Neurotransmitter als Schlüsselfaktor für Dein Training

Nicht alle Trainingsformen sind für jeden gleich gut geeignet –  Wieso Du Training an Dein individuelles Neurotransmitter-Profil anpassen solltest

Erfahre hier, wieso Dein Neurotransmitter-Profil über Erfolg oder Misserfolg Deines Trainings entscheidet, wie Du es ermitteln kannst und welche Trainingsparameter für Dich am besten geeignet sind.

Neurotransmitter-Profil als Schlüsselfaktor für erfolgreiches Training

Damit das Krafttraining zu den gewünschten Ergebnissen führt, ist es wichtig, die einzelnen Trainingsparameter (Intensität,Volumen, Frequenz, Progression usw.) so einzustellen, damit die verschiedenen Muskelfasertypen optimal stimuliert werden.

Verschiedene sportwissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen genau auf, innerhalb welcher Belastungsbandbreiten das Krafttraining stattfinden sollte, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Neben dieser idealen „Hypertrophiebandbandbreite“ bzgl. des Trainingswiderstandes, der Anzahl der Sätze und Wiederholungen usw. existiert noch ein weiterer Schlüsselfaktor zum Aufbau maximaler Muskelmasse. Dieser ist jedoch in der „Mainstream-Fitnessszene“ nahezu unbekannt, wobei er meiner Meinung nach die wichtigste Komponente bei der Trainingsplanung darstellt: Das individuelle Neurotransmitter-Profil!

In diesem Artikel möchte ich diesen wichtigen Schlüsselfaktor etwas näher beleuchten. Ich kann vorab schon einmal aus eigenen Erfahrungen ganz klar sagen, dass man sozusagen „im Trüben fischt“ und Zeit, Energie und Regenerationsressourcen verschwendet, wenn man einfach irgendwelche Trainingspläne nachahmt oder nach „Lust und Laune“ drauflos trainiert.

Das Erkennen des persönlichen neurologischen Profils ermöglicht es uns, nahezu perfekte Trainingsreize zu setzen und den Körper in einen dauerhaft anabolen Zustand zu versetzen!

Der Schlüssel zu maximalem Muskelwachstum liegt in unserer Neurotransmitter-Balance

Neurotransmitter sind hormonähnliche Botenstoffe, ohne die keinerlei Reiz- und Informationsübertragung im Körper möglich ist. Sie sind dafür zuständig, die elektrischen Informationen des Nervensystems auf biochemischem Weg zum den Rezeptoren der nachfolgenden Zielzellen weiterzuleiten.

Die Neurotransmitter befinden sich in den Vesikeln der Nervenendigungen und werden freigesetzt, um auf chemischem Weg den synaptischen Spalt zwischen Nervenfaser und Zielorgan zu überbrücken. Der synaptische Spalt stellt nämlich eine Unterbrechung zwischen den Nervenbahnendigungen und dem Zielorgan dar, an dem der elektrische Informationsfluss der Nervenfaser unterbrochen wird.

Damit dennoch eine Informationsweiterleitung erfolgen kann, wird durch den elektrischen Impuls die Neurotransmitterfreisetzung in den Vesikeln ausgelöst. Diese überwinden den synaptischen Spalt und übertragen die Information dann auf molekularem Weg auf die sogenannten Effektorzellen des Zielorgans, indem sie sich dort an deren Zellrezeptoren anbinden.

Das hat zur Folge, dass die Zielzellen auf die Anbindung reagieren und verschiedene Ionenkanäle öffnen oder schließen, wodurch weitere Reaktionen in Gang gesetzt werden. Diese Reaktionen können erregend (exzitatorisch) oder hemmend (inhibitorisch) ausfallen (Horn. Biochemie des Menschen. 6. auflage, 2015. Georg Thieme Verlag).

Die Wirkung der Neurotransmitter ist lokal begrenzt und hält nur sehr kurze Zeit an. Sie wird wieder beendet, indem die Neurotransmitter entweder durch Enzyme abgebaut werden oder wieder von der präsynaptischen Nervenzelle oder einer benachbarten Gliazelle aufgenommen werden. Dadurch können die resorbierten Neurotransmitter sofort wieder verwendet werden.

