Buchbesprechung „Diabetes: Vorsicht, Insulinfalle!“

Warum Medikamente oft mehr schaden als nutzen – und wie Sie Ihren Blutzucker mit der Bio-Uhr natürlich senken von Dr. Pape, Angelika Ilies und Anna Cavelius

Diabetes ist keine Insulinmangelerkrankung, sondern beginnt schon Jahre bevor der Blutzuckerspiegel entgleist, so lautet die ganz klare Botschaft der Autoren von „Diabetes: Vorsicht, Insulinfalle!“.

Lange bevor herkömmliche Untersuchungen „Alarm schlagen“ und die Diagnose Zuckerkrankheit vom Typ 2 gestellt wird, leiden Betroffene nicht unter einem Insulinmangel, sondern an einer übermäßigen Insulinproduktion. Eine Behandlung mit Insulin ist dann grundverkehrt, so der Tenor des Buches.

Was bei Diabetes Typ 2 wirklich hilft und wie wir uns vor der Zuckererkrankung schützen können, das und viel mehr erfährt der interessierte Leser in diesem Buch.

Herkömmliche Ernährungsempfehlungen bei Diabetes nicht angebracht

Bereits in der Einleitung betonen Pape, Ilies und Cavelius, dass die Ernährungsleitlinien der Fachgesellschaften für Diabetes, die eine kohlenhydratreiche, dafür fett- und eiweißarme Ernährung propagieren, gerade bei Diabetikern verfehlt seien. Denn Diabetes, so die Autoren, sei in erster Linie eine Kohlenhydratverwertungsstörung, was bedeutet, dass der Körper von Betroffenen nicht gut mit Zucker aus Obst und Getreide klar kommt.

Die Autoren machen Mut, dass bei entsprechender Änderung der Ernährungsgewohnheiten in Anlehnung an die Schlank-im-Schlaf-Methode von Dr. med. Pape in Verbindung mit mehr Bewegung, sich der Zustand von Diabetikern deutlich verbessern kann bzw. das Entstehen einer Zuckerkrankheit sogar verhindert werden kann.

Geschichte, Zahlen und Fakten

Es folgt ein kleiner Überblick über die Geschichte der Zuckerkrankheit Diabetes, die vor 100 Jahren noch ein äußerst seltenes Phänomen darstellte. Inzwischen sollen weltweit mehr als 366 Millionen Menschen betroffen sein, allein in Deutschland ca. 8 Millionen. Über 90 % der Erkrankungen gehen auf den Diabetes Typ 2 zurück.

Weil der Entwicklung eines Diabetes eine lange Zeit ohne Beschwerden vorausgeht und der Blutzucker erst nach jahrelangen Entgleisungen des Insulinspiegels erhöht ist, ist die Dunkelziffer an Diabetikern bzw. Prädiabetikern vermutlich deutlich höher.

Erst seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts scheint sich die Zuckerkrankheit mit rasender Geschwindigkeit auszubreiten. Bis 2030 soll die Anzahl der Betroffenen auf mehr als 550 Millionen steigen! Eine Katastrophe für unsere Gesundheitssysteme (ein Diabetiker verursacht pro Jahr rund 4500 Euro Kosten, was bei 8 Millionen Betroffenen eine Summe von 36 Milliarden Euro darstellt!).

Die Ursachen von Diabetes

Es folgt eine Auflistung der Ursachen der Erkrankung. Schuld an der starken Verbreitung von Diabetes ist in den Augen der Autoren vor allem das Überangebot verarbeiteter und industriell gefertigter Nahrungsmittel, die zwar viel schlechtes Fett und Zucker enthalten, aber nicht lange satt machen. Ein weiterer Faktor ist die mangelnde Bewegung. Im Vergleich zu unseren Vorfahren bewegen wir uns heute deutlich weniger.

Dieser Kalorienüberschuss in Verbindung mit Bewegungsmangel führt dazu, dass unsere Zellen immer weniger gut auf das Hormon Insulin ansprechen (Insulinresistenz) und dadurch die Blutzuckerwerte nach dem Essen zu lange erhöht bleiben. Hohe Blutzuckerwerte schädigen jedoch unsere Blutgefäße und alle anderen Gewebe.

