Buchbesprechung: Die Schlankformel von Dr. Jason Fung – Teil 1

Wieso Diäten scheitern und was wirklich beim Abnehmen hilft

Diäten und Sport funktionieren nicht, weil sie den Stoffwechsel verlangsamen und das eigentliche Problem außer acht lassen.

Übergewicht entsteht in erster Linie nicht durch zu viele Kalorien, sondern durch ein hormonelles Ungleichgewicht, bei dem Insulin eine tragende Rolle spielt.

Chronisch erhöhte Insulinspiegel verhindern die Gewichtsabnahme und sorgen dafür, dass der Körper sein Gewicht immer weiter nach oben reguliert. Ein Teufelskreis.

Kalorienreduktion allein hilft hier nicht weiter. Was wirklich hilft, sind zyklische Auszeiten vom Essen, wie sie beim intermittierenden Fasten vorkommen. Zusammen mit einer kohlenhydratarmen Ernährung mit vielen gesunden Fetten und einer moderaten Menge an Eiweiß ist intermittierendes Fasten der Schlüssel zum Erfolg – so die Grundaussage von Dr. Jason Fung.

In seinem Buch „Die Schlankformel“ nimmt uns der eigentlich auf Nierenerkrankungen spezialisierte kanadische Arzt mit auf eine spannende Reise durch unseren Körper und zeigt uns, welche Mechanismen dauerhaftes Abnehmen blockieren und wie wir durch Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts aus dem Teufelskreis der ständigen Gewichtszunahme entkommen.

Die Idee hinter diesem Buch oder wieso ein Nierenspezialist zum Abnehm-Experte wird

Dr. Jason Fung ist ein in Toronto praktizierender Arzt, der sich auf die Behandlung von Nierenpatienten spezialisiert hat. Er erkannte, dass vor allem Typ-2-Diabetiker unter Nierenerkrankungen leiden. Im Laufe der Jahre stellte er zwei Thesen auf, die die bisherige Ansicht über die Diabetes-Erkrankung Typ 2 auf den Kopf stellen.

Erstens Diabetes Typ 2 ist keine chronisch fortlaufende und sich zwangsläufig verschlechternde Krankheit, im Gegenteil. In vielen Fällen können Patienten durch die richtigen Veränderungen in der Ernährung wieder völlig unabhängig von Medikamenten werden.

Zweitens ein erhöhter Blutzuckergehalt ist nicht die Ursache, sondern die Folge von Diabetes-Typ 2, die durch Insulinresistenz entsteht. Insulinresistenz wird durch chronisch zu viel Insulin verursacht, so dass eine Krankheit wie Typ-2-Diabetes, deren Ursache ständig zu viel Insulin ist, nicht mit noch mehr Gaben an Insulin behandelt werden sollte.

Dr. Fung betont, wie wichtig es ist, nicht länger die Folge (erhöhter Blutzucker), sondern endlich die Ursache (Insulinresistenz) der Erkrankung zu behandeln. Er setzt auf eine Reduktion von Kohlenhydraten kombiniert mit einer bestimmten Form des Fastens: intermittierendes Fasten.

Den Impuls zu diesem revolutionären Ansatz bei der Behandlung von Typ-2-Diabeterikern lieferten ihm Studien. Anfang 2000 stieß Fung auf immer mehr Forschungen, die zeigten, dass fettleibige Menschen durch eine kohlenhydratarme, dafür fettreiche Ernährung nicht nur ihr Gewicht reduzieren, sondern auch viele ihrer Symptome, die durch eine Insulinresistenz ausgelöst werden, bekämpfen konnten.

Das war genau das Gegenteil dessen, was Fung im Laufe seines Studiums zum Arzt über die Zusammensetzung einer gesunden Ernährung gelernt hatte. Doch anders als viele einer Kollegen ließ er sich davon nicht abschrecken, sondern war derart fasziniert von diesen Ergebnissen, dass er diesen Studien auf den Grund ging.

Dabei entwickelte sich sein Wunsch, Menschen, die unter Übergewicht litten, zu helfen. Denn auch Fettleibigkeit ist eine Folge von Insulinresistenz, die mit der richtigen Ernährung ganz einfach behoben werden kann.

