Was passiert beim Sterben? Teil 1

Was beim Sterben genau passiert, wissen wir nicht wirklich. Erst, wenn wir selbst Hinübergehen werden wir Zeuge des Geschehens. Dennoch gibt es inzwischen recht gute Beobachtungs- und Erfahrungswerte aus der Sterbeforschung und auch in den Schriften jeder Religion finden wir Beschreibungen des Sterbeprozesses. Auf eine davon möchte ich heute gerne etwas näher eingehen, auf die Sichtweise des Tibetischen Totenbuches.

Die 5 Sterbephasen gemäß dem Tibetischen Totenbuch

Aus tibetischer Sicht löst sich beim Sterben die Lebensenergie aus dem physischen Körper. Dieser Ablösungsprozess erfolgt laut dem Tibetischen Totenbuch in 5 Phasen, die jeweils mit einem der 5 Elemente verbunden ist: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum (= Äther).

Jede der 5 Phasen ist gekennzeichnet von bestimmten Symptomen, die der Sterbende innerlich empfindet und der Außenstehende zumeist beobachten kann. Die Länge der einzelnen Sterbephasen unterscheidet sich von Person zu Person und kann von wenigen Sekunden bis hin zu Tagen oder gar Wochen dauern.

Phase 1: Die Auflösung des Erdelements

In dieser Phase dominiert das Gefühl von Schwere. Der Sterbende hat den Eindruck von einer schweren Last erdrückt zu werden. Hier kommt oft Angst auf und eine unbezwingbare Unruhe tritt hervor. Der Sterbende will davon laufen, rennt im Zimmer umher oder versucht, immer wieder aus dem Bett aufzustehen und sich hinzusetzen. Häufig wird dann mit Beruhigungsmitteln eingegriffen.

Hat sich das Erdelement vom Körper gelöst, liegt der Sterbende meist nur noch im Bett. Denn mit dem Element Erde weicht auch die Kraft aus dem Körper und allein das Halten des Kopfes fällt schwer. Die Muskeln erschlaffen und das Gesicht wird grau.

Phase 2: Auflösung des Wasserelements

Während der Sterbende jetzt oft nur noch bewegungslos daliegt, geht es im Inneren turbulent zu. Alles scheint von Wasser umgeben und der Eindruck entsteht, darin ertrinken zu müssen. Die Farben Blau und Weiß dominieren hier und das Bewusstsein trübt sich immer mehr. Oft kommt es hier zu Halluzinationen, nicht selten erscheinen bereits verstorbene Angehörige oder Freunde.

Äußerlich erkennbar ist die Phase daran, dass die Falte zwischen Nase und Mund wird tiefer und die Haut dazwischen blass. Während das Wasserelement sich auflöst, tropft es unkontrolliert aus Mund, Augen und Nase. In der Lunge sammelt sich Wasser. Die Bronchien werden mit Schleim überzogen, wodurch der Atem röchelnd und gurgelnd wird. Jetzt setzt auch der typische Geruch des Todes ein. Denn durch die erschlaffte Muskulatur öffnen sich nun auch die Poren der Haut.

Phase 3: Auflösung des Feuerelements

Im Übergang zu dieser Phase trocknet der Körper immer mehr aus. Der Sterbende leidet nun unter dem Eindruck großer innerer Hitze. Wenn er noch könnte, würde er sich am liebsten alle Decken und Kleider vom Leibe rücken. Auch, wenn die Haut von außen kühl scheint, beginnt der Sterbende zu schwitzen und kalte Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn oder dem ganzen Körper.

Dann nimmt die Hitze irgendwann wieder ab und eine eisige Kälte breitet sich innerlich aus. Am Körper bilden sich Flecken und die Atmung verlangsamt sich wahrnehmbar.