Da auch chronische Entzündungen die Signalwege von Insulin blockieren, zählen auch entzündliche Erkrankungen wie Parodontitis (= Zahnfleischentzündung) oder Arthritis (= Entzündung der Gelenke) zu den Risikofaktoren für Diabetes.

Gleiches gilt für dauerhaften Stress. Zum einen weil dadurch die Chromvorräte im Körper aufgebraucht werden, wodurch die Wirksamkeit des Insulins vermindert werden kann, und zum anderen setzt die ständige Freigabe von Stresshormonen Mechanismen in Gang, die letztendlich die Entstehung von Diabetes provozieren.

Was hat Insulin mit Diabetes zu tun?

Die Autoren erklären recht anschaulich, dass das von der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon Insulin als Türöffner fungiert. Es schließt sozusagen die Türen an den Muskelzellen auf, damit Aminosäuren, Fettsäuren und Glukose ins Zellinnere gelangen können. Wenn die Mahlzeiten viel Glukose und bestimmte Aminosäuren enthalten, wird besonders viel Insulin produziert, wodurch der Blutzuckerspiegel stark abfällt und Heißhunger entsteht.

Wenn nun ständig zu viel Insulin im Blut ist, bilden sich die Insulinrezeptoren zurück und die Zellen werden weniger sensitiv für Insulin. Es entwickelt sich eine Insulinresistenz, ein Vorläufer von Diabetes.

Warum entsteht eine Insulinresistenz?

Normalerweise werden Glukose und Fettsäuren in den Muskelzellen zu Energie verbrannt. Wenn wir nun aber ständig mehr Energie zu uns nehmen als wir verbrauchen, entsteht ein Energieüberschuss in den Zellen, der zu einer erheblichen Überoxidation führt, bei der sehr viele aggressive freie Sauerstoffradikale in den Zellkraftwerken unserer Muskelzellen, den Mitochondrien, entstehen.

Diese Radikale zerstören die Zellaußenhäute (Membranen) und das Erbgut (DNA) im Zellkern. Um den drohenden Zelltod (Apoptose) zu vermeiden, ergreift unser Organismus eine intelligente Gegenmaßnahme: Er zieht die Insulinrezeptoren von der Oberfläche der Zellmembran ab und verringert so die Menge an Glukose und Fettsäuren, die ins Zellinnere gelangen.

Merke: Der Grund für diesen ersten Schritt in die Insulinresistenz, wie ihn die Autoren im Buch bezeichnen, liegt in einem ständigen Nährstoff- und Insulinüberschuss gekoppelt mit einem Mangel an Bewegung. Diese Kombination führt sozusagen zu einer Überhitzung der Energiekraftwerke unserer Zellen und oxidativem Stress, wovor sich die Zelle durch Abbau von Insulinrezeptoren schützen möchte.

Wenn Muskel- und Leberzellen nicht mehr wie gewohnt auf das Hormon Insulin reagieren, bleiben die Blutzuckerwerte ständig erhöht. Die Glukose staut sich im Blut, was den zweiten Schritt in die Insulinresistenz darstellt. Weil dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte die umliegenden Zellen und Gewebe schädigen, reagiert die Bauchspeicheldrüse, solange sie noch funktionstüchtig ist, mit einer Extraportion Insulin.

Insulinresistenz macht dick

Alles, was Muskeln und Leber an Fettsäuren und Glukose nicht verbrennen oder einlagern können, wird nun in die Fettzellen geschleust und dort in Form von Triglyzeridtröpfchen eingelagert. Das viele Insulin im Blut regt die Fetteinlagerung und Neubildung von Fett an, wir werden immer fetter.

