchen nun unsererseits nach Worten, die unser Gegenüber vermutlich eben­so treffen und damit verletzen, herabsetzen oder provozieren. Und wenn der an­dere dann ähnlich reagiert – was nicht unwahrscheinlich ist – na, dann können Sie sich ja selbst ausmalen, welcher Teufelskreis dadurch in Gang gesetzt wird.

In letzter Zeit habe ich meine Absichten während meiner Unterhaltungen daher einmal genauer beobachtet und ich muss zugeben, es passiert mir doch öfter als mir vorher bewusst war, dass ich einen Angriff auf meine Person hinter den Wor­ten des anderen vermute und dann blitzschnell zu einem – wenn auch dezenten oder leicht ironisch angehauchten – Gegenangriff ansetze. Wirklich nicht gerade sehr förderlich für eine harmonische Beziehung.

Daher habe ich mir nun Folgendes überlegt, was ich jedem, der sich in ähnlich gelagerten Fällen ertappt, empfehlen würde:
Wenn ich mich das nächste Mal durch Worte oder das Verhalten anderer persön­lich angegriffen fühle, werde ich, statt sofort zu einem verbalen Gegenangriff zu starten, tief Luft holen und mich auf meine eigentliche Absicht besinnen. Und das ist nun mal eben nicht sich gegenseitig mit Verletzungen zu bombardieren, sondern sich mit Achtung und Respekt zu behandeln.

Vielleicht hat der andere es ja gar nicht so gemeint, wie ich seine Worte aufge­fasst habe? Dann wäre ein Gegenanschlag für den anderen sehr irritierend, da er ja gar nicht, weiß, was los ist. (Wegen der Vielschichtigkeit unserer Sprache ist es nicht unwahrscheinlich, dass beim Empfänger von Worten etwas völlig anderes ankommt, als der Sender ursprünglich vermitteln wollte.)

Hm, aber meinen Frust einfach hinunterschlucken, kommt auch nicht in Frage. Eine für mich stimmige Lösung bietet sich daher darin, dem anderen meine Ver­letzung kund zu tun und nachzufragen, wie er denn seinen Ausspruch gemeint hat.

Seltsamerweise klärt sich die persönliche Betroffenheit dann in der Regel als Missverständnis auf – und wenn nicht, wenn der andere also verletzen, provozie­ren oder herabsetzen wollte, na dann haben wir immer noch die Möglichkeit die­sen Konflikt offen und ehrlich miteinander auszutragen. Sicherlich wertvoller und klärender als gegenseitig versteckte Angriffe hin und her zu schießen.

Also mein Kommunikationstipp:
Sich jederzeit beobachten – persönliche Betroffenheit bewusst machen – vorm Reden tief Luft holen – sich auf seine eigentliche Absicht besinnen – eigene Ver­letzung/Betroffenheit offenlegen und/oder nachfragen, wie der andere seine Aussage gemeint hat – entweder als Missverständnis hinnehmen oder als Chance eine vorhandene Disharmonie offen und ehrlich miteinander auszutragen

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