Fettleibigkeit als Epidemie trotz fettarmer Ernährung mit wenig Kalorien

Als fettleibig gilt, wer einen Body-Maß-Index von über 30 hat (BMI wird ermittelt durch die Formel Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern hoch zwei). Seit mehr als drei Jahrzehnten empfehlen Ärzte, Fettleibigkeit durch eine fettarme und kalorienreduzierte Ernährung zu bekämpfen. Und dennoch leiden immer mehr Menschen unter Übergewicht!

Fung merkt an, dass sich allein in Kanada die Zahl der stark Übergewichtigen von 1985 bis 2011 verdreifacht hat. Fast jeder 5. Kanadier hat einen BMI von über 30! In anderen westlich orientierten Ländern sieht es ähnlich aus.

Positive Kalorienbilanz als unmittelbare, aber nicht eigentliche Folge von Fettleibigkeit

Ist Alkoholkonsum die Ursache für Alkoholismus oder vielmehr seine Folge? Ohne einen zu Suchtverhalten tendierenden Persönlichkeitstyp und familiäre oder berufliche Belastungen gäbe es keinen Alkoholismus. Fung zeigt, dass wir zwischen unmittelbarer und eigentlicher Ursache unterscheiden müssen. Während die unmittelbare Ursache der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt, hat die eigentliche Ursache die Ereigniskette überhaupt erst in Gang gesetzt.

Wenn es im Raum zu warm ist, können wir die Fenster öffnen und damit damit die unmittelbare Ursache beheben, doch wenn der Grund in einer zu hoch eingestellten Heizung liegt, kann das eigentliche Problem nur durch das Herunterdrehen der Heizung angegangen werden. So ist es auch mit Übergewicht.

Eine positive Kalorienbilanz (also mehr Kalorien aufnehmen als verbrennen) kann zu Übergewicht führen, aber sie ist nur die unmittelbare und nicht die eigentliche Ursache. Daher wird die Bekämpfung der unmittelbaren Ursache (in diesem Fall Kalorienreduktion und/oder mehr Sport) nicht dauerhaft zur Lösung des Problems führen.

Viel mehr noch: Kalorien einzusparen oder mehr davon zu verbrauchen, ist für die Lösung (also erfolgreiches Abnehmen) nicht einmal nötig!

Indem die Ursache von Übergewicht als Folge einer positiven Kalorienbilanz nicht mehr in Frage gestellt wird, sondern als allgemein hin gültige Wahrheit akzeptiert wird, wird Übergewicht als Folge Charakterschwäche bzw. persönlichen Versagens degradiert. Denn schließlich ist es die bewusste Entscheidung des Einzelnen, ob er lieber Chips statt Brokkoli isst, oder ob er lieber auf der Couch liegt, statt einer Runde Sport zu treiben.

Irgendwo glauben wir doch alle, dass Übergewicht entsteht durch Völlerei und Trägheit als Folge persönlichen Versagens. Die Dicken sind also selbst Schuld! Mit diesem Vorurteil räumt Fung im Folgenden gründlich auf.

Denn Körperfett ist eben nicht: Kalorienzufuhr minus Kalorienverbrauch

Das klingt zwar plausibel, stimmt aber nicht, denn

  1. Kalorienzufuhr und Kalorienverbrauch hängen voneinander ab! (wenn 30 % weniger Kalorienzufuhr, dann sinkt der Kalorienverbrauch auch um 30 %)
  2. Der Grundumsatz bleibt nicht gleich (je nach Kalorienzufuhr und anderen Faktoren kann er um bis zu 50 % steigen oder fallen!)
  3. Wir üben bewusste nicht die Kontrolle über unsere Kalorienzufuhr aus (nein, denn wann und wie viel wir essen, wird vor allem über Hormone geregelt! Und deren Wirkung sind wir ausgeliefert).
  4. Und auch wie viel Fett wir speichern, wird hormonell und nicht von der Nahrungsaufnahme gesteuert. Genau wie alle Faktoren in unserem Körper genau geregelt werden (sprich Körpergröße, Blutzucker, Blutdruck usw.), so wird auch das Wachstum der Fettzellen streng kontrolliert. Fung erklärt, dass das, was wir essen, eben auch unsere Hormone beeinflusst und es eben nicht einfach auf die Kalorienanzahl ankommt. Und
  5. Eine Kalorie ist eben nicht einfach eine Kalorie, denn je nachdem, woher diese Kalorie stammt, setzt sie völlig verschiedene Prozesse in unserem Körper in Gang.

