Warum esse ich eigentlich? Der Hunger von Augen, Mund, der Nase, Zellen, des Herz, Magens und der Gedanken

Wir essen nicht nur, weil wir wirklich Hunger haben. Sondern auch, um uns zu trösten, die Zeit zu vertreiben, weil sich die Gelegenheit bietet oder wir den kulinarischen Genuss in Gesellschaft zelebrieren. Es gibt also viele Gründe, die uns zum Essen verleiten.

Leider können viele von uns nicht mehr zwischen echtem Hunger und Appetit unterscheiden. Das führt dann dazu, dass wir häufiger essen als es physiologisch sinnvoll wäre.

Inzwischen wissen wir, dass zu häufiges Essen eine tragende Rolle bei der Entstehung von Stoffwechselerkrankungen spielt. Wenn wir zu häufig essen, verschlackt unser Gewebe und unsere Zellen werden schlechter mit Nährstoffen versorgt, während sie gleichzeitig an ihrem Stoffwechselmüll zugrunde gehen.

Auch im Zen-Buddhismus kennt man 7 verschiedene Arten von Hunger, die jeweils einem unserer Sinne entsprechen. Sich diese bewusst zu machen, kann helfen, den Zugang zu echtem Hunger wieder zu finden und weniger zu essen, da sich jeder dieser Hunger auf unterschiedliche Weise stillen lässt.

Wenn wir uns vor dem ersten Bissen fragen, wer hier eigentlich Hunger hat und was dieser Teil in uns wirklich gebrauchen könnte, können wir die Häufigkeit unserer Mahlzeiten wieder reduzieren – eine Wohltat für unser überlastetes Verdauungssystem von heute.

Die sieben Arten von Hunger im Zen-Buddhismus

1. Hunger der Augen

Wer kennt das nicht: Allein der Anblick einer Speise kann das Verlangen nach Nahrung entfachen. Buddhisten nennen das Augenhunger (eye hunger). Die Werbeindustrie macht sich diese Art von Hunger zu nutze und entwirft Bilder, bei denen uns das Wasser im Mund zusammen läuft.

Dieser Hunger lässt sich laut der östlichen Tradition durch einen schönen Anblick besänftigen, was erklärt, dass z. B. die japanische Küche besonders viel Wert auf die ästhetische Zubereitung und Anrichtung von Mahlzeiten legt.

2. Hunger der Nase

Nicht nur der Anblick einer Speise kann Hunger machen, auch unser Geruchssinn ist für das Entfachen von Appetit empfänglich. Wenn uns der Duft frisch gebackener Brötchen und Kuchen in diese Nase strömt, bezeichnen die Buddhisten das als Nasenhunger (nose hunger).

Traditionellerweise wird dieser Hunger durch das Anzünden von Räucherstäbchen gestillt. Besonders wohltuend ist der Duft von Vanille, Zimt oder Zitrusfrüchten.

3. Hunger des Mundes

Wenn das Essen besonders gut schmeckt, essen wir oft mehr, als wir für eine angenehme Sättigung bräuchten. Dies wird auch als Mundhunger (mouth hunger) bezeichnet. Die Lebensmittelindustrie macht sich diesen Mechanismus zu nutze, in dem sie Produkte kreiert, die für eine wahre Geschmacksexplosion sorgen und uns zum Weiteressen animieren, obwohl wir bereits satt sind.

Mahlzeiten zubereitet aus natürlichen Lebensmitteln und verfeinert mit natürlichen Gewürzen bringt hier die Lösung.

4. Hunger des Magens

Wenn der Magen knurrt oder sich der Bauch leer anfühlt, sprechen die östlichen Weisheitstraditionen von Magenhunger (stomach hunger). Dieser Hunger ist evolutionsbiologisch betrachtet ein Signal dafür, dass ein echter Bedarf nach Nahrung besteht und dient als Erinnerung dafür, dass wir etwas essen sollten.

