Buchempfehlung: „Erfolgsfaktor Sauerstoff“ von Patrick McKeown

Wissenschaftlich belegte Atemtechniken, um die Gesundheit zu verbessern und die sportliche Leistung zu steigern

Es kommt selten vor, dass ich ein Buch direkt zweimal hintereinander lese. Bei „Erfolgsfaktor Sauerstoff“, von Patrick McKeown war das jedoch der Fall.

Dieser knapp 380 Seiten schwere „Wälzer“ ist randvoll mit krassen Informationen. Ich werde es wahrscheinlich noch ein drittes oder viertes Mal lesen. Ich habe mir beim zweiten Durchgang schon allerhand Notizen gemacht und während dem ersten Mal Lesen habe ich mit dem Übungsprogramm begonnen.

Das „Intermittierende Fasten zum Atmen“!

Mein erster Eindruck war, „Wow, das hier ist so ähnlich essentiell wie intermittierendes Fasten, nur in Bezug auf die Atmung!“

Wir atmen zu oft und zu viel und verursachen dadurch jede Menge Probleme, lautet die Grundaussage von Patrick McKeown. Chronisches Hyperventilieren ist der Grund für viele Beschwerden und Krankheiten und eine Reduktion der Atemfrequenz und des Atemvolumens ist die Lösung dafür!

Chronische Hyperventilation als Ursache für Krankheiten und Leistungseinbußen

Übermäßiges Atmen führt zur verstärkten Bildung freier Radikale und dadurch ausgelösten Oxidationsschäden. Auch Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs usw. sind Folgen von chronischem Hyperventilieren und dadurch verursachtem Sauerstoffmangel! Hinzu kommen mangelnde körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und vorzeitiges Altern.

Durch die chronische Unterversorgung mit Sauerstoff ist unser System durchgehend gestresst und befindet sich im „Flucht- und Kampf-Modus“. Wir verbrauchen unnötig viel Energie in Ruhe und in Bewegung und unser Potenzial an körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit kann sich nicht annähernd entfalten.

Laut McKeown sind die meisten Menschen der wesentlichen Industrienationen von chronischem Hyperventilieren und damit einhergehendem Sauerstoffmangel betroffen. Unser Körper hat sich an ein Missverhältnis zwischen CO2 und Sauerstoff gewöhnt. Unsere CO2– und Sauerstoff-Rezeptoren im Blut und in den Lungen sind „falsch eingestellt“. Infolgedessen atmen wir zu häufig und zu viel und halten dadurch das Missverhältnis zwischen CO2 und Sauerstoff aufrecht!

jill111 / Pixabay

Atemreduktionsübungen = das intermittierende Fasten der Atmung

Hyperventilieren führt zu Sauerstoffmangel, der den Körper veranlasst, noch mehr zu hyperventilieren! Ein Teufelskreis, den man laut McKeown nur durch gezielte Atemreduktionsübungen durchbrechen kann.

Mich erinnerte diese Annahme sofort an die „Set-Point Theorie“, von Dr. Jason Fung, die er in seinem Buch „Die Schlankformel“ vorstellt. Laut Dr. Fung liegt in einem verstellten „Stoffwechsel-Set-Point“ im Hypothalamus die Ursache für Übergewicht, Fettleibigkeit und Zivilisationserkrankungen. Fungs Lösungsansatz zur Regulierung des Set-Points ist eine Reduktion der Mahlzeitenfrequenz durch intermittierendes Fasten.

Patrick McKeown empfiehlt zur Regulation der falsch eingestellten Atemrezeptoren ebenfalls eine Reduktion der Atmung, sowohl in der Häufigkeit, als auch im Volumen der Atemzüge. Und damit haben wir das „intermittierende Fasten der Atmung“.