Als Fazit lässt sich festhalten: Übergewicht ist nicht einfach die Folge von zu viel Kalorien, sondern eines hormonellen Ungleichgewichts!

„Fettarme Ernährung ist gesund“ – wie es zu diesem Mythos kam

Kalorienzählen, klärt Fung auf, kam zum ersten Mal Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Buch „Eat Your Way to Health“ auf, das Dr. Robert Hugh Rose als »wissenschaftliches System der Gewichtskontrolle« verfasst hatte. Später folgten weitere Bestseller, die die Theorie der Kalorienbilanz propagierten. Dabei, so Fung, war bereits seit Jahren aus der Beobachtung heraus klar: raffinierte Kohlenhydrate machen dick. Und damit Zucker und Mehlspeisen!

So lange naturbelassene Nahrungsmittel gegessen wurden, auch in Zeiten von Nahrungsüberschuss, war Fettleibigkeit nahezu unbekannt. Die erste große Zunahme von Übergewicht fand erst im 19. Jahrhundert statt, parallel mit der Einführung von weißem Mehl und mehr Zucker! John Yudkin, der Autor des Bestsellers „Pur – Weiß – Tödlich“, war einer der ersten, der Zucker als Übeltäter sah!

In den 50ern stieg die Anzahl Herzkreislauftoter durch Herzinfarkt in den USA massiv an. Es brauchte einen Übeltäter. Der war schnell gefunden: Nahrungsfette hieß ab sofort das Schimpfwort! Diese bösen Nahrungsbestandteile sollten Schuld an der Verklebung der Blutgefäße sein und wurden ab sofort verteufelt. Der Startschuss für die fettarme Ernährung war gefallen. Das hatte zur Folge, dass die Bevölkerung immer mehr Kohlenhydrate aß und weniger fettreiche tierische Nahrungsmittel.

Bis zu diesem Zeitpunkt galten Kohlenhydrate als Dickmacher, aber ein Teil der Wissenschaft beschloss, dass dem doch nicht so sei. Seither waltet unter den Forschern ein heftiger Streit darüber, ob Fett oder Kohlenhydrate ungesund sind. Unter George McGovern, dem Vorsitzenden des

United States Senate Select Committee on Nutrition and Human Needs, kam ein Tribunal dann zu dem offiziellen Ergebnis, dass Fett künftig der Schuldige sein sollte. Fett verursachte dieser Ansicht nach nicht nur Herzerkrankungen, sondern aufgrund seiner hohen Kaloriendichte auch Fettleibigkeit.

Seither bilden Kohlenhydrate aus Kartoffeln, Nudeln und Brot die Basis von Lebensmittelpyramiden!

In der Broschüre der American Heart Association (AHA) von 1995 unter dem Titel „The American Heart Association Diet: An Eating Plan for Healthy Americans“ (ein Essensplan für gesunde Amerikaner) gab es folgende Empfehlungen: täglicher Verzehr von sechs oder mehr Portionen »Brot, Getreideflocken, Nudeln und stärkehaltigem Gemüse, die fett- und cholesterinarm sind«. Zum Trinken wurden »Fruchtpunsch und kohlensäurehaltige Limonaden« empfohlen.

Diese Empfehlungen hatten zur Folge, dass der durchschnittliche Fettanteil von 45 auf 35 Prozent der Tageszufuhr sank. Die Amerikaner aßen 38 Prozent weniger Butter und 13 Prozent weniger tierisches Eiweiß, während der Verzehr von Getreide und Zucker anstieg.

Selbst im Jahr 2000 warnte die American Heart Association noch vor dem gefährlichen Trend der Low Carb Ernährung, obwohl Abwandlungen dieser Ernährungsform seit 1863 fast durchgehend im Einsatz waren und das mit großem Erfolg, so Fung.

