CapoeiraDie brasilianische Kampfkunst trainiert neben den Muskeln auch beide Gehirnhälften

Die brasilianische Kampf- und Bewegungskunst Capoeira Angola ist ein optimales Workout und Körpertraining, das neben den Muskeln und dem Herzkreislaufsystem auch unser Gehirn sehr effektiv trainiert. Um es genauer zu sagen, werden die beiden Gehirnhälften durch die Bewegungen der Capoeira in kürzester Zeit ins Gleichgewicht gebracht und gleichmäßig trainiert.

Koordination ist eine Hauptaufgabe unseres Gehirns

Zu den konditionellen Eigenschaften zählen

  • Ausdauer
  • Kraft
  • Beweglichkeit
  • Schnelligkeit und
  • Koordination

Alle werden von unserem Zentralen Nervensystem (ZNS), das aus unserem Gehirn und dem Rückenmark besteht, gesteuert und geregelt.

Die Koordination unserer Bewegungen erfordert jedoch sehr komplexe neurologische Aktionen, die sich auch auf alle anderen körperlichen, wie auch geistigen Ebenen ausweiten. Je besser die Koordination entwickelt ist, desto leichter fällt uns auch das Begreifen von komplexen Vorgängen.

Körperliche Bewegungssteuerung und geistig-kognitives Arbeiten stehen in einem sehr engen Zusammenhang. Zum Lernen von neuen Informationen sind die gleichen Areale zuständig, wie für das Lernen von neuen oder „brach liegenden“ Bewegungsmustern.

Neben dem Denken und der Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen und anderen internen und externen Informationen ist eine der wichtigsten Aufgaben unseres ZNS die Koordination aller körperlichen Vorgänge und Aktionen. Sowohl die willkürlichen als auch der unwillkürlichen Vorgänge und Bewegungen im inneren und äußeren unseres Körpers werden durch unser ZNS gesteuert und koordiniert.

Die Balance zwischen linker und rechter Gehirnhälfte

Damit sowohl koordiniertes Bewegen als auch das Lernen und Begreifen von neuen Informationen so optimal und reibungslos wie möglich ablaufen können, ist es wichtig, dass unsere beiden Hirnhälften in Balance sind.

Die rechte Hälfte unseres Gehirns ist zuständig für das Koordinieren der linken Körperseite auf der physischen Ebene und für kreative und visionäre Arbeiten und Vorgänge unseres Geistes auf der psychischen Ebene.

Die linke Gehirnhälfte koordiniert unsere rechte Körperseite und ist auf der geistig-gedanklichen Ebene für logisches Denken und Verstehen oder das Lösen von mathematischen Aufgaben zuständig. Beide ergänzen, unterstützen und stimulieren sich gegenseitig und ermöglichen in einer ausgewogenen Zusammenarbeit sowohl körperliche als auch geistige Dinge, die nur möglich sind, wenn sich unser Gehirn und unser ZNS in Harmonie befinden.

Große, herausragende sportliche Leistungen, geniale Erfindungen, zeitlose Kunst und philosophisch-spirituelle Wahrheiten offenbaren sich und können entstehen, wenn unser Gehirn und unser gesamtes Sein im Einklang sind.

Die Überkreuzbewegung von Armen und Beinen

Eine der besten und schnellsten Möglichkeiten die beiden Hirnhälften wieder in Einklang und Harmonie zu bringen ist durch die körperliche Über-Kreuz-Bewegung. Dabei bewegt man z. B. den linken Arm und das rechte Bein gleichzeitig, was eine neurologische Aktivität in beiden Hirnhälften zugleich und muskuläre Aktivitäten beidseitig der Körpermittellinie zur selben Zeit erfordert.

Geschieht dies im Wechsel, also einmal bewegen sich linker Arm und rechtes Bein zusammen und wechseln sich ab mit dem rechtem Arm und dem linkem Bein, dann wechseln auch die neurologischen Aktionen in unserem ZNS jedes Mal.

Beide Seiten werden im Wechsel gefordert und der Körper reagiert darauf, indem er über mehrere Wechselbewegungen beide Gehirnhälften in einen gleichmäßigen Takt und gleichen Aktivitätsmodus bringt. Das dauert eine Weile, gelingt aber mit jedem neuen Versuch immer besser. Das ist auch die Erklärung dafür, weshalb eine neue Bewegung, wie z. B. Jonglieren erst nach einigen Übungsversuchen einigermaßen funktionieren will.

Von Versuch zu Versuch harmonisiert sich unser Gehirn immer besser, bis beide Gehirnhälften gleichmäßig arbeiten. Dadurch steigern sich auch gleichzeitig unsere Konzentrationsfähigkeit und die geistige Aufmerksamkeit.