5. Hunger des Herzens

Nicht nur ein Loch im Magen kann uns zum Essen verleiten, auch ein Loch in der Herzgegend kann die Ursache sein. Wenn wir etwas essen, weil wir uns einsam fühlen, um uns zu trösten oder weil wir uns von einem Problem ablenken möchten, sprechen wir im Westen von emotionalem Hunger, die Buddhisten von Herzhunger (heart hunger).

Dieses Loch im Herzen mit physischer Nahrung stopfen zu wollen, ist jedoch keine gute Idee. Für unser emotionales Wohlbefinden wäre es viel besser, wir würden den Austausch mit anderen suchen und gut für unsere Bedürfnisse sorgen.

Eine Anleitung um dem emotionalen Hunger zu entkommen, findest Du in meinem Buch „Psychische Hintergründe bei Ernährungs- & Gewichtsproblemen“.

6. Hunger der Gedanken

Auch Gedanken können uns zum Essen animieren. Glaubenssätze wie, Du solltest regelmäßig essen, das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages oder der Teller muss leer gegessen werden – führen dazu, dass wir ohne wirklichen Bedarf essen oder unser Sättigungsempfinden übergehen.

Hier spricht man von Gedankenhunger (mind hunger), der bestimmte Regeln für die richtige Ernährungsweise aufstellt. Diese entsprechen aber selten unseren eigenen Bedürfnissen, sondern sind geprägt durch frühkindliche Einflüsse von Erziehungspersonen und gültigen Normen unserer Gesellschaft.

7. Hunger der Zellen

Wenn wir minderwertige Nahrung essen, kann es passieren, dass wir mehr Kalorien aufnehmen als wir brauchen. Wir werden dann immer dicker, aber unsere Zellen bleiben trotzdem unterversorgt mit Stoffen, die sie für ihre Gesundheit brauchen. Ist dies der Fall meldet sich der sogenannte zelluläre Hunger (cellular hunger), der uns darauf aufmerksam machen möchte, dass uns wichtige Vitalstoffe fehlen.

Versuchen wir, diese Signale mit leeren Kalorienträgern zu stillen, geht dieser Schuss leider nach hinten los. Der hohe Konsum von minderwertiger Industriekost ist ein wichtiger Faktor, wieso wir uns trotz eines vollen Magens oft unbefriedigt und nicht wirklich satt fühlen. Mehr Vitalstoffe lautet hier die Devise.

Grüne und weiße Smoothies bieten eine gute Basis für zelluläre Sättigung.

Cover weiße Smoothies (Lubrikatoren)    Cover grüne Smoothies

Tipp: Lausche in Dich hinein

Bevor Du das nächste Mal Deinem Verlangen, etwas zu essen, nachgehst, frage Dich:

  • Wer hat hier Hunger? Welcher Teil in mir verlangt nach Nahrung?
  • Und ist Essen hier wirklich die richtige Strategie?
  • Was braucht dieser Teil wirklich, um „satt“ zu werden?

Überlege Dir Alternativen, um für Dein psychisches Gleichgewicht zu sorgen, ohne Nahrung als Ersatzbefriedigung für emotionale Bedürfnisse zweckzuentfremden.

Und wenn Du etwas isst, nimm Dir die Zeit, die Speise schön herzurichten, nimm ihren Duft wahr und iss vitalstoffreiche Kost statt leerer Kalorienbomben.

Mach Dich frei von in unserer Kultur vorherrschenden Glaubenssätzen in Bezug darauf, was als richtig und falsch betrachtet wird, und verbinde Dich lieber mit der Weisheit Deines Körpergefühls – denn nur das allein kann Dich zu Deiner persönlichen Optimalernährung führen.

Unsere Buchempfehlung

Psychische Hintergründe bei Ernährungs- & Gewichtsproblemen

Wenn (Nicht-)Essen zur Ersatzbefriedigung wird – Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige

Cover Psychische HintergründeMehr Infos>>