Dass eine fettarme Ernährung gesund ist und Fette böse sind, hat sich tief in unser Gehirn gebrannt.

Übergewicht stieg trotz Einhaltung der fettarmen Ernährungsregeln

Trotz der Reduktion der Nahrungsfette nahm die Anzahl an Herzerkrankungen nicht ab. Allerdings litten immer mehr Menschen an Fettleibigkeit. Fung zeigt, dass bis 1977 konstant circa 10 % der Bevölkerung übergewichtig waren, während es dann einen rasanten Anstieg von auf knapp 40 % bis 2008 gab. Die rasante Zunahme der Fettleibigkeit setzte also parallel zu den neuen offiziellen Empfehlungen für eine fettarme Ernährung ein.

Sind die Gene Schuld?

Kritiker dieser Tatsachen wollen den Genen dann gerne den schwarzen Peter in die Schuhe schieben. Und es stimmt tatsächlich, es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Genetik. Dicke Eltern haben oft dicke Kinder und dicke Kinder haben ein um 200 bis 400 Prozent höheres Risiko, auch als Erwachsene fettleibig zu sein und dann wiederum zu dicken Eltern zu werden.

Diese Fakten lassen sich nicht leugnen, doch ist das nun ein genetisches oder ein anerzogenes Problem? Gibt es immer mehr Dicke, weil sich unsere Gewohnheiten verändert haben? Weil wir deutlich mehr essen als noch vor ein paar Generationen und uns weniger bewegen und unsere Kinder unser Verhalten imitieren? Oder sind es doch die Gene, die darüber entscheiden, ob wir ein schlankes oder dickes Leben führen?

Wie hoch der tatsächliche Einfluss genetischer Merkmale ist, lässt sich am besten anhand von Adoptivfamilien untersuchen, bei denen der Einfluss der Gene ausgeschlossen ist. Dabei ergibt sich folgendes Bild: Die Leibesfülle von Adoptiveltern hat keinen Einfluss auf das Körpergewicht des Kindes. Wohingegen eine enge Korrelation zu dem Gewicht der leiblichen Eltern bestand. Untersuchungen an Zwillingen, die in unterschiedlichen Familien aufwuchsen, ergab, dass etwa 70 Prozent der Varianz bei Fettleibigkeit familiär bedingt ist. 70 Prozent!

Fettleibigkeit ist damit eindeutig erblich bedingt. Fung betont aber auch, dass Vererbung nicht der einzige Faktor sein kann, der zur epidemieartigen Verbreitung der Fettleibigkeit geführt hat. Denn der Anteil an Übergewichtigen war über die Jahrzehnte bis 1977 relativ stabil. Während sich ein Großteil der Fettleibigkeitsepidemie im Laufe einer einzigen Generation vollzog. Eine so schnelle Veränderung der Gene ist ausgeschlossen. Doch wie kann dieser scheinbare Widerspruch aufgelöst werden?

Übergewicht als evolutionsbedingte Folge?

Die Thrifty-Gene-Hypothese war die erste Theorie, die den Genen die Schuld am Übergewichtsproblem zuschreiben wollte und in den 1970er Jahren großen Zuspruch fand. Sie besagte, dass der Mensch evolutionsbedingt zur Gewichtszunahme neige. Die Eigenschaft zuzunehmen wurde als ein Überlebensmechanismus bezeichnet.

Allerdings, so merkt Fung kritisch an, steigert Übergewicht nicht gerade die Überlebenschancen. Wer zu viel wiegt, der bewegt sich langsamer, ist weniger agil und hat damit schlechtere Chancen zu überleben als ein schlanker Artgenosse. Ab einer gewissen Grenze bietet Körperfett also keinen weiteren Überlebensvorteil mehr, sondern könnte sich auch nachteilig auswirken. Unter Wildtieren ist Übergewicht nicht existent. Der Mensch soll die einzige Ausnahme dieser Regel und zu Übergewicht verdammt sein?

