Die vier Seiten einer Nachricht: Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Die Vielschichtigkeit unserer Aussagen

Wir alle kommunizieren ständig, ob am Arbeitsplatz, mit Bekannten oder in der Familie. Immer wieder kommt es dabei zu herausfordernden Situationen und Problemen. Oft schaffen wir es nicht, dass unser Anliegen beim Gegenüber ver­ständlich ankommt. Und ebenso oft gelingt es uns nicht, unseren Gesprächspart­ner zu verstehen.

Ein wesentlicher Grund für diese Problematik ist die Vielschichtigkeit unserer Botschaften. Denn ein und die selbe Äußerung enthält gleichzeitig verschiedene Botschaften. Das macht den Vorgang der zwischenmenschlichen Kommunikation laut Friedemann Schulz von Thun, Professor der Psychologie, so kompliziert und störanfällig, aber auch so aufregend und spannend.

Die vier Seiten einer Nachricht

1) Sachinhalt
Jede Aussage informiert zunächst über eine bestimmte Sachangelegenheit. Über was informiere ich den anderen? Wenn ich auf der Couch sitze und meinem Part­ner zurufe: „Das Telefon klingelt!“, dann informiere ich über das Klingeln des Telefons.

2) Selbstoffenbarung
Gleichzeitig steckt in jeder Nachricht aber auch eine Information über den Sen­der/Sprecher. Wir können erkennen, welcher Sprache er mächtig ist, dass er wach ist und in unserem Beispiel mit dem Telefon vermutlich ableiten, dass ich gerade zu faul bin um selbst ans Telefon zu gehen und meine Aussage daher eine ver­deckte Forderung/Bitte enthält, dass der andere diese Aufgabe übernimmt. Mit jeder Aussage geben wir also auch immer etwas über uns selbst preis.

3) Beziehung
Mit jeder Nachricht drücken wir auch aus, wie wir zu dem Angesprochenen ste­hen und was wir von ihm halten. Dies zeigt sich oft in unserer Ausdrucksweise, im Tonfall oder in anderen nicht sprachlichen Attributen wie Mimik oder Gestik. Zu beachten gilt, dass der Empfänger auf diesen Teil der Botschaft ganz beson­ders sensibel reagiert, da es hierbei darum geht, wie er sich als Person von uns behandelt fühlt.

So kommt es nicht selten dazu, dass wir zwar dem Sachinhalt einer Botschaft zu­stimmen (ja das Telefon klingelt), jedoch über die Art und Weise, wie uns etwas mitgeteilt wird, empört sind und daher ablehnend reagieren.

Je nachdem wie ich rufe: „Das Telefon klingelt!“, fühlt sich mein Gegenüber be­vormundet, genötigt ans Telefon zu gehen oder ist empört darüber, dass ich es für nötig halte, ihm diesen Vorgang mitzuteilen. Andererseits könnte es aber auch sein, dass er einen wichtigen Anruf erwartet und daher dankbar ist, dass ich ihn auf das klingelnde Telefon hinweise.

4) Appell
Kaum etwas sagen wir nur einfach so. Fast immer wollen wir mit dem, was wir ausdrücken Einfluss auf den Empfänger der Botschaft nehmen. Im Beispiel mit dem Telefon wollen wir vermutlich den anderen dazu ermutigen ans Telefon zu gehen. Der Appell an den anderen kann dabei mehr oder weniger offen ausge­drückt werden.

Drücke ich mich besonders geschickt aus, bette meine Aussage in Komplimente und bin ich darauf bedacht, mich besonders nett darzustellen, um von dem ande­ren zu bekommen, was ich möchte, dann missbrauche ich Sach-, Selbstoffenba­rungs- und Beziehungsseite der Aussage als Mittel zum Zweck. Wir sprechen dann von Manipulation.

Halten wir also fest:
Ob wir wollen oder nicht, jede unserer Aussage enthält verschiedene Botschaften, die auf die hier vier dargestellten Seiten abzielen. Da wir in der Regel jedoch dazu erzogen wurden allein die Sachebene in Worte zu fassen, bleibt beim Emp­fänger viel Raum für Spekulationen. Und auch wir handeln als Empfänger von Botschaften nicht anders. Ohne uns dessen bewusst zu sein, entsteht dadurch, wie jemand zu uns spricht, ein Bild in uns, was derjenige von sich selbst und von uns hält.

Nicht selten reagieren wir dann nicht auf den Sachinhalt der Botschaft, sondern auf die verdeckten Bereiche. Das macht die gegenseitige Verständigung oft sehr kompliziert und undurchsichtig. Wirft mir mein Partner vor, dass ich zu wenig Zeit mit ihm verbringe, dann mag ich diesem Aspekt sehr wohl zustimmen. Komme ich mir dadurch jedoch gleichzeitig in meiner Freiheit und Selbstbestim­mung beschnitten vor, dann mag ich auf die darin enthaltene, aber verdeckte Bit­te, mehr Zeit mit ihm zu verbringen, dennoch ablehnend reagieren.

Um mehr Klarheit in unsere Kommunikation zu bekommen, können wir es uns daher zur Gewohnheit machen, die vier verschiedenen Seiten einer einzelnen Aussage zu hinterfragen und gegebenenfalls einzeln auszusprechen.

So könnten wir den Ruf: „Das Telefon klingelt!“ folgendermaßen umformu­lieren: „Das Telefon klingelt, erwartest Du nicht einen wichtigen Anruf? Ich kann/will grad nicht rangehen.“

Dadurch wird für unser Gegenüber klarer, was wir sagen wollen und es bleibt weniger Raum für Interpretationen und Spekulationen, wie die Aussage wohl ge­meint war. Missverständnisse werden so aus dem Weg geräumt und der Klarheit der Verständigung Vorschub geleistet.

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Marion Selzer

Marion Selzer

Marion beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema gesunder Lebensweise, insbesondere mit der Frage, wie sich die persönliche Ernährung optimieren lässt. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es sein kann, einen gesünderen Lebensstil zu praktizieren.

Mit ihren Artikeln möchte sie Mut machen, dass Veränderungen von Gewohnheiten möglich sind und sich lohnen.

Marion ist Dipl. Juristin, Mediatorin, Ernährungs- und Diätberaterin, psychologische Beraterin und Autorin
Marion Selzer