Wir haben verschiedene Arten von Neurotransmittern

Alle Nervenendigungen beinhalten verschiedene Arten von Neurotransmittern, die sich in ihrem chemischen Aufbau unterscheiden.

Dazu gehören:

  • Biogene Amine: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin usw.
  • Aminosäuren: Glycin, Glutamat, GABA usw.
  • Peptidtransmitter: ATP, Adenosin, Somatostatin, VIP, Neuropeptid Y, Substanz P.

Anhand der unterschiedlichen Funktionen unterscheiden wir in erster Linie erregende Neurotransmitter wie Acetylcholin, hemmende Neurotransmitter wie GABA (Gamma Amino Buttersäure) und komplex wirkende Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin usw.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Balance der folgenden vier Neurotransmitter, die als Gegenspieler fungieren:

  • Dopamin und Serotonin
  • Acetylcholin und GABA

Wollen wir unser Training so optimieren, dass wir maximalen Muskelaufbau stimulieren und gleichzeitig die katabolen Nachwirkungen minimieren, müssen wir die Balance und Verteilung dieser vier Neurotransmitter berücksichtigen. Dazu verwenden wie einen einfachen Test (Braverman-Assessment), den ich später noch vorstelle.

Das Gleichgewicht unserer Neurotransmitter bestimmt unser ganzes Sein und Handeln

Wir werden sozusagen gesteuert durch unsere Neurotransmitter und Botenstoffe. Sie bestimmen, wie wir uns fühlen, in welchen Bahnen wir denken, auf welche Art wir Entscheidungen treffen, aber auch wie unser Stoffwechsel funktioniert, wie effizient unsere Zellen und Organe arbeiten, wie leistungsfähig, belastbar und widerstandsfähig wir sind. Auch Eigenschaften wie Kreativität, Intuition, rationales und logisches Denken usw. werden durch unsere Neurotransmitter gesteuert.

Die Verteilung und Funktionsfähigkeit der Neurotransmitter bestimmt auch, wie wir auf Stress und Reize jeglicher Art reagieren und wie wir uns von Belastungen und Anforderungen erholen und regenerieren. Das spielt eine grundlegende Rolle für die Wahl des Trainingssystems und der Trainingsform, gerade wenn es darum geht, Muskelaufbau, Fettverbrennung und Kraftsteigerung zu stimulieren.

Kurzum: Ob unser Training funktioniert und uns schnellstmöglich die gewünschten Resultate liefert oder uns schon nach wenigen Trainingseinheiten ins Übertraining und einen dauerhaft katabolen Zustand versetzt, ist in erster Linie eine Frage der individuellen Neurotransmitter-Balance!

Nicht alle Trainingsformen sind für jeden gleich gut geeignet, was für den einen optimal funktioniert, kann bei jemand anderem das genaue Gegenteil bewirken.

Der eine benötigt eine hohe Intensität und hohes Volumen, der andere landet damit schon nach ein bis zwei Trainingseinheiten im Übertraining.

Wenn Dein bisheriges Training nur unbefriedigende Ergebnisse bzgl. Muskelaufbau und Fettverbrennung geliefert hat oder Du damit sogar Muskelmasse verlierst, hast Du wahrscheinlich die falschen Trainingsreize gewählt. Du hast die Trainingsparameter ungünstig eingestellt für Dein persönliches Neurotransmitter-Profil und dadurch Deine Regenerationskapazität überstrapaziert.

Neurotransmitter-Dominanz ist eine Mangelerscheinung

Werden einzelne Neurotransmitter nur ungenügend gebildet (z. B. durch einen Mangel an Vitalstoffen und Mikronährstoffen) oder werden sie überdurchschnittlich stark verbraucht, kommt es zu einem Neurotransmittermangel. Der Körper reagiert darauf, indem er uns Dinge tun lässt, die die Bildung dieses fehlenden Neurotransmitters stimulieren, um den Mangel und das Ungleichgewicht auszugleichen. Das hat zur Folge, dass wir durch einen Neurotransmittermangel gesteuert und dominiert werden und unser gesamtes Sein sich daran anpasst.