Die Natur hat es übrigens so eingerichtet, dass dieser rhythmische Wechsel der Überkreuzbewegung immer dann von selbst passiert, wenn wir zu Fuß gehen oder laufen. Indem wir uns auf natürliche Art und Weise fortbewegen, harmonisieren sich nebenbei auch gleichzeitig unsere Hirnhälften. Wohl einer der Gründe, weshalb man beim Gehen und Laufen so gut den Kopf „frei kriegt“.

Der Grundschritt der Capoeira verläuft auch über Kreuz

Die grundlegende Schritttechnik der Capoeira, die Ginga ist ebenfalls eine Über-Kreuz-Bewegung. Hier wird im rhythmischen Wechsel und im Takt der Musik der Körperschwerpunkt wechselweise auf den linken und auf den rechten Fuß verlagert. Dadurch spannen sich jedes Mal automatisch und reflexartig alle Muskeln der jeweiligen Körperseite von den Fußmuskeln bis zum Becken hin an und stabilisieren den Körperschwerpunkt entgegengesetzt der Schwerkraft.

Wenn der linke Fuß nach vorne bewegt wird, um das Körpergewicht aufzunehmen, schwingt auch gleichzeitig der rechte Arm ausbalancierend mit nach vorne, ähnlich wie beim Laufen. Die Überkreuzbewegung von Armen und Beinen wechseln, je nach Rhythmus im Sekundentakt, was zu einer sehr schnellen Balancierung der Hirnhälften führt.

Durch das praktizieren der Ginga, lassen sich beide Hälften in nur wenigen Minuten ins Gleichgewicht bringen. Das merkt man auch ganz deutlich an einer Verbesserung des Gleichgewichts, der Körperkontrolle, Koordination und Bewegungsausführung. Die ersten Versuche sind oft etwas wackelig, aber von Seitenwechsel zu Seitenwechsel wird es besser und man gewinnt immer mehr Kontrolle über die Bewegung.

Die Capoeira verfügt über nahezu unendlich viele Bewegungen

Die Ginga ist der Grundschritt dieser Bewegungskunst, die oft auch als „Kampf-Tanz“ bezeichnet wird. Neben der Ginga verfügt die Capoeira Angola über unzählig viele andere Arten, den Körper zu bewegen und zu halten. Alle Bewegungen trainieren den Körper und unser ZNS auf unterschiedliche Arten und lassen sich auf einige wenige Grundbewegungsmuster zurück führen. Diese basieren auf natürlichen, der menschlichen Spezies zugrunde liegenden funktionellen Bewegungsmustern. Zu ihnen gehören:

  • Die tiefe Hocke und die Kniebeuge
  • Verschiedene Arten von Fußtritten, Kicks und Fußfeger
  • Die Brücke in unterschiedlichen Ausführungen
  • Das Rad
  • Der Handstand
  • Verschiedene Stützmuster am Boden, wie z. B. der Fronstütz, Seitstütz usw.

Alle Bewegungen gehen fließend ineinander über, kehren immer wieder in die Ginga zurück und wechseln sich gegenseitig ab. Das trainiert die allgemeine Grundlagenausdauer, die Kraft und die Kraftausdauer, die Fähigkeit sich sowohl schnell und explosiv als auch ganz langsam im Zeitlupentempo bewegen zu können. Der Körper und der Geist, also unser Zentrales Nervensystem, insbesondere beide Hirnhälften werden durch diese Bewegungskunst harmonisch und ganzheitlich trainiert.

Kein Capoeira-Verein in der Nähe

Um von den Bewegungen der Capoeira Angola zu profitieren muss man nicht unbedingt den nächsten Verein aufsuchen oder einer Capoeiragruppe beitreten. Es reicht vollkommen aus, ein paar der Grundbewegungen und die Ginga zu lernen.

Dazu kann man sich Videos auf Youtube anschauen oder einen Workshop oder Seminar besuchen. Auch dazu findet man Informationen im Internet. Ich bin gerade dabei einen kleinen Leitfaden zum Lernen der wichtigsten Bewegungen und evtl. auch ein Video zum Selbststudium zu erstellen.

Bis vor einigen Jahren habe ich in Deutschland Kurse angeboten, wie man die Grundbewegungen der Capoeira Angola als Workout zur Steigerung der Fitness und Leistungsfähigkeit einsetzen kann. An den Inhalten dieser Kurse und Workshops werde ich mich beim Zusammenstellen der Ratgeber orientieren und in unserem Newsletter, wie auch im „Todo Natural“ – Newsletter bekanntgeben, wann die ersten Ausgaben erscheinen.

Bildrechte: Boss Tweed, “Capoeira”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

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