7 Gründe keinen Zucker zu essenZucker ist kein Nahrungsmittel

Zucker schmeckt gut, keine Frage. Doch sein Konsum kann dick, krank und süchtig machen. Das zumindest behaupten immer mehr Experten. Dabei handelt es sich bei Zucker doch bloß um ein Nahrungsmittel, wie jedes andere auch, oder nicht? Wie kann Zucker dann so gefährlich sein? Das erfährst Du hier.

Zucker ist kein Nahrungsmittel!

Die Wissenschaftler James DiNicolantonio und Amy Berger* haben sich die Mühe gemacht, die Wirkung, die der Verzehr von zugesetztem Zucker auf unseren Körper hat, zusammenzufassen. Sie berufen sich dabei auf verschiedene Studien und kommen zu folgendem Ergebnis:

Zucker ist kein Nahrungsmittel. Unser Körper kann daraus keine Energie gewinnen. Im Gegenteil, der Verzehr von Zucker raubt uns Lebenskraft und wertvolle Mineralstoffe und Vitamine und macht uns sogar krank.

Was ist ein Nahrungsmittel?

Per Definition liefert ein Nahrungsmittel essentielle Nährstoffe, die von einem Organismus aufgenommen werden, um daraus Energie zu gewinnen, das Wachstum anzuregen und das Leben zu erhalten. Zucker (die Rede ist hier von zugesetztem, raffiniertem Zucker) ist dazu nicht in der Lage! Denn Haushaltszucker und andere Industriezuckerarten liefern keine für uns wichtigen Mikronährstoffe!

Die Wissenschaftler schreiben dazu: „Specifically, vitamins such as thiamine, riboflavin and niacin are necessary for the oxidation of glucose, and phosphates are stripped from ATP in order to metabolise fructose, which leads to cellular ATP depletion.“

Frei übersetzt bedeutet das: Damit unser Körper Glukose (also Traubenzucker) oxidieren kann, sind Vitamine wie Thiamin, Riboflavin und Niacin nötig. Für die Verstoffwechslung von Fruktose (also Fruchtzucker) werden Phosphate aus dem Molekül ATP gebraucht. Diese sind jedoch wichtig, dass unser Körper Energie gewinnen kann. Im Klartext bedeutet das: Zugesetzter Zucker stört den Prozess der Energiegewinnung und beeinflusst damit Prozesse wie Wachstum und Leben negativ.

Zucker ist also kein Nahrungsmittel!

7 Gründe keinen Zucker zu essen

In ihrer Zusammenfassung gehen die beiden Forscher genauer darauf ein, welche ungünstigen Folgen der Verzehr von Industriezucker auf unseren Körper hat. Daraus kann man sieben Gründe ableiten, wieso es besser ist, auf Zucker zu verzichten.

1. Zucker als Energieräuber

Grundsätzlich kann unser Körper aus den Kalorien aus der Nahrung Energie gewinnen. Dazu sind hochkomplexe biochemische Prozesse nötig. Traubenzucker wird dabei über den Zitratzyklus in ATP umgewandelt. ATP ist das Molekül, das unsere Körperzellen zur Energiegewinnung nutzen und aus Glukose selbst herstellen. An dieser Umwandlung sind jedoch auch andere Vitamine und Mineralien beteiligt.

Isolierter Zucker enthält keine dieser Mikronährstoffe. Glukose kann also nur dann von unserem Körper in das benötigte ATP umgewandelt werden, wenn die dazu notwendigen Begleitstoffe zur Verfügung stehen. Da diese im Zucker nicht enthalten sind, kann dieser nur in Energie umgewandelt werden, wenn der Körper die benötigten Vitalstoffe aus anderen Quellen (anderen Nahrungsmitteln oder körpereigenen Vorräten) erhält.

Gleichzeitig liefert Haushaltszucker nicht nur Glukose, sondern auch Fruktose, die den ATP-Stoffwechsel und damit die Energiegewinnung ebenfalls negativ beeinflusst.

Bitte merken: Obwohl Zucker Kalorien liefert (387 auf 100 g) ist er kein guter Energielieferant!