Eine mögliche Ursache von Zucker- und Esssucht kann z. B. in einem chronischen Serotoninmangel begründet sein, da der Konsum von Zucker und Kohlenhydraten die Serotoninproduktion ankurbelt.

Unser Körper ist stets bemüht, die Homöostase, den zellulären Zustand der sogenannten „goldenen Mitte“ aufrecht zu erhalten bzw. diesen immer wieder schnellstmöglich herzustellen. Im Zustand der Homöostase laufen alle körperlichen, psychisch-emotionalen und kognitiven Funktionen effektiv und energiesparend ab, was für unser Reptiliengehirn bedeutet, dass das physische Überleben gesichert ist.

Werden wir durch Reize jeglicher Art aus dem Zustand der Homöostase gebracht entsteht Stress auf zellulärer und neuro-endokriner Ebene. Unser Körper reagiert auf Stress mit unterschiedlichen Versuchen der Adaption, um die Homöostase schnellstmöglich wieder herzustellen und damit unser Überleben bestmöglich zu sichern.

Bei einem chronischen Neurotransmitter-Mangel stellt sich unser gesamtes System so um, dass all unsere Handlungen darauf ausgerichtet sind, diesen Mangel zu beheben oder so gut wie möglich zu kompensieren. Der fehlende oder unzureichend zur Verfügung stehende Neurotransmitter dominiert dann sozusagen unser ganzes Sein und Tun.

Neurotransmitter-Dominanz ist demnach eine Mangelerscheinung, die all unsere Aktivitäten so steuert, dass wir hauptsächlich die Dinge tun, die eine verstärkte Bildung des fehlenden Neurotransmitters triggern.

Beispiele:

  • Serotonin hat die Aufgabe, uns zu entspannen und gute Gefühle zu erzeugen. Fehlt dieser Neurotransmitter entwickeln wir automatisch Vorlieben, die die Serotoninproduktion ankurbeln, wie Heißhunger auf Süßes und Kohlenhydrate oder der Genuss von Alkohol und beruhigenden Drogen.
  • Dopamin hat die Aufgabe, uns zu motivieren und unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Fehlt Dopamin haben wir das Bedürfnis nach intensiven sportlichen Aktivitäten, aufregenden, Adrenalin freisetzenden Tätigkeiten, wie Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen. Ein Mangel an Dopamin kann zu verschiedenen Süchten führen, wie Arbeitssucht (viele Workaholics sind Dopamin-Dominant), Sexsucht, Glücksspielsucht, Kokainsucht usw.
  • GABA hat die Aufgabe, uns zu beruhigen und Belohnungsgefühle auszulösen. Bei einem GABA-Mangel sind wir darauf ausgerichtet, solche Gefühle herbeizuführen. Wir wollen das Gefühl von Sicherheit und Entspannung und fürchten das Risiko.
  • Acetylcholin ist für eine schnelle Auffassungsgabe, hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen und Schnelligkeit beim Sport zuständig. Bei einem Mangel versuchen wir, die Acetylcholinproduktion anzukurbeln durch den Genuss von Kaffee, durch schnellkräftige Sportarten (Sprinten, Werfen, Boxen usw.), Autorennen, Computerspiele bei denen eine schnelle Reaktion gefragt ist usw.

Herrscht ein chronischer Neurotransmitter-Mangel prägt dies nicht nur unsere Stoffwechselvorgänge, sondern auch unseren Charakter und wir interessieren uns dann hauptsächlich für Tätigkeiten, Nahrungsmittel und Stimulanzien, die die Produktion dieses mangelnden Neurotransmitters anregen.

Dadurch dominiert dieser fehlende Neurotransmitter mehr oder weniger all unsere Handlungen und Aktivitäten, wir werden mehr oder weniger zum Sklaven des fehlenden Botenstoffs, ohne den unser gesamtes System zusammenbrechen würde, und um das zu verhindern richten wir unbewusst alles darauf aus, diesen Mangel zu kompensieren!