Hypoxie und Hyperkapnie

Die richtige Kombination aus einer gewissen Sauerstoffknappheit (= Hypoxie) und einem leichten CO2-Überschuss (= Hyperkapnie) im Blut ist der „Motor“, der unsere Zellen optimal mit Sauerstoff versorgt. Der CO2-Gehalt im Blut ist die treibende Kraft, die die roten Blutkörperchen dazu bringt, die Sauerstoffmoleküle ins Innere der Zellen abzugeben.

Ist der CO2-Gehalt im Blut zu niedrig, wird weniger Sauerstoff in die Zellen befördert. Dann entsteht ein relativer Sauerstoffmangel, der dem Körper suggeriert, die Atemfrequenz und das Atemvolumen zu steigern, also zu hyperventilieren.

Patrick McKeown erklärt, dass CO2 praktisch ein Türöffner für die Sauerstoffmoleküle ist und je weniger CO2 im Blut vorhanden ist, desto weniger weit öffnet sich die Tür und umso weniger Sauerstoff kann in die Zellen transportiert werden. Je weniger Sauerstoff in den Zellen ankommt, desto ineffizienter laufen sämtliche Prozesse im Körper und auch im Geist ab.

Insbesondere die Sauerstoffversorgung des Gehirns ist für alle körperlichen, geistig-mentalen, autonomen und willkürlich gesteuerten, bewussten und unbewusst ablaufenden Vorgänge extrem wichtig.

Gute Sauerstoffversorgung braucht Kohlenstoffdioxid!

Die Sauerstoffversorgung der Zellen funktioniert also nur dann ideal, wenn genügend CO2 im Blut ist? Das klingt erst einmal paradox! Wir haben doch alle im Biologieunterricht gelernt, dass CO2 ein Abfallprodukt ist, das mit dem Ausatmen aus dem Körper befördert werden soll? Wir brauchen also nicht mehr Sauerstoff im Blut, sondern mehr CO2?

Damit die Zellen besser mit Sauerstoff versorgt werden können, ist genügend CO2 notwendig! Durch Hyperventilation atmen wir ständig das CO2 aus, dieses ist jedoch notwendig, um den Sauerstoff aus dem Blut in die Zellen zu befördern. Der physiologische Sauerstoffgehalt im Blut liegt zwischen 95 und 99 % der maximalen Sättigungskapazität. Das reicht, laut McKeown absolut aus (bereits 80 % reichen aus!), um die Zellen optimal zu versorgen.

Wir müssen also nicht noch mehr Sauerstoff einatmen, um die zelluläre Versorgung zu gewährleisten, sondern wir dürfen nicht zu viel CO2 ausatmen, da dieses den Sauerstoff ins Innere der Zellen befördert!

Von Hypoxie und Hyperkapnie erfuhr ich zum ersten Mal in dem ebenfalls sehr empfehlenswerten Buch „Befreite Atmung von Christian Dittrich-Opitz. Christian bezieht sich darin auf eine Atemmethode, die er „Befreite Atmung“ nennt und die, wie auch die Atemreduktionsübungen von Patrick McKeown, auf der „Buteyko-Methode“ basieren.

Auch die tibetische Tummo-Atmung und die daraus abgeleiteten Atemtechniken der Wim-Hof-Methode gehen in eine ähnliche Richtung. Deshalb war mir direkt klar, dass ich die Atemreduktionsübungen nach McKeown unbedingt ausprobieren musste!

Übungen zur Atemreduktion

Patrick McKeown bietet praktische Übungen zur gezielten Atemreduktion an, mit denen der Körper die Sensitivität der CO2-Atemrezeptoren wieder in den natürlichen Bereich reguliert. Ähnlich, wie intermittierendes Fasten den verschobenen Stoffwechsel-Set-Point reguliert, führt gezielte Atemreduktion zu einer Regulierung des CO2-Setpoints.

Die falsch eingestellten CO2-Rezeptoren lösen den Atemreflex nämlich viel zu früh aus, sagt Patrick McKeown. Schon ab einem viel zu niedrigen CO2-Gehalt setzt der automatische Atemreflex ein, was zur Folge hat, dass einerseits zu wenig Sauerstoff in die Zellen gelangt und andererseits das wenige CO2, das wir zur Verfügung haben auch noch abgeatmet wird.