2. Zucker als Nährstoffräuber

Wie wir gesehen haben, sind an der Verdauung von Glukose auch andere Vitamine und Mineralien beteiligt. Isolierter Zucker enthält keine diese Mikronährstoffe. Damit unser Körper aus Zucker trotzdem Energie herstellen kann, muss er die benötigen Stoffe also aus seinen Vorräten oder anderen Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, rauben. Vollwertige Nahrungsmittel hingegen liefern die für ihre Verdauung notwendigen Inhaltsstoffe gleich mit.

Zucker liefert nicht nur keine Mikronährstoffe, sondern raubt sie aus unseren eigenen Körpervorräten oder aus dem, was wir sonst noch zu uns nehmen. Dadurch wird automatisch die Menge an Zucker minimiert, die wir aus der Nahrung wirklich aufnehmen und verwerten können. Einen sehr ausführlichen Artikel darüber, wie Zucker als Vitamin B1-Räuber unseren gesamten Stoffwechsel durcheinander bringt, findest Du hier>>

Außerdem gilt: Wer viele zuckerhaltige Dinge isst, hat weniger Platz für gesunde Frischkost und nimmt daher im Allgemeinen zwangsläufig weniger Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe zu sich. Auch aus diesem Grund hat der Verzehr von Zucker einen negativen Effekt auf die Mikronährstoffversorgung.

3. Zucker fördert oxidativen Stress und Entzündungen

Haushaltszucker besteht aus je einem Teil Fruchtzucker und Traubenzucker. Beide Zuckerarten werden unterschiedlich verdaut. Während Traubenzucker den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt und die Insulinproduktion in Gang setzt, wird Fruchtzucker über die Leber abgebaut. Dabei entstehen sogenannte freie Radikale, die zu oxidativem Stress führen, weil sie gesunde Zellen in unserem Körper schädigen können. Dadurch altern wir nicht nur schneller, sondern auch die Entstehung von Entzündungen wird begünstigt.

4. Zucker führt zu Insulinresistenz

Haushaltszucker besteht zu 50 % aus Glukose. Diese gelangt in den Blutstrom und führt dort zu erhöhten Blutzuckerwerten. Da zu hohe Blutzuckerwerte lebensbedrohlich sein können, muss der überschüssige Zucker so schnell wie möglich in die Zellen verfrachtet werden, wo er dann als Energie genutzt werden kann. Zucker kann aber nicht einfach so die Hüllen der Zellen (Zellmembranen) durchdringen, sondern ist dazu auf ein Transportmittel angewiesen. Das Hormon Insulin übernimmt diese Aufgabe.

Sobald wir Zucker essen und der Blutzuckerspiegel steigt, wird daher die Bauchspeicheldrüse angewiesen, Insulin bereit zu stellen. An sich ein ganz natürlicher Vorgang. Doch irgendwann sind auch die Zellen vollkommen mit Zucker gesättigt, sie wollen und können dann keinen weiteren Zucker mehr aufnehmen. Sie verschließen sich dann einfach und reagieren nicht mehr wie gewohnt auf das Insulin. Mediziner sprechen dann von einer sogenannten Insulinresistenz. Und diese kann weitreichende Folgen für unsere Gesundheit haben.

Zum einen können dann auch andere Stoffe nicht mehr in unsere Zellen gelangen, weil Insulin nicht nur Zucker, sondern auch andere Stoffe in die Zellen schleust. Das führt über kurz oder lang zu einer Unterversorgung an Nährstoffen, selbst dann, wenn ausreichend Nährstoffe zugeführt werden. In der Fachsprache bezeichnet man dieses Phänomen als „internal starvation“, was frei übersetzt so viel heißt wie „zelluläre Hungersnot“ trotz Überangebot. Wer unter einer Insulinresistenz leidet, kann also gleichzeitig überfüttert und dennoch unterernährt sein.

Zum anderen führt eine Insulinresistenz dazu, dass unsere Blutzuckerwerte ständig erhöht sind, wodurch unsere Bauchspeicheldrüse durchgehend dazu angetrieben wird, mehr und mehr Insulin herzustellen, in der Absicht, dass sich die Zellen doch noch öffnen und das Insulin den überschüssigen Zucker aus dem Blut ins Zellinnere befördert. Irgendwann ist auch die Bauchspeicheldrüse erschöpft und büßt ihre Fähigkeit ein, Insulin zu produzieren und Betroffene erkranken an einer Zuckerkrankheit. Eine Insulinresistenz mündet also früher oder später in einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung.

