Bessere Trainingserfolge durch Wiederherstellung der KörperbalanceBessere Muskelstimulation durch Optimierung des Bewegungsapparates und Ausgleich der Körperhälften

Damit Körpertraining, insbesondere Krafttraining und Bodybuilding, optimale Ergebnisse liefern können, ist es wichtig, dass unser Körper frei von Blockaden und muskulären Dysbalancen ist.

Der Körper lässt sich wie ein Musikinstrument „stimmen“, damit er seine volle Leistungsfähigkeit entfalten kann. Ein Musikinstrument kann auch nur dann die optimalen Klänge erzeugen, wenn es vorher richtig gestimmt wurde.

Unser Bewegungsapparat kann im Laufe der Zeit und durch ungünstige Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten mit all seinen Gelenken, der Wirbelsäule, den Muskeln und deren versorgenden Nervenbahnen aus der Balance geraten.

Körpertraining jeglicher Art zeigt dann nicht mehr die erwünschte Wirkung.

Mit der Zeit schleichen sich Fehlfunktionen ein

Es dauert seine Zeit bis unser Körper aus der Balance gerät. Das geschieht meistens schleichend, so dass wir es mit unserem Bewusstsein gar nicht richtig mitbekommen. Wir sitzen oft mehrere Stunden täglich im Auto oder am Schreibtisch, führen am Arbeitsplatz immer wieder die gleichen Handgriffe in derselben Körperhaltung durch und treiben dann noch „einseitige“ Sportarten, wie z. B. Tennis, Radsport oder Squash.

Dabei verändert sich unsere gesamte natürliche Bewegungskoordination und Bewegungsführung.

Ungleichmäßige Muskelspannungen entstehen

Einige Muskelgruppen werden häufiger und stärker eingesetzt als andere, was zu einer Veränderung der intermuskulären und intramuskulären Ruhespannung der Skelettmuskeln führt. Da alle Bewegungen und Körperpositionen durch unser zentrales Nervensystem(ZNS) gesteuert werden, kommt es auch hier zu einer ungleichmäßigen Ausprägung der Bewegungssteuerung im motorischen Kortex des Gehirns.

Die peripheren Nervenbahnen, die die koordinativen Signale aus dem ZNS zu den bewegenden und stabilisierenden Muskelgruppen befördern, werden ebenfalls unterschiedlich stark ausgebildet.

Vergleichen wir unsere Nervenbahnen mit einem Straßennetzsystem

Stellen Sie sich vor, Sie wollen von A nach B fahren und haben dazu verschiedene Strecken zur Auswahl. Sie können über Land und durch kleine Ortschaften fahren, was länger dauert, können aber auch eine Schnellstraße oder eine vierspurige Autobahn wählen, die Sie wahrscheinlich am schnellsten zum Ziel bringt.

Die Nervenbahnen unseres peripheren Nervensystem lassen sich sehr gut mit unterschiedlich verkehrsfähigen Straßen vergleichen.

Das ZNS ist der Ort, an dem die Reise beginnt und die bewegende Muskelgruppe ist das Ziel. Dabei werden die Bewegungsimpulse vom ZNS über periphere Nervenbahnen zum Ziel geleitet.

Je öfter wir eine Bewegung ausführen und diese üben oder trainieren, desto mehr wird diese Wegstrecke ausgebaut und desto besser kennen Sie die Fahrstrecke. Der Körper baut dann für diese bestimmte Bewegung eine Schnellstraße oder Autobahn, damit die Informationsübertragung möglichst schnell und effizient ablaufen kann.

Andere Wegstrecken, die für weniger zum Einsatz kommende Bewegungen zuständig sind, werden hingegen nicht ausgebaut, diese könnte man mit kleinen Gassen vergleichen, auf denen man nur schwerlich vorankommt.

Bei den meisten Menschen dominiert eine Körperhälfte

Wir sind entweder sogenannte Rechts- oder Linkshänder und sind damit darauf trainiert die meisten unserer Handlungen entweder mit der rechten oder linken Hand auszuführen. Die rechte bzw. linke Körperhälfte dominiert bei allen Alltagshandlungen und es fällt schwer dieselben alltäglichen Bewegungen mit der anderen Seite auszuführen.

Haben Sie schon einmal versucht sich als Rechtshänder mit der linken bzw. als Linkshänder mit der rechten Hand die Zähne zu putzen? Dann wissen Sie genau, was ich meine.

Die neuronalen Wegstrecken vom ZNS zur rechten bzw. linken Hand sind in diesem Fall viel besser ausgebaut als die Nervenbahnen vom ZNS zur anderen Hand. Wir können dieselben Bewegung mit der geübten Seite nahezu ohne unser Bewusstsein und vollkommen automatisiert ausführen, wohingegen wir auf der ungeübten Seite auch bei höchster Konzentration Probleme haben die gleichen Bewegungsabläufe geschickt zu koordinieren.