Darüber hinaus haben übervolle Fettzellen die Eigenschaft, Fettsäuren abzugeben, um sich zu leeren. Diese gelangen dann wieder in den Blutkreislauf und werden dann teilweise in die Muskeln geschleust, die neben Glukose auch Fettsäuren zur Energiegewinnung verwenden können. Wenn nun aber der Bewegungsmangel weiter anhält, führen die Fettsäuren zu einer Verfettung der Muskelzellen, die wiederum die Insulinsensitivität der Muskelzellen negativ beeinträchtigt.

Problem Fettleber

Weiter wird im Buch beschrieben, wie durch die einsetzende Insulinresistenz die Leber immer weiter verfettet, noch weit bevor es zum Ausbruch eines Diabetes kommt. Durch die Insulinresistenz bekommen die Muskeln Probleme damit, Glukose als Glykogen einzulagern, der Speicherform von Glukose.

Dieses Glykogen, das nur von Leber und Muskeln hergestellt werden kann, dient als Energiespeicher für kurze intensive körperliche Aktivitäten, im Schlaf oder beim Fasten. Erst, wenn die Glykogenspeicher leer sind, wird auf Fettsäuren zur Energiegewinnung zurückgegriffen. Wenn die Muskeln nun ihre Fähigkeit verlieren, Glykogen zu bilden, fehlt ein wichtiger Energiespeicher.

Die über die Ernährung zugeführten Kohlenhydrate werden dann verstärkt zu Fettsäuren umgewandelt. Weil die Leberzellen nie so insulinresistent werden wie die Muskelzellen, werden diese Fettsäuren vor allem auch in der Leber abgelagert. Schleichend, aber sicher entwickelt sich so eine Fettleber – mit all ihren negativen Folgen für unsere Gesundheit. Mehr dazu hier>>

Laborwerte lange unauffällig

Das Tückische beim Diabetes Typ 2 ist, dass die typischen Labor- und Messwerte lange, teilweise Jahre lang unauffällig bleiben können, inklusive der Blutzuckerwerte, obwohl die Insulinresistenz bereits im Vormarsch ist. Das liegt daran, dass die Bauchspeicheldrüse die abnehmende Bereitschaft der Zellen auf das Hormon Insulin zu reagieren, lange Zeit durch eine erhöhte Insulinproduktion sehr gut kompensieren kann.

Bei Menschen mit insulinresistenten Zellen und funktionsfähiger Bauchspeicheldrüse sind zehnfach erhöhte (!) Insulinwerte im Vergleich zu Menschen mit insulinsensitiven Zellen keine Seltenheit. Die damit einhergehende Hyperinsulinämie (zu viel Insulin) ist allerdings äußerst schädlich. Sie wird in Verbindung gebracht mit:

  • hohem Blutdruck
  • erhöhten Harnsäurewerten
  • erhöhten Triglyzeridwerten
  • erhöhten Cholesterinwerten
  • leicht erhöhten Leberwerten
  • leicht erhöhten Harnstoffwerten
  • Verwertungsstörungen im Eisenstoffwechsel
  • verminderten Ferritin-Werten (Speicher-Eisen)
  • verminderten Vitamin-D-Werten
  • Verklebung des Hämoglobins in den roten Blutkörperchen mit Anstieg des sogenannten
  • HbA1C (Glykohämoglobin – eine Form des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den Glukose gebunden ist)
  • hohes Nüchterninsulin (HOMA Index)

Wir werden nimmer satt …

Parallel zur Insulinresistenz entwickelt sich eine Leptinresistenz. Leptin ist ein Hormon, das von unseren Fettzellen ausgesondert wird und unserem Gehirn signalisiert, dass ausreichend Energie aufgenommen wurde. Es steuert damit unseren Hunger-Satt-Mechanismus. Wenn unser Gehirn das Leptinsignal nicht mehr richtig wahrnehmen kann, schüttet es keine Sättigungsbotenstoffe mehr aus. Wir fühlen uns dann fast durchgehend hungrig und könnten immer zu essen.