Körper- und Muskeltraining sollte dem persönlichen Neurotransmitter-Profil angepasst werden

Krafttraining zum Muskelaufbau und zur Kraftsteigerung hat die Aufgabe, unsere Muskelfasern durch das optimal Verhältnis von Intensität, Volumen und Frequenz so zu reizen, dass dadurch eine molekulare Kettenreaktion ausgelöst wird. Diese führt im Idealfall zu einer maximalen Steigerung der Muskelproteinsynthese (MPS), wodurch in den stimulierten Muskelfasern verstärkt Muskelprotein aufgebaut wird und der Muskel mit der Zeit immer kräftiger wird.

Damit das Training zu den gewünschten Ergebnissen führt (z. B. mehr Muskelmasse) müssen die Trainingsreize optimal auf unser persönliches Neurotransmitter-Profil, sprich auf die Verteilung und Balance der vier genannten Neurotransmitter, abgestimmt sein. Dabei bestimmt wiederum der mangelnde Neurotransmitter, welche Art von Trainingsreizen eher aufbauend (anabol) oder abbauend (katabol) wirkt.

Fehlen z. B. regenerationsfördernde Neurotransmitter wie GABA und Serotonin, können wir uns nur bedingt an intensive Trainingsreize anpassen, weshalb diese dann nicht optimal geeignet sind, zur Stimulation von maximalem Muskelwachstum. Für Personen mit Serotonin- oder GABA-Dominanz sollte das Training deshalb nicht zu intensiv und zu anstrengend sein.

Wer hingegen einen Mangel an Dopamin oder Acetylcholin hat, braucht genau diese intensiven Trainingsreize, da die Muskelfasern durch sanftere Reize nicht optimal stimuliert werden. Wie Du siehst, funktioniert nicht jede Trainingsform für jeden gleich gut, im Gegenteil: Was dem einen nutzt, kann dem anderen sogar massiv schaden!

Unterschiedliche Vorgehensweise beim Training für Personen mit Neurotransmitterdominanz

Der Neurologe Dr. Eric Braverman hat das nach ihm benannte „Braverman Assessment“ entwickelt, ein Test mit dem jeder leicht herausfinden kann ob eine Neurotransmitter-Dominanz vorliegt oder ob wir zu den ausgewogenen Mischtypen gehören. Das Braverman Assessment besteht aus einem zweiteiligen Fragebogen, der durch die Beantwortung verschiedener Fragen zu unserer Persönlichkeit und unserer körperlichen Verfassung die individuelle Neurotransmitter-Balance ziemlich exakt innerhalb von 15 – 20 Minuten aufdeckt.

Hier geht’s zum Fragebogen>>

Durch eine Interpretation des Fragebogens können wir dann, unserem persönlichen Neurotransmitter-Profil entsprechend handeln und in Bezug auf das Training die Intensität, das Volumen, die Frequenz usw. anhand unserer Regenerationsfähigkeit so anpassen, dass es sofort zu Fortschritten kommt.

Für mich persönlich war das Erkennen meiner eigenen Neurotransmitter-Dominanz ein wesentlicher Schlüsselfaktor für die Gestaltung und Wirkungsweise meines Training in Bezug auf Muskelaufbau, Regeneration, Fettverbrennung und dauerhafte Kraftsteigerung.

Je nachdem, welcher Neurotransmitter unsere Natur dominiert, kann ein und derselbe Trainingsreiz zum Erfolg oder zu Übertraining und Stagnation führen.

Neurotransmitterspezifische Trainingsreize

Der kanadische Strengthcoach Charles Poliquin hat im Bereich des Neurotransmitter optimierten Trainings einige sehr gute Erfahrungen zusammengetragen und empfiehlt folgende Trainingsparameter für die unterschiedlichen Neurotransmitter-Typen:

Dopamin-Dominanz: Optimales Profil für Kraftsportarten, wie Powerlifting, Kugelstoßen, Hammer- und Speerwerfen, Weitsprung, Sprint usw. Aufregung und Enthusiasmus, Willenskraft, Explodieren Wutanfälle, inspirieren andere, geborene Verkäufertypen, absolute Alpha-Typen, Herzinfarkt gefährdet.