Muskuläre und neurologische Dysbalancen

Jeder Mensch neigt zu solchen Einseitigkeiten, da wir alle dazu tendieren eine Körperhälfte mehr einzusetzen als die andere. Das führt dazu, dass die Nervenbahnen vom Gehirn und vom Rückenmark zu den Muskeln der dominanten Körperhälfte stärker ausgebildet sind und die Informationsübertragung schneller und reibungsloser vonstatten geht.

Damit liegt eine neurologische Dysbalance zwischen den Nervenbahnen vom ZNS zu der linken und der rechten Körperhälfte vor. Auf der dominanten Seite nutzen wir Schnellstraßen und mehrspurige Autobahnen, auf der wenig genutzten Seite können wir nur kleine, wenig bekannte Gassen und Landstraßen nutzen, um bei dem Beispiel des Straßennetzes zu bleiben.

Neben der unterschiedlich starken Ausbildung der peripheren Nervenbahnen werden auch alle Muskelgruppen der dominanten Seite stärker ausgebildet. Die Muskelgruppen auf der dominanten Seite werden im Vergleich zur anderen Körperhälfte während unseres gesamten Lebens unverhältnismäßig öfter und intensiver beansprucht und gefordert.

Damit haben wir nun auch noch eine ungleichmäßige Muskelentwicklung zwischen beiden Körperhälften. Es bestehen erhebliche muskuläre Dysbalancen zwischen beiden Körperhälften, die zu einem Kräfte- und Spannungsungleichgewicht in Ruhe und Bewegung führen.

Jede Körperseite wird von der gegenüberliegenden Hirnhälfte gesteuert

Unser Körper funktioniert so, dass die rechte Körperhälfte durch die linke Gehirnhälfte gesteuert wird und umgekehrt. Da wir eine Seite bevorzugt gebrauchen, wird auch die koordinierende, gegenüberliegende Hirnhälfte stärker gefordert und trainiert. Damit haben wir ein Seitenungleichgewicht zwischen beiden Gehirnhälften, zwischen den peripheren Nervenbahnen beider Körperseiten und der paarig angelegten Muskelketten.

Da alle Bewegungen und Körperpositionen von unserem Knochengerüst getragen werden und alle auftretenden Kräfte, sei es „nur“ die Schwerkraft über die Gelenke, weitergeleitet und gelenkt werden, kommt es auch hier im Laufe der Zeit zu vollkommen unterschiedlicher Belastung und Beanspruchung.

Gelenkabnutzungen und Wirbelsäulenschäden könnten zu einem großen Teil vermieden werden, wenn wir nicht so einseitig mit unserem Bewegungsapparat umgehen würden! Meistens werden wir auf solche Sachverhalte erst dann aufmerksam, wenn es schon zu Schädigungen und Schmerzen gekommen ist.

Ungleichmäßige Muskelentwicklung und verringerte Leistungsfähigkeit

Im Sport und beim Körpertraining macht sich diese Einseitigkeit sehr deutlich bemerkbar. Die meisten Athleten könnten viel bessere Leistungen erzeugen und ganz andere Ergebnisse erzielen, bei gleichzeitig minimierter Verletzungsgefahr, wenn der gesamte Körper mehr in Balance wäre.

Auch beim Bodybuilding und beim Kraftsport, wo es jeweils um eine maximale und extreme Entwicklung des Körpers geht, verhindern neuronale und muskuläre Dysbalancen die Entfaltung unseres vollen Potenzials!

Wenn wir in der Lage sind unseren Körper, ähnlich wie ein Musikinstrument wieder richtig zu „stimmen“, können wir sofort viel höhere Leistungen erzielen und eine bessere Muskelentwicklung erreichen.

Erst, wenn alles wieder optimal funktioniert und der ganze Körper wirklich als eine gleichmäßige und zusammenhängende Einheit arbeiten kann, können sämtliche Trainingsmaßnahmen ihre Wirkung erst so richtig entfalten.

Ein befreundeter Physiotherapeut, mit den ich früher bzgl. Bewegung und Körpertraining viel zusammen experimentiert habe, hat in diesem Zusammenhang einmal gesagt, dass auch schon viel weniger Training zu viel besseren Ergebnissen führen kann, wenn alles im Körper wieder richtig funktioniert.

Die meisten Menschen leiden allerdings nicht nur unter Dysbalancen zwischen den beiden Körperseiten, sondern fast jeder weist auch eine ungleichmäßige Entwicklung von Körpervorderseite zur Körperrückseite, zwischen dem Oberkörper und den Beinen, den Bauch- und Rückenmuskeln, den Beugern und Streckern, Innenrotatoren und Außenrotatoren usw. auf.

Zum Glück gibt es gute Möglichkeiten das alles wieder in die natürliche Balance zu bringen!

