Die verharmloste Volkskrankheit Fettleber – das größte Risiko für Diabetes und Herzinfarkt

Eine Fettleber wurde bisher in Verbindung gebracht mit einem übermäßigen Konsum von Alkohol, inzwischen leiden auch immer mehr Nicht-Alkoholiker darunter.

Eine nicht-alkoholische Fettleber kann getrost als neue Volkskrankheit bezeichnet werden.

Laut Prof. Dr. Nicolai Worm sind etwa 70 % aller Übergewichtigen und jeder vierte Schlanke davon betroffen!

Eine Fettleber gilt als der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Herz- und Hirninfarkten, Alzheimer, Diabetes und vielen Krebsarten. Mit seinem Buch „Menschenstopfleber“ möchte der Ernährungswissenschaftler über Ursachen und Folgen des Fettleberphänomens aufklären und zeigen, wie man die Gesundheit seiner Leber durch ein speziell entwickeltes Leberfasten wieder herstellen kann.

Fettleber auf dem Vormarsch

Schätzungsweise 20 – 40 % aller Menschen aus den industrialisierten Ländern leiden bereits an einer nicht-alkoholischen Fettleber (auf Englisch: Non-Alcoholic Fatty Liver Disease, daher abgekürzt NAFLD).

Wenn die Leber immer mehr verfettet, nimmt ihre Fähigkeit, auf das Hormon Insulin zu reagieren, entsprechend ab. Eine insulinresistente und verfettete Leber kann ihre Aufgaben jedoch nicht mehr richtig erfüllen. Ein Zustand, der Zucker- und Fettstoffwechselprobleme verursacht und über kurz oder lang im Diabetes mellitus Typ 2 mündet.

Gut zu wissen: Ab wann spricht man von einer nicht-alkoholischen Fettleber?

Normalerweise beträgt der Fettgehalt einer gesunden Leber nicht mehr als ein bis 1,5 % ihres Gewichts. Eine Leberverfettung (fachmännisch „Steatose“ liegt dann vor, wenn mehr als fünf Prozent der Leberzellen Fett einlagern. Die Diagnose „Fettleber“ wird dann gestellt, wenn der Fettgehalt der Leber mindestens 5 % ihres Gewichts ausmacht oder über 50 % der Leberzellen sichtbar Fett speichern.

Bei einer NAFLD darf die Verfettung der Leber nicht durch einen übermäßigen Alkoholkonsum (regelmäßig mehr als 20 g Alkohol am Tag bei Frauen bzw. regelmäßig mehr als 30 g Alkohol am Tag bei Männern), einer familiären Veranlagung, verschiedenen Lebererkrankungen (wie Hepatitis B oder C) oder einer Schädigung durch Medikamente verursacht worden sein.

Weil die Zellen bei einer NAFLD insulinresistent werden, steigt der Gehalt an Insulin im Körper. Eine Hyperinsulinämie ist jedoch schädlich für unseren gesamten Körper. Eine NAFLD wird daher als Risikofaktor für kardio-vaskuläre Erkrankungen betrachtet.

Woher stammt das Fett in unserer Leber?

Es gibt grundsätzlich zwei Wege, wie Fett in unsere Leber gelangen kann. Zum einen kann die Leber neue Fettzellen bilden und zum anderen kann es über unsere Nahrung in die Leber gelangen. Dabei spielt nicht nur das Nahrungsfett eine Rolle, sondern vor allem auch die Kohlenhydrate.

Wenn Fettzellen zu dysfunktionalen Hormondrüsen werden, fängt das Dilemma an

Die eigentliche Aufgabe von Fettzellen ist es, überschüssige Kalorien aus der Ernährung als Energiereserve für „schlechtere“ Zeiten zu speichern. Das Problem der heute üblichen überkalorischen Ernährungsweise bringt die Fettzellen jedoch an den Rande ihrer Belastbarkeit.

Je mehr Fettsäuren die Fettzellen speichern, umso größer werden sie. Irgendwann ist ihre Ausbreitungskapazität jedoch erreicht. Wenn nun trotzdem weiterhin Überschüsse aus der Nahrung verstaut werden wollen, ist das Fettgewebe gezwungen, neue Fettzellen zu bilden. An sich kein Problem für unseren Körper.

Fettzellen sind allerdings keine toten Zellen, sondern lebendiges Gewebe, das ständig mit Blut und den darin transportierten Nährstoffen, allen voran mit Sauerstoff, versorgt werden möchte. Das heißt, neue Kapillaren (= Blutgefäße) müssen sich bilden, um das neu entstehende Fettgewebe versorgen zu können.

Je nach Veranlagung und Maß der Überernährung kann es dazu kommen, dass die neuen Blutgefäße nicht so schnell gebildet werden können wie das Fettgewebe sich ausbreitet. In Folge dessen werden die neuen Fettzellen schlecht mit Blut und Sauerstoff versorgt. Sie geraten in Stress. Die betroffenen Fettzellen beginnen dann, entzündungsfördernde Stoffe auszuschütten, die vermutlich als Hilferuf gedacht sind, um die Neubildung von Kapillaren anzuregen. Die Fettzellen kämpfen sozusagen um ihr Überleben und entwickeln sich zu dysfunktionalen Fettzellen.