Dopamin-Typen sollten im Training folgendes beachten:

  • hohe Intensität und zugleich hohes Volumen, aber keine Sätze mit hohen Wiederholungszahlen.
  • ideal ist schweres Krafttraining im Bereich von 80 – 90 % der Maximalkraft mit vielen Sätzen und niedrigen Wiederholungen pro Satz (z. B. 10 x 3 WH)
  • alles vermeiden, was eine hohe metabolische Erschöpfung verursacht, die Sätze sollten relativ kurz sein (TUT von 20 – 30 Sekunden pro Satz)
  • sehr hohe Arbeitskapazität und sehr belastbares Nervensystem
  • Können ohne Probleme 2-mal am Tag, sechs Tage pro Woche trainieren, solange die Übungen von Training zu Training wechseln (idealerweise wiederholt sich dieselbe Trainingseinheit alle 10 Tage)
  • sollten nicht mehr als 8 WH pro Satz machen
  • hohe Frequenz: 5 – 7-mal pro Woche
  • Variation ist der wichtigste Aspekt: Nach fünf Trainingseinheiten haben sie sich an das Programm gewöhnt, dann sollte ein Wechsel erfolgen in Form von Trainingsorganisation, Reihenfolge der Übungen, Trainingssplit usw. Die Übungen, Intensität und Anzahl der Sätze brauchen nicht so stark zu variieren
  • Training bis zum Muskelversagen
  • mehr FT als Acetylcholin-Typen
  • Deload: Alle 10 Wochen

Acetylcholine-Dominanz: „Pioniertypen“, sind gut darin, Pläne und Strategien zu entwerfen und diesen zu folgen, sie lieben es, sich selbst zu fordern und in jedem Satz bis zum Limit zu gehen. Haben die Tendenz es zu übertreiben und sich zu überfordern, deshalb ist es wichtig sie beim Training eher zu bremsen und gezielte Erholungs- und Regenerationsphasen einzulegen (jedes dritte Training zurückzufahren).

Hier gilt:

  • sie neigen von allen Typen am stärksten zu Suchtverhalten, sowohl in Form von Trainingssucht, als auch zu Stimulanzienabusus wie Alkohol- und Drogenmissbrauch usw.
  • neigen auch zu Sehnenreizung und Leberproblemen
  • kommen sehr leicht ins Übertraining bei exzessivem Volumen, ihr Nervensystem ist nicht so belastbar, wie bei Dopamin-Typen
  • können dieselbe Routine höchstens zwei Wochen aufrecht erhalten und rutschen dann ins Übertraining ab, deshalb sollten sie das Training spätestens nach 2 Wochen oder 4 gleichen Trainingseinheiten variieren
  • keine so hohe Trainingsfrequenz wie Dopamin-Typen, gleichzeitig würden Acetylcholin-Typen am liebsten jeden Tag trainieren
  • Trainingdsucht ist ein typisches Merkmal für Acetylcholin-Dominanz: Solche Typen würden gerne täglich trainieren und tendieren dazu, sich in jedem Training maximal zu verausgaben (dadurch kommt es jedoch von einem auf den anderen Tag zum neuronalen Crash, der sich nicht vorher ankündigt!)
  • „Stimulusaddiction“: Man hat immer das Gefühl immer noch ein wenig härter und ein wenig mehr trainieren zu müssen
  • ideal wäre ein Deload jede dritte Woche

Serotonin-Dominanz: Machen in der Regel nur Krafttraining, wenn sie damit ein Ziel erreichen wollen (z. B. einen muskulösen Körper), das Training selbst macht ihnen jedoch keinen Spaß (während Dopamin- und Acetylcholin-Typen intensives Training lieben). Sie sind sehr sensibel und vertragen keine intensiven Reize.

