Zuckerfrei leben: Wieso die Anfangszeit der Zuckerentwöhnung so tückisch ist

Süßes allerleiZuckerentwöhnung Woche 4: So gehe ich mit Süßhunger um

Heute ist bereits der 28. Tag ohne Zucker, Weißmehl- und sogar ohne Vollkornprodukte. Inzwischen ist mein zuckerfreies Leben zur Normalität geworden und ich denke nur noch selten an ein Stück Schokolade oder eine Portion Nudeln. Das war allerdings nicht immer so. Heute möchte ich ein wenig mehr von den Tücken der Anfangszeit meiner Zuckerentwöhnung erzählen.

Wenn die Versuchung lockt

Die erste Woche meiner Zuckerentwöhnung lief, wie berichtet ziemlich gut. Nach wenigen Tagen wurde das zuckerfreie Dasein zur Normalität und im Alltag lockten nur wenig Versuchungen. An Tag 7 erwartete mich dann jedoch eine besondere Herausforderung.

In unserem Bioladen hier auf der Insel (auf der vegane Schokolade, zumindest vegane Milchschokoladenalternativen sehr begrenzt sind) sind zwei neue Sorten vegane Schokolade eingetroffen, eine davon hatte ich mir noch zwei Wochen zuvor selbst beim Personal gewünscht. Tja und jetzt war probieren natürlich erst einmal tabu. Mein inneres Genießerstimmchen dagegen wollte mich verführen und meinte, dass ein Stück Schokolade, nur zum Probieren, ja nicht schaden könne. Stimmt ja auch, aber ich weiß es besser.

Ein Ausrutscher kommt selten allein

Ich weiß, dass gerade die erste Zeit nach dem Entzug trickreich sein kann, also dann wenn die Entzugssymptome abgenommen haben und man sich anfängt besser bzw. richtig gut zu fühlen, also die Entwöhnung gut läuft. Man fühlt sich dann so stark und glaubt, dass einem ein Ausrutscher ja nicht schaden könne. Schließlich kann das endgültige Ziel ja nicht der lebenslange Verzicht sein, sondern nur der maßvolle Umgang, oder?

Das kann ja sein, dennoch wäre es verfrüht, sich nach nur wenigen Tagen der Abstinenz so sicher zu sein. Denn meistens landet so etwas in einem Rückfall. Am ersten Abend hätte ich vielleicht wirklich nur ein Stück von Jens Tafel probiert, aber sicher am nächsten Tag und ganz sicher beim nächsten Einkauf im Bioladen, hätte ich mehr davon haben wollen und mir meine eigene Tafel gekauft.

Warum ich mir da so sicher bin?

Na, weil ich es schon zig Male erlebt habe. Rückfälle beginnen meist dann, wenn alles entweder trostlos scheint und die Stimmung sinkt oder aber dann, wenn es gut, um nicht zu sagen zu gut, läuft. Man überschätzt sich dann gern und hört auf das verführerische Stimmchen in seinem Kopf nur all zu gern. Das Problem bei der Sache ist leider, dass es nur selten bei einem Ausrutscher bleibt und man schneller als einem lieb ist, wieder in alte Verhaltensmuster fällt.

Dieser Mechanismus gilt nicht nur für die Zuckersucht oder andere Essenssüchte, sondern nahezu für jedes Suchtverhalten. Wenn wir uns von einem potentiellen Suchtstoff entwöhnen, reguliert sich sich unsere Bio-Chemie wieder und wenn wir dann nur wenige Tage nach dem Entzug wieder zu unserem Suchtmittel greifen, reagieren wir stärker als zuvor auf die Substanz. Der Kick den wir dann erleben, kann gefährlich werden, wenn wir dann das Maß verlieren und nicht spätestens am nächsten Tag die Kurve kriegen und wieder die Finger von dem Suchtmittel lassen.

Hier beginnt die Herausforderung der besonderen Art: Es kann also durchaus schon der Eindruck entstehen, der Entzug liefe gut, die oft schwierigen Tagen des Entzuges und seine typischen Symptome wie Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Gereiztheit (verminderte Belastbarkeit) und ähnliches sind überstanden. Wenn man nun leichtgläubig einen Ausrutscher zulässt, passiert das Tückische: Man reagiert deutlich sensibler auf die Substanzen als zuvor. Und schnell ist man dann wieder im alten Verhaltensmuster und das wäre schade, ist aber wohl auch oft ein anscheinend notwendiger Entwicklungsschritt in dem Entwöhnungsprozess.

Aber manchmal muss man sich einfach belohnen

Nach 18 Tagen „Verzicht“ kam dann doch der starke Wunsch auf mich für meine „Anstrengungen“ zu belohnen. Es sollte etwas Besonderes her. Möglichst gesund, versteht sich. Aber auch möglichst süß. Also habe ich ein wenig meine Gehirnzellen angestrengt und mich daran erinnert, dass Rohkostkuchen ganz hervorragend schmecken kann um nicht zusagen bombastisch gut!