Bleiben die Lebensumstände unverändert, das heißt, muss der Körper weiterhin mit mehr Energie zurecht kommen als er benötigt, werden solange die Überversorgung anhält andauernd entzündungsfördernde Botenstoffe von den unterversorgten Fettzellen abgegeben, gleichzeitig werden sie insulinresistent, um zu verhindern, dass noch mehr Fettsäuren ins Zellinnere gelangen (Insulin ist nicht nur wichtig für den Transport von Glukose (=Traubenzucker) in die Zellen, sondern auch, um Aminosäuren und Fettsäuren in die Zellen zu schleusen!).

Gut zu wissen: Schlanke sind nicht sicher

Wie schnell sich Fettzellen zu dysfunktionalen Hormondrüsen entwickeln, hängt nicht nur von der Lebensweise ab, sondern wird auch durch die Genetik mit bestimmt. Daher können auch schlanke Menschen unter einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden.

Schätzungsweise ein 15 – 20 % aller schlanken Menschen leiden unter einer NAFL und weist die damit typischen Symptome wie Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte auf. Dem gegenüber sind ca. 30 % der Übergewichtigen stoffwechselgesund und haben trotz ihres erhöhten Körpergewichts keine NAFLD, normale Blutdruck- und Blutfettwerte.

Fettleber – Was hat Insulinresistenz damit zu tun?

Wie wir gesehen haben, verlieren die Fettzellen bei ständiger Überlastung ihre Fähigkeit, angemessen auf Insulin zu reagieren, damit verlieren sie aber auch die Fähigkeit, die Fettsäuren in sich zu halten. Die Fettsäuren laufen sozusagen aus den Fettzellen aus und suchen sich neue Orte, um sich einzulagern. Der Bauchraum bietet viel Platz und die Fettsäuren lagern sich mit Vorliebe dort ab, vor allem in den Bauchorganen. Auch die Leber befindet sich im Bauchraum und wird mit den ausschwemmenden Fettsäuren konfrontiert und beginnt zu verfetten.

Auch, wenn unsere Muskelzellen infolge von mangelnder Bewegung und überschüssiger Ernährung insulinresistent werden, hat das negative Auswirkungen auf unsere Leber. Denn die überschüssigen Stoffe werden dann an sie weitergeleitet, da die Leber als wichtiges Nährstoffzwischenlager im Körper fungiert. Interessant dabei ist, dass nicht nur das Fett aus der Ernährung, sondern auch Nahrungskohlenhydrate in der Leber zu Fett werden können.

Kohlenhydrate als schlimmeres Übel?

Spannenderweise betont Worm in seinem Buch, dass Kohlenhydrate das größere Übel bei einer NAFLD darstellen, als Fette. Denn eine NAFLD geht einher mit einer Insulinresistenz. Wenn die Zellen jedoch nicht mehr entsprechend auf dieses Hormon der Bauchspeicheldrüse reagieren, folgt daraus eine gravierende Störung bei der Zuckerverstoffwechslung.

Die über die Nahrung zugeführten Kohlenhydrate werden im Körper in den Einfachzucker Glukose zerlegt, der nun nicht mehr in die Zellen hinein kann. Das provoziert hohe Blutzuckerwerte und das kann gefährlich werden. Die Leber versucht nun, so viel Glukose wie möglich einzulagern, doch ihre Speicherkapazität ist begrenzt. Dann bleibt ihr kein anderer Ausweg mehr, als überschüssige Glukose in Fettsäuren umzuwandeln und in den Fettzellen einzulagern.

Gut zu wissen: Sind Kohlenhydrate böse? Auf die Insulinsensivität der Zellen kommt es an

Noch immer behaupten die meisten Ökotrophologen, Ernährungsmediziner und Ernährungsberater, dass Kohlenhydrate nicht dick machen, weil nur sehr wenig davon in Fett umgewandelt werden.

Diese Lehrmeinung geht auf die Untersuchungen von Prof. Dr. Pudel zurück, der bei seinen Forschungen feststellte, dass Kohlenhydrate erst ab einer Menge von mehr als 500 g in Fett umgewandelt werden. Und grundsätzlich stimmt das auch, aber nur dann, wenn die Zellen im Körper noch entsprechend auf Insulin reagieren.

Bei Menschen, die bereits unter einer Insulinresistenz leiden, funktioniert die Verstoffwechslung von Kohlenhydraten allerdings ganz anders. Hier reichen bereits kleine Mengen an Kohlenhydraten, um die Neubildung von Fettzellen anzuregen.

Fruchtzucker ist dann besonders gefährlich. Normalerweise wird Fruchtzucker bei gesunden Menschen in der Leber in Glukose umgewandelt und dann als Treibstoff in die Muskelzellen geschleust oder als Glykogen zwischengelagert.