Hier gilt:

  • kein Training bis zum Muskelversagen
  • Intensität niedrig bis mittel: 50 – 70 %
  • machen lieber „Wohlfühlsportarten“, bei denen sich ein gutes Körpergefühl einstellt und das keine Anstrengung oder Erschöpfung erzeugt (z. B. Yoga, Pilates, Nordic Walking, Schwimmen, Gymnastik usw.)
  • erzielen die besten Ergebnisse mit 2 – 3 wöchentlichen Trainingseinheiten von kurzer Dauer und Sätzen pro Übung (ideal sind 1 – 2 Sätze pro Übung)

GABA-Dominanz: Vertragen auch keine intensiven Trainingsreize und nur geringes Volumen. Sie haben oft Angst vor Übertraining und sich zu überfordern. Normalerweise sind GABA-Typen introvertiert, skeptisch, tendieren zum Überanalysieren und Argumentieren, sind detailverliebt usw.

Hier gilt:

  • vertragen keine hohe Intensität kein schweres Krafttraining
  • Deload: Sollten ebenfalls jede dritte Woche das Pensum reduzieren, wobei sie in den beiden ersten Wochen weitaus weniger Volumen vertragen als Acetylcholin-Typen
  • wenn sie hauptsächlich mit Pump-Training und metabolischer Erschöpfung trainieren (leichte Gewichte, relativ hohe WH-Zahlen pro Satz und wenige Sätze) können sie 8 – 10 Wochen mit demselben Programm ohne Deload trainieren

Balancierte Mischtypen: Gut geerdete bodenständige Typen, betrachten das Training als Ausgleich zu ihrem Alltag und können mit den meisten „Standarttrainingsplänen“, wie 3 x 10 – 12 Wiederholungen die besten Ergebnisse erzielen. Sie sind prädestiniert zum Muskelaufbau und haben meistens schon von Natur aus einen guten Körper und gute Proportionen und verstehen nicht, wie man sich mit dem Thema Muskelaufbau so stressen kann bzw. sogar süchtig nach Training werden kann, wie z. B. Acetylcholin-Typen.

Hier gilt:

  • bevorzugen gleichbleibende Trainingsblocks ohne große Variationen innerhalb eines Makrozyklus
  • können sechs Wochen mit demselben Programm Erfolg haben, wobei es ideal ist, die ersten drei Wochen höheres Volumen und die folgenden drei Wochen höhere Intensität zu trainieren
  • haben nicht so viele schnellkräftige FT-Fasern und sollten deshalb auch nicht mit zu schweren Gewichten trainieren
  • haben ein größeres Hypertrophiepotenzial als durchschnittliche Personen
  • reagieren mit einer Erkältung auf Übertraining und sind sehr empfindlich, was die Qualität und Quantität ihres Schlafs anbelangt (→ sind angepisst und schlecht gelaunt, wenn sie zu wenig geschlafen haben)
  • haben von allen Typen das größte Problem, definiert zu werden, weil sie ein Problem haben ihren Kohlenhydratanteil in der Nahrung zu reduzieren
  • sind gute 400 – 800m-Läufer

Das sind einige wichtige Aspekte im Falle einer vorliegenden Dominanz bei den vier wichtigsten Neurotransmittern in Bezug auf das Krafttraining zum Muskelaufbau. Vielleicht dienen Dir diese Informationen als Denkanstöße und als Basis Dein Training in Zukunft anders zu gestalten als bisher.

Für mich persönlich ist dieses Thema ein wahrer Türöffner und ein Schlüssel zur effektiven Trainingsplanung, sowohl für mein eigenes Training als auch beim Coaching meiner Klienten.

Über Rückmeldungen, Erfahrungsberichte und Anregungen zu diesem Thema freue ich mich, dazu kannst Du die Kommentarfunktion unter dem Artikel nutzen!

Mein neues Buch ist da!

Natural Body Building

wissenschaftlich fundiert . praktisch erprobt

Die besten Trainingsprinzipien zur Stimulation von maximalem Muskelaufbau auf natürliche Weise ohne Anabolika & Co. Der Aufbau maximaler Muskelmasse auf natürliche Weise, ohne Steroide und ande­re synthetisch-pharmazeutische Drogen ist nicht kompliziert! Erfahre hier, worauf es ankommt!

Mehr Infos zum Buch hier>>

Jens Sprengel

Jens Sprengel

Jens ist Gründer und Betreiber von inspiriert-sein.de und schreibt zu den Themen Beweglichkeit & Körpertraining, Selbstheilungskräfte aktivieren & Gesundheitsoptimierung u.v.m.