Die Thrifty-Gene-Hypothese klärt den Anstieg Übergewichtiger damit, dass vorher die allgemein vorherrschende Nahrungsknappheit die Fettleibigkeit verhindert habe. Doch ein Blick zu traditionell lebenden Völkern, die das ganze Jahr über reichlich zu essen hatten (wie z. B. die Tokelau, ein Volk im Südpazifik, das sich von Kokosnüssen, Brotfrüchten und Fisch ernährte), zeigt, dass diese durchgehend schlank waren, bis auch bei ihnen die westlichen Ernährungsgepflogenheiten einzogen.

Außerdem weist Fung darauf hin, dass es in Nordamerika seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 zu keiner großen Hungersnot mehr gekommen sei. Zu dem Anstieg von Menschen mit einem BMI über 30 kam es trotzdem erst in den 1970er-Jahren. In der Natur führt Nahrungsüberschuss zudem nicht zu Übergewicht, sondern zu mehr Nachwuchs.

Fung erklärt, dass die Ursache für Fettleibigkeit durch ein hormonelles Ungleichgewicht hervorgerufen wird, bei dem ein hoher Insulinspiegel im Blut das zentrale Merkmal ist. Ein Baby wird im Mutterleib durch das Milieu im Körper der Mutter entscheidend beeinflusst. Bereits als Embryo werden damit die Weichen für hohe Insulinwerte und damit das erhöhte Risiko, dick zu werden, gestellt.

Die Setpoint-Theorie: Warum Sport und Diäten nicht funktionieren

Ausführlich und plausibel, oft an Studien belegt, zeigt der Abnehm-Experte auf, wieso die Formel Körperfett = Kalorienzufuhr – Kalorienverbrauch nicht aufgeht und wieso Sport beim dauerhaften Abnehmen nicht entscheidend ist. Laut Fung reguliert der Körper seinen Grundumsatz entsprechend den äußeren Anforderungen. Er erhöht seinen Stoffwechsel und die Anzahl an Kalorien, die der Körper im Ruhezustand verbraucht.

Über- bzw. Unterernährung führen zwar zu kurzfristigen Veränderungen im Gewicht, doch der Körper greift regulierend dazwischen, in dem er seinen Grundbedarf anpasst. Das gleiche gilt für körperliche Bewegung. Je aktiver wir sind, desto mehr Hunger haben wir und desto geringer wird der Grundumsatz.

Sport und Diäten sind laut Fung daher nicht geeignet, um das Körpergewicht dauerhaft nach oben oder unten zu verschieben. Das wird als sogenannte Setpoint-Theorie zusammengefasst, laut der der Körper bestrebt ist, ein bestimmtes Gewicht zu halten, unabhängig der äußeren Einflüsse.

Entgegen der weitläufigen Meinung haben Dicke keinen trägen Stoffwechsel. Im Gegenteil. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass stark übergewichtige Menschen einen um ca. 30 % erhöhten Grundumsatz hatten im Vergleich zu schlanken Personen. Der Grundumsatz der übergewichtigen Probanden lag bei 3244, der der schlanken Teilnehmer bei 2404 Kalorien. Das zeigt, dass ein dicker Körper versucht ist, mehr Kalorien zu verbrennen, um nicht weiter zu zunehmen.

Der Körper verteidigt seinen Setpoint also mit allen Kräften, die ihm zur Verfügung stehen. Fällt unser Gewicht unter den Sollwert, bekommen wir mehr Hunger und unser Stoffwechsel verlangsamt sich. Steigt unser Gewicht über den Sollwert, lässt der Appetit nach, unser Drang nach Bewegung steigt und unser Stoffwechsel beschleunigt sich.

Gesteuert wird dieser Setpoint durch den Hypothalamus, einen Bereich in unserem Gehirn. Normalerweise ist es so, dass Fettgewebe ein Hormon namens Leptin ausschüttet, wodurch unserem Gehirn signalisiert wird, dass unsere Fettspeicher voll sind und wir nicht weiter zu essen brauchen. Daraufhin veranlasst das Gehirn die Ausschüttung von entsprechenden Botenstoffen, die uns ein Sättigungsgefühl vermitteln und den Appetit senken. Das Problem bei übergewichtigen Menschen ist: Der Setpoint ist zu hoch eingestellt und der Grund dafür ist eine hormonelle Fehlregulierung der Fettmasse.