Wenn wir nun weiterhin Zucker essen und unsere Blutzuckerwerte ständig erhöht sind, hat das auch negative Folgen auf die Gesundheit unserer Blutgefäße, die durch das zu viel an Zucker schneller kaputt werden und uns vorzeitig altern lassen. Ausführlich dazu hier>>

5. Zucker macht Hunger und gefräßig

Wie wir gesehen haben, handelt es sich bei isoliertem Zucker um keinen guten Energielieferanten. Trotzdem braucht der Körper Energie. Wer viel Zucker isst, muss deshalb immer mehr essen, damit der Körper wenigstens ein bisschen Energie herstellen kann. Auch das permanente Ansteigen und Abfallen des Blutzuckerspiegels, das durch den Konsum von isoliertem Zucker provoziert wird, führt dazu, dass wir ständig hungrig sind.

Auch, wenn es paradox klingt: Je mehr Zucker wir essen, umso mehr Hunger bekommen wir. Je mehr wir essen, desto mehr Kalorien nehmen wir zu uns. Wenn wir diese nicht alle verbrauchen, steigt unser Gewicht und damit das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen, Beschwerden des Bewegungsapparates und vieles mehr. Zucker macht also gefräßig, dick und letztendlich krank.

6. Zucker verkürzt unser Leben

Studien zeigen weiter, dass Zuckerkonsum nicht nur das Wachstum von Ratten verzögert, sondern auch ihre Lebensspanne verkürzt. Die Fütterung der Tiere mit raffinierten Kohlenhydraten, wie sie in Industriezucker und Weißmehlprodukten enthalten sind, lässt sie einen Nährstoffmangel erleiden, selbst dann, wenn ansonsten ausreichend Nährstoffe hinzugegeben werden.

7. Zucker macht Candida und Karies

Außerdem, haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass sowohl Fruktose als auch Glukose das vermehrte Wachstum ungünstiger Bakterien- und Pilzstämme fördert Während Industriezucker im Darm zu einer Überwucherung mit Pilzen des Stammes Candida albicans führt und dadurch die für Gesundheit und Wohlbefinden so wichtige Harmonie der Darmflora gefährdet, füttert Zucker im Mund das Bakterium Streptococcus mutans, der mit Zeit an unseren Zähnen nagt und diese auflöst (Stichwort Karies).

Es gibt also eine Reihe von Gründen, weniger oder gar keinen Industriezucker mehr zu essen. Selbstverständlich brauchen wir Zucker, um genauer zu sein Glukose, doch die kann der Körper auch aus komplexen und vollwertigen Kohlenhydraten herstellen, wie sie in Gemüse, Obst und Vollkornprodukten enthalten sind.

Und last but not least: Zucker kann süchtig machen

paperbackstanding2_693x872(1)Fällt es Dir schwer, trotz der zahlreichen Argumente, weniger Zucker zu essen? Dann bist Du vielleicht zuckersüchtig. So paradox es klingen mag, je mehr Zucker wir essen, desto größer wird unsere Lust auf Süßigkeiten und raffinierte Teigwaren. Etliche Untersuchungen an Tier und Mensch deuten darauf hin, dass Zucker tatsächlich süchtig machen kann.

Zwar ist nicht jeder für die süchtigmachende Wirkung von Zucker anfällig, doch wen es erwischt, der weiß, wie verdammt schwer es ist, der süßen Versuchung zu widerstehen. In meinem Buch „Raus aus der Zuckerfalle“ erfahren Betroffene, wie ihnen der Ausstieg aus der Zuckersucht gelingt und wie sie auch zuckerfrei glücklich sein können. Mehr Infos hier>>

*DiNicolantonio, James JBerger, Amy (2016): „Added sugars drive nutrient and energy deficit in obesity: a new paradigm“. In: Open Heart. 3 (2), S. e000469, DOI: 10.1136/openhrt-2016-000469.

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