… und dabei auch noch faul

Wenn die Muskelzellen immer schlechter auf Insulin reagieren, beginnt sich der Zucker außerhalb der Zelle im Blut zu stauen. Im Zellinneren hingegen herrscht dann ein Glukosemangel und es kann nicht mehr genug Energie hergestellt werden. Das hat zur Folge, dass der Gehalt an Laktat und Ammoniak in der Zelle steigen, wodurch die Muskelleistung gehemmt wird. Weil gleichzeitig zu wenig Sauerstoff in die Zelle gelangt, entsteht oxidativer Stress, der die Zellen schädigt.

Im Laufe der Zeit verlieren die Mitochondrien immer mehr ihrer Arbeitsleistung, es kann immer weniger ATP hergestellt werden und die Betroffenen fühlen sich müde und schlapp.

Metabolisches Syndrom als Vorstufe für Diabetes

Weiter wird beschrieben, dass Hyperinsulinämie und Insulinresistenz zum sogenannten metabolischen Syndrom, einer unmittelbaren Vorstufe zum Diabetes, führen. Dazu zählen Bluthochdruck, erhöhte Harnsäurewerte mit Gichtrisiko, Leberverfettung sowie erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte, was häufig einhergeht mit einer Gewichtszunahme, insbesondere am Bauch.

Wenn alle vier Symptome vorliegen, von dem jedes an sich schon das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöht, ist eine Zuckererkrankung sehr wahrscheinlich. Gleichzeitig setzen die überlasteten Leberzellen und anderes Fettgewebe unter solchen Bedingungen verstärkt Fettsäuren frei, wodurch der Gehalt an Entzündungsbotenstoffen stark erhöht wird, was die Stoffwechsel-Entgleisung weiter anheizt.

Es wird ausführlich beschrieben, wie ein metabolisches Syndrom diagnostiziert wird und welche Folgen es für unsere Gesundheit hat.

Diabetes ist keine Insulin-Mangel-Krankheit

Noch immer wird eine Diabetes-Typ-2-Erkrankung dann diagnostiziert, wenn eine Insulinresistenz vorliegt. Ganz vergessen wird dabei, dass sich eine Insulinresistenz schleichend über Jahre bis Jahrzehnte entwickelt und ihr lange Zeit eine Hyperinsulinämie voraus geht, die solange andauert, wie die Betazellen der Bauchspeicheldrüse noch intakt sind.

Dieses Missverständnis geht auf die beiden Forscher Frederick Banting und John James Richard MacLeod zurück, die 1923 für „die Entdeckung des Insulins“ den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielten. Seither gilt die Devise: Ist der Blutzuckerspiegel zu hoch, fehlt Insulin, das als Medikament verabreicht werden kann.

Dabei entwickelt sich die Insulinresistenz schleichend und die hohen Blutzuckerspiegel sind viele Jahre lang auf einen relativen Mangel an Insulin zurückzuführen und nicht auf einen absoluten. So lange die Betazellen der Bauchspeicheldrüse noch intakt sind, versuchen sie, die einsetzende Insulinresistenz der Zellen durch eine Überproduktion von Insulin auszugleichen.

Erst, wenn das nicht mehr ausreicht oder die Betazellen schlapp machen, kommt es zu abnorm hohen Blutzuckerspiegeln. Die dann aber, solange der Körper noch Insulin produziert, durch eine Ernährung, die nur eine möglichst geringe Insulinausschüttung zur Folge hat, reguliert werden könnte.

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass die abnormen Insulinwerte und Blutzuckerwerte durch eine Umstellung der Ernährung bzw. Fastenkuren bei den meisten Menschen wieder normalisiert werden können.

Das zeigte bereits der Arzt Elliot Procter Joslin, der als einer der ersten Diabetes erforschte, und zeigte, dass eine strenge Blutzuckerkontrolle durch gezielte Ernährungs- und Bewegungsmaßnahmen, Diabetiker vor Folgeschäden der Erkrankungen bewahrt (ausführlich dazu in seinem Buch „The Treatment of Diabetes Mellitus“).