Welches Hormon ist der Bösewicht?

Als Forscher vor einigen Jahren entdeckten, dass Leptin eine zentrale Rolle für die Regulierung des Körperfetts spielt, hoffte man darauf, die Lösung gegen Übergewicht gefunden zu haben. Leptin wird vom Fettgewebe ausgeschüttet und signalisiert dem Gehirn, wie gut seine Speicher gefüllt sind. Man vermutete, dass Dicke einfach zu wenig Leptin produzieren und durch die externe Gabe zurück zum Normalgewicht finden würden.

Doch es stellte sich heraus, dass Übergewichtige nicht zu wenig Leptin produzierten, sondern so viel, dass die Rezeptoren im Gehirn, an denen das Leptin andocken muss, damit es seine Botschaft übermitteln kann, abgestumpft waren. Fettleibige leiden an Leptinresistenz aufgrund von zu viel Leptin. Eine Verabreichung von noch mehr Leptin war also nicht die Lösung.

Auch Ghrelin, ein Hormon, das zusammen mit den Hormonen Peptid YY und Cholecystokinin, die Sättigung reguliert, scheint sich ebenfalls nicht auf den Setpoint des Körpers auszuwirken. Ein anderes Hormon musste verantwortlich sein: das Insulin!

Insulin reguliert den Setpoint und damit unser Körpergewicht

Insulin wird immer dann ausgeschüttet, wenn wir etwas essen. Es sorgt dafür, dass die Nährstoffe aus dem Blut in die Zellen gelangen. Insbesondere für den Transport von Glukose aus dem Blut in die Zellen ist es wichtig, um zu hohe und damit lebensbedrohliche Blutzuckerspiegel zu vermeiden. Gleichzeitig blockiert Insulin die Fettverbrennung. Schlimmer noch, so lange der Insulinspiegel erhöht ist, so lange werden Überschüsse aus der Nahrung in Fett umgewandelt und im Körper eingespeichert.

Insulin ist ein Speicherhormon mit anaboler Wirkung. Erst, wenn der Insulinspiegel sinkt, ist die Gewinnung von Energie aus unseren Speichern möglich. Das geschieht natürlicherweise in der Nacht, wenn wir schlafen und über mehrere Stunden nichts essen.

Normalerweise reguliert sich dieses System von allein. Wenn wir essen, steigt Insulin und wir speichern Energie in Form von Glykogen und Fett. Wenn wir fasten, sinkt das Insulin und wir greifen auf unsere gespeicherte Energie zurück. Solange sich Essen und Fasten die Waage halten, ist alles in Ordnung.

Wenn wir z. B. von morgens acht bis abends acht essen, befinden wir uns 12 Stunden im Speichermodus und 12 Stunden im Fastenmodus, womit ein Gleichgewicht gegeben wäre. Die Realität sieht heute jedoch anders aus.

Wieso ist es so schwer, überflüssiges Fett zu verbrennen?

Glykogen (die gespeicherte Form von Glukose in unserem Körper) ist wie das Bargeld in unserem Portemonnaie. Es ist ständig griffbereit, fasst aber nur eine begrenzte Menge. Große Mengen Geld lagern wir lieber auf unserem Bankkonto.

Unser Körperfett ist eher so wie das Geld auf unserem Bankkonto. Es ist schwerer zugänglich, kann aber in nahezu unbegrenzten Mengen dort gelagert werden. So ist das auch in unserem Körper. Zuerst werden die Glykogenvorräte aufgebraucht, bevor es an die Fettdepots geht, einfach weil Glukose leichter zugänglich ist.

Für die Fettverbrennung müssten wir also einfach dann, wenn das Geld im Portemonnaie weniger wird, mit den Reserven auf der Bank auffüllen. Aber mit einem leeren Portemonnaie fühlen wir uns unwohl. Und bevor es leer wird, sorgen wir dafür, dass es wieder gefüllt wird, noch bevor wir zur Bank gehen.