Durch zu häufiges und zu tiefes Atmen, aufgrund falsch eingestellter Rezeptoren, haben wir durchgehend zu wenig CO2 im Blut und in der Lunge! Deshalb verengen sich die Blutgefäße, der Blutdruck steigt und die roten Blutkörperchen sind nicht in der Lage, genügend Sauerstoff in die Zellen zu befördern.

Wenn wir uns trainieren, dem Atemreflex nicht zu früh nachzugeben, steigt der CO2-Gehalt an und das führt zur besseren Sauerstoffversorgung der Zellen. Der Körper kann sich regenerieren und der CO2-Setpoint korrigiert sich wieder.

Indem wir genügend Sauerstoff zur Verfügung haben, schwindet die chronische Luftnot, die uns zum Hyperventilieren zwingt. Das hat zur Folge, dass wir in Ruhe und während körperlicher Belastung weniger oft und weniger tief atmen müssen. Zu häufiges Atmen aktiviert den Sympathikus und bedeutet „Dauerstress“ für Körper, Geist und Seele.

voltamax / Pixabay

Durch die Nase atmen!

Die wichtigste Übung ist, durchgehend durch die Nase zu atmen. Während normaler Alltagsaktivitäten geht das ja noch, aber beim Training wird es schon anspruchsvoller. Patrick McKeown empfiehlt, die Nasenatmung langsam zu integrieren und sich nicht zu überfordern. Zuerst beginnt man beim zügigen Gehen damit, dann beim Joggen und schließlich auch bei hochintensivem Training.

Dann kommt gezieltes Atemanhalten hinzu und zwar im ausgeatmeten Zustand. Das ist das gleiche Prinzip wie bei der Tummo-Atmung und der Wim-Hof-Methode. Unterschiedlich ist jedoch, dass man bei der Methode von Patrick McKeown vorher NICHT hyperventiliert. Genau davon wollen wir uns ja weg bewegen!

Deshalb atmet man ganz normal, hält dann die Luft nach dem Ausatmen an und schaut, ab wann der erste Einatemreflex sich zeigt. Das kann ein „Zucken“ oder Ziehen des Zwerchfells in der Bauchregion sein, aber auch ein Engegefühl in der Kehle. Die Zeitspanne, in der wir entspannt im ausgeatmeten Zustand verharren können, bestimmt unseren BOLT-Wert.

Der „Body-Oxygen-Level-Test“ (=BOLT)

Der „Body-Oxygen-Level-Test“ (=BOLT) ist ein sehr nützliches Hilfsmittel, mit dem man ziemlich genau ermitteln kann, ob der Körper gut mit Sauerstoff versorgt wird und wie optimal unser gewohntes Atemzugvolumen ist. Er gibt uns ein recht exaktes Feedback zu unserem CO2max, der maximale Sauerstoffaufnahme und -verwertungskapazität.

Je kürzer der BOLT in Ruhe ausfällt desto weniger werden unsere Zellen mit Sauerstoff versorgt!

Laut Patrick McKeown ist ein BOLT von weniger als 10 Sekunden extrem pathologisch und unter 20 Sekunden immer noch ein Indikator für eine sehr schlechte Sauerstoffversorgung. Erstrebenswert sei ein BOLT von mindestens 40 Sekunden!

Ich hatte beim ersten Mal Probleme auf 10 Sekunden zu kommen! Und das, obwohl ich schon eine Weile Tummo-Training absolviere.

Der entscheidende Punkt ist, hier vorher NICHT zu hyperventilieren und den Atem NICHT so lange, wie möglich anzuhalten. Der BOLT hat nichts mit Willenskraft zu tun! Es geht darum, zu schauen, ab wann der natürliche Einatemreflex einsetzt und nicht, wie lange man mit hoher Willenskraft und Disziplin die Luft anhalten kann!

