bewegungsmangel-eine-unterschaetzte-gefahr-fuer-unsere-gesundheitWas überhöhte Blutfettwerte, Blutzucker- werte und Bluthochdruck mit zu wenig Bewegung zu tun haben

Wer rastet, der rostet. Das wissen wir wohl alle. Dennoch bewegen wir uns immer weniger. Während unsere Groß- und Urgroßeltern noch mehrere Kilometer täglich zu Fuß zurückgelegten und sich in ihrem gesamten Alltag viel bewegten, werden wir heute immer fauler.

Statt der Treppe wählen wir lieber die Rolltreppe oder den Aufzug. Wir parken bevorzugt in der ersten Parkplatzreihe vor dem Supermarkt und regen uns darüber auf, wenn wir mal 150 Meter bis zum Ziel zu Fuß zurücklegen müssen.

Der deutsche Bundesbürger kommt im Schnitt nur noch auf eine tägliche Schrittzahl von 1000 –2000 Schritte. Wer den ganzen Tag über im Büro sitzt, das Auto als Fortbewegungsmittel nutzt und keine zusätzliche körperliche Aktivität in seinen Alltag integriert, kommt gerade mal auf 500 – 700 Schritte täglich. Das ist eindeutig zu wenig und hat gravierende Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Wir werden immer kränker

Jeder 13. Deutsche leidet nach Schätzungen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung an Diabetes. Hinzu kommen steigende Blutfettwerte, von denen immer mehr Menschen betroffen sind. Überhöhte Blutfettwerte und erhöhte Blutzuckerwerte tun zwar nicht weh, sind jedoch wesentliche Risikofaktoren für Bluthochdruck, Arteriosklerose (Ablagerungen in den Blutgefäßen) bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall, Übergewicht und verschiedene Krebserkrankungen.

Kein Wunder also, dass Krebs, Herzkranzgefäßproblemen und Schlaganfall mittlerweile zu den drei häufigsten Todesursachen in den sogenannten Industrieländern zählen. Doch was hat die fehlende Bewegung nun damit zu tun?

Durch Bewegungsmangel steigt das Risiko für Muskelabbau und Übergewicht

Wenn wir uns zu wenig bewegen und unsere Muskeln nicht beanspruchen, bauen diese ab. Wir verlieren Muskelmasse und benötigen immer weniger Energie. Das heißt, wir müssen immer weniger essen, um nicht zu zunehmen. Das Risiko übergewichtig zu werden steigt. Doch das ist nicht alles.

Wenn sich die Energie in unserem Blut staut: Bewegungsmangel als grundlegende Ursache für Zivilisationserkrankungen

Wenn wir aktives Muskelgewebe haben, geht ein Großteil der Energie, die wir über die Nahrung zu uns nehmen, in die Muskeln und wird dort verbraucht. In erster Linie bekommt unser Körper seine Energie durch Kohlenhydrate und Fette. Eiweiße spielen, außer beim Fasten und in Hungerkuren, für die Energiegewinnung eine untergeordnete Rolle. Während Kohlenhydrate über die Blutbahnen in die Zellen transportiert werden, nehmen Fette die Straße über unsere Lymphe.

Wenn wir Kohlenhydrate essen, werden diese in den Einfachzucker Glukose (Traubenzucker) zerlegt und gelangen über unser Blut zunächst in die Leber. Dort werden die vorhandenen Speicher mit Glukose aufgefüllt, da die Leber die Energie für unser Gehirn speichert. Da diese Speicher jedoch relativ gering ausfallen, bleibt in der Regel immer noch ausreichend Energie für unsere Muskeln übrig.

Wenn wir uns täglich ausreichend bewegen, freuen sich unsere Muskeln über die gelieferte Energie und öffnen bereitwillig ihre Türen. Infolge dessen steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Konsum von Kohlenhydraten kaum bis gar nicht an. Bei ausreichend Bewegung werden Kohlenhydrate also nahezu insulinunabhängig verstoffwechselt.

Wenn wir uns jedoch zu wenig bewegen und die Muskeln keine neue Energie benötigen, verschließen sie ihre Türen für den herankommenden Zucker. Da Zucker im Blut jedoch gefährlich werden kann, versucht der Körper die Muskelzellen zur Zuckeraufnahme zu nötigen. Nicht um ihnen zu schaden, sondern allein, um uns vor schlimmeren Folgen eines dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegels zu bewahren. Dazu wird das Hormon Insulin ausgeschüttet, das sozusagen die Muskelzellen dazu zwingt, sich zu öffnen.

Geschieht es nun täglich, dass wir mehr Energie aufnehmen als unsere Muskeln verbrauchen, bedeutet das großen Stress für unsere Muskelzellen. Denn ständig will noch mehr Energie in die Zellen hinein, obwohl die Speicher bereits maximal gefüllt sind und kein Platz mehr frei ist.

