Warum Fasten gesund ist und wie Du auch von kurzzeitigen Fastenphasen (intermittierendem Fasten) profitieren kannst

Fasten ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist dabei weniger von mehrtägigen Fastenkuren, sondern vor allem vom Kurzzeitfasten, dem intermittierenden Fasten. Die täglichen Auszeiten vom Essen entlasten den Körper und unterstützen ihn enorm bei den nötigen Reinigungs- und Wartungsarbeiten, die bei einem so komplexen System wie unserem Körper ständig anfallen.

Doch viele Menschen fürchten sich vorm Fasten. Selbst der Gedanke, nur eine einzelne Mahlzeit ausfallen zu lassen, löst Unbehagen aus. Der Grund: Fasten-Mythen halten sich hartnäckig. Fasten sei unnatürlich, verursache Blutzuckereinbrüche, reduziere Muskelmasse oder treibe in eine Essstörung – so die Befürchtungen. Damit ist nun Schluss!

In Anlehnung an ein Interview mit Dr. Jason Fung, einem Arzt aus Kanada, räumen wir hier mit den 7 häufigsten Fasten-Mythen auf.

Fasten ist nicht hungern!

Dr. Jason Fung ist Nierenspezialist und hat täglich mit Diabetikern zu tun. Eines Tages unterhält sich mit Kollegen übers Fasten. Zunächst denkt er, Fasten als Heilmethode sei kein effektiver Ansatz. Doch je länger er darüber nachdenkt, umso plausibler scheint ihm die Idee. Inzwischen setzt er mit seinen Patienten genau hier an. Fasten ist zu einem seiner beliebtesten und erfolgreichsten therapeutischen Werkzeuge geworden.

In einem Interview „Intermittend Fasting für Weigth Loss“ räumt Dr. Fung mit den Mythen übers Fasten auf.

Fasten bedeutet dabei nicht zu hungern, sondern beim Fasten geht es um den kontrollierten und willentlichen Verzicht auf Nahrung. Fasten bedeutet null Kalorien über einen bestimmten Zeitraum. Ob Kurzzeitfasten wie intermittierendes Fasten oder mehrwöchige Fastenkuren, alles zählt zum Fasten.

7 Fasten-Mythen

Mythos 1: Fasten ist unnatürlich

Wie kann eine Sache unnatürlich sein, die der Mensch seit Jahrmillionen tut. Über alle Kulturen und Zeitalter hinweg ist Fasten ein fester Bestandteil menschlicher Lebensführung. Ob aus spirituellen/religiösen Gründen, gesundheitlichen Gründen, als politischer Protest oder zum Abnehmen, schon immer hat der Mensch gefastet.

Zitate übers Fasten

Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel, und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“ so Hippokrates, der aber auch wusste: „Aber zu essen, wenn Du krank bist, füttert die Krankheit.“ Hippokrates spricht hier unseren Fasten-Instinkt an, den wir vor allem noch bei kleinen Kindern und Tieren beobachten können. Bei Krankheit und Unwohlsein haben sie ein natürliches Bedürfnis zu fasten!

Und Benjamin Franklin wusste: „Die beste Medizin ist ruhen und fasten.“

Fasten reinigt Körper, Geist und Seele“, Mahatma Ghandi.

Der Mensch ist zum Fasten designt. Oder genauer gesagt, unser System ist dazu ausgelegt, phasenweise zu fasten und mit wenig Nahrung auszukommen, und Nahrung in Form von Energie zu speichern in Zeiten des Überflusses.

Mythos 2: Fasten führt zu Unterzuckerung

Ein weiteres Vorurteil gegenüber Fasten, das sich hartnäckig hält, ist die Furcht vor Blutzuckereinbrüchen. Viele Menschen glauben, wenn man zu lange nichts isst, wird einem schwindelig, der Kreislauf bricht zusammen und die Konzentration verliert sich. Aber würde Fasten automatisch in den Unterzucker führen, hätte die Menschheit wohl kaum bis heute überlebt.