Wenn die Leber nun aber aufgrund einer Insulinresistenz damit beschäftigt ist, möglichst schnell viel Glukose zu verstoffwechseln, um den Blutzucker schnellstmöglich zu senken (zu hohe Blutzuckerwerte können tödlich enden!), bleibt keine Kapazität mehr frei, um sich auch noch um den Fruchtzucker zu kümmern. Der wird dann direkt zu Fettsäuren umgewandelt und fördert so die Entstehung der Fettleber.

Fruchtzucker steckt nicht nur in Früchten, sondern ist natürlicher Bestandteil von Saccharose, unserem Haushaltszucker. Dieses weiße Pulver besteht zur Hälfte aus Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose). Süßigkeiten, aber auch alle Formen von Obstsäften sind unter diesen Umständen besonders kritisch zu betrachten!

Wie kann man einer nicht-alkoholischen Fettleber vorbeugen?

Wie wir gesehen haben, entsteht eine NAFLD dann, wenn die Zellen im Körper insulinresistent werden. Die Insulinsensitivität spielt also eine entscheidende Rolle. Je besser unsere Zellen auf Insulin reagieren, umso geringer ist das Risiko einer Fettleber.

Zwar spielt auch die Genetik eine Rolle, bei der Frage, wie gut unsere Zellen auf Insulin reagieren, dennoch kann ein entsprechender Lebensstil auch bei schlechten Voraussetzungen den Grundstein für eine gute Insulinsensitivität legen. In Kurzfassung heißt das: ausreichend körperliche Aktivität, um den Bedarf der Muskelzellen an Energie und Nährstoffen hoch zu halten, und gleichzeitig eine ausgewogene Ernährung, die eher weniger als zu viele Kalorien liefert.

Was tun bei nicht-alkoholischer Fettleber?

Liegt bereits eine nicht-alkoholische Fettleber vor, gibt es keinen Grund zur Panik. Denn die Leber ist ein Organ mit großer Regenerationsfähigkeit. Wenn die entsprechenden Parameter im Lebensstil verändert werden, erholt sich die Leber recht schnell und baut überflüssiges Fett ab.

Um dies schnell zu erreichen, haben sich, laut Worm, sogenannte Formulardiäten bewährt, bei denen die Teilnehmer nicht mehr als ca. 500 Kalorien täglich zu sich nehmen. Bereits nach wenigen Tagen bis Wochen kann sich der Fettanteil in der Leber so wieder normalisieren.

Anschließend empfiehlt Worm eine Ernährung mit niedriger glykämischer Last im Rahmen seines Logi Ernährungskonzeptes. Die glykämische Last gibt unter Berücksichtigung des Zuckergehalts Auskunft darüber, wie schnell der enthaltene Zucker in einem Lebensmittel ins Blut geht. Je mehr Glukose und je schneller sie den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt, um sehr Insulin muss ausgeschüttet werden, um den Blutzucker wieder zu senken.

Getreideprodukte aus ganzem Korn, Quinoa, Hirse und andere vollwertige kohlenhydratreiche Nahrungsmittel sollten daher nur gelegentlich gegessen werden und verarbeitete, raffinierte Kohlenhydrate, wie sie enthalten sind in Süßigkeiten, Säften oder Weißmehlprodukten, am besten ganz vermieden werden.

Gemüse und ganze Früchte, die anders als Säfte noch Ballaststoffe mit sich bringen und daher langsamer verstoffwechselt werden, dienen hingegen als Basis. Weiter legt der Autor Wert auf eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß und gesunden Fetten, so dass proteinreiche und fettreiche Lebensmittel als Sattmacher dienen.

Außerdem betont der Ökotrophologe die Wichtigkeit von Bewegung. Gerade für übergewichtige Personen ist es in seinen Augen wichtig, regelmäßig körperlich aktiv zu werden, um die Fettzellen fit zu halten. Wer kein Ausdauersport mag, kann gerne auch Krafttraining betreiben, das für viele Übergewichtige angenehmer zu bewerkstelligen ist.

Mein Fazit zum Buch:

Die nicht-alkoholische Fettleber ist in unserer Überflussgesellschaft auf dem Vormarsch und es ist wichtig, dass wir wissen, wie wir diesem Umstand allein durch unseren Lebensstil vorbeugen können. Diese Zusammenhänge werden in dem Buch „Menschenstopfleber: Die verharmloste Volkskrankheit Fettleber – das größte Risiko für Diabetes und Herzinfarkt“* umfassend und verständlich dargelegt und geben uns als Verbraucher das Wissen in die Hand, um unser Leben möglichst lange gesund genießen zu können. Lieber jetzt ins Handeln kommen, als wenn es zu spät ist.

Und auch, wenn ich die Ernährungsempfehlungen des Autors nicht zu 100 % teile, sondern gerade auch bei einer vorhandenen Insulinresistenz bestimmte Aminosäuren bzw. Kombinationen von schnell ins Blut flutenden Aminosäuren und Kohlenhydraten vermeiden würde (ausführlich dazu hier) gibt es von mir eine absolute Kaufempfehlung für dieses Buch!

Das Buch ist übrigens im riva Verlag erschienen.
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