Soja, Tofu & Co – eine gesunde Alternative zu Fleisch?

Sind Sojamilch, Tofu und andere Sojaprodukte gesundSojaprodukte: Fluch oder Segen?

Eine vegetarische Ernährungsweise liegt im Trend. Immer mehr Menschen wollen weniger Fleisch und andere Produkte vom Tier essen oder sogar ganz darauf verzichten. Hatten Vegetarier und Veganer es vor zwei Jahrzehnten noch recht schwer entsprechende pflanzliche Alternativen ausfindig zu machen, boomt mittlerweile der Markt vegetarischer und veganer Ersatzprodukte.

Burger, Würstchen, Scheibenwurst, Schnitzel, Gehacktes – all das findet sich heutzutage in jedem Bioladen und Reformhaus. Und auch Drogerien und herkömmliche Supermärkte erweitern ständig das Angebot für Fleischalternativen inklusive Alternativen auf Pflanzenbasis für Milch, Käse, Joghurt oder Eiscreme.

Nicht immer, aber sehr oft bilden Sojabohnen die Basis dieser pflanzlichen Alternativen. Der Verzehr von Soja ist in den letzten Jahren unglaublich rasant angestiegen. Doch welche Auswirkungen hat das auf uns und unsere Umwelt?

Soja: Eine hochgelobte pflanzliche Proteinquelle

Bereits in den 80er Jahren erlebte die Sojabohne in den USA einen regelrechten Boom. Sojaprodukte wurden als gesunde Alternative für tierische Nahrungsmittel angepriesen. Denn die Sojabohne ist frei von Cholesterin, enthält nur wenig Fett, dafür viel hochwertiges Protein und soll darüber hinaus auch noch vorbeugend gegen hormonell bedingte Krebsarten wie Prostata-, Brust- oder Gebärmutterkrebs wirken und Wechseljahresbeschwerden lindern.

Seit einigen Jahren mehren sich jedoch auch kritische Stimmen. Die herkömmliche Sojaproduktion gehe zulasten der Umwelt, da große Mengen Regenwald für den Anbau abgeholzt würden und auch für die Gesundheit seien Sojaprodukte nicht unbedenklich. Immer wieder hört man, dass der übermäßige Verzehr zu Problemen mit der Schilddrüse, zu Fehlbildungen bei Kindern und zu Störungen der Fruchtbarkeit führen könne.

Was ist nun also wahr, was übertrieben oder zu weit hergeholt? Können sich Vegetarier und Veganer weiterhin auf diese so viel gelobte pflanzliche Proteinquelle verlassen oder sollte man besser einen großen Bogen um Tofu und Sojamilch machen?

Zur Faktenlage

Sojaesser zerstören den Regenwald

Immer wieder hört man, dass Sojaesser die Umwelt gefährden. Und es stimmt, ein Großteil des Regenwaldes muss für den Sojaanbau weichen. Dennoch wird über 70 Prozent der weltweiten Sojaernte nicht direkt zu Sojaprodukten weiter verarbeitet, sondern an Zuchttiere der Fleisch- und Milchindustrie verfüttert. Wer also Sojaprodukte statt Tierprodukte isst, trägt damit genau betrachtet eher zur Verringerung des Sojaanbaus bei.

Was jedoch zu beachten ist, gerade im Bereich Soja ist die Genmanipulation mit ihren gravierenden Folgen für Gesundheit und Umwelt weit verbreitet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher nur Sojaprodukte kaufen, die nachgewiesener Maßen frei von Gentechnik sind und im Idealfall sogar aus Europa stammen. In Frankreich und Österreich zum Beispiel werden Sojabohnen auf verträgliche Weise ohne Genmanipulation großflächig angebaut.

Soja gegen Krebs

Viele Experten behaupten, Soja habe eine vorbeugende Wirkung gegen Krebs. Das wird damit begründet, dass Sojabohnen im Urzustand einen hohen Anteil der beiden Isoflavonoide Daidzein und Genistein enthalten. Diese Stoffe sind sehr ähnlich zu dem Sexualhormon Östrogen und werden daher auch als Phytoöstrogene, also als pflanzliche Östrogene bezeichnet.