Das Ziel der Übungsprogramme von Patrick McKeown ist, einen BOLT von mindestens 40 Sekunden zu entwickeln! Das kann ein halbes Jahr oder länger dauern, aber der Weg dorthin ist, laut Patrick McKeown, mit sensationellen Erfolgserlebnissen gepflastert!

Die Leistungsfähigkeit soll sprunghaft und radikal ansteigen. Immer weniger Anstrengung und Erschöpfung stellen sich auch bei hochintensivem Training ein. Zugleich sollen Regeneration, Aufbau und Heilung begünstigt werden.

Für wen ist dieses Buch interessant?

Meiner Meinung nach: Für jeden! Wir hyperventilieren vermutlich alle und bei manchen führt dies zu Blutdruck, Atemnot in Ruhe und Belastung, Dauerstress, Energiemangel und Antriebslosigkeit.

Asthma ist chronisches Hyperventilieren in einer extremen Form und ein Großteil von Patrick McKeowns Klienten sind Menschen mit Asthma. Besonders Kinder, die an schwerem Asthma erkrankt sind, gehören zum Klientel des irischen Atemexperten, der früher selbst sehr kurzatmig war. Seit 2002 hat Patrick McKeown mehrere Tausend Erwachsene und Kinder durch seine Atemreduktionsübungen von Asthma geheilt.

Eine weitere, sehr große Interessentengruppe sind Sportler. Profisportler, Hobbysportler, Ausdauersportler. Letztendlich sind alle Arten von Sport und körperlicher Betätigung abhängig von der Sauerstoffversorgung. Dementsprechend steigert sich die Leistungsfähigkeit, wie auch die Regenerationsfähigkeit, wenn die Sauerstoffversorgung optimiert wird.

Die Atemreduktionsübungen von Patrick McKeown simulieren z. B. ein Höhentraining und ermöglichen auch bei Trainingspausen eine Steigerung der Fitness. Sogar bei Krankheit und Bettlägerigkeit lässt sich dadurch eine Steigerung der Kondition erzielen. Patrick McKeown hat die Erfahrung gemacht, dass selbst Hochleistungssportler beim Training mit weniger Aufwand mehr erreichen!

Schneller Gewichtsverlust ohne Diät!

Auch das ist ein Nebeneffekt der Atemreduktionsübungen: Die Regulation der CO2-Rezeptoren führt laut Patrick McKeown auch zu einer Regulation des Appetits! Die meisten Personen, die mit den Atemreduktionsübungen beginnen, nehmen „ganz nebenbei“ in den ersten zwei Wochen 1 – 3 Kilogramm ab. Wenn das mal keine zusätzliche Motivation ist!

Für mich ist das dieses Buch ein Meilenstein und wer sich für Gesundheit, Fitness und eine allgemein hohe Lebensqualität interessiert oder wer unter Kurzatmigkeit, Asthma, chronischer Erschöpfung und chronischem Stress leidet, wer nachts schnarcht und wem beim Treppen steigen schnell die Puste ausgeht, wird hier einen wichtigen Schlüssel zur Selbsthilfe finden!

Mehr Infos und Bestellmöglichkeit z. B. bei unserem Partner buch7, dem Online-Buchhandel mit der sozialen Seite>>

Jens Sprengel

Jens Sprengel

Jens ist Gründer und Betreiber von inspiriert-sein.de und schreibt zu den Themen Beweglichkeit & Körpertraining, Selbstheilungskräfte aktivieren & Gesundheitsoptimierung u.v.m.

Jens ist staatlich anerkannter Heilpraktiker, Cransio-Sacral-Therapeut, Personaltrainer, Verleger und Autor
Jens Sprengel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Dieses Formular speichert Ihre Email Adresse sowie den Inhalt, damit wir die Kommentare auf unsere Seite auswerten können. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen. Mit Absenden des Kommentares erklären Sie sich mit den darin beschriebenen Bedingungen einverstanden.