Zitat aus dem Buch: „Die Behandlung einer Insulinresistenz mit Insulin gleicht einer Feuerwehr, die den Brand mit Benzin löschen will.“ Und weiter: „Solange die Patienten nicht um die eigentlichen Probleme bei Diabetes und Prädiabetes wissen, solange beraubt man sie ihrer Eigenkompetenz.“

Interessant zu wissen: Es gibt verschiedene Diabetes-Formen

Neben dem Diabetes-Typ 1 und 2 gibt es auch andere weniger bekannte Diabetes Formen, wie

  • den Doppel-Diabtes, bei dem Typ-1-Diabetiker durch eine ungesunde Lebensweise auch Typ 2 entwickeln
  • den Lada-Diabetes, einen latenten Erwachsenen-Autoimmundiabetes, auch Typ-1,5-Diabetes genannt, der vermutlich aus Umwelteinflüssen oder Viruserkrankungen entsteht
  • den Mody-Diabetes (sogenannter Typ-3-Diabetes ), der bei heranreifenden jungen Menschen durch Gendefekt entsteht
  • sowie den Schwangerschaftsdiabetes, der zur Geburt von übermäßig dicken Babys führen kann.

Symptome, Langzeitfolgen und Test zur Diabetesfrüherkennung

Viele Betroffene leiden noch bevor sich die Zuckerkrankheit entwickelt unter Symptomen wie trockener Haut, Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Energielosigkeit, unerklärliche Gewichtsabnahme, verstärktes Durstgefühl und Harndrang, Reizbarkeit, anhaltendes Hungergefühl usw.

Da eine Messung der Blutzuckerwerte nur eine Momentaufnahme wiedergibt, die wenig Aussagekraft hat, setzen die Autoren mehr auf die Ermittlung des HbA1c-Werts, der auch als „Blutzuckergedächtnis“ bezeichnet wird und Aufschluss darüber gibt, wie sich der Blutzuckerspiegel in den letzten 6 – 12 Wochen verhalten hat. Aber auch dieser Wert hat seine Tücken, ergänzend dazu wird der orale Glukosetoleranztest (OGTT) empfohlen.

Weil die hohen Insulin- und Blutzuckerwerte Probleme im gesamten Körper verursachen, kann es im Laufe einer Diabetes-Erkrankung zu schweren Folgeerkrankungen kommen wie Hyperinsulinämie, Insulinresistenz, Gewichtszunahme, Adipositas, Bluthochdruck, mikro- und makrovaskuläre Gefäßerkrankungen mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Verschluss von Beingefäßen, Nervenschäden, Nierenversagen und Erblindung (Retinopathie). Die meisten davon ließen sich jedoch durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, insbesondere einer Umstellung der Ernährung, vermeiden, so die Autoren.

Diabetes heilen: Medikamente sind nicht die Lösung

Wie bereits angesprochen, verfolgen die Autoren einen Heilansatz bei Diabetes ohne Medikamente. Sie setzen hingegen auf eine Änderung der Lebensgewohnheiten. Dabei dreht sich das Konzept im Wesentlichen um vier Aspekte:

  1. eine insulinsensitive Ernährungsweise mit drei Mahlzeiten pro Tag orientiert an der Schlank-im-Schlaf-Insulintrennkost
  2. viel Alltagsaktivität und Sport, der Spaß macht und rasch Erfolge bringt
  3. bewusstes Stressmanagement (denn Stress macht auch dick)
  4. gesunde Schlafgewohnheiten

Für die Ernährung bedeutet das: Kohlenhydrate am Morgen sind okay, am Mittag werden sie reduziert und am Abend wird auf eine kohlenhydratarme, dafür eiweißreiche Mahlzeit gesetzt. Diese Ernährungsweise nach dem Schlank-im-Schlaf-Prinzip soll die natürlichen Hormonkreisläufe berücksichtigen. Durch diese relativ kohlenhydratreduzierte, dafür eiweißbetonte und fettbewusste Ernährung sollen die Insulinspiegel gesenkt, starke Blutzuckerschwankungen vermieden und die Fettverbrennung eingeleitet werden.

Das Ziel der Diät ist es, die Insulinverwertung des Körpers langfristig zu steigern, den Blutzucker zu senken (auch durch mehr Bewegung) und durch eine nachhaltige Gewichtsabnahme den Bedarf an Insulin zu reduzieren.

Rezepte (mit Fotos) für Frühstück, Mittag- und Abendessen, Tipps um die Motivation aufzubringen, seine Gewohnheiten zu verändern, Empfehlungen für die richtige Art von Bewegung inklusive der Vorstellung von Übungen für ein Trainingsprogramm zur Stärkung der Muskulatur des gesamten Körpers sowie Hinweise für Entspannung und guten Schlaf runden das Konzept der Autoren gekonnt ab.

Unser Fazit: Sehr lesenswert, schöner Ansatz, aber nicht perfekt

Das Buch gibt einen sehr guten Überblick über die Hintergründe der Zuckerkrankheit. Wie entsteht Diabetes? Warum entgleist der Blutzuckerspiegel erst nach jahrelanger Entgleisung des Insulinspiegels? Was macht eine Hyerinsulinämie so gefährlich? Und wieso ist die Gabe von Insulin nicht die Lösung? Und wieso ist das eigene Verhalten, insbesondere die Ernährung und die Bewegung, so wichtig? All dies wird so erklärt, dass der Laie diese Zusammenhänge verstehen und auch anwenden kann.

Sehr schön finde ich, dass erwähnt wird, dass nicht nur Kohlenhydrate, sondern auch bestimmte Aminosäuren die Insulinwerte in die Höhe treiben. Besonders kritisch sind dabei Kombinationen aus schnell ins Blut flutenden Kohlenhydraten mit schnell ins Blut flutenden Aminosäuren zu bewerten, was bereits 1967 durch Untersuchungen gezeigt werden konnte. Während also eine Mahlzeit aus Kohlenhydraten und Eiweiß zu einer starken Überreaktion von Insulin führt, bewirkt eine Mischung aus Kohlenhydraten und Fett die geringste Insulinreaktion.

Etwas schade empfinde ich daher die Ernährungsempfehlungen an sich. Viele Rezepte im Buch enthalten Süßungsmittel wie Ahornsirup, Apfeldicksaft, Gelierzucker, Weißmehlprodukte oder tierische Produkte als Basis, und damit genau die Nahrungsmittel, die für ihre hohe Insulinausschüttung bekannt sind. Ich würde hier eher verstärkt auf Gemüse setzen und statt Süßungsmittel die Süße von reifem Obst bevorzugen.

Zudem wird bei der Schlank-im-Schlaf-Insulintrennkost empfohlen, den Kohlenhydratanteil im Laufe der Mahlzeiten zu reduzieren und am Abend komplett darauf zu verzichten, was allerdings genau dem widerspricht, was wir für empfehlenswert halten (tagsüber Nahrungspausen und Reduktion von KH und am Abend erst die KH, weil sie den Parasympathikus anregen).

Trotzdem spreche ich eine ganz klare Leseempfehlung aus, weil die Erläuterungen zu den Hintergründen von Diabetes in einfacher Sprache und damit für den Laien verständlich erklärt werden. Wer die Zusammenhänge der Erkrankung erkennt, der erkennt auch, dass die Umstellung der Lebensgewohnheiten, insbesondere der Ernährung, wesentlich dazu beitragen kann, Diabetes zumindest im Frühstadium zu heilen bzw. zu vermeiden, daran zu erkranken. Daher ganz klare Leseempfehlung!

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Marion Selzer

Marion Selzer

Marion beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema gesunder Lebensweise, insbesondere mit der Frage, wie sich die persönliche Ernährung optimieren lässt. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es sein kann, einen gesünderen Lebensstil zu praktizieren.

Mit ihren Artikeln möchte sie Mut machen, dass Veränderungen von Gewohnheiten möglich sind und sich lohnen.

Marion ist Dipl. Juristin, Mediatorin, Ernährungs- und Diätberaterin, psychologische Beraterin und Autorin
Marion Selzer

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