Jens ist staatlich anerkannter Heilpraktiker, Cransio-Sacral-Therapeut, Personaltrainer, Verleger und Autor
Jens Sprengel

2 Kommentare zu “Neurotransmitter als Schlüsselfaktor für Dein Training

  1. Hallo Jens,

    Vor 3 Tagen bin ich auf deine Homepage gestossen und habe mit Begeisterung deinen Artikel zum Neurotransmitter-Training gelesen. Hatte bisher noch nie davon gehört, leuchtet grundsätzlich aber ein! Ich habe gleich den TCI-Fragebogen ausgefüllt. Unglücklicher Weise bin ich sowohl der Dopamin- als auch der GABA-Typ!!! Und auch wenn ich die drei Neurotransmitter-Typen von Christian Thibaudeau betrachte, sehe ich mich im Typ 1 UND Typ 3 und zwar jeweils ziemlich krass. Einige Punkte dieser beiden Typen treffen zu 100% auf mich zu, andere Punkte wiederum gar nicht – die passen dann wiederum zum gegenteiligen Typus. Das ist irgendwie verwirrend, denn Typ 1 soll intensiv und kurz trainieren, Typ 3 jedoch lieber weniger intensiv und viele Wiederholungen machen.

    Ich stehe jetzt ehrlich gesagt etwas auf dem Schlauch, wie ich diese Infos auf mich anwenden soll? Du hast dich mit der Thematik ja schon etwas länger auseinander gesetzt. Kannst du mir einen Tipp geben?

    • Hallo Mike,
      die meisten Menschen sind Mischtypen, bzw. ein Aspekt dominiert manchmal ganz minimal und andere Bereiche sind relativ ausgeglichen. Hier wäre es wichtig, zu schauen was einen am meisten anspricht, als wo man sich zu 51% sieht.

      Du könntest Dich z. B. fragen, ob Du lieber kurze und intensive Trainingseinheiten magst, mit dem Schwerpunkt möglichst schwer zu trainieren, bzw. Deine bisherigen Bestleistungen zu übertreffen (dann würde der Dopamin-Aspekt überwiegen) oder ob Du Dir beim Training lieber Zeit lässt, es in Ruhe und mit viel Gefühl angehst (dann würde GABA überwiegen).

      Du kannst das auch gezielt testen, indem Du Dein Training phasenweise eher nach den Kriterien für Dopamin-Typen ausrichtest und dann eine Weile für GABA oder Serotonin, dann beobachtest Du, wie Dein Körper (und Deine Motivation bzw. Begeisterungsfähigkeit für das Training) darauf reagiert. So kannst Du spielerisch mit Frequenz, Volumen und Intensität herum experimenteren und schauen, welche Resultate sich einstellen.

      Die Grundtendenz bzw. der grundlegende Charakter bleibt in der Regel gleich, kann aber von Neurotransmitter-Defiziten überlagert werden, die sich aufgrund von Konditionierungen, Prägungen, Gewohnheiten und Lebensumständen phasenweise einstellen können.

      Es gibt z. B. Menschen, die von Natur aus eher schüchtern, zurückhaltend und unsicher sind (Neurotyp 3), die aber lernen mussten, selbstsicher und teilweise dominant zu agieren und sich ein Verhalten antrainiert haben, das eher Typ 1 entspricht. So können z. B. im Beruf Eigenschaften benötigt werden, die einem zwar nicht von Natur aus entsprechen, die man sich jedoch aneignen musste, um seine Position ausüben zu können.

      Auch der Einsatz von leistungssteigernden Substanzen kann eine Veränderung bewirken, wie auch verschiedene Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung (z. B. NLP), traumatische oder einschneidende Ereignisse, eine Militärlaufbahn usw. können eine Überlagerung des eigentlichen Typ bewirken.

      Du kannst ja vielleicht mal berichten, zu welchen Erkenntnissen Du kommst. Ich finde es immer wieder spannend und interessant, welche Erfahrungen jemand durch eigene Experimente gewinnt.

      PS: Welche Version des Cloninger TCI hast Du denn verwendet, kannst Du mal einen Link schicken?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.