Da unser Körper dafür designt ist, auch mit Fastenphasen zurecht zu kommen, passt er sich ganz einfach an, wenn es nichts zu essen gibt. Zum einen wird der Bedarf an Glukose runter gefahren (die Muskeln steigen auf Fettverbrennung um und das Gehirn wird zum größten Teil durch Ketonkörper versorgt) und zum zweiten stellt der Körper die Menge an Glukose, die er dann noch benötigt, ganz einfach selbst her.

Mythos 3: Fasten baut Muskelmasse ab

Weil der Körper die benötigte Glukose dann selbst herstellt, fürchten viele um ihre Muskelmasse. Und es stimmt, der Körper kann aus Proteinen Glukose herstellen und dazu Muskelgewebe nutzen. Aber wieso sollte er das tun? Schließlich kann er Glukose auch aus Fettgewebe gewinnen.

Wäre es nicht total unlogisch, wenn unser Körper überschüssige Energie aufgenommen durch zu viel Nahrung in Fett und Glukose speichert, dann aber, wenn er Energie braucht und keine zugeführt wird, aus den Muskeln gewinnt? Das wäre wirklich ein höchst unlogisches System. Das wäre so, als wenn wir Brennholz für den Winter sammeln, dann aber unserer Möbel verbrennen würden.

Studien zeigen, dass dicke Menschen beim Fasten 90 % ihres Kalorienbedarfs aus Fetten decken und bei schlanken Menschen sind es immerhin noch 78 %. Durchs Fasten verbessert sich das Verhältnis an Muskel- zu Fettgewebe gerade bei übergewichtigen Menschen sehr stark.

Gut zu wissen: Intermittierendes Fasten schneidet im Vergleich zu kalorienreduzierten Diäten besser ab!

Bei einer Studie wurden Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine wurde auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, die andere Gruppe bekam die gleiche Menge an Kalorien, durfte aber pro Tag nur in einem bestimmten Zeitfenster essen (intermittierendes Fasten). Nach 6 Monaten verbesserte sich das Verhältnis von Fett- zu Muskelmasse bei der Diätgruppe um 0,5 %, während er sich bei der IF-Gruppe um mehr als das Vierfache verbesserte, um 2,2 %!!!

Warum ist das so? Phasen ohne Nahrung, wie sie beim intermittierenden Fasten ausgeführt werden, haben eine andere hormonelle Wirkung als, wenn die gleiche Menge an Kalorien über den Tag verteilt gegessen werden. Beim Intervallfasten werden mehr Wachstumshormone und Noradrenalin ausgeschüttet, was den Stoffwechsel aktiv und den Energieverbrauch oben hält. Herkömmliche Diäten wirken sich also deutlich schlechter auf den Grundumsatz aus.

Mythos 4: Protein im Körper ist immer gut!

Es gibt Messungen, bei denen untersucht wird, wie viel Stickstoff im Urin ausgeschieden wird. Das gilt als Parameter, wie viel Eiweiß der Körper abbaut. Aber nicht jedes Eiweiß ist auch gut!

Im Körper fällt ständig Stoffwechselmüll an, der mit vorzeitiger Alterung und vielen Krankheiten in Verbindung gebracht wird. Fehlgefaltete und andere unbrauchbare Proteine bilden ein Großteil dieser Überreste. Fasten sorgt dafür, dass dieser Proteinmüll abgebaut wird, Stichwort Autophagie. Es gibt keinen effektiveren Motor für diesen Hausputz der Zellen und Gewebe als Fasten.

Dieser Prozess sorgt übrigens auch dafür, dass überschüssige Haut infolge einer großen Gewichtsabnahme abgebaut wird. Denn unsere Haut besteht vor allem aus Proteinverbindungen. Anders als bei herkömmlichen Diäten beugt Abnehmen durch Fasten also Hautfalten durch überschüssige Haut vor.

Fasten wirkt also wie ein natürliches Anti-Aging! Mit Vorteilen für Gesundheit und unser Äußeres!

Mythos 5: Frauen sollten nicht fasten

Gelegentlich wird Frauen vom Fasten abgeraten, weil der weibliche Hormonhaushalt besonders störanfällig sei und durchs Fasten ungünstige Auswirkungen zu erwarten seien. Aber auch Frauen haben seit jeher durch alle Kulturen hinweg gefastet, ob gewollt oder ungewollt. Wären Frauen hier benachteiligt, hätten unsere weiblichen Vorfahren die zwangsläufig kargen Zeiten aus der Vergangenheit wohl nicht bis heute überlebt.