Phase 4: Auflösung des Luftelements

Der Atem verlangsamt sich weiter und wird arhythmisch. Die Pausen zwischen den einzelnen Atemzügen werden größer und als Beobachter hat man oft den Eindruck, dass nun der letzte Atemzug gekommen sei. Und auch, wenn der Sterbende äußerlich ruhig wirkt, innerlich kann er den Eindruck haben, in einem Sturm verwirbelt zu werden. Dabei wird der Körper kalt und die Augen verdrehen sich nach oben. In dieser vierten Sterbephase bricht der Kontakt zur Außenwelt völlig ab. Der Sterbende begibt sich nun völlig in eine andere Daseinsebene, während vor seinem inneren Auge ein grünes Licht erscheinen kann.

Phase 5: Auflösung des Raumelements

In dieser letzten Phase schwindet auch die restliche Lebensenergie. Visionen treten auf. Entweder erschreckende Bilder vom Tod oder lichtvolle Gestalten können hier erblickt werden. Dann folgt der letzte Atemzug und das Herz hört auf zu schlagen. Klinisch gilt der Mensch jetzt als tot.

Aus Sicht des Tibetischen Totenbuches bzw. dem Buddhismus braucht es noch bis zu vier Tagen, bis sich die psychische Energie völlig vom Körper getrennt hat. Daher wird der Leichnam nach diesen Lehren für einige Tage aufgebahrt. In diesen Tagen ist auch der Mensch oft noch mit seiner Präsenz spürbar für die Hinterbliebenen.

Dem Sterben gegenüber gelassener werden

Ehrlich gesagt, war ich ein wenig schockiert, als ich zum ersten Mal in dem Buch „Die 7 Geheimnisse guten Sterbens“ von dieser Beschreibung des Sterbeprozesses gehört habe. Mir scheint die Beschreibung doch sehr grausam. Andererseits war ich noch nie eine Anhängerin der „Alles-ist-Licht-und-Liebe-Fraktion“. Ich halte es für eine Illusion, anzunehmen, die Welt bestünde nur aus Licht und Liebe. Auch das Dunkle und Böse ist hier vertreten. Diesen Aspekt zu leugnen halte ich für naiv.

Und so wundert es mich eigentlich auch gar nicht, dass auch das Sterben nicht zwangsläufig als angenehm erlebt werden muss, zumal ja auch die Geburt eines Kindes im Regelfall schmerzhaft erlebt wird und ich auch das Sterben als eine Art Geburt betrachten, nur eben nicht von der geistigen in die grobstoffliche Welt, sondern umgekehrt. Wieso also sollte sich das Auflösen der Elemente nicht auch erschreckend und überwältigend anfühlen können?

Und auch, wenn Sterben letztendlich individuell ist, und jeder von unser seinen ganz eigenen Sterbeprozess durchleben wird, und jeder Versuch, allgemeingültig zu beschreiben, was beim Sterben geschieht, letztendlich nicht mehr sein kann, als eine lose Annäherung daran, was in diesen Momenten tatsächlich geschieht, bin ich davon überzeugt, dass wir diesem Prozess einen Großteil seines Schreckens nehmen können, indem wir uns schon heute damit auseinandersetzen, was währenddessen auf uns zukommen könnte.

Vielleicht können wir dann mit den auf uns einprasselnden Eindrücken etwas gelassener umgehen, schneller Vertrauen fassen, dass es da eine höhere Kraft geben muss und wir letztendlich keine andere Chance haben, als uns dieser höheren Kraft hinzugeben und uns „in Gottes Schoß fallen zu lassen“. Wer weiß?

Ich jedenfalls finde es hoch spannend mich mit den verschiedenen Ansichten und Vorstellungen darüber, was beim Sterben passiert, zu beschäftigen. In der Artikelreihe „Was passiert beim Sterben?“ werde ich daher weiter darüber berichten, wenn mir spannende Beschreibungen dazu begegnen.

Vielleicht kennen Sie ja selbst auch interessante Ansichten über den Sterbeprozess? Dann würde ich mir sehr freuen, wenn Sie sie mit mir und den anderen Lesern teilen. Nutzen Sie dazu gerne die Kommentarfunktion unter diesem Artikel.

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