In ihrer Not beginnen die überforderten Muskelzellen umgangssprachlich gesprochen die Schlösser an ihren Türen auszubauen. Das heißt, das Insulin als Türöffner passt einfach nicht mehr und es entsteht das, was Mediziner als Insulinresistenz bezeichnen: Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) bildet zwar noch ausreichend Insulin, aber die Rezeptoren an den Zellen reagieren nicht mehr darauf, sie stumpfen ab. Insulinresistenz gilt als eine Vorstufe von Diabetes Typ II.

Bei Bewegungsmangel steigt der Blutzucker

Nun ist der Körper also gezwungen einen anderen Weg zu finden, den überschüssigen Zucker aus dem Blut abzubauen, weil, wie bereits gesagt, ein zu hoher Blutzuckerspiegel äußerst gefährlich werden kann. Dazu bedient er sich des Fettstoffwechsels. Das heißt, er nötigt die Lymphe nicht nur das mit der Nahrung aufgenommene Fett aufzunehmen, sondern auch den Zucker. Die Energie, die sich also vor den Muskeln staut, weil diese keine Energie mehr aufnehmen können, wird dann in Fett umgewandelt.

Bewegungsmangel macht fett und lässt die Blutfettwerte steigen

Das Tragische an der Sache ist, dass wir so nicht nur dicker werden, sondern dass Zucker, der in Fett umgewandelt wird, sich nicht wie aufgenommenes Fett aus der Nahrung im Unterhautfettgewebe einlagert (das wie der Name verrät, sich direkt unter der Haut befindet, bei Frauen liebend gerne um die Hüften und bei Männern bevorzugt am Bauch), wo es relativ unschädlich sind, sondern im sogenannten Bauchfett. Dieses Fett ist für unsere Augen unsichtbar, denn es verbirgt sich zwischen unseren Bauchorgangen unter unseren Muskeln. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Bauchfett besonders gefährlich ist.

Denn dieses Fett ist anders als das Unterhautfettgewebe aktives Fettgewebe. Das heißt, es werden immer wieder darin enthaltene Fettmoleküle freigesetzt, die so ins Blut gelangen. Nun heißt die Diagnose beim Arzt: erhöhte Blutfettwerte.

Warum sind hohe Blutzuckerwerte und Blutfettwerte so gefährlich?

Wie wir gesehen haben, staut sich der Zucker bei Bewegungsmangel vor den Muskelzellen und muss über den Umweg Fettstoffwechsel abgebaut werden. Dieser Umweg kostet Zeit und der Blutzuckerspiegel steigt. Und auch, wenn zu hohe Blutzuckerwerte jahrelang keine Symptome bereiten, richten sie in unserem Körperinneren allerlei Unheil an. Der Zucker nagt förmlich an unseren Blutgefäßen und verursacht in ihnen kleine Verletzungen, sogenannte Läsionen.

Damit die Blutgefäße nicht reißen, muss der Körper sich nun etwas einfallen lassen, um die Löcher zu verschließen. Da ein überhöhter Blutzuckerspiegel, wie wir gesehen haben, zu erhöhten Blutfetten führt, setzt der Körper zum Schließen der Löcher einfach das überflüssige Fett aus dem Blut ein. So kommt es zu immer mehr Ablagerungen an den Gefäßen, die Mediziner sprechen von Plaques.

Gut zu wissen: Aufgrund dieser Zusammenhänge ist Bewegung gerade auch für Zuckersüchtige ganz besonders wichtig!! Allerdings ist es hier besonders verzwickt, denn gerade der übermäßige Zucker bremst unseren Bewegungsimpuls ziemlich. Allein der Tipp, sich mehr zu bewegen, hilft hier leider nicht viel.

Welche Kräfte hier am Werk sind und was Zuckersüchtigen wirklich hilft, darauf werde ich in einem Extra-Artikel eingehen.

Bewegungsmangel führt zu Bluthochdruck

Und auch, wenn diese Plaques ja erst einmal nur zu unserem Schutz gebildet wurden, können sie gefährlich werden. Denn durch die Ablagerungen verengen sich die Blutgefäße immer mehr und das Herz muss immer stärker arbeiten, um das Blut durch unsere Gefäße zu befördern. Bluthochdruck ist die Folge.

Dieser Zustand belastet langfristig nicht nur das Herz, sondern kann auch dazu führen, dass sich die Ablagerungen lösen, die im schlimmsten Fall dann irgendwo im Gefäß hängenbleiben und die Blutzufuhr hinter dem Verschluss damit verhindern. Passiert das im Herzen, kommt es zu einem Herzinfarkt. Verstopfen die gelösten Plaques ein Blutgefäß im Gehirn kann so ein Schlaganfall ausgelöst werden.

Fazit: Bewegungsmangel als unterschätztes Gesundheitsrisiko

Wie wir also sehen, kann zu wenig Bewegung nicht nur zum Muskelabbau und zu Übergewicht führen, sondern gravierende Folgen für unsere Gesundheit haben. Wer sich zu wenig bewegt, begünstigt die Erhöhung von Blutzucker- und Blutfettwerten und erhöht damit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes bis hin zu Schlaganfall und Herzinfarkt.

Im nächsten Artikel erfahren Sie, warum Sport nicht die Lösung ist und was Sie sonst tun können, um genügend Bewegung in Ihren Alltag zu integrieren.

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