Da erhöhte Östrogenwerte im Zusammenhang mit hormonell bedingten Krebsarten stehen, vermutete man lange Zeit, dass Sojaprodukte aufgrund dieser Inhaltsstoffe diesen Krebsarten vorbeugen könne, indem es mit dem körpereigenen Östrogen konkurriert und an die betreffenden Rezeptoren andockt und so verhindere, dass zu viel körpereigenes Östrogen verwendet werden kann. Skeptiker hingegen befürchten jedoch, dass auch Phytoöstrogene den menschlichen Hormonhaushalt negativ beeinflussen können.

Die wenigen Studien, die es in Bezug auf diese Thematik gibt, kommen leider zu unterschiedlichen Ergebnissen. Einmal sind die Ergebnisse durchaus positiv, ein anderes Mal schneiden Sojaprodukte schlecht ab. Hier gilt es wie bei fast allen Studien darauf zu achten, dass hinter jeder Studie auch Geldgeber mit eigenen Interessen stecken. Zudem wurden die Versuche zumeist an Tieren durchgeführt, so dass die Ergebnisse ganz sicher nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen werden können.

Fakt ist jedoch: In Asien litten schon immer weniger Menschen an Krebs als in den westlichen Industrienationen. Fakt ist auch: In Asien aßen die Menschen kulturell bedingt schon immer deutlich mehr Sojaprodukte als bei uns üblich. So liegt der Schluss nahe, die geringe Krebsrate mit dem höheren Verzehr von Sojaprodukten in Zusammenhang zu bringen. Doch ganz so einfach ist das eben nicht.

Denn Fakt ist auch, Japaner und Chinesen essen zwar Sojaprodukte, allerdings handelt es sich dabei fast ausschließlich um fermentierte Produkte wie Tempeh, Miso oder Sojasauce. Tofu oder Sojamilch wird dagegen in asiatischen nur sehr wenig gegessen. Und dieser Umstand könnte eine wichtige Rolle spielen.

Inhaltsstoffe der Sojabohne

Wie andere Hülsenfrüchte, Samen und Getreidekörner auch enthält die Sojabohne Stoffe, die ein vorzeitiges Keimen verhindern und Tiere vom Verzehr abhalten sollen. Diese Stoffe (Enzymhemmer, die auch als Antinährstoffe bezeichnet) werden beim Kochen nur teilweise zerstört und führen dazu, dass Sojabohnen vom menschlichen Organismus nicht richtig verdaut werden können.

Unverträglichkeiten in Form von Blähungen und Allergien sind keine Seltenheit. Erst durch eine mehrmonatige Fermentation werden die Antinährstoffe abgebaut.

Sojaprodukte enthalten laut dem Gesundheitsexperten Andreas Moritz (nachzulesen auf Seite 240 Band 2 „Zeitlose Geheimnisse der Gesundheit & Verjüngung“):

  • Phytoöstrogene, die das Hormon Östrogen nachahmen und dieses blockieren können und damit den Hormonhaushalt negativ beeinflussen können. Insbesondere die Produktion von Schilddrüsenhormonen wird dadurch gestört, wodurch es unter anderem zur Kropfbildung kommt. Werden Säuglinge allein mit Ersatzmilch auf der Basis von Sojabohnen gefüttert, konnte beobachtet werden, dass die darin enthaltenen Phytoöstrogene bei Mädchen zu einer vorzeitigen Geschlechtsreife und bei Jungen zu einer Unterentwicklung führten.

  • Phytinsäuren, die die Aufnahme von Mineralien und Vitaminen erschweren und daher zu Mängel führen können.

  • Enzymhemmer, die die Verdauung und Aufnahme von Proteinen blockieren.

  • Hämagglutinin, das die roten Blutkörperchen verklumpt, die Sauerstoffaufnahme und das Wachstum hemmt.