Und weil der letzte Kuchen dieser Art schon verdammt lange her ist, hab ich mich an diesem Rezept von vegan-und-lecker.de orientiert. Und was soll ich sagen, mir sind beim ersten Bissen die Augen aufgesprungen. Ehrlich, der Kuchen war ein Traum und ich bin megamäßig stark auf die Agavensirup-Süße angesprungen (der eben genannte Effekt war also da!!).

Natürlich wollte ich am nächsten Tag dann wieder etwas von diesem Erlebnis haben und weil die Zutaten ja eh noch da waren, habe ich erneut einen Versuch gewagt. Doch dieses Mal hat es mir gar nicht mehr so gut geschmeckt. Erst meinte ich, ich hätte zu wenig gesüßt, doch selbst mit einem Nachschlag Agavensirup blieb der Effekt leider (oder Gott sei dank;) aus.

Im Gegenteil, bereits am zweiten Abend Käsekuchen hat meine Verdauung sich bemerkbar gemacht, die vielen Nüsse (Cashews und Sonnenblumenkerne) haben meinem Magen und Darm ganz schön zu schaffen gemacht. Und auch mein Schlaf wurde schlechter und meine Zähne machten sich ganz leicht bemerkbar (bei mir oft eines der ersten Signale, wenn meine Ernährung mir nicht rundum gut tut).

Tja und so habe ich dann am dritten Tag beschlossen keinen Rohkostkäsekuchen mehr zu machen und die Reste an Agavensirup und Cashews Jens überzulassen. Diese Erfahrung lehrt mich auch künftig die Finger von diesen Dingen zu lassen. Einfach weil ich merke, was sie mit mir anstellen und wie schnell mein Körper dagegen rebelliert.

Mein Tipp für alle, die sich vom Zucker entwöhnen wollen

Seid vorsichtig, wenn die ersten Tage der Zuckerentwöhnung geschafft sind und dann doch der Süßhunger kommt. Wenn es wirklich nicht anders geht als dem Süßhunger nachzugeben, verwendet Dinge, die auf Eurer Stufe einen Tick besser sind als Euer normales Verhalten. Soll heißen, ein Vollkornbrot belegt mit Bananenscheiben ist sicher besser als ein helles Brötchen mit Nutella. Statt einem Schokoriegel aus dem Supermarkt, kann man sich auch selbst gemachte Schokolade aus Kakaobutter, Kakaobohnen und Xylit machen.

Ich zum Beispiel genehmige mir am Abend auch mal zwei Löffel Kokosmus mit Honig vom Imker um die Ecke, nicht, weil ich Honig so unglaublich toll finde, es aber für mich wesentlich besser ist als mir eine Tafel Schokolade aus dem Supermarkt zu kaufen. Manchmal reicht mir auch eine Banane mit etwas Mandelmus.

Meine Bekannte, die bereits seit einem Jahr ohne Industriezucker und Weißmehlprodukte lebt, schwört zum Beispiel auf einen selbstgemachten Shake aus Datteln, Kokosraspeln, Bananen und ungesüßtem Kakaopulver.

Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Es geht einfach darum sich schrittweise immer weiter von dem potentiellen Suchtmittel zu entwöhnen und neue, gesündere, weniger süchtigmachende Alternativen zu finden, bis das übermäßige Verlangen nach Süßem völlig verschwindet und einem die Süße von frischem Obst und gelegentlich ein paar Trockenfrüchten ausreichen.

Und selbst, wenn manch einer behauptet, dass dies dann ja immer noch eine Form von Ersatzsucht sei – was ja stimmen mag –, so habe ich bisher und mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Schritt-für-Schritt-Umstellungen im eigenen Tempo oft nachhaltiger sind als Hau-ruck-Umstellungen.

Hau-Ruck-Umstellungen sind oft schwer durchzuhalten, erfordern viel Disziplin und daher passiert es gemäß dem Gesetz der Polarität sehr oft, dass man wieder zurückgleitet ins andere Extrem. Aber auch das kann zum Weg dazu gehören.

Mein Fazit: Zuckerentwöhnung ist eine individuelle Angelegenheit, bei der man sich von niemanden reinreden lassen sollte!

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Bildrechte: © HobbyFotograf “Süßes allerlei”, Some rights reserved Quelle: www.piqs.de

Marion Selzer

Marion Selzer

Marion beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema gesunder Lebensweise, insbesondere mit der Frage, wie sich die persönliche Ernährung optimieren lässt. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es sein kann, einen gesünderen Lebensstil zu praktizieren.

Mit ihren Artikeln möchte sie Mut machen, dass Veränderungen von Gewohnheiten möglich sind und sich lohnen.

Marion ist Dipl. Juristin, Mediatorin, Ernährungs- und Diätberaterin, psychologische Beraterin und Autorin
Marion Selzer

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