Zudem merkt Fung an, dass Fasten vor allem ein Hormon beeinflusst: das Insulin. Aber nur wenig Auswirkung auf die Sexual- und Schilddrüsenhormone hat. Es gibt also keinen Grund, wieso Frauen nicht fasten sollten, mit Ausnahme von schwangeren, stillenden und untergewichtigen Frauen – wobei Fung auch untergewichtigen Männern das Fasten nicht empfehlen würde.

Mythos 6: Fasten führt zur Magersucht und anderen Essstörungen

Wer zum ersten Mal vom Fasten hört, ist oft erst einmal abgeschreckt. Erzählt man von einer bevorstehenden Fastenkur, schauen viele nur ungläubig und sind der Meinung, dass das ja eh niemand lange durchhält. Fasten sei Quälerei und nur Verrückte tun sich das an. Weicht man trotzdem nicht von seinem Vorhaben ab, sind es seltsamerweise oft die gleichen Leute, die dann befürchten, man würde durchs Fasten in eine Magersucht abrutschen.

Dabei handelt es sich bei Magersucht vor allem um eine mentale und emotionale Störung. Zudem macht Fasten nicht so viel Spaß, versetzt keinen Kick wie z. B. Kokain, so dass man nicht mehr essen wollen würde. Fasten ist eine Herausforderung und zwar ohne großes Suchtpotenzial!

Vom Fasten abzuraten, weil sich untergewichtige Mädchen im Modelwahn halb zu Tode hungern, wäre als wenn wir vom Händewaschen abraten würden, weil es einen Waschzwang auslösen könnte 😉

Mythos 7: Fasten funktioniert nur, weil es Kalorien reduziert

Last, but not least, glauben viele, dass Fasten nur deshalb funktioniert, weil man dabei die Kalorienanzahl reduziert. Nach ihrem Glauben müsste man also nicht fasten, sondern könnte durch herkömmliche Diäten ähnliches erreichen. Aber dem ist nicht so. Denn Kalorien sind eben nicht alles! Das haben wir in diesem Artikel bereits ausführlich dargelegt.

Auch Dr. Fung betont, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob wir die gleiche Anzahl an Kalorien den Tag über verteilt oder nur in einem kleinen Zeitfenster zu uns nehmen. Denn das, was wir essen, hat auch eine Wirkung auf unsere Hormone, insbesondere auf die Insulinausschüttung.

Wer ständig isst, kommt weder in den Genuss der Autophagie noch wird er so effizient abnehmen, wie jemand, der intermittierend fastet. Eine Ausnahme bildet die ketogene Ernährung bzw. eine reine Fettzufuhr während der Fastenphase. Hier wird der Insulinspiegel kaum tangiert, so dass selbst dann, wenn man sich ketogen ernährt oder einen Bullet Proof Coffee mit Butter, Kokosöl oder MCT-Öl zu sich nimmt, die meisten Vorteile des Fastens erhalten bleiben.

Fazit: Keine Angst vorm Fasten!

Dr. Fung kommt zu dem Schluss: Fasten ist ein therapeutisches Werkzeug, das gerade in der heutigen Zeit in der die Folgen der Überernährung sowohl den Einzelnen als auch die Gesellschaft belasten, viel Gutes bewirken kann. Zudem kostet es nichts und ist zumindest in Form des intermittierenden Fastens leicht umsetzbar.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel, die Angst vorm Fasten nehmen und vielleicht sogar Lust darauf machen, es selbst einmal auszuprobieren. Ich jedenfalls könnte mir ein Leben ohne Fasten nicht mehr vorstellen. In meinen Alltag ist intermittierendes Fasten zu einem festen Bestandteil geworden, gelegentlich stelle ich mich der Herausforderung, auch mal 36 Stunden zu fasten und genieße ein- bis zweimal im Jahr die Challenge einer mehrtägigen Fastenkur.

Hier geht´s zum Interview „Intermittend Fasting für Weigth Loss“ mit Dr. Fung

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Sehr empfehlenswert auch ein Blick auf den Blog des Arztes, der allerdings in Englisch ist: https://idmprogram.com/tag/fasting/