Im Klartext ausgedrückt: Es ist gar nicht so einfach, die Fettverbrennung in Gang zu setzen, denn sobald unsere Glykogenvorräte zur Neige gehen, reagiert unser Körper mit Hunger!

Wenn wir dann etwas essen, werden die Vorräte wieder aufgefüllt und der Zugriff aufs Körperfett ist nicht mehr nötig. Wenn wir das ständig tun, ist der Zugang zum Fettgewebe dauerhaft versperrt und statt unsere Reserven regelmäßig zu leeren, kommen immer mehr neue hinzu. Dieses neue Fett, das so entsteht, kann an verschiedenen Stellen im Körper eingelagert werden. Insulin spielt hierbei die Schlüsselrolle.

Wenn der Insulinspiegel hoch ist, befiehlt der Hypothalamus im Gehirn dem Körper, größere Fettdepots anzulegen, um den erwünschten Sollwert zu erreichen. Die aufgenommenen Kalorien werden dann genutzt, um die Fettdepots zu vergrößern, und nicht für die Energiegewinnung. Schlimmer noch, der Zugriff auf die Fettreserven ist durch das viele Insulin versperrt. Unser Körper kommt nicht an die vielen Tausenden von Kalorien, die dort eingelagert sind, heran.

Dadurch gerät der Körper in eine Mangelsituation. Denn er benötigt ständig neue Energie für die Durchführung seiner Aufgaben. Deshalb werden Hormone produziert, die unseren Appetit steigern und die Sättigungssignale außer Kraft setzen. Diesem Essensdrang zu widerstehen ist schwierig. Und selbst, wenn uns das gelingt, wird der Körper seinen Stoffwechsel einfach anpassen. Es kommt zu wenig Energienachschub in Form von Nahrung? Na, dann wird ganz einfach der Grundumsatz gesenkt. So einfach ist das.

Für Fung ist daher klar: Eine höhere Kalorienzufuhr und ein geringerer Kalorienverbrauch (mehr essen und weniger bewegen) verursachen keine Fettleibigkeit, sondern sind vielmehr dessen Folge. Mehr zu essen macht uns nicht dick. Dickwerden bringt uns vielmehr dazu, mehr zu essen!

Damit entlastet Fung alle Übergewichtigen, denn zu viel zu essen ist damit keine persönliche Entscheidung, sondern ein hormonell gesteuertes Verhalten und damit eine natürliche Konsequenz aus einer verstärkten Ausschüttung von Hungerhormonen. Die Frage ist nur, warum haben wir ständig Hunger und warum ist unser Setpoint so hoch?

Zwischenfazit: Diäten scheitern!

Diäten funktionieren also nur zu Beginn, wenn wir weniger Kalorien aufnehmen als wir verbrauchen. Aber weil unsere Insulinspiegel durch ständiges Essen weiterhin dauerhaft erhöht sind, bleibt der Zugang zum Körperfett als Energiereserve versperrt. Der Körper gerät in eine Mangelsituation, auf die er umgehend reagiert, indem er den Stoffwechsel herunter fährt und den Appetit verstärkt.

Das ist der Grund, wieso man beim Abnehmen friert, wenig Antrieb hat, ständig ans Essen denken muss und es nach der Diät so schwer fällt, das verlorene Gewicht zu halten. Denn der Grundumsatz bleibt auch noch einige Zeit nach der Diät erniedrigt. Wir müssen dann tatsächlich weniger essen als zuvor, um nicht mehr zuzunehmen!

In Teil 2 erfahren Sie, was wirklich hilft, um dauerhaft abzunehmen>>

 

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Marion Selzer

Marion Selzer

Marion beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema gesunder Lebensweise, insbesondere mit der Frage, wie sich die persönliche Ernährung optimieren lässt. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es sein kann, einen gesünderen Lebensstil zu praktizieren.

Mit ihren Artikeln möchte sie Mut machen, dass Veränderungen von Gewohnheiten möglich sind und sich lohnen.

Marion ist Dipl. Juristin, Mediatorin, Ernährungs- und Diätberaterin, psychologische Beraterin und Autorin
Marion Selzer

1 Kommentar zu “Buchbesprechung: Die Schlankformel von Dr. Jason Fung – Teil 1

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