Auch fleischlos lebt es sich gesund

Immer wieder hören oder lesen wir in Berichten von so genannten Experten und Wissenschaftlern, wie wichtig eine ausreichende Versorgung mit Eiweißen bzw. Proteinen für unseren Körper ist. Um den großen Bedarf an Eiweiß zu decken, sollen wir laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf tierische Produkte zurückgreifen. Vor allem Muskeln und Knochen würden davon profitieren.

Die DGE empfiehlt einen täglichen Verzehr von 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Das macht bei einem Körpergewicht von 70 kg 56 g Eiweiß.

Als kleine Orientierung: 100g Bratwurst enthalten etwa 14 g Eiweiß und 100 g Äpfel circa 0,3 g. Hülsenfrüchte, Algen oder Hanfsamen liefern natürlich deutlich mehr Eiweiß als Obst oder Gemüse. Spielender wäre der von DGE empfohlenen Eiweißmenge allerdings dennoch durch tierische Produkte wie Fleisch, Wurst, Fisch, Käse oder Milch zu decken.

Da stellen sich zwei Fragen:

  1. Wie wurde diese Bedarfsmenge ermittelt?
  2. Was sollen Vegetarier oder gar Veganer machen? Leiden diese zwangsläufig an einer Eiweißunterversorgung?

zu 1)
Im Allgemeinen gilt: Vorsicht bei Angaben von allgemeinen Normen und Richtlinien. Bei solchen Empfehlungen sollten wir uns stets fragen, wer Finanziator der Studie ist und wer von den Ergebnissen profitiert. Antworten darauf werden dem Verbraucher, also uns, jedoch nur selten gerne offen gelegt. Außerdem sollten bei jedem die Alarmglocken klingen, wenn allgemeingültige Richtlinien abgegeben werden, die alle Menschen über einen Kamm scheren. Werte und Empfehlungen, die für alle Menschen gelten sollen, werden den zum Teil doch sehr unterschiedlichen Lebensumständen und persönlichen Gegebenheiten kaum gerecht.

Wenn wir dann noch bedenken, dass wir im Säuglingsalter, also in dem Zeitraum, in dem wir prozentual gesehen am meisten wachsen, das nötige Eiweiß über die Muttermilch beziehen, müssen wir die empfohlene Menge von 50-70 g Eiweiß pro Tag wirklich in Frage stellen. Denn die Muttermilch besteht nur zu 2,63% aus Aminosäuren (also Eiweißbausteinen). Gehen wir davon aus, dass wir später, wenn wir ausgewachsen sind, nicht mehr so viel Eiweiß brauchen, reicht es vollkommen aus, wenn unsere Nahrung im Erwachsenenalter aus etwa 1 % Eiweiß besteht. Bei 1 kg Nahrung wären das gerade mal 10 g.

Diesen Bedarf decken wir jedoch spielend auch ohne tierische Produkte. Denn auch in Obst, Gemüse und Getreide steckt Eiweiß. Über einen Eiweißmangel brauchen wir uns wahrlich nicht den Kopf zerbrechen; vor allem dann nicht, wenn wir keinen Leistungssport betreiben.

zu 2)
Vor allem Vegetariern und Veganern wird empfohlen auf Zusatzprodukte zurückzugreifen um die notwendige Menge an Stoffen, die in tierischer Nahrung enthalten sind, auszugleichen. Nur so ließe sich einer Mangelerscheinung vorbeugen.

Schon an dieser Stelle können alle fleischlos lebenden Menschen aufatmen. Der Bedarf an Aminosäuren wird ausreichend über den Verzehr von Obst, Gemüse und Nüssen gedeckt. Vor allem in Linsen und Bohnen steckt viel hochwertiges Eiweiß. Es wimmelt auf dieser Welt nur so von Menschen, die fit und gesund sind, obwohl sie schon seit Jahren auf Fleisch, und oftmals sogar auch noch auf Fisch, Milch und Eier verzichten.

Wie kam es eigentlich zu der These tierisches Eiweiß sei hochwertig?

Die Empfehlung den Eiweißbedarf auch in Form von tierischen Produkten zu decken, beruht auf der Annahme, dass es sich bei Eiweiß aus tierischen Produkten um hochwertiges Eiweiß handele.

Doch was heißt eigentlich hochwertig?
Den Zusatz „hochwertig“ bekamen tierische Eiweiße jedoch nur, weil ihre Bestandteile (Eiweiße bestehen aus zusammengesetzten Molekülen, den so genannten Aminosäuren) den menschlichen Eiweißen sehr ähnlich sind.

Doch heißt „ähnlich“ zwangsläufig auch gut verdaubar?
Nein, im Gegenteil. Bevor unser Körper Eiweiß aufnehmen kann, muss er es in seine kleinsten Bestandteile zerlegen. Bei der Verdauung von tierischen Eiweißen fällt immer auch Harnsäure an. Ein Produkt, mit dem unser Körper nur sehr schlecht umgehen kann und das daher allerlei Schaden bei uns anrichtet. Vor allem Gicht, Osteoporose, Magen-, Gallensteine und Allergien gehen oftmals auf den Verzehr von zu viel tierischem Eiweiß zurück.

Wird zu viel Eiweiß gegessen, insbesondere vom Tier, belastet das die Nieren, weil zur Verdauung Ammoniak freigesetzt wird. Diese starke Base belastet die Nieren und bringt den Säuren-Basen-Haushalt durcheinander.

Bei einer abwechslungsreichen rein pflanzlichen Ernährung, bei der genügend Kalorien zugeführt werden, bekommt der Körper ausreichend Eiweiß. Das zumindest behaupten immer Mediziner wie zum Beispiel Dr. Neal Barnard oder Dr. Campbell.


Bildrechte: Süße Ferkelchen © Susi Berk

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