  • Trypsininhibitoren, die zu einer Vergrößerung der Bauchspeicheldrüse führen und Krebs auslösen können.

Trotz dieser nach Moritz unbestreitbaren Sachlage ist es der Multimilliarden-Dollar-Sojaindustrie gelungen dieses für den Menschen im natürlichen Zustand wertlose und gefährliche Nahrungsmittel zu einem der am weitesten verbreiteten „nahrhaften pflanzlichen Nahrungsmittel“ zu machen.

Mit diesem Standpunkt ist Moritz nicht allein auch der Arzt und Rohkostexperte Gabriel Cousens weist ausdrücklich darauf hin, nur fermentierte Sojaprodukte zu sich zu nehmen und den Verzehr von Tofu, Sojamilch und Co weitestgehend einzuschränken.

Miso, Tempeh und Sojasauce sind, sofern sie nach traditionellen Maßstäben zubereitet und entsprechend fermentiert wurden, für den Menschen unbedenklich und liefern sogar wertvolle Inhaltsstoffe wie Antioxidantien und Bakterien.

Unser Fazit:

Uns leuchten die Argumente der oben genannten Kritiker ein. Auch wir versuchen daher herkömmliche Sojaprodukte zu meiden, sofern das ohne den Eindruck von Verzicht zu wecken gut gelingt und merken wie dankbar unsere Verdauung und unser Wohlbefinden dafür sind. Dennoch finden wir, dass Sojaprodukte gerade dann ihre Berechtigung haben, wenn sie anstelle eines herkömmlich erzeugten Fleisch- oder Molkereiproduktes konsumiert werden.

Die in der heutigen Zeit verfügbaren Tierprodukte stammen zu über 90 Prozent aus Massenzucht, mit nicht hinnehmbaren Bedingungen für Tier und Umwelt, und enthalten sicher mehr Hormone, Medikamentenrückstände und andere Stoffe, die sich weitaus schlechter auf unser Bewusstsein und die Gesundheit auswirken als nicht fermentierte Sojaprodukte.

Wie immer heißt es auch hier: Selbstverantwortung ist gefragt. Informieren Sie sich, lassen Sie das Gehörte/Gelesene auf sich wirken, sammeln Sie Ihre Erfahrungen und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

PS: Was Sie in jedem Fall besser meiden sollten, sind Produkte, denen Sojaeiweiß-Isolate oder teilweise hydrogenisiertes Sojaöl hinzugefügt wurden. Diese verstecken sich hinter Bezeichnungen wie Eiweißisolate, -konzentrate, hydrolisiertes (Soja-)Pflanzenprotein. Diese Zusatzstoffe findet man in vielen herkömmlichen Produkten wie zum Beispiel in Hamburgern, Würstchen, Teigwaren oder Milchprodukten – also auch für Allesesser heißt es hier Augen auf!

Bildrechte: pixelio.de © segovax Sojadrink

Marion Selzer

Marion Selzer

Marion beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema gesunder Lebensweise, insbesondere mit der Frage, wie sich die persönliche Ernährung optimieren lässt. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es sein kann, einen gesünderen Lebensstil zu praktizieren.

Mit ihren Artikeln möchte sie Mut machen, dass Veränderungen von Gewohnheiten möglich sind und sich lohnen.

Marion ist Dipl. Juristin, Mediatorin, Ernährungs- und Diätberaterin, psychologische Beraterin und Autorin
Marion Selzer

2 Kommentare zu “Soja, Tofu & Co – eine gesunde Alternative zu Fleisch?

  1. Hallo,

    habe selten einen so fundierten und ausführlichen Artikel zu dieser Thematik gelesen. Zudem mit einem tollen Fazit ohne ideologisches Gehabe.
    Sehr sehr schön.
    Bin genau Ihrer Meinung.

    Viele Grüße
    Stephan

  2. Hallo Stephan,

    vielen Dank für Ihre Worte. Das freut uns natürlich zu hören und motiviert uns sehr!!

    Viele Grüße,
    Marion & Jens

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