Effektive Lösungsansätze zur Wiederherstellung des ganzheitlichen Gleichgewichts

In den vergangenen 20 Jahren habe ich viele Methoden intensiv erforscht und kann folgendes empfehlen, um ein verloren Gleichgewicht wieder herzustellen:

1. Braingym zur Harmonisierung beider Gehirnhälften

Braingym ist ein Bereich aus der Edu-Kinesiologie, der sich vornehmlich mit dem Ausgleich und der Harmonisierung der linken und der rechten Gehirnhälfte beschäftigt. Ein zentraler Aspekt ist die sogenannte Überkreuzbewegung, die über die Bewegungen zwischen linkem und rechtem Arm und der synchronen Bewegung des jeweils gegenüberliegenden Beines eine Gleichschaltung der Hirnhälften bewirkt.

Beispiel: Bringen Sie im aufrechten Stand rhythmisch den linken Ellenbogen zum rechten Knie und umgekehrt. Ellenbogen und Knie treffen sich in der Körpermitte vor dem Bauch und berühren sich dort kurz. Die gleiche Bewegung kann man auch in Rückenlage ausführen, dann werden gleichzeitig noch die diagonalen Muskelketten trainiert, insbesondere die Bauchmuskeln erfahren damit eine effektive Stimulation.

Weitere Formen der Über-Kreuz-Bewegung haben wir beim Gehen und Laufen, wenn Arme und Beine frei schwingen und der rechte Fuß synchron mit der linken Hand nach vorne schwingt und umgekehrt.

Auch sehr gut geeignet zur Balance beider Hirnhälften ist Jonglieren!

2. Spiraldynamik

Das Konzept der Spiraldynamik, das ich bereits in diesem Artikel vorgestellt habe, basiert darauf die ursprünglichen Bewegungsmuster unseres Körpers wieder zu reaktivieren. Hierzu werden grundlegende natürliche Bewegungen ganz bewusst wieder neu gelernt und in den Alltag integriert, so dass es mit der Zeit zu einer Generalisierung kommt.

Bei der Spiraldynamik werden sowohl beide Gehirnhälften als auch beide Körperseiten gleichmäßig trainiert, so dass die Balance wieder hergestellt wird.

3. Spiralstabilisation nach Dr. Smisek

Auch diese Methode habe ich in einem Artikel bereits erwähnt, den Sie hier finden. Hier handelt es sich um ein absolut geniales Trainingskonzept, bei dem die spiralen Muskelketten angebahnt und aktiviert werden.

Verwendet werden hierzu komplexe Muskelkettenbewegungen, die gegen den leichten Widerstand eines elastischen Seils ausgeführt werden. Dadurch werden die Muskelketten, die die Wirbelsäule aufrichten und verlängern stimuliert, so dass sich so das ZNS wieder regenerieren kann und dabei eine Generalisierung natürlicher Bewegungsmuster passieren kann, die die Balance des ganzen Körpers wieder herstellen.

Mit dieser Methode heilen z. B. zerstörte Bandscheiben, ohne dass eine Operation notwendig ist. Die Spiralstabilisierung ist übrigens auch ein Geheimtipp vieler Profisportler und Olympiateilnehmer.

4. Die Dekontrahierung chronisch verspannter Muskelgruppen

Die Dekontrahierungsübungen, die ich in meinem Selbsthilferatgeber „Rückenschmerzen selbst behandeln“ vorstelle, führen ebenfalls zur Wiederherstellung des muskulären Gleichgewichts im gesamten Skelettmuskelsystem. Die Balance zwischen den beiden Gehirnhälften wird dann automatisch durch das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Muskelgruppen und der linken und rechten Körperhälfte wieder hergestellt.

Die Dekontrahierungsbewegungen sind deshalb nicht nur zur Eigenbehandlung von Rückenschmerzen geeignet, sondern auch zur schnellstmöglichen und effektiven Behebung aller anderen Probleme des Bewegungsapparates, deren Ursache in einem Ungleichgewicht der Muskulatur liegt.

Die Übungen werden größtenteils mit einem elastischen Widerstandsband, z. B. einem Theraband, ausgeführt, es gibt aber auch eine Übungsreihe ohne Band. Diese Übungen sind auch ein Geheimtipp zur Vorbeugung von Verletzungen und Fehlbelastungen und zur Leistungssteigerung im Sport, wie auch zur Verbesserung der Trainierbarkeit der Skelettmuskeln, so dass diese besser auf Kraft- und Bodybuildingtraining ansprechen.

Fazit:

Wie Sie sehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten unseren Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen und dieses immer wieder zu stabilisieren.

Dadurch werden all unsere Handlungen effizienter und ökonomischer, kosten weniger Kraft und Energie und alle Arten von Körpertraining liefern schnellere und bessere Resultate. Ganz zu schweigen von der verringerten Anfälligkeit von Fehlbelastungen und Verletzungen.

Am besten testen Sie selbst, was für Sie zur Methode der Wahl wird oder Sie kombinieren die einzelnen Methoden miteinander um synergistische